Feminismus: Die Party, die nie zu Ende geht

Von MAX ROLAND | Feministen kämpften einst  gegen echte Diskriminierung auf der Arbeit, für das Frauenwahlrecht oder allgemeine rechtliche Gleichstellung von Frauen gegenüber Männern. Aber wie eine Party, die vom Gastgeber immer weiterlaufen gelassen wird, obwohl schon seit 1 Uhr die Luft raus ist, hat auch der Feminismus im Westen seine besten Stunden schon überlebt und existiert wie ein Zombie einfach weiter. Nur gibt es kaum noch was, worum sich der Feminismus kümmern könnte: Die Gleichstellung von Frauen ist im Westen schon längst erreicht, mittlerweile schwingt das Pendel sogar um, und Frauen haben geschlechtsbedingte Vorteile. Der westliche Feminismus hat mittlerweile nur noch einen Zweck, und zwar den der Selbsterhaltung.

Spielen wir ein Spiel. Wenn ich „Feminismus“ sage: Welche Person, welches Anliegen ist das Erste, welches dir in den Kopf kommt? Ist es eine vernünftige Person? Ist es ein wichtiges Anliegen?

Die Gesellschaft, in der wir leben, ist die beste, die es jemals für Frauen gab: Sie sind Gleichgestellt (sogar mehr als das), feministische Anliegen dominieren die gesellschaftliche Debatte nach Belieben, ihre Probleme stehen auf der Tagesordnung der Politik ganz weit oben. Es gibt Frauenbeauftragte, sogar eine Ministerin, die sich um Frauen kümmert. Man könnte sagen: Knapp 100 Jahre nach Erkämpfung des Frauenwahlrechts hat der Feminismus seine Ziele mehr als erreicht – oder?

Eine Party sollte man beenden, wenn es am schönsten ist. Bleiben wir bei diesem Bild, dann ist auch der Feminismus eine Party – aber eine, auf der schon seit Stunden nichts mehr passiert, die Getränke leer, die Playlist schon X-mal durchgelaufen ist, ohne, dass der Gastgeber die Idee hätte, sie zu beenden. So ist es auch mit dem Feminismus: Wer in unserer Gesellschaft feministischer Aktivist ist, der wird schnell merken, dass die Gleichstellung eigentlich schon erreicht ist. Aber trotzdem existiert der Feminismus einfach weiter. Notfalls erschafft man sich eben die Probleme, die man lösen will, selbst.  Nicht, dass es nicht noch Probleme gäbe, den man sich widmen könnte (z.B. die islamische Frauenunterdrückung) – aber der Feminismus hat schon seine neuen Aufgaben gefunden. So kümmert man sich nun z.B. um ungewollte Komplimente, oder die Art, in der Männer sitzen: „Manspreading“ ist ein Kampfbegriff der feministischen Bewegung. Es geht darum, dass Männer an öffentlichen Orten, z.B. im öffentlichen Nahverkehr, zu breitbeinig sitzen würden. Nun wird jeder, der sich den Biologieunterricht der sechsten Klasse wieder ins Gedächnis rufen kann, vielleicht darauf kommen, dass diese Sitzposition mit bestimmten, spezifisch männlichen anatomischen Gegebenheiten zu tun hat: Aber bilogie ist für den modernen Feminismus ja auch Teil des Problems (sexistisch, transphob). Noch ein schöner Begriff ist „Mansplaining“: Erklärt ein Mann einer Frau etwas, weil sie falsch liegt, ist das grundliegend sexistisch. Das ist kein Witz, sondern mittlerweile der Markenkern der feministischen Bewegung im Westen:  Gekämpft wird nun nicht mehr für Frauen, sondern gegen Männer. Der Feminismus der heutigen Zeit hat die Männlichkeit per sé zum Problem erklärt. Männer und Männlichkeit seien die Wurzel allen Übels, erzählen uns die Advokaten einer Bewegung, die einst für Gleichberechtigung stand, nun aber das krasse Gegenteil vertritt.

