Jens oder nicht Jens, das ist nicht die Frage

Von MAX ROLAND | „Ob Beatrix von Storch oder Roland Tichy. Die rechten Hetzer drehen frei. Es ist zum Kotzen.“ twittert Katrin Göring-Eckard als Antwort auf Roland Tichys Tweet zu einem Artikel auf seiner Website „Tichys Einblick“, der sich mit dem beschäftigt, was der Anschlag in Münster über uns als Gesellschaft sagt (sehr lesenswert!).

Das bringt mich aber auf einen Punkt. Bei jedem Anschlag oder nicht-Anschlag lesen wir, dass wir jetzt bloß verhindern müssten, dass „die Rechten“ diesen jetzt instrumentalisieren. Linke werfen den Leuten von der anderen Seite des Spektrums gerne vor, sie würden sich ja klammheimlich über jeden islamisch motivierten Anschlag freuen, weil er Wasser auf ihren Mühlen wäre. Aber vielleicht sollten diese Leute erstmal vor ihrer eigenen Haustür kehren.

Ich war nämlich doch sehr überrascht zu sehen, wie Linkstwitter geradezu triumphierend die Nachricht verbreitete, der Täter wäre ein „Jens S.“ und ein Deutscher, auch, wenn sich die Angaben da teils massiv widersprachen. Da hatte man es den Hetzern aber mal gezeigt, dachte sich wohl die Islam-ist-Frieden-und-Vielfalt-Fraktion. Es war kein Muslim (der ja dann auch kein echter Muslim gewesen wäre), es war eine Kartoffel! Erleichterung im linken Lager. Mit stolzer Brust wurde diese Nachricht verbreitet. 1:0 gegen die Hetzer! Das diese Nachricht genau so ein Gerücht war wie jede andere Täterbeschreibung zu diesem Zeitpunkt? Egal.

Mittlerweile scheint es sicher zu sein, dass die Tat keinen islamistischen Hintergrund hat, sondern es sich wohl um einen Einzeltäter ohne ideologische Motivation handelt. Aber meiner Meinung nach zeigt dieser Tag, wie politisiert Deutschland ist, und wie die Erfahrungen mit islamisch motivierten Anschlägen das Land polarisiert haben. Auf beiden Seiten haben wir Leute, die nach einem Anschlag nur hoffen, dass dieser wenigstens ihr Weltbild bestätigt. Längst geht es nicht mehr um die ehrliche Suche nach Antworten, sondern um die Stärkung des eigenen Narratives. Vielleicht sollte nicht triumphierend getwittert werden, ob der Täter Jens oder nicht Jens ist, sondern vielleicht sollte man sich mal kritisch hinterfragen, wenn der erste Reflex ist, aus einem solchen Unglück politisches Kapital schlagen zu wollen. Wenn deine Reaktion auf einen Anschlag ist, die Reaktion der Gegenseite anzugreifen und irgendwas über „rechte Hetzer“ zu schreiben, dann bist du nicht viel besser als die, die du vorgibst, zu kritisieren.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.