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Orwellsche Dauerüberwachung und niemand protestiert: Ab sofort Kameraüberwachung in jedem Neuwagen

Alle neu zugelassenen Autos müssen nun mit einem Kamerasystem ausgestattet sein, das den Fahrer überwacht. Es ist eine weitere gesetzliche Vorschrift, die neue Autos zunehmend in eine orwellsche Dystopie verwandelt. Wo bleibt der Protest?

Symbolbild (IMAGO/BeckerBredel)

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Wenn ich in meinem zeitlosen, zweifellos schönsten Auto aller Zeiten, nämlich meinem Audi A2, unterwegs bin, piept nichts, wenn ich schneller fahre, als der Staat es 85-jährigen dementen Omas zutraut. Das Fahrzeug drosselt auch nicht die Geschwindigkeit, wenn der Gurt nicht angelegt ist. Bei längeren Fahrten erscheint nicht alle dreißig Minuten eine fälschliche Warnung, dass der Fahrer müde sei. Und keine Kamera überwacht, ob meine Augen auch auf die Straße gerichtet sind.

Hätte ein Redakteur zur Jahrtausendwende so einen Einstieg geschrieben, wäre er wahrscheinlich aufgrund utopischer Redundanz, der sinnlosen Betonung des Selbstverständlichen und der Fokussierung auf Irrelevanz abgemahnt worden. Heute versteht ihn jeder, und mein Audi A2 ist eine fast schon sensationelle Oase der Ruhe und Entspannung. Abgesehen von dem schrecklich lauten Warnton, wenn der Tank sich der Reserve nähert, macht das Auto genau das, was es soll: fahren, nicht piepen.

Seit zwei Jahrzehnten hat sich die europäische Politik dem gegenteiligen Ideal verschrieben: Die Autos werden mit immer mehr Sensoren, Warntönen und Überwachungssystemen ausgestattet. Schon seit 2002 sorgt die quasistaatliche Sicherheitsorganisation „Euro NCAP“ dafür, dass Fahrzeuge mit Gurtwarnern Zusatzpunkte erhalten, weswegen so gut wie alle Hersteller seitdem entsprechende „Pieper“ eingebaut haben.

Dazu kamen über die Jahre Pieptöne für Spurüberschreitungen, Geschwindigkeitsübertretungen, unaufmerksame und müde Fahrer und zu wenige Finger am Lenkrad, allesamt natürlich fehleranfällig, allesamt maximal entmündigend und nervtötend. Doch jetzt hat die EU noch einen Regulierungsgang höhergeschaltet.

Ab dem 7. Juli 2026 gilt die neue Verordnung „EU-General Safety Regulation“, die vorschreibt, dass alle neu zugelassenen Fahrzeuge der Klassen M1 (Pkw) und N1 (leichte Nutzfahrzeuge) in der gesamten EU ein „Advanced Driver Distraction Warning (ADDW)“-System haben. Dieses System überwacht per Kamera den Blick des Fahrers sowie seine Kopf- und Augenbewegungen, um Ablenkungen zu erkennen und zu warnen. Im Klartext: In jedem Neuwagen wird der Fahrer gefilmt, und das ununterbrochen.

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Völlig unbeachtet wurde von der EU ein orwellsches Dauerüberwachungssystem für jeden einzelnen Bürger geplant und ohne großen Protest eingeführt. Sicher, es wird behauptet, die Daten würden nicht abgegriffen, sie seien sicher, aber wer soll das glauben? Wer kann wirklich garantieren, dass sie nicht missbraucht oder gehackt werden? Wer kann ernsthaft behaupten, diese neue Regel sei kein massiver Eingriff in die Privatsphäre der Bürger?

Auf jeder einzelnen Internetseite müssen aus Datenschutzgründen zuallererst die Cookie-Einstellungen ausgefüllt werden. Jeder Besuch in einer neuen Arztpraxis geht mit einer Zettelwirtschaft einher, um beispielsweise sicherzustellen, dass der Patient nicht ohne explizite Zustimmung kontaktiert wird. Schulische Einrichtungen dürfen keine Fotos von erwachsenen Schülern ohne deren ausdrückliche Zustimmung machen und veröffentlichen.

