Werbung:

Werbung:

Der Kanzler zeigt dem Land seine ganze Ratlosigkeit

Bei Caren Miosga zeigt sich Merz ohne Plan und ohne Botschaft – in der schwersten Krise seiner Koalition droht er der SPD, bis jetzt sei er „sehr geduldig gewesen“. Es klingt an diesem Abend nach Endspiel. 

IMAGO/ARD/Thomas Ernst/dts Nachrichtenagentur

Werbung

Mit milder Stimme, besorgten Augen und angestrengter Stirn beugt sich Friedrich Merz weit über den Tisch bei Caren Miosga und lässt das Publikum am Sonntagabend recht ungefiltert an seiner eigenen Ratlosigkeit teilhaben. Eine Botschaft hat er den Deutschen nicht mitgebracht. Die große Unruhe, die das politische Berlin ergriffen hat, wird von diesem Kanzler kaum besänftigt, der nicht den Eindruck vermittelt, er selbst habe noch den letzten Glauben an einen guten Ausgang.

Konfrontiert mit seinen desaströsen Umfragewerten wird er schmallippig, den Missmut nehme er ernst – „und wir werden vielleicht noch mehr erklären müssen, wo wir stehen“. Für Beschönigungen bleiben dem Kanzler wenige Ansatzpunkte. Er habe mit Lars Klingbeil gesprochen – dass der damit kokettiert, er lasse sich gerne von Friedrich Merz anbrüllen, sei „ironisch gemeint“ gewesen, das habe Klingbeil ihm versichert. Na dann. Merz bemängelt, dass in der Sendung nicht genug über Erfolge der Regierung gesprochen werde. Wirklich etwas anbringen kann er aber auch nicht – außer der zahllose Male widerlegten Unwahrheit, nach der es durch effektives Regierungshandeln gelungen wäre, die Asylzahlen um zwei Drittel zu reduzieren.

Dann setzt er zu einer ganzen Reihe von Drohungen an, bei denen nicht ganz klar ist, an wen sie sich eigentlich richten. Er habe „keine Vollmacht, die CDU umzubringen“. Er stockt. Kompromisse, meint er in Richtung der SPD, seien keine Einbahnstraße. „Ich bin bis jetzt sehr geduldig gewesen“, sagt der Kanzler, ohne zu sagen, wie das in Zukunft aussähe. „Die Zweifel werden größer“, mit weit aufgerissenen Augen schiebt er leicht verzögert hinterher: „nicht an mir“. Aber an der Koalition und der SPD. Er sage Bärbel Bas und Lars Klingbeil: „Unterschätzt die Stimmung in der Union nicht. Die wird unfreundlicher.“ Droht er nun seinem Koalitionspartner damit, dass er selbst die Kontrolle verliert?

Bärbel Bas’ Attacke, wonach Ideen, den Sozialstaat zu kürzen, „menschenverachtend“ wären, bezieht Merz nicht auf sich. Er fordert sie und Lars Klingbeil aber dazu auf, jetzt bitte zur Regierungsarbeit zurückzukehren. Sprachlich öffnet der Kanzler immer wieder das Fenster zum Ausstieg, immer wieder klingt es nach Endspiel. Die Vertrauensfrage sei aber dennoch nichts, worüber er jetzt nachdenken müsse.

An anderer Stelle meint Merz: „In dieser Koalition muss die CDU vorkommen“. Als stärkste Kraft im Parlament ist das eine sehr kleine Minimalforderung – dass ein Kanzler diese Forderung nach einem Jahr in den Raum stellen muss, ist ein klares Zeichen dafür, wie depressiv auch die Innenansicht dieser Koalition ist. Merz bleibt in sich gekehrt, bei Miosgas mäßig lustigen Witzfragen zu Buckelwal Timmy, der FDP oder Söders „Wurst-Life-Balance“ fühlt man ein wenig mit ihm.

Lesen Sie auch:

Immer wieder spricht er darüber, was seine „Erwartung“ wäre – man weiß dabei nie so ganz, ob damit seine Zukunftserwartung, eine Forderung an die SPD oder nur eine traurige Erinnerung daran gemeint sein soll, wie die Dinge eigentlich laufen müssten, wäre die Welt gerecht zu Friedrich Merz. Linke Mehrheiten gebe es nicht mehr, den Weg zu einer Minderheitsregierung schließt er mit klaren Worten aus. Das soll so viel heißen wie: Die alternativlose Koalition ist zum Fortbestand verdammt, auch wenn es dafür keine positive Perspektive gibt, die es auch nur vermögen könnte, den Kanzler selbst zu überzeugen.

Werbung

Strafbare Inhalte, Beleidigungen oder ähnliches sind verboten (hier unsere Kommentar-Richtlinien). Kommentare sind auf maximal 1.000 Zeichen limitiert.

Ohne Account kommentierenKein gesicherter Name, von jedem frei wählbar

Mit Account kommentieren Ihr Nutzername für Sie gesichert & einmalig

Anmelden ›Kostenlos registrieren

7 Kommentare

  • Wenn es doch nur eine Alternative zu dieser desaströsen Koalition mit der SPD gäbe…

    • Sicher keine demokratische! Sei froh, hier herrscht Meinungsfreiheit, auch wenn bei AN oft gehetzt wird!

  • So spricht ein Mensch am Rande des depressiven Zusammenbruchs. Tief gekränkt über den Liebespartner SPD, der er bis zuletzt die Nibelungentreue hält. „Nie würde er mit der AFD zusammenarbeiten „. Also niemals fremd gehen.

  • Pinocchio sollte den Weg frei machen, das Land braucht die richtige Führung und keinen clown der sich vom junior Partner durch die Manege ziehen lässt..
    Links ist vorbei waren große und dann später leere Worte.. Die Liste seiner Erfolge, ja wo ist diese denn? Migration? Steuern? Energie? Es geht so weiter mit diesem Lügner..

    • … und wer bitte sollte das Ihrer Meinung nach sein? Hendrik Wüst?

    • Eine Minderheitsregierung ist im Moment die einzige Lösung.
      Solange die Mauer brennt haben Neuwahlen kein Sinn.

  • „Merz bemängelt, dass in der Sendung nicht genug über Erfolge der Regierung gesprochen werde.“

    Welche denn auch.

Werbung