Werbung:

Werbung:

Rheinland-Pfalz

CDU und SPD beschließen Koalitionsvertrag – und erklären beide, sich in den Verhandlungen durchgesetzt zu haben

Sechs Wochen nach der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz haben die CDU und SPD ihren gemeinsamen Koalitionsvertrag beschlossen. In ihren Reden auf den Landesparteitagen ihrer Parteien haben sowohl Gordon Schnieder als auch Alexander Schweitzer erklärt, sich mit eigenen programmatischen Schwerpunkten durchgesetzt zu haben.

Der künftige und der geschäftsführende Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz: Gordon Schnieder (CDU) und Alexander Schweitzer (SPD) (IMAGO/dts Nachrichtenagentur)

Werbung

Anderthalb Monate nach der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz haben CDU und SPD die Bildung einer gemeinsamen Regierung endgültig besiegelt. Auf ihren Parteitagen stimmten beide Parteien dem Koalitionsvertrag „Gemeinsame Verantwortung für ein starkes Rheinland-Pfalz“ zu. Damit ist der Weg für eine schwarz-rote Koalition unter Führung der CDU wie auf Bundesebene frei.

Die Zustimmung gilt als formaler Schlusspunkt der Koalitionsverhandlungen. Nach den Beschlüssen der Parteitage kann die neue Landesregierung ihre Arbeit aufnehmen. Sowohl bei der CDU als auch bei der SPD fand die Vereinbarung deutliche Mehrheiten. Die Parteiführungen hatten im Vorfeld für den Vertrag geworben und ihn als tragfähige Grundlage für die kommenden Jahre bezeichnet.

Die maßgeblichen Verhandlungsführer beider Parteien äußerten sich demonstrativ optimistisch zum gemeinsamen Papier. CDU-Landeschef Gordon Schnieder wertete die schnelle Einigung als politisches Signal und erklärte: „Die Menschen in Rheinland-Pfalz wollen eine Politik, die funktioniert. Eine Politik, die hinsieht und anpackt. Eine Politik, die Probleme löst. Und vor allem: Eine Politik, die Vertrauen verdient!“ Zudem betonte der designierte CDU-Ministerpräsident, dass sich der Wahlsieg seiner Partei auch maßgeblich in der inhaltlichen Ausgestaltung des Koalitionsvertrags widerspiegele. „Dieser Vertrag ist ein Vertrag der Mitte. Er ist kein Kompromiss zulasten der CDU. Er ist unser mutiger Anspruch an uns selbst. Dieser Vertrag trägt unsere Handschrift“, so Schnieder.

Der geschäftsführende Ministerpräsident Alexander Schweitzer (SPD) hob in seiner Rede auf dem Parteitag derweil die Verantwortung seiner Partei hervor: „Die SPD Rheinland-Pfalz übernimmt Verantwortung für die Menschen in unserem Land, für stabile politische Verhältnisse und für eine Politik, die Fortschritt mit sozialem Zusammenhalt verbindet. Wir wissen, wie man verhandelt. Wir wissen, wie man regiert. Und wir wissen, was unser Land jetzt braucht.“ Zugleich räumte er mit Blick auf das Wahlergebnis selbstkritisch ein: „Das Wahlergebnis vom 22. März war für uns eine harte Niederlage. Das dürfen und werden wir nicht kleinreden.“

Ebenso wie Schnieder für die CDU reklamierte auch Wahlverlierer Schweitzer für die SPD, sich in den Koalitionsverhandlungen mit zentralen Forderungen durchgesetzt zu haben. In der neuen Landesregierung werde die SPD „an entscheidender Stelle Gestaltungsverantwortung übernehmen“, heißt es in einer Presseerklärung. Die Partei besetze demnach „Schlüssel-, Herzens-, Alltags- und Zukunftsressorts: das Ministerium der Finanzen, für Digitalisierung und Staatsmodernisierung, das Ministerium für Kommunen, Bauen, Wohnen und Kultur, das Ministerium für Arbeit, Soziales, Frauen, Familie und Jugend, das Ministerium für Wirtschaft, Energie und Klima sowie das Ministerium für Wissenschaft, Weiterbildung und Gesundheit.“

Lesen Sie auch:

Der beschlossene Koalitionsvertrag von CDU und SPD umfasst ein breites Spektrum an politischen Vorhaben – von innerer Sicherheit über Bildung und Gesundheit bis hin zu Infrastruktur und Migration. Viele der Maßnahmen stehen jedoch unter dem Vorbehalt einer schrittweisen Umsetzung.

Ein Thema, das viele Bürger direkt betrifft, sind die Straßenausbaubeiträge. Diese sollen laut Koalitionsvertrag bis zum Ende der Legislaturperiode abgeschafft werden. Allerdings ist keine sofortige Entlastung geplant. Die Beiträge sollen „Schritt für Schritt“ entfallen, da den Kommunen andernfalls erhebliche Einnahmen fehlen würden. Wie diese Ausfälle kompensiert werden, ist bislang noch nicht geklärt. Für Hausbesitzer bedeutet das: Kurzfristig bleibt die finanzielle Belastung bestehen; ob die vorgesehene Entlastung tatsächlich realisiert wird, ist offen.

