„Änderungsantrag 38“: Das EU-Parlament ist für Atomkraft

Von Max Roland | Die Frage nach der Kernkraft ist sowas wie die Gretchenfrage der Klimabewegung. Jeder, der ernsthaft an den Klimawandel glaubt, würde Atomkraftwerke doch eigentlich als die Lösung feiern wollen: Atomkraft ist Emissionsfrei – und trotz all den apokalyptischen Szenarien, die durch die grünen Kernkraftgegner verbreitet werden, ist sie sicher. In einem deutschen Kernkraftwerk wird es nicht zu einer durch ein Erdbeben und/oder einen Tsunami ausgelösten Kernschmelze kommen – listen to the science, wie man bei FfF sagt. 

Das scheint auch EU-Parlament begriffen zu haben. Die MEPs haben mit Blick auf die kommende Klimakonferenz der Vereinten Nationen in Madrid einen Entschließungsantrag angenommen. Dieser enthielt ursprünglich auch eine klare Absage an die Atomkraft – Ziffer 56. Diese besagte, „dass Kernkraft weder sicher noch ökologisch oder wirtschaftlich nachhaltig ist“. Das EU-Parlament  „schlägt deshalb vor, dass für den Ausstieg aus der Kernkraft in der EU eine Strategie für einen fairen Übergang konzipiert wird, die den in dieser Branche Beschäftigten neue Arbeitsplätze bietet und Pläne für einen sicheren Rückbau von Atomkraftwerken und für eine sichere Aufarbeitung und langfristige Entsorgung von Atommüll umfasst“. Soll heißen: Gefordert wird ein europaweiter Atomausstieg. Die Ziffer wurde jedoch aus dem Parlament heraus kurzerhand komplett umgedreht: Mehrere Abgeordnete, u.a. aus den liberalen und christdemokratischen Fraktionen, brachten „Änderungsantrag 38“ ein, der aus Ziffer 56 das komplette Gegenteil machte. Nun ist sie eine Klausel, die erklärt, dass Kernkraft „zur Verwirklichung der Klimaschutzziele beitragen kann, da bei ihrer Erzeugung keine Treibhausgase emittiert werden und dabei auch ein erheblicher Teil der Stromerzeugung in der EU sichergestellt werden kann“.

Wir erinnern uns: Im Europawahlkampf plakatierte die SPD „Europa ist die Antwort“ – ob europäische Antworten auch gelten, wenn sie den eigenen Vorhaben (wie dem Atomausstieg) widersprechen? Hier könnten all unsere Super-Europäer, von denen wir ja so viele haben, doch mal Worten Taten folgen lassen – und den Beschluss des EU-Parlamentes in deutsches Handeln übersetzen. Irgendein Gefühl sagt mir jedoch, dass genau das nicht passieren wird. Denn „Europa“ wird nur als Argument und vorgebliches Ideal herangezogen, wenn dieses Europa den deutschen Ideen folgt. Man kann berechtigterweise die Frage stellen, wie viele unserer „echten Europäer“ wirklich echte Europäer sind. 

10 Antworten

  1. Awards sagt:

    Das Problem kann und wird nicht gelöst werden.

  2. Thomasitask sagt:

    Danke dass ihr den Menschen helfen, die benötigten Info zu erhalten. Tolle Arbeit wie üblich.Machen ihr weiter so!!!Zum Glück habe ich eure Seite entdeckt.Da gibt es viele nützliche Informationen!
    aufsatze

  3. Fritz Brause sagt:

    Bitte Originalquelle angeben

  4. Peter Groepper sagt:

    Vielen Dank für diesen Fund und seine Verbreitung. Können Sie bitte noch einen Link zur Quelle angeben, weil ich den Änderungsantrag gerne im Original nachlesen möchte. Wenn ich die Nachricht weiterleite, werde ich immer sofort nach den Quellen gefragt. Vielen Dank

  5. Flow sagt:

    Gibt es da ne Quelle zu? Leider nichts verlinkt…

  6. wolf-herz sagt:

    Ja, wie solldn denn die Klimaschutzziele ohne Kernenergie erreicht werden? Sprich: Wie viele Windmühlen werden benötigt, um ein KKW zu ersetzten – rechnen wir mal, z.B.: 500 MW/KKW : 1 MW/Windkraftwerk = 500 (!!!!!!!!!)
    nach Adam Riese und Eva Zwerg!

  1. 29. November 2019

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  2. 4. Dezember 2019

    […] Der größte Hammer ist, dass auch achgut.com diesen Artikel von einem Schülerblog übernommen hat. Apollo-news.net: Hier klicken […]