Wende im Osten: Die Imperien kriegen Risse

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Von Max Zimmer | Russland und China – Diese beiden Supermächte haben vieles gemeinsam: eine kommunistische Vergangenheit, eine autoritäre Führung, Feindschaft mit dem Westen, eine militarisierte Gesellschaft und einen funktionierenden Propaganda Apparat inklusive williger Helfer im In- und Ausland.
So ist es auch kein Wunder, dass das Machtfundament der politischen Führung sowohl in Moskau – in Gestalt von Wladimir Putin – als auch in Peking – in Gestalt von Xi Jinping – über Jahre als stabil galt, und im Land selbst nur von wenigen Mutigen hinterfragt wurde.
Die letzten Monate jedoch waren hart für die östlichen Diktaturen, nicht nur in Russland und China, sondern auch im Iran und Saudi-Arabien.

Der Iran leidet sichtlich unter den amerikanischen Sanktionen, die Konfrontation mit den USA und Israel hat sich für Teheran zum eigenen Nachteil erwiesen. Auch der Unmut innerhalb der Bevölkerung, der sich im Laufe der letzten 2 Jahre auch immer wieder in aufflammenden Protesten gezeigt hat, will nicht wirklich verschwinden. Zu groß scheint der Wunsch vor allem der jungen Iraner, aber auch der gebildeten Schichten, sich aus den Ketten des islamischen Regimes zu befreien.
Saudi-Arabien hat ebenso mit politischen Drahtseil-Akten zu kämpfen.
Der Mord an Kashoggi hat die Beziehungen zum eigentlich verbündeten Westen erschüttert.

Nun schwappt die Krise auch nach Russland und China über.
In Hongkong, der chinesischen Sonderverwaltungszone, keimt seit Monaten ein anhaltender Protest, der in den letzten Wochen immer grundsätzlicher und provokanter statt fand.
Millionen Menschen in der autonomen Stadt gehen gegen den wachsenden Einfluss Pekings und damit der kommunistischen Partei auf die Straße. Die modernste Diktatur der Welt, die Volksrepublik China, hat mit dem ersten großen Volksaufstand des 21. Jahrhunderts zu kämpfen.
Seit den Studentenprotesten auf dem Platz des himmlischen Friedens 1989 hat es keinen so großen Aufstand in China gegeben.
Entsprechend panisch sind die Reaktionen in Peking:
Martialische Militär Videos drohen den Hongkongern mit Gewalt, sollten sie der Führung zu gefährlich werden. Eingreiftrupps schlagen Demonstranten blutig, und die Polizei umkreist friedliche Demonstranten.

Ähnliche Bilder sehen wir immer öfter aus Moskau und anderen russischen Städten: Zehntausende Menschen demonstrierten Anfang August in Moskau gegen das Wahlkomitee des Kremls, das keine oppositionellen Politiker zulässt.
In ganz Russland kam es in den letzten Wochen vermehrt zu Demonstrationen, und auch hier wird die Kritik am System immer grundsätzlicher.
Putins Machtapparat wird von vielen Russen mittlerweile kritisch hinterfragt, und die Rufe nach einer echten Demokratie werden lauter.

Das verhärtet den Eindruck, das im Osten aktuell eine Art Wende statt findet, oder zumindest eine Chance dazu besteht.
Sicherlich werden Putin und Xi nicht morgen abdanken, aber es ist ein wichtiges Signal an die Welt, dass weite Teile der Bevölkerung Russlands und Chinas mit ihrer Führung nicht zufrieden sind, und dass das von Propaganda-Medien inszenierte Bild des “alternativen Systems“ zur angeblichen amerikanischen Hegemonie eben nur eine Attrappe ist. Russland und China könnten vor einem politischen Umbruch stehen, vielleicht ähnlich weitreichend wie 1989. Wir haben gesehen, dass “das Ende der Geschichte“ noch nicht geschrieben ist.
Das nächste Kapitel wartet.

1 Antwort

  1. Kein Jebsen 🇩🇪🇮🇱 sagt:

    Gegen das eigene Volk können Sputnik und RT schlecht hetzen!
    Nur berichten tun sie nicht, warum wohl.

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