In der Bildungspolitik setzt die Koalition auf frühere Förderung und strukturelle Verbesserungen. So sollen Sprachtests bereits im Alter von etwa viereinhalb Jahren verpflichtend werden, um Förderbedarf frühzeitig zu erkennen. Auch die Bezahlung von Grundschullehrern soll verbessert werden. Gleichzeitig bleibt die Kita beitragsfrei. Allerdings werden viele Maßnahmen erst mittelfristig greifen. So ist die Einführung der Sprachtests an eine Reform des Kita-Gesetzes gekoppelt, die erst für 2028 geplant ist. Auch zentrale Wahlversprechen wie eine umfassende Grundschulbetreuung von 8 bis 14 Uhr inklusive kostenlosem Mittagessen sollen zunächst nur modellhaft umgesetzt werden.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der inneren Sicherheit. CDU und SPD reagieren damit auf ein gestiegenes Unsicherheitsgefühl in Teilen der Bevölkerung. Geplant sind mehr Polizeipräsenz sowie ein verstärkter Einsatz technischer Mittel, darunter auch Künstliche Intelligenz. So soll etwa KI-gestützte Videoüberwachung an kriminalitätsbelasteten Orten ermöglicht werden. Eine flächendeckende Überwachung ist jedoch nicht vorgesehen. Kurzfristig dürften diese Maßnahmen kaum spürbar sein, da zunächst rechtliche und technische Voraussetzungen geschaffen werden müssen.

Im Gesundheitsbereich plant die Koalition unter anderem 200 zusätzliche Medizinstudienplätze, um dem Ärztemangel entgegenzuwirken. Zudem sollen Hebammen finanziell unterstützt und Pflegeangebote ausgebaut werden. Gleichzeitig ist eine Umstrukturierung der Krankenhauslandschaft vorgesehen, mit stärkerer Spezialisierung und neuen Versorgungsformen. Für Patienten könnten sich dadurch langfristig Verbesserungen ergeben, kurzfristig bleiben jedoch auch hier viele Fragen offen – etwa zur konkreten Umsetzung und zu möglichen Auswirkungen im ländlichen Raum.

In der Migrationspolitik verfolgt die Koalition einen Kurs, der „Humanität und Ordnung“ verbinden soll. Verfahren sollen beschleunigt und Zuständigkeiten klarer geregelt werden. Geplant ist unter anderem eine „Task Force Flüchtlingsaufnahme“. Zudem soll die Bleibeperspektive stärker darüber entscheiden, wie Geflüchtete verteilt werden. Auch hier gilt: Viele Maßnahmen werden, wenn überhaupt, erst mit zeitlichem Abstand Wirkung zeigen.

Werbung

Strafbare Inhalte, Beleidigungen oder ähnliches sind verboten (hier unsere Kommentar-Richtlinien). Kommentare sind auf maximal 1.000 Zeichen limitiert.

Ohne Account kommentierenKein gesicherter Name, von jedem frei wählbar

Mit Account kommentieren Ihr Nutzername für Sie gesichert & einmalig

Anmelden ›Kostenlos registrieren

14 Kommentare

  • Keiner nimmt diese beiden Parteien noch ernst!

  • Beide erklärten, sich mit eigenen programmatischen Schwerpunkten durchgesetzt zu haben.

    In der Fabel vom Hasen und dem Igel war der Siegeswille bei beiden groß. Während der Igel sich als raffinierter Täuscher entpuppte, stand der Hase am Ende als der Dumme da.

    Wer nun der Hase oder der Igel ist, scheint ungelöst.

  • Die Klei-Ko als Win-Win Situation.
    Ein Fest für die AfD

  • Naja dann können ja jetzt noch die sehr gut dotierten Posten für die schwarzen und roten Genossen verteilt werden. Viel Spaß ihr RLPer mit eurer Regierung.

  • und erklären beide, sich in den Verhandlungen durchgesetzt zu haben!

    Und das wirklich übele für die CDU Wähler und das Land !
    !Es ist auch noch sehr wahrscheinlich die Wahrheit .😩

  • Wir wissen, wie man das Ahrtal wieder aufbaut.

  • Uiii… Gratulation! Den Sozialismus in seinem Lauf halten weder Ochs noch Esel auf. Mit wehenden Fahnen in den Untergang.

  • O wie schön ist Panama. Für beide. Wie schön. So ein Tag so wunderschön ….

  • Mafiöse Strukturen nicht nur in RLP, sondern auch in Hessen seit einem Roland Koch.

  • Die Pöstchen sind gesichert, mehr nicht.

  • An der Chaos-Politik ändert sich nichts. Aber SPD und CDU haben sich angeblich bei den Verhandlungen durchgesetzt. Raider heißt jetzt Twix, sonst ändert sich nix…

  • Migration bleibt wie bisher, ABER die MIgranten UND die Deutschen werden lückenlos überwacht. Dann kann ja nichts mehr schiefstechen …

  • Diese kleinen Schäker! Die Bürger sind ja doof; ja nè?

  • Ich verstehe die Punch-Line nicht.
    Wenn sich beide einig sind, das Land weiter in den Abgrund zu treiben und die einzige echt demokratische Opposition grundgesetzwidrig zu traktieren, haben sich doch BEIDE „durchgesetzt“.
    Außerdem beziehen sich solche Aussagen stets nur auf die Versorgung der Stiefellecker mit lukrativen Staatsposten. Und dabei werden die sich geeinigt haben, ganz sicher.
    Also: „Erfolgreich durchgesetzt.“

Werbung