Feministen erklären immer, ihr Anliegen sei die Gleichberechtigung. Damit hätten sie auch recht: Wenn wir 1950 hätten. Feministen haben in der Vergangenheit viel geleistet, für die rechtliche Gleichstellung von Frauen, für die gesellschaftliche Liberalisierung: Das muss man anerkennen. Aber das hat mit dem heutigen Feminismus nichts mehr zu tun. Denn spätestens seit den  90ern kann man davon sprechen, dass Frauen de facto den Männern gleichgestellt sind. Heutzutage gibt es keine gesamtgesellschaftliche Diskriminierung von Frauen mehr, und das, was uns als diese verkauft wird, sind irrelevante, dumme Sprüche oder ein falscher Blick: Nichts, womit eine starke Frau nicht fertig werden würde. Natürlich gibt es auch heute noch Anliegen von Frauen, für die es sich lohnen würde, einzustehen: Aber das tut der Feminismus nicht mehr. Denn der heutige Feminismus hat sich über die Jahre zu dem gewandelt, was man „intersektionellen Feminismus“ nennt. Wie die Eindeutschung des englischen Wortes „intersectional feminism“ schon nahelegt: Der Intersektionelle Feminismus kommt ursprünglich aus den USA. Der Begriff „Intersektionalität“ beschreibt den Umstand, dass sich mehrere Arten von Diskriminierung bei einer Person wiederfinden lassen können. Nach der Intersektionalitätstheorie kann also eine schwarze Frau gleich mehrfach diskriminiert werden, sowohl rassistisch als auch sexistisch. Im Klartext bedeutet das, dass man Unterdrückung ansammeln kann, wenn man nur genug angeblich diskriminierten Gruppen angehört. „Opression Olympics“ nennen das die englischsprachigen Gegner des Intersektionalismus. Feminismus und Intersektionalismus verschmolzen – und so kämpfen Feministen heutzutage nicht nur für Frauen (das wäre ja viel zu einfach, wo schon alles erreicht ist), sondern auch gesondert und explizit für lesbische Frauen, „Transfrauen“, farbige Frauen: Wer eine schwarze, behinderte, transsexuelle, lesbische Frau ist, der hat im Feminismus des 21. Jahrhunderts gewonnen und darf sich an die Spitze der Unterdrückungspyramide stellen. Bei all diesen unterschiedlichen Arten von Frauen, für die man kämpfen muss, zerlegen sich die Feministen schonmal selbst: So mussten sich die Organisatoren des „Women’s March“ in Washington anhören, sie wären nicht feministisch genug, weil ihr Feminismus „zu weiß“ wäre. Tatsächlich geht der moderne Feminismus momentan dazu über, auch weiße Frauen (!) zum Problem zu erklären, die aufgrund ihrer Hautfarbe ja Privilegien hätten, nicht für die schwarzen  Frauen kämpfen würde, es auch gar nicht könnten, weil ihre „Whiteness“ verhindern würde, dass sie sich in die Probleme dieser hineinversetzen könnten. Intersektionalismus bei der Arbeit: Alles wird in noch so kleine, irrelevante Gruppen nach Geschlecht, Sexualität, Hautfarbe etc. aufgespalten, im ewigen Kampf darum, der Gruppe anzugehören, die die meisten Unterdrückungspunkte sammeln kann.

Vielleicht fragt sich der eine oder andere jetzt: Wo steht der Mann? Denn Feministen beteuern immer, sich auch um Männer zu kümmern. Doch die große Mehrheit der Männer wird nie einen Feministen sehen, der sich um ihre Probleme kümmert. Im Feminismus haben nur Männer einen Platz, die der Männlichkeitsnorm nicht entsprechen. Für sie sollen eben jene Normen aufgebrochen werden. Wenn du, lieber männlicher Leser, also lieber Prosecco statt Bier trinkst, lieber „Tatsächlich Liebe“ statt „Iron Man“ guckst, und lieber zur Pediküre statt in die Kneipe gehst: Dann kann ich dich beruhigen, im Feminismus ist ein Platz für dich. Für die große Mehrheit der Männer wird der Feminismus aber nie Problemlösungen anbieten: Denn sie sind ja der Feind.

