Kindheit in der ärmsten Stadt Westdeutschlands: Wie ein Arbeiterkind den Liberalismus entdeckte

Von Jan Schneider | Wenn ich an meine Heimatstadt denke, denke ich zuerst an hohe Arbeitslosigkeit, dreckige Straßen, einen hohen Migrantenanteil und an ganz viel Armut. Auch ein Blick auf die Statistiken und ins Stadtbild bestätigt dies. Meine Stadt ist die mit den meisten Schulen Deutschlands, gilt als ärmste Stadt Westdeutschlands und ist laut einem Ranking eines bekannten Fernsehsenders die zweitschlechteste Stadt Deutschlands, schlechter nur die Nachbarstadt, an deren Stadtgrenze ich auch noch wohne. Mein Vater: ein Kranführer. Kein dummer Mann zwar, aber einer, der aus schwierigen Verhältnissen stammt. Den leiblichen Vater nie gekannt, früh Streit mit dem Zwillingsbruder und bis heute kein Kontakt mehr mit ihm, viel Armut. Dann hat er sich, als Dachdecker angefangen, bis zum Sicherheitschef seiner Schicht in seinem Stahlwerk hochgearbeitet. Meine Mutter stammt aus noch schwierigeren Verhältnissen, hatte kein gutes Elternhaus und war dennoch die erste der Familie mit Abitur. Heute ist sie Verwaltungsfachangestellte im mittleren Dienst. Genau diese Aufstiegsgeschichten meiner Eltern zeigten mir, was in einer freien, kapitalistischen Gesellschaft möglich ist

Sie inspirieren mich bis heute.  Meine Schwester war die erste, die studiert hat. Diese Erfolgsstory möchte ich fortführen. Auch deshalb will ich in die Politik gehen und liberalen Aktivismus betreiben: ich kenne die Sorgen und Ängste des kleinen Mannes. Dennoch die Frage: Warum ausgerechnet der Liberalismus? 

Zunächst einmal muss klargestellt werden, dass ich eine behütete Kindheit hatte. Seit meinem dritten Lebensjahr lebe ich im Eigenheim meiner Eltern, uns geht es gut, wirkliche Existenzängste hatten wir nie. Dennoch sehe ich all die Probleme der Armut tagtäglich, sie treffen mich auch persönlich. Bettler in der Innenstadt, Schüler mit heruntergekommener Kleidung auf meiner Schule, auch mit Kriminalität habe ich persönlich Erfahrungen gemacht. Die Schulkabine im Sportunterricht muss man abschließen, damit nicht geklaut wird, in meiner Straße wurde in jedes Haus, auch in unseres, bereits eingebrochen. Es gibt ein massives Alkoholproblem im Viertel. Und auf all diese Probleme gibt es nur eine Antwort: die Freiheit. 

Mit Zwang und Strafen resozialisiert man die Abgehängten nicht, mit guter Bildung verhindert man, dass viele Menschen überhaupt erst so werden. Prävention ist das Zauberwort. Lässt man Kinder viele Erfahrungen selber machen, lernen sie daraus. Bildung ist einer der Kernpunkte des Liberalismus. Keine Weltanschauung legt mehr Wert auf Bildung als der Liberalismus. Ohne einen mündigen, aufgeklärten Bürger funktioniert auch der freie Markt nicht. Dieser wiederum ist es, der kleinen und mittelständischen Unternehmen und jedem einzelnen Arbeiter die Chance zum unbegrenzten Aufstieg gibt. Im Sozialismus wäre zwar niemand auf der Straße, aber die meisten würden am Existenzminimum leben, Aufstiegschancen gäbe es nur für Regimetreue.

Und auch Armutsbekämpfung geht am besten durch Steuersenkungen. Die Löhne in Deutschland sind, vor allem im weltweiten Vergleich, hervorragend. Doch davon wird unseren Bürgerinnen und Bürgern zuviel gestohlen. Die Sozialleistungen sind viel zu hoch. Sie sind die Ursache für Wirtschaftsmigration, die wiederum zu erhöhter Kriminalität führt. Zusätzlich sind die Zwänge des Sozialsystems ein Faktor, der Menschen in Armut halten kann.