Für jeden Kleinkram existiert ein penibler Bürokratieapparat, der angeblich die Privatsphäre des Einzelnen vor Missbrauch schützt. Doch die dauerhafte Überwachung von Menschen in ihrem Auto wird nicht nur akzeptiert, sondern von der EU selbst ermöglicht. Ohne Ausweichmöglichkeit für Neuwagenkäufer. Und ohne spürbaren Protest der Bürger, die sich mit der stetig zunehmenden Überwachung scheinbar abgefunden haben.

Erinnert man sich daran, wie wichtig Privatsphäre den Menschen früher war, erscheint der Gegenwartsbürger als bemerkenswert abgestumpft. In den 1980er-Jahren gab es vehementen Protest gegen die geplante Volkszählung 1983. Das Bundesverfassungsgericht kassierte sie. Sie fand dann in abgeschwächter Version erst 1987 statt. 

Damals hatten Deutsche Angst vor der Existenz als „gläserner Bürger“. Heute erscheint das Pochen auf Privatsphäre als antiquierte Ansicht, die selbst bei ausgedrücktem Protest keine Chance hätte, die Regulierungsrealität in ihrem Lauf aufzuhalten.

Wer am Steuer des eigenen Autos nicht von einer Kamera beobachtet werden möchte und keine Lust auf Dauergepiepe bei jeder Kleinigkeit hat, hat nur eine Wahl: keine neuen Autos kaufen. Wobei sich die Frage stellt, wie lange alte Fahrzeuge noch gefahren werden dürfen. Immerhin hat sich die Europäische Union das Ziel gesetzt, bis 2050 die Zahl der Verkehrstoten auf null zu reduzieren. Eine lebensängstliche Utopie, die mit drakonischen Einschränkungen der individuellen Freiheit einhergehen und den Faktor Mensch aus dem Auto vollständig verdrängen wird.

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72 Kommentare

  • Der Protest wird sich in den Absatzzahlen von Neuwagen zeigen.

  • Jedes neue ist schon heute ein Datensammler und Überwacher
    darum fahre ich ausschließlich Oldtimer.

  • Im Windschatten von Erfurt baut die EU an ihrer Cybersociety, als gäbe es nicht in der europäischen Tradition genügend Beispiele für gescheiterte totalitäre Gesellschaftsmodelle.

  • Kameraauge mit Klebeband abdecken und dann hoffentlich Ruhe

    • fraglich, ob die Karre dann auch nur starten lässt

      • Ich sehe ein völlig neues Nebengewerbe bei den KfZ-lern.
        Die kriegen mindestens fünfmal am Tag die Frage gestellt „Kann man das auch ausschalten?“. Das wird sich steigern auf „Du schaltest das jetzt sofort aus!“
        Kann ja nicht so schwer sein, eine Piepanlage zu neutralisieren.

        • Nun, werte Dora, ob das möglich ist, hängt davon ab, wie „tief“ diese „Sicherheitssysteme“ in der Steuerelektronik des Fahrzeugs „verankert“ sind. So müssen sämtliche Neufahrzeuge seit Juli auch – weithin unbeachtet – eine Schnittstelle für ein „Alcolock-System“ enthalten. Dieses ist so weit in der Steuerarchitektur verankert, daß man bei Deaktivierung – sofern überhaupt möglich – gar keinen Zündstrom mehr erhält. Wer weiß, wie das mit den anderen „Sicherheitstools“ ist?

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    • Das wird dann tatsächlich der Workaround dafür sein, so blöd es auch klingt.

    • das funktioniert nicht
      schau dir mal die Systeme für autonomes Fahren an – man soll da ja eingreifen können – wenn du dich da „falsch“ hinsetzt hält der Wagen an
      es wird also so sein, dass wenn die Kamera dich nicht sieht, der Wagen nicht startet
      das wird dann ein Heidenspass, wenn mal eine fehlerhafte Charge bei den Kameras eingebaut ist oder Hacker ins System kommen und dann KEIN(!) Auto mehr anspringt.