Dabei ist dieser „Feind“ längst geschlagen: Man könnte zynisch sagen, dass der Feminismus gewonnen hat. Denn alle traditionellen Ungleichheiten zwischen Frauen und Männern sind gerade dabei, sich zu verschieben, sogar umzukehren. Ja, wenn Feministen unsere Gesellschaft als „Patriarchalisch“ bezeichnen, dann sind wir auf dem Weg von Patriarchat zum Matriarchat, denn die Frauen übernehmen, könnte man sagen. Bereits jetzt gehen in vielen westlichen Ländern mehr Frauen als Männer auf die Universität: 2017 war dies z.B, Großbritannien und Deutschland der Fall, wo Frauen bei den Studienanfängern überrepräsentiert waren. Ist das ein Problem? Nein, finde ich erstmal nicht. Denn Qualifikation zählt, nicht Geschlecht. Allerdings: Wenn wir mal die feministische Argumentationskette anwenden,  hat das Schulsystem ein Sexismusproblem. Abgesehen von Lehrerinnen, die offen die Jungen ihrer Klasse diskriminieren, offen ablehnen (so wie z.B. ich das in der Grundschule erlebt habe), ohne Konsequenzen zu spüren: Es gibt einen grundsätzlichen Missstand. Denn unser Schulsystem setzt auf Auswendiglernen, auf ruhige Schüler, die den Tag über nur sitzen, still sind, und abschreiben. Ordnung und Fleiß sind Kern des Schulsystems: Klar, denn sie sind auch Kern des Lebens. Allerdings ist es wissenschaftlich erwiesen, dass diese Schwerpunktsetzungen Mädchen zugutekommen, und Jungs eben nicht. Jungen sind gerade im Kindesalter lauter, aktiver: Das passt nicht ins Schulsystem. Psychologe Michael Thompson hat festgestellt: Das Verhalten von Mädchen ist der Goldstandard in der Schule – und Jungen werden wie „kaputte Mädchen“ behandelt. Als die Alt-68er an die Schulen kamen, kam der Feminismus mit ihnen. Und daraus folgte eine zunehmend jungenfeindliche Entwicklung. Wettbewerbe? Wettkampf? Das war das, wogegen die 68er einstanden. Es ist jedoch genau das, was Jungen Spaß macht: Kämpfen, gegeneinander Antreten.  Das schlägt sich in den Ergebnissen nieder: Im Vergleich mit Mädchen haben jungen schlechtere Noten, gewinnen weniger Preise, erreichen schlechtere Abschlüsse.  Das Schulsystem ist auf die Qualitäten von Mädchen ausgelegt: Eine Ungerechtigkeit, über die nie auch nur ein Feminist sprechen wird. Aber auch die offene Diskriminierung von Männern ist, im Namen des „Kampfes gegen Ungleichheit“, schon fast zum Normalfall geworden: Eine Studie des Max-Planck-Institutes zeigte auf, dass Männer an Universitäten schon fast systematischer Benachteiligung ausgesetzt sind. So müssen sie auf eine Berufung auf einen Lehrstuhl fast zwei Jahre länger warten als Frauen, und Frauen, die auf eine Professur berufen werden, haben im Schnitt weniger veröffentlicht als männliche Mitbewerber – also ist der durchschnittliche männliche Bewerber auf eine Professur ist nicht nur qualifizierter als der durchschnittliche weibliche Bewerber, und trotzdem muss er zusehen, wie schlechter qualifizierte Frauen ihm vorgezogen werden.

