Oliver Bierhoff: „Der Umgang mit Özil war ein Fehler“

Von ERIK SNIPER | Endlich äußert sich ein Vertreter der deutschen Fußballnationalmannschaft mit klaren Worten zum Fall Özil: Oliver Bierhoff, Manager der „Mannschaft“ sprach in einem Interview mit der WELT darüber, ob die Nominierung Mesut Özils zu Nationalspieler eine gute Entscheidung war. Zum Hintergrund: Die hoch angesehenen Fußballspieler Ilkay Gündogan und Mesut Özil, beide Deutsche mit türkischen Wurzeln, ließen sich mit dem türkischen Fast-Diktator Erdogan ablichten und schenkten ihm Trikots ihrer Mannschaften. Gündogan nannte ihn gar „meinen Präsidenten“. Jeder mit einem halben Gehirn erkennt natürlich, dass diese Gestalten absolut ungeeignet sind, für die deutsche Nationalmannschaft aufzulaufen. Trotzdem wurden beide als Nationalspieler nominiert. Nun äußert Bierhoff Zweifel, ob diese Entscheidung die richtige war. „Wir haben Spieler bei der deutschen Nationalmannschaft bislang noch nie zu etwas gezwungen, sondern immer versucht, sie für eine Sache zu überzeugen. Das ist uns bei Mesut nicht gelungen. Und insofern hätte man überlegen müssen, ob man sportlich auf ihn verzichtet“, sagte Bierhoff im Interview. Weiter sagte er: “ Wir wollen offene und ehrliche Ansagen“. Özil durfte im Trainingslager dem obligatorischen Medientag fernbleiben. Der Fußballweltmeister Deutschland schied in der WM-Vorrunde aus. Bierhoff schränkte allerdings ein, dass „Mesut das, was von ihm erwartet wurde, aus bestimmten und offensichtlichen Gründen so hätte nicht sagen können. Ilkay Gündogan hat gesprochen und hat sich auch sehr geöffnet“. Anders als Gündogan sah Özil es für nicht nötig an, irgendeine Stellungnahme oder gar eine Entschuldigung zum Geschehenen zu veröffentlichen. Weiter sagte Bierhoff: „Trotzdem ist er ebenso und weiterhin hart kritisiert worden.“ Die Profis sollen aber weiter ihre eigene Meinung sagen dürfen: „Wir wollen offene und ehrliche Ansagen, keine angepassten und weichgespülten.“ Bierhoff wurde selbst als Nationalspieler 1996 Europameister. Das solche klaren Worte natürlich viel zu spät kommen, sollte jedem klar sein. Unter welchem Druck Bierhoff stand, solche Aussagen nicht zu tätigen, weiß niemand. Man kann sich jedoch denken, dass im DFB-Establishment niemand erfreut über dieses Statement sein wird, auf dass die deutsche Sportwelt so gewartet hat.