    • Ruhe? Ich prophezeie einen Dauerpiepton oder sogar den Ausfall sämtlicher Systeme.

      • Kommt der Piepton über einen separaten Lautsprecher oder über die Anlage? Im ersteren Fall kann man den doch abknipsen. Oder?

      • Die fallen doch schon so ständig aus. Bis zum nächsten Update.

    • Das war mein zweiter Gedanke.

  • Wer ständig Selfies von sich macht und ins Internet hochlädt, dem ist es vermutlich ganz egal, wenn ihn seine Auto-Kamera permanent überwacht. Die heutigen Menschen werden doch jetzt schon von der Wiege bis zur Bahre von irgendwelchen Überwachungssystemen begleitet. Jetzt kommt halt noch ein neues hinzu… und dann noch eins und noch eins. Der Mensch gewöhnt sich offenbar an alles, auch an Orwell. Wer gar nichts anderes kennt als permanente Überwachung, der kommt vielleicht schon gar nicht mehr auf die Idee, dass es auch anders sein könnte. Und er will es vielleicht auch nicht mehr anders. Ein netter Roman zu dem Thema: „The Circle“ von Dave Eggers. Die Realität hat diese Dystopie schon fast eingeholt.

  • Bitte zwick`mich einer und sagt mir, dass das nur ein böser Traum ist.

    Horror!

    • Bald dürfte Ihr Auto Sie zwicken, wenn Sie sich von Tagträumen ablenken lassen.

  • Boykottiert die Karren einfach. Fahrt alte Autos.

    • Das geht leider nur begrenzt: Meins hat nächste Woche 11jährigen TÜV. Letztes Mal schon nur mit teurer Reparatur durchgekommen.

  • Ich freue mich in wenigen Jahren, wenn ich in Rente bin, auf einen wunderschönen 190er Mercedes (W201, 2-Liter-Maschine, Faceliftmodell 1 oder 2), den ich mir dann zulegen werde. Ein Klassiker, alltagstauglich, jede Werkstatt kann da noch reparieren und E-Teile gibts wie Sand am Meer. H-Kennzeichen und Ruhe ist. Dazu noch eine Hohlraumversiegelung und Unterboden noch Wachs drauf, falls noch nicht erfolgt, und das Fahrzeug wird mich noch um Jahre überleben. W201 und W124 – die letzten Fahrzeuge von Mercedes, die vermutlich noch mit Sorgfalt gebaut wurden.

    KEIN heutiges Fahrzeug wird jemals ein H-Kennzeichen bekommen, weil es niemanden gibt, der dann noch so alte Ersatzteile bezahlen kann. Oder es gibt keine mehr. Oder noch schlimmer: Es wird keine Software mehr geben, da alle wesentlichen Teile ja in der Software des Fahrzeugs angepasst werden müssen. Heutige Fahrzeuge sind „Wegwerffahrzeuge“ und haben mit „Nachhaltigkeit“ nichts, aber auch gar nichts gemeinsam.

  • Darf man dann noch Sonnenbrille tragen? Ich frage für einen Freund.

  • Der Michel interessiert sich nicht dafür, da es wahrscheinlich in der Tagesschau als Fortschritt berichtet wird. Vielleicht gibt es demnächst auch eine Bratwurst zum Autokauf.

  • Unsere Familie fährt ein 10 Jahre altes Auto (Porsche Macan Diesel) und eins, das ist ein paar Monate alt (MINI Cabrio Benzin). Der Macan wird nicht mehr gebaut; also behalte ich ihn bis er auseinanderfällt. Der MINI ist an sich toll, nervt aber jetzt schon mit sinnfreien Änderungen: Er stoppt in voller Fahrt, wenn ich irgendetwas mache was ihm nicht paßt ! Um das Radio anzumachen oder den Sender zu wechseln muß ich drei oder viermal auf ein Display drücken. Jeder der meine Zugangsdaten hat (z.B. BMW; ich wette: wenn‘s drauf ankommt auch Polizei, Finanzamt oder so) kann das Auto selbst wenn ich am Mittelmeer bin von D ausstatten oder stilllegen…. Und jetzt noch Orwellsche Überwachung meiner Augenbewegungen? Nie, niemals werde ich ein solches Auto kaufen.