Das alles hat nichts mehr mit „Gleichberechtigung“ zu tun: Für immer mehr Feministen oder selbsternannte „Kämpfer für Gleichberechtigung“ ist nicht die Gleichberechtigung, nichtmal die Gleichheit das Ziel. Ich las einen Kommentar von Dr. Katrin Rehak von der „Robert-Bosch-Stiftung“  und war fast Sprachlos, wie offen hier ein sexistisches Narrativ zur Schau gestellt wird: Während Rehak sich darüber freute, dass Frauen die Mehrheit der Absolventen stellen, so war es für sie nicht ok, dass die Mehrheit der Professoren Männer sind: Sie forderte Quoten, damit die Hälfte der Professuren von Frauen besetzt wird. Es geht um den Vorteil der Frauen, nicht um Gleichberechtigung oder Gleichheit. Der Feminismus an sich kämpft nicht mehr für gleiche Rechte – er kämpft für mehr Rechte. Er will keine Gleichheit, er will Vorteile. Der Feminismus hat sich so im Intersektionalismus verrannt, dass er zu einer Überlegenheitsbewegung ähnlich der „White Supremacists“ in den USA geworden: Menschen werden, basierend auf Hautfarbe, Geschlecht, Sexualität und weiterer Kategorien in Gut und Böse eingeteilt. Der weiße, heterosexuelle Mann ist der Buh-Ma..Mensch, während die schwarze, lesbische, transsexuelle Muslima (In der Logik der Identitätspolitik ist das kein Widerspruch) die Nahrungskette anführt. Die westlichen Gesellschaften hatten solche Denkweisen schon hinter sich gelassen, hätte man gedacht: Nach Frauenwahlrecht, Ende von „Jim Crow“, Abschaffung der Kriminalisierung von Homosexualität und dem Abbau von sexistischen Verhaltensweisen ging ich davon aus, dass wir endlich da sind, wo jeder liberal denkende Mensch stehen will: In einer meritokratischen Gesellschaft, in der nichts zählt außer dem Individuum und seinen Leistungen, seinem Verhalten. Aber das alles lehnt der Feminismus ab: Alles muss über Quoten geregelt werden, und  je mehr Minderheit du bist, desto höher werden deine Ansprüche auf Geschenke der Gesellschaft, wie gute Jobs, Stipendien etc. – Heutzutage ist man mehr Wert, wenn man ein Opfer ist, egal von was.

Ironischerweise sind die intersektionellen heute dem Schreckgespenst des klassischen Rassisten oder Sexisten gar nicht so unähnlich, denn auch sie machen sich der Diskriminierung gegenüber den Gruppen schuldig, die sie eigentlich meinen, zu vertreten. Wenn man z.B. für Frauenquoten kämpft, so sagt man damit mehr oder weniger auch: Ich bin der Meinung, dass es Frauen nie schaffen werden, von selbst in Führungspositionen zu gelangen – und deshalb muss der Staat den armen Frauen ja helfen. Spezifische Förderungen von den „geschützten Gruppen“ der Intersektionalität sagt für mich im Grunde eins aus: Sie sind doch eigentlich nicht fähig, alleine klarzukommen. Von ihnen können wir  nicht verlangen, alleine erfolgreich zu sein. Das nenne ich den Rassismus bzw. den Sexismus „der niedrigen Erwartungen“.

Knapp 100 Jahre nach dem Frauenwahlrecht ist vom Feminismus als Bürgerrechtsbewegung nicht mehr viel übrig: Er ist viel mehr zu einer regressiven, kulturmarxistischen Ideologie verkommen, die die Menschen in gestrige Kategorien einteilt und gegeneinander ausspielt.

2 Antworten

  1. moneypenny sagt:

    Die Party findet nicht nur kein Ende, sie artet sogar in gefährlichen Exzessen aus. Während Mädchen ungestraft zwangsverheiratet und Frauen wieder vermehrt vergewaltigt und bedroht werden, ohne dass dies zu irgendeiner nennenswerten Reaktion der Feninistinnen führt, werden Männer wegen „sexistischer Bemerkungen“ aus ihren Ämtern gejagt und ihr Ruf vernichtet.

  2. FunparkBernd sagt:

    Gute Feststellungen. Wer für Gleichberechtigung ist, kann kein Feminist sein. Feminismus=kulturmarxistische Gleichheitsideologie

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