Warum Preiskontrollen Mangel schaffen

Von Marvin Wank | Nachdem sich zumindest die SPD-Spitze an ihr Godesberger Programm erinnert hat und Wohnungsenteignungen in Berlin ablehnte, wird jetzt mit einem anderen klassich-sozialistischen Werkzeug geliebäugelt: Der Preiskontrolle, hier genannt „Mietendeckel“.

Mit einer solchen Preiskontrolle versucht man, ökonomische Gesetze außer Kraft zu setzen. Wie wichtig freie Preisbildung für den Umgang mit knappen Ressourcen ist, habe ich hier schon einmal beschrieben. Es gibt grob zwei Arten von Preiskontrollen: Die Ober- und die Untergrenze. Bei einer Obergrenze wie dem Mietendeckel wird ein Maximalpreis für eine Ware oder eine Dienstleistung festgelegt. Das Ziel ist es, Güter für die Nachfrager bezahlbar zu machen. Bei der Untergrenze wird ein Mindestpreis für eine Ware oder Dienstleistung festgelegt, wie etwa beim Mindestlohn. Ziel ist es, Anbieter von Gütern möglichst gut zu entlohnen. Beide Varianten haben eine verheerende Auswirkung auf die Volkswirtschaft.

Stellen wir uns Frau Grummel-Schmalz vor. Sie hat einen kleinen Laden, in welchem sie selbstgebackene vegane, glutenfreie, fairtrade Bio-Volkornbrötchen für 3€ pro Stück verkauft. Das missfällt allerdings der Statdtverwaltung, da ihr 3€ für ein einzelnes Brötchen zu viel ist. Sie liegt also eine Biobrötchenobergrenze von 2€ pro Stück fest. Nun kostet Frau Grummel-Schmalz so ein Brötchen aber 2,50€ in der Herstellung – der Ökostrom für den Backofen aus unbehandelten Naturstein zahlt sich auch nicht von alleine. Das sie natürlich kein Verlustgeschäft machen will, muss sie ihren Laden aufgeben. Schlecht für Frau Grummel-Schmalz, denn ihr Job hat ihr viel Spaß gemacht. Schlecht für ihre Kunden, denn sie können keine Biobrötchen mehr essen. Die Preiskontrolle hat einen volkswirtschaftlichen Schaden angerichtet.

Das tückische an Preiskontrollen ist, dass sie kurzfristig sogar zu funktionieren scheinen. Ein Mietendeckel ist für alle Berliner, die schon eine Wohnung haben, erstmal toll. Problematisch wird er vor allem für jene, die noch keine Wohnung haben. Denn wenn es sich wegen Preisobergrenzen nicht lohnt, neuen Wohnraum zu schaffen, dann führt das zu Mangel. Dann noch eine Wohnung zu finden verkommt zur Glückssache.

Nun könnte man jetzt einwerfen, dass der Mietendeckel für Neubauten nicht gelten soll. Aber das führt zu noch absurderen Situationen: Wenn ein Unternehmer eine heruntergekommene Bruchbude mit 80% Leerstand für 100.000€ saniert, dann darf er keine höhere Miete verlangen; es lohnt sich für ihn also nicht. Wenn er jedoch für 1.000.000€ eine komplett neue Wohneinheit baut, dann darf er die Miete weiterhin frei festlegen. Weil ein Neubau aber nunmal viel teurer ist, müsste der Unternehmer die Miete auch deutlich höher als üblich ansetzen. Weil das wieder kaum Einer bezahlen kann oder möchte, wird er nicht neu bauen. Und wenn doch, dann hat er im Vergleich zur Sanierung eine ernome Menge knapper Ressourcen verschwendet.

Ganz ähnlich verhält es sich mit Untergrenzen: Der Stadtverwaltung ist aufgefallen, dass Frau Grummel-Schmalz nicht besonders viel Gewinn mit ihrem Biobrötchenladen erwirtschaftet. Ihr hingegen reicht das völlig aus; von dieser auf materielle Dinge fokussierten Konsumgesellschaft hält sie ohnehin nichts. Doch das ist der Stadtverwaltung freilich egal und sie setzt eine Preisuntergrenze für 4€ für Biovollkornbrötchen fest. Das ist dann selbst hartgesottensten Hipstern zu viel und Frau Grummel-Schmalz bleiben die Kunden aus. Sie muss ihr Geschäft aufgeben.

So ist es auch mit dem Mindestlohn. Dieser liegt momentan bei 9,19€ in der Stunde. Für den Arbeitgeber sind das 12,20€, denn die Lohnnebenkosten (Arbeitgeberanteil Sozialversicherung, Unfalkasse…) sind in Deutschland im Schnitt so hoch wie 1/3 des Brutto(!)-Lohns. Wenn der Mitarbeiter aber keine 12,20€ in der Stunde für die Firma erwirtschaftet, dann kann der Arbeitgeber ihm keinen Job geben, weil er sonst ein Verlustgeschäft machen würde. Besser für den Arbeitgeber, den Arbeitnehmer und auch für alle Anderen wäre es, wenn dieser Mann für 8€ die Stunde angestellt werde könnte – aber das wäre illegal.

Natürlich bleiben auch Sozialisten die Auswirkungen von ihren Preiskontrollen nicht verborgen. Doch werden diese allzu gern als Marktversagen abgestempelt und eine erneute Regulierung wird gefordert. Diese verursachtet nach einiger Zeit noch heftigere Probleme und wird mit einer noch schärferen und noch katastrophaleren Regulierung beantwortet. Mises nannte das Interventionsspirale. Und in Berlin dreht sie sich gerade auf Hochtouren.

1 Antwort

  1. 23. Juni 2019

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