Helikoptergeld: Die Atombombe der Geldmarktpolitik

Von MARVIN WANK | Bei der EZB schrillen die Alarmglocken: Die Konjunktur in der Eurozone trübt sich ein. Und dass trotz aller geldpolitischen Mühen der Zentralbank. Skandal! Sowas können Europas Chefplaner nicht hinnehmen. Umgehend wird ein Praktikant in das geldpolitische Arsenal geschickt, um nachzusehen, welche Waffen den glorreichen Verteidigern unserer Währung noch zur Verfügung stehen. Doch kommt dieser mit einer erschütternden Nachricht zurück: In der Waffenkammer herrscht gähnende Leere.

Doch an der Geldmarktfront ist die Lage ernst. Alle Waffen, die die Konjunktur wieder ankurbeln sollten sind bis zur Unbrauchbarkeit abgestumpft. Trotz milliardenschwerer Anleihenkaufprogramme, trotz Nullzinsen, trotz einer Bilanzsumme von mehr als 4,5 Billionen Euro (40% der gesamten Wirtschaftsleistung).
Der Stab um Generalissimus Mario Draghi gerät ins Schwitzen. Eine drastische Konjunkturoffensive muss her, sonst wird die versteckte Rezession zu einer offensichtlichen. Erste Stimmen werden laut, es werde nun Zeit die Waffen der Waffen einzusetzen, die undenkbare Option, die Atombombe der Geldmarktpolitik: Helikoptergeld.
Bei dieser extremsten aller geldpolitischen Maßnahme injiziert die Zentralbank direkt Geld in den Markt. Mit anderen Worten: Jeder Bürger in der Eurozone kriegt einfach einen gewissen Geldbetrag überwiesen.
In der Sekunde, in der das Geld auf den Konten landet, sind erstmal alle genauso reich wie vorher, da jeder den gleichen Geldbetrag überwiesen bekommen hat. Gleichzeitig sinkt die Kaufkraft jedes Euros; vom gleichen Betrag kann man sich durch die Geldschwemme weniger kaufen. Davon profitieren Schuldner und Gläubiger verlieren.
Der Schuldner muss relativ zu seinem Vermögen nun weniger Kredit zurückzahlen, während er das kreditfinanzierte Gut weiterhin behält. Der Gläubiger erhält aus dem Kredit wesentlich weniger Kaufkraft zurück als er dem Schuldner zum Zeitpunkt der Kreditvergabe ausgezahlt hat. Helikoptergeld führt, wie andere geldpolitischen Maßnahmen, zu einer Sanktionierung von Sparen und langfristigem wirtschaften und zu einer Übervorteilung von kurzfristiger Kreditaufnahme.
Wie in diesen Artikel beschrieben, müssten Firmen riesige Kreditsummen aufnehmen, um konkurrenzfähig zu bleiben. Dabei planen sie weitere Konjunkturmaßnahme der EZB bereits fest ein. Sollten diese nicht kommen, könnten diese Firmen ihre Kredite nicht mehr begleichen.
Die EZB schaufelt sich ihr eigenes Konjunkturloch und mit jeder Maßnahme wird es tiefer. Sollte das Helikoptergeld kommen, wäre es nur ein weiterer Schritt in Richtung Planwirtschaft. Nicht mehr Innovationen, Erfüllung von Bedürfnissen oder Produktivitätssteigerung wären der Garant für wirtschaftlichen Erfolg, sondern nur noch das immer neue Geld der Zentralbanken.

1 Antwort

  1. moneypenny sagt:

    Gruselig! Wie kann denn dieser Wahnsinn noch gestoppt werden?