Landtagswahl in Brandenburg: Jetzt sprechen die Wutbürger



Von Jan Schneider |In Sachsen und Brandenburg stehen am Sonntag richtungsweisende Landtagswahlen an. In beiden Bundesländern kann die AfD stärkste Kraft werden, während Deutschlands größte sich liberal nennende Partei um den Einzug in beide Landtäge kämpft. Alles wichtige zu den Wahlen hier in unserer Vorschau.

Teil 2: Brandenburg 

In Brandenburg sieht es ähnlich aus wie in Sachsen, nur mit anderen Parteien. Auch hier ist der amtierende Ministerpräsident populär, die AfD stark, die Volksparteien schwächeln, die Grünen legen zu, die FDP wankt und die Freien Wähler hoffen. Dennoch lohnt es sich auch hier, etwas genauer hinzusehen.

Dietmar Woidke heißt der Hoffnungsträger der SPD. Seit der Wende ist Brandenburg eine Hochburg der Sozialdemokraten. In dieseem Jahr droht der Machtverlust. Weil Ministerpäsident Woidke allerdings durchaus beliebt ist, stagniert die SPD bei 20% und übertrifft somit, ähnlich wie die CDU in Sachsen, den Bundesschnitt deutlich. Dennoch muss man sagen: die 20-22% wären immer noch mit Abstand das schwächste SPD-Ergebnis in Brandenburg aller Zeiten. Ob es einen Grund zum Jubeln für die Sozialdemokraten gibt, hängt auch von der AfD ab.

Diese hat sich den Spitzenplatz vorgenommen, was hinsichtlich aktueller Umftagewerte auch durchaus möglich scheint, und das trotz des eher unbeliebten Spitzenkandidaten Andreas Kalbitz mit rechtsextremer Vergangenheit. Die jüngsten Umfragen sehen die Blauen knapp hinter der SPD, manche auch auf Augenhöhe. Platz 1 wäre historisch: dann würde die AfD erstmals eine Landtagswahl gewinnen. Aufgrund der Stärke der SPD wird es jedoch wohl nicht zu einem AfD-Ministerpräsidenten kommen, schon gar nicht wenn der Kalbitz heißen soll.

Dennoch jagt die AfD der Union einige Stimmen ab. Anders als in Sachsen regiert hier die CDU nicht. In der ungewohnten Oppositionsrolle fällt es den Christdemokraten schwer, ihre Botschaften gegen die rot-rote Regierung nach außen zu tragen. Kommt man nicht aus Brandenburg, hört man wenig von der dortigen CDU. Umfragen bestätigen dies. 16,5% in Umfragen – ein Horrorergebnis. Konservative in Brandenburg zieht es eher zu AfD und Freien Wählern. Die CDU muss aufpassen, will sie im Nachbarbundesland Berlins nicht in der politischen Versenkung verschwinden.

Das droht auch langsam aber sicher den Linken. 14% sind für ein ostdeutsches Bundesland alles andere als gut, zusammen mit der SPD büßt die Landesregierung deutlich ein, für Rot-Rot wird es nicht reichen. Auch hier kann man befürchten, dass das Wahlergebnis die Umfragen unterbieten wird, da viele Linke lieber die SPD wählen, um einen AfD-Wahlsieg zu verhindern. Und auch die Grünen jagen der ehemaligen Volkspartei im Osten Stimmen ab. Studenten präferieren grün, die Arbeiter AfD und die Moderaten werden aus taktischen Gründen SPD wählen. Den Linken droht ein Desaster.

Auf einer Erfolgswelle schwimmen gerade die Grünen. Im Heimatland Annalena Baerbocks könnten sie den Linken den Rang ablaufen und zu Königsmachern für Woidkes SPD werden. Brandeburg galt bislang als das schwächste Bundesland der Grünen, doch das hat sich geändert. Vor allem im ,,Speckmantel“ in und um Berlin und Potsdam ist sie stark, dort wohnen viele Studenten und Beamte, welche besonders oft Grün wählen. Anscheinend können sie sich den totalen Klimaschutz leisten.

Schlimmer als in Sachsen sieht es in Brandeburg für die FDP aus. Zwar sagen die Umfragen der großen Meinungsinstitute, dass die Liberalen es über den Strich schaffen, jedoch runden diese auf ganze Zahlen. 5% können genauso gut 4,8% heißen. Im Civey-Livetrend sieht man die Zahlen auf die erste Nachkommerstelle gerundet, und dort hält die Partei seit längeren 4,9%. Im öffentlichen Diskurs findet die FDP fast gat nicht statt, sie kann nicht die richtigen Themen für den Wahlkampf setzen. Christian Lindners vermeitlich schlauer Schachzug, mit Linda Teuteberg eine ostdeutsche Frau, und dann noch eine Brandenburgerin, als Generalsekretärin einzusetzen, scheint sich nicht auszuzahlen. Schafft es die FDP nicht in den Potsdamer Landtag, ist das eine Ohrfeige für Lindner. Der FDP könnten eine Zerreißprobe und Flügelkämpfe zwischen klassisch-Liberalen und den Sozialliberalen bevorstehen. Es bleibt spannend.

Bisher im Landtag vertreten waren die Brandenbruger Vereingte Bürgerbewegungen/Freien Wähler – allerdings nur weil einer ihrer Kandidaten ein Direktmandat errang. In Brandenburg fällt in einem solchen Fall die 5%-Hürde für die entsprechende Partei weg. Auch dieses mal hoffen die Freien Wähler vor allem über diesen Weg in den Landtag einzuziehen.

Ich denke die Wahl in Brandenburg wird wie folgt ausgehen: (Tippen Sie gerne in den Kommentaren mit)

Die SPD wird damit an der Macht bleiben. Für Rot-Rot wird es nicht reichen. Am wahrscheinlichsten ist es, dass die Grünen mit ins Boot kommen. Gott Gnade den Brandenburgern!

Hier geht’s zum 1. Teil über die Wahl in Sachsen

1 Antwort

  1. moneypenny sagt:

    Sozialistischer Einheitsblock – Pfui Spinne! Ich träume derweil von den Bahamas… 🇧🇸