Zwischenruf zum EuGh-Urteil: Angst statt Fortschritt

Von MAX ROLAND | Darf man die Entscheidung eines obersten Gerichtes kritisieren? Selbstverständlich. Man muss es sogar. Denn auch Gerichte sind nicht Fehlerfrei. Umso wichtiger, Fehler zu benennen. Und der Europäische Gerichtshof hat einen sehr, sehr großen Fehler gemacht.

Denn vergangenen Mittwoch hat das oberste Gericht der EU, der Europäische Gerichtshof EuGh, in einer lang umkämpften Frage ein Urteil gefällt. Worum geht es? Ein kleiner Ausflug in die Materie.

Es geht um Gentechnik. Genauer gesagt, die Zukunft der Gentechnik: Neue Verfahren wie „Crispr-Cas“. Da ich kein studierter Biologe, sondern ein Oberstufenschüler bin, dessen Bio-Note weit besser ist, als sie eigentlich sein sollte, hier ganz einfach erklärt: Es geht um neue Methoden der Monekularbiologie, mit denen Erbgut präziser verändert werden kann als jemals zuvor. Crispr-Cas ist auf alle Zellen anwendbar und kann so auch in der Lebensmittelindustrie eingesetzt werden. Eine kleine Revolution der Gentechnik, die mittelfristig ein echter Meilenstein in so vielen Feldern sein könnte, von der Medizin bis zur Ernährung.  Und jetzt kommt der EuGh ins Spiel. Öko-Gruppen und Bauernverbände aus Frankreich hatten geklagt: Die neue Gentechnik sollte genauso behandelt werden wie die alte. Und der EuGh hat ihnen Recht gegeben. Damit gilt: Die neue Methode ist rechtlich mit der alten Gleichgestellt. Egal, dass die Risiken deutlich geringer sind: Gentechnik ist Gentechnik, denken sich die Richter in Luxemburg. Die neue Methode wird nach einer jahrzehntealten Richtlinien für gentechnisch veränderte Organismen (GVO)  behandelt: Und das, obwohl sich mit der Crispr-Methode behandelte Pflanzen so gut wie gar nicht von „Originalen“ unterscheiden. Und anders als bei herkömmlicher Gentechnik werden so nur Änderungen erzielt, die in der Natur auch so entstehen können. Bedeutende Unterschiede: Nur nicht für den Gerichtshof. Und damit blockiert ein Gericht den Fortschritt, der langfristig die größten Probleme der Welt lösen könnte. Sind selbst die Richter der jahrelangen Gentechnik-Hysterie aufgesessen? Wer an Gentechnik denkt, denkt meist an das durch sogenannte Umweltorganisationen geprägte Bild: Böse, multinationale Konzerne, die damit afrikanische Bauern knechten. Die Realität sieht aber allerdings anders aus, völlig anders. Denn mit der neuen Methode könnte man z.B. die Hitzetoleranz von Pflanzen erhöhen: Und das wäre eine gute Nachricht, gerade für Länder in Afrika, und alle anderen Länder, die unter der momentanen Erwärmung der Erde leiden. Aber in engstirniger Öko-Panik behindert ein Gericht solchen Fortschritt: Regulierungswahn verhindert, dass weltweit Leben gerettet werden könnten.