Briten gegen Rapmusik

Von MAX ROLAND | London hat  hat ein Gewalt-Problem. Letzte Woche erklärten verschiedene deutsche Medien, unter anderem „Spiegel Online“, die Hauptstadt des Vereinigten Königreiches zur „Hauptstadt der Gewalt“. Messerangriffe, aber auch Drive-By Shootings nehmen zu. Die Polizei, die jahrelang kaputtgespart wurde, kann immer schlechter reagieren. Nun hat die Regierung  eine Lösung gefunden. Mehr Polizisten? Nein. Es geht gegen Rapmusik.  Genauer gesagt gegen „drill music“, eine Unterart des britischen Raps, die mit  besonders gewalttätigen Texten auffällt.  Und dieser Rap soll also an der Gewalt schuld sein?

Die spinnen, die Briten. Es ist völlig absurd, zu glauben, dass diese Musik für die Gewalt verantwortlich ist, die London erschüttert (in diesem Jahr bereits über 50 Morde). Nein, es ist anders herum. Wie der drill- Künstler DJ Bempah sagt: „if that’s what you see in your environment, as an artist, that’s what you portray in your lyrics“. Zu deutsch: „Wenn es [die Gewalt] das ist, was du in deinem Umfeld siehst, dann stellst du das in deinen Texten dar“.  Diese Art von Rap ist der Ausdruck einer gewalttätigen Subkultur, keinesfalls die Ursache dieser. Aber sich mit den wahren Gründen für diese Gewalt auseinanderzusetzen (z.B. eine verfehlte Einwanderungs-und Integrationspolitik, eine kaputtgesparte Polizei) wird gerne ein Sündenbock genommen. Am besten etwas neues, was die ältere Bevölkerung nicht kennt. Ein ähnliches Muster wurde um 2011 herum in der deutschen Debatte um Videospiele (plakativ „Kilerspiele“ genannt) verwendet, um Amokläufe zu erklären. Natürlich eine einfache Antwort auf schwierige Probleme. Die britische Regierung, die immer wieder mit fast schon orwellschen Maßnahmen aufgefallen ist, wenn es um die Kontrolle des Internets geht, und mit drakonischen Hassrede-Gesetzen gegen ihre Bürger vorgeht, scheint sich nun der Musik zuzuwenden. Ein Scheingefecht, was ausgefochten werden soll, damit sich die Leute bloß nicht mit den wirklichen Problemen auseinandersetzen.

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