Chebli weint

Von MAX ROLAND | Sawsan Chebli ist für ihre Twitter-Eskapaden zu „Mehr Radikalität“ iim Abgeordnetenhaus angegriffen worden und musste vor lauter Tränen den Plenarsaal verlassen. Wer das Echo nicht vertragen kann, sollte vielleicht weniger Twittern? 

 

 

Sawsan Chebli gehört ja zu meinen „Lieblingen“ in der deutschen Politik.  SPD-Mitglied, auf Twitter aktiv, Hauptberuflich diskriminiert, nebenberuflich Staatssekretärin in Berlin. Die gute Sawsan hat schon mit vielen sehr klugen Äußerungen auf sich aufmerksam gemacht (Wer Interesse hat möge sich einfach ihren Twitter-Feed ansehen), in denen sie über an den Haaren herbeigezogene Diskriminierung klagt oder Storys über solche schlicht und einfach abschreibt oder erfindet.  Aber die neueste Aussage, auf die ich mich auch schon in meiner Kolumne zu Chemnitz bezogen hatte, ist heute mal wieder Thema. Zur Erinnerung: Sawsan hatte im Hinblick auf die Ereignisse in Chemnitz getwittert: „Wir sind mehr (noch), aber zu still, zu bequem, zu gespalten, zu unorganisiert, zu zaghaft …Wir sind zu wenig radikal“. Ihren Tweet löschte sie später und stammelte sich eine Art von Distanzierung herbei (sie hätte „radikal im Bekenntnis zu Demokratie und Rechtsstaat“ gemeint). Aber bekanntlich vergisst das Internet nicht.

Cheblis Zeilen waren vergangenen Donnerstag Thema im Berliner Abgeordnetenhaus. CDU und AfD kritisierten die Staatssekretärin für ihren Tweet, sagten, Chebli hätte „aufgewiegelt“.  Berlins Regierender Bürgermeister Müller verteidigte sie zwar, aber distanzierte sich vom Tweet: „„Man muss es nicht so formulieren, es ist auch nicht meine Wortwahl.“  Das war dann auch wohl der Moment, in der Chebli die Gefühle überwältigten: Sie verließ weinend den Plenarsaal.

Es scheint nicht das erste mal gewesen zu sein,dass Chebli und ihre SPD über Kreuz lagen: In der SPD heißt es, Chebli neige zu eigenständigen Eskapaden – zur Verärgerung des Parteichefs Müller.  Insbesondere störten sich ihre Genossen an der Opferrolle Cheblis, die von ihr wie kaum etwas anderes kultiviert und gepflegt wird.  Ihre Äußerungen muss sie sich daher angeblich künftig genehmigen lassen.

Ein schönes Kleid hat Sawsan aber bei ihrem dramatischen Abgang aus dem Abgeordnetenhaus getragen: Darauf waren Suren des Korans abgedruckt. Chebli ist auch in der Richtung aufgefallen: Sie ist besonders Stolz auf das berliner Netzwerk „Juma“, in dem sich eher konservative Muslime zusammenfinden sollen, um diese von Radikalität fernzuhalten. Aus deren Kreisen heißt es: „Integration ist ein eher unbeliebtes Wort bei Juma.“ Na Prost Mahlzeit.

Vielleicht wird dieser Artikel ja auch zum Anlass eines Tweets von Frau Chebli. Vielleicht, weil das Thematisieren ihres Heulanfalls oder das Wort „Liebling“ sexistisch ist, oder, weil der Absatz über das Kleid rassistisch ist. Wie auch immer, Frau Chebli, wenn sie Twittern, darf ich dann noch ein paar Leute grüßen?

1 Antwort

  1. Jonesthecapitalist sagt:

    Wie können solche Heulsusen bitte in die Politik????

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