Alles in einem habe ich selber erkannt, dass der Liberalismus nicht nur am besten zu meinem freien und unangepassten Geist passt, sondern auch und vor allem für ärmere die beste Lösung darstellt. Der Sozialstaat ist Asozial, wenn er die Menschen in Armut hält. Der einzige, der dir wirklich gut und nachhaltig helfen kann, bist du selbst! 

5 Antworten

  1. Karl Neumann sagt:

    Verehrter Jan, ich darf doch “Sie” sagen ? Also, einer Ihrer Sätze hat mir zu denken gegeben : “Auch deshalb will ich in die Politik gehen und liberalen Aktivismus betreiben. ” Der ersten Hälfte Ihres Wunsches kann ich zustimmen, bei der zweiten hätte ich doch Bedenken. Ich denke hier an die nicht auf die leichte Schulter zu nehmenden Anfeindungen, denen momentan eine aktiv tätige liberale Partei ausgesetzt ist. Sie sollten sich daher diese geplante gedankliche Ausrichtung noch einmal gründlich überlegen. Erfolgreicher scheint mir ein Weg des demokratischen Sozialismus zu sein. Ein leuchtendes Beispiel für eine nachahmenswerte Karriere gibt hier ein aus dem Arbeiterstand zum Millionär aufgestiegener ehemaliger Würseler Bürgermeister, der es trotz gescheiterter Buchhändlerpraxis und Alkoholproblemen geschafft hat, in dem Brüsseler Bürokraten-Konglomerat bis an die Spitze aufzusteigen. Trotz seines Scheiterns in einer demokratischen Partei braucht der verdiente Politiker sich um einen sorgenfreien Lebensabend keine großen Gedanken zu machen. Wie gesagt, noch einmal gründlich das “Für und Wider” durch den Kopf gehen lassen und zeitig die entspreche Richtung bestimmen. Hier bietet sich der Eintritt in die entsprechende Jugendorganisation an. Am Steuer dieser Einrichtung steht ein vom zu schaffenden Wohl für die arbeitende Klasse absolut überzeugter junger Mensch, dem auch die Verstaatlichung von Großunternehmen nicht utopisch erscheint, der Ihnen als leuchtendes Vorbild dienen könnte.

  2. Bienchris sagt:

    Hallo Herr Schneider,
    Es tut gut zu erfahren, dass es noch rational denkende Jugendliche jenseits von FfF gibt. Ich kann Ihre Erfahrungen nur bestätigen. Meine Eltern konnten sich mit Fleiß ein kleines Eigenheim erarbeiten und 4 Kinder großziehen – weitestgehend mit 1 Verdienst. Alle 4 Kinder wiederrum haben sich mit viel Fleiß gute berufliche Positionen und damit ein bislang gutes Auskommen erarbeiten können, allerdings ging das schon schwerer als bei den Eltern. Der Staat wird immer raffgieriger, der Sozialstaat immer ausufernder, die Perspektiven und Löhne der meisten Arbeitnehmer immer schlechter. Ihre Generation wird es selbst mit viel Fleiß noch schwerer haben, sich einen gewissen Wohlstand zu erarbeiten. Zusätzlich geht immer mehr Freiheit verloren…Wäre ich jünger, ich hätte Deutschland wahrscheinlich schon den Rücken gekehrt.
    Ich wünsche Ihnen für die Zukunft viel Erfolg und das immer notwendige Quentchen Glück!

  3. Jan Schneider, ich könnte Ihre Urgroßmutter sein – aber Apollo News lese ich regelmäßig.
    Selbst ein Aufsteigerkind aus dem Ruhrpott-Handwerker-Milieu kann ich mich gut in Ihre Situation versetzen. Mein Rat: kämpfen Sie weiter, bilden Sie sich weiter, suchen Sie sich die richtigen Leute (und vielleicht eine passende Ehefrau!) Alles Gute Erika Schaeper

    • Jan Schneider sagt:

      Vielen Dank für Ihre warmen Worte Frau Schaeper. Das Ruhrgebiet wacht auf. Auch, wenn es mit FridaysForFuture nicht so aussieht: die Jugendlichen denken dirchaus kritisch und hinterfragend, und auch die SPD, Arbeiterverräter Nummer 1 verliert hier wie Sie wissen mehr und mehr an Boden. Also, Kopf hoch und weiter machen! Für unsere Zukunft. Besten Gruß und vielen Dank für Ihre Verdienste als Arbeiterin in unserem Land an Sie uns Ihre Familie, Ihr Jan Schneider