Von einer Diskussion

Von MAX ROLAND | Ich habe einen allgemein eher linken Freundeskreis. Meine besten Freunde sind entweder Grün oder Links orientiert. Und ich bin liberal. Da kommt man schonmal in eine Diskussion.

Es war Samstagabend und ich und zwei Freunde saßen in einer Bar. Nach ein paar Drinks kam natürlich irgendwie ein politisches Thema auf. Wir sprachen dann auch über Grundsätze, über Staat und Nicht-Staat, über Freiheit und Unfreiheit, über Marktfreiheit und Marktlenkung. Der Liberale, aus der Schule schon bekannt für die große Klappe im Politik-Leistungskurs, gegen den Che Guevera-Shirt-tragenden Linken. Gegensätze knallen aufeinander. Er spricht darüber, wie wichtig ihm Gleichheit ist, und wie man die Reichen besteuern muss, um diese Gleichheit zu erreichen. Wie unfair es ist, dass die Bardame weniger verdient als der CEO, der in einem Büro in einem Hochhaus sitzt. Ich versuche, das Prinzip von Angebot und Nachfrage auf den Arbeitsmarkt bezogen zu erläutern, stoße aber auf taube Ohren (Ob es an ihm oder an meiner eventuell durch ein paar Gläser beeinträchtigten Erklärung gab, vermag ich nicht zu sagen).

Ich lehne mich zurück und beginne mit einem neuen Ansatz. „Bist du nicht für Freiheit?“ frage ich. Die Antwort lautet Doch. „Bist du gegen Fremdbestimmung?“ frage ich. Die Antwort lautet Ja. „Bist du nicht auch der Ansicht, dass die größte Bedrohung für deine Freiheit der Staat ist?“ frage ich. Die Antwort: „Ja, aber auch Unternehmen“. „Wie denn Unternehmen?“ Frage ich. „ Am freien Markt kannst du jederzeit den Anbieter wechseln. Den Staat kannst du nicht wechseln“. Darauf kommt keine vernünftige Antwort.

Ich will die Debatte gar nicht im Detail erläutern, aber ich will das teilen, was ich aus dieser Debatte gezogen habe. Viele Jugendliche sind links. Nicht, weil sie Marx gelesen haben und seinen Thesen zustimmen, sondern aufgrund eines diffusen Gefühls der Ungerechtigkeit. „Das ist ungerecht“ ist die Reaktion auf den Umstand, dass ein Unternehmenschef mehr verdient als eine Krankenschwester. Die Antwort: Gleichheit. Gleichheit ist doch auch etwas gutes, oder? Weil das ist ja fair. Wenn alle das Gleiche haben, wird ja keiner benachteiligt. Alle bekommen das gleiche Stück eines Kuchens. So macht man es doch auch auf einer Feier, damit es fair verteilt ist. Das ist im Grunde die banale Begründung für die Linksorientierung der Jugendlichen. Die Gleichung Gleichheit=Fairness ist die zwar logisch falsche, aber einfache und schöne Aussage, die die politische Orientierung rechtfertigt.

1 Antwort

  1. Rolph Martin sagt:

    Auch mir geht / ging die „Ungerechtigkeit“ gegen den Strich. Grundsätzlich stimme ich Ihnen aber in vielen Punkten zu. Der freie Markt ist immer noch besser als jede Regelung durch den Staat. Was mir jedoch immer wieder sauer aufstösst, ist die Tatsache, dass es eben jener Markt ist, der es dem „Nichts“-produzierenden Gewerbe (Juristen, Verwalter, „Geisteswissenschaftler“ wie Software-Entwickler etc. pp.) ermöglicht, das drei-, vierfache eines Stundenlohnes gegenüber einem Handwerker zu erzielen. Zieht man dem Software-Entwickler den Stecker, bleibt genau: Null. Diese Ungerechtigkeit hat ihre Ursache in der Haltung der Bevölkerung: Handwerk ist nichts wert. Diese Meinung wird erschwerend auch von den MSM verbreitet und mit jeder Sendung „Pfusch am Bau“ verdichtet.
    Ich wünsche mir für die Zukunft (was sich allenthalben ja schon abzeichnet), dass die „Nichts“-Produzierenden den gleichen Lohn für einen Handwerker bezahlen müssen, wie sie für ihre eigene Arbeit berechnen. Die Chancen dafür stehen nicht schlecht, da die Masse an die Uni strömt und „irgendwas mit Gender“ studiert…

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