  • In jedem Neuwagen? Was ein Glück fahre ich keine neuen Autos mehr seit die eine Fernwartung einbauen…

  • Raus aus der EU und der Spuk hat ein Ende.
    Deshalb wähle ich nur noch AfD.

    • genau, dann kommt die Kamerüberwachung nur noch an alle Strassenecken

      • Die nützen aber nichts. Ansonsten könnte man Straftaten verhindern oder Grenzen sichern.

  • Es gab nie echten Protest zu irgendwas. War alles nur Show.

  • Der Protest kommt von alleine, der Bürger kauft immer weniger Neuwagen!

  • Zu spät. Wieder ein Orwellgesetz realisiert. Die EU-Krake geht Schtitt für Schritt vor.

  • Wer das Buch „Mastercode“ gelesen hat, wird bald die nächste Stufe erahnen.
    Zutritt (Geschäfte, Arztpraxen, Städte, etc.) wird nur noch nach Bonität erfolgen.
    Arm und glücklich.
    Das WEF und die EU wird die Bürger versklaven.

  • Mein ältestes Auto ist im April frisch getüvt worden und wird am kommenden Sonntag 33 Jahre alt. Ich bin jetzt 60,5 jahre alt, mit doppelt geflickter Bauchaorta und stehe unter Medikamenten. Wie lange werde ich noch Auto fahren dürfen/können? Muss ich mir Sorgen machen, nichts Überwachtes mehr auf dem Gebrauchtmarkt zu finden? Ich denke nicht…
    Macht doch was ihr wollt, nach mir die Sintflut.

  • Ich liebe doch alle, alle Menschen. Mielke wäre stolz. IM Auto lebt.

  • Lesen sie mal die Erfahrungsberichte über die tollen „Sicherheitssystem“ Das Auto lenkt plötzlich von alleine nach links oder rechts,das Auto macht auf der Autobahn eine Vollbremsung etc. und natürlich könnte ein Hacker das selbe machen…wer sich nicht auskennt,es gibt kein 100% sicheres System mit Zeit und Geld knacken sie jedes System.

  • Es geht schnurstracks in eine komplette Überwachung. So läuft das halt in einer Diktatur. Ergo, die EU muß komplett zerschlagen werden. Ich möchte keine vereinigten Staaten von Europa,

  • Übrigens, die nächste Stufe wird sein, das die Strafzettel AUTOMATISCH kommen werden .
    Geht ja heute schon dank Autonavi und high speed Internet drin .
    Da brauchen sie nur am Rechner sitzen, deine Fahrstrecke zu kontrollieren und dir die Strafe per e-Mail zu schicken .
    Oder der Dedektiv der Gattin, wo man kurz “ einen verstecken geht “ .
    Kriegst ja jetzt schon personalisierte Werbung je nach Fahrstrecke .
    https://www.adac.de/news/vw-datenleck/-
    …………………………………………………………………….
    https://www.horizont.net/tech/nachrichten/KI-in-der-Aussenwerbung-Wenn-jeder-Autofahrer-seine-individuelle-Werbung-bekommt-146048

  • Wo bleibt der Protest?
    Wir haben verloren! Wie sollte man im EU-Hühnerstall demokratische Rechte gegen eine undemokratische Mehrheit durchsetzen?

  • Merke: Sklavensysteme funktionieren nur wenn die Sklaven gerne Sklaven sind. Und jetzt fragen wir uns Mal warum Sklavengesellschaften das mit Abstand erfolgreichste Gesellschaftsmodell der Geschichte sind. Einfach weil Helotentum das zentrale Element der Conditio Humana ist. Und keineswegs „Freiheit“ und „Autonomie“ wie eine Reihe von Komikern im Westen seit 250 Jahren völlig evidenz- und sinnfrei immer und immer wiederholen.

  • Es hat etwas satanisches.

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