Werbung:

Migranten, junge Studenten und Ost-Wähler: In Berlin ist die Linke die neue Volkspartei

Ihren Triumph in Berlin verdankt die Linke vor allem drei Stützen: Junge Wähler und Studenten, Muslime und Migranten sowie ältere Wähler im Osten haben die Partei besonders häufig gewählt. Sie vereint verschiedenste Milieus und ist damit die neue Volkspartei der Großstädte.

IMAGO/Emmanuele Contini

Werbung

Über lange Zeit wurde in den vergangenen Jahren über ein Ende der Volksparteien in Deutschland spekuliert – CDU und SPD werden immer schwächer, die traditionell kleineren Parteien steigen dagegen auf. Doch bei den Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin am vergangenen Sonntag wurde das Gegenteil bewiesen: In Mecklenburg-Vorpommern triumphierte die AfD und gewann über nahezu alle demografischen Gruppen hinweg – die SPD, die mit über 35 Prozent ebenfalls scheinbar eine Volkspartei ist, wurde dagegen fast nur von Rentnern getragen (mehr dazu hier).

Besonders bemerkenswert ist jedoch der Aufstieg der Linkspartei in Berlin – dort wurde sie mit Blick auf die Demografie eindeutig die neue Volkspartei der Bundeshauptstadt. Sie konnte erfolgreich mehrere verschiedene, scheinbar widersprüchliche Gruppen für sich mobilisieren: Da wären die jungen studentischen Milieus in Bezirken wie Kreuzberg, Charlottenburg und Friedrichshain, gleichzeitig aber auch die migrantischen Milieus in Neukölln und im Wedding. Doch sogar die alten Hochburgen der Berliner Linken, den SED-geprägten Osten in Lichtenberg und Treptow-Köpenick, konnte man verteidigen.

Besonders bemerkenswert ist die Mobilisierung im migrantischen Milieu – Nachwahlbefragungen, die diesen Aspekt abbilden, gibt es dabei nicht wirklich, mit Ausnahme einer Analyse muslimischer Wähler, unter denen der Migrantenanteil exorbitant hoch ist: So wählten laut einer Nachwahlbefragung der Forschungsgruppe Wahlen 51 Prozent der Muslime die Linke – sie erhielt unter ihnen also die absolute Mehrheit (Apollo News berichtete).

Noch deutlicher wird die Mobilisierung mit einem Blick auf die Wahlbeteiligung: Besonders in migrantisch geprägten Wahlkreisen, vor allem in den Bezirken Mitte und Neukölln, war die Wahlbeteiligung in der Vergangenheit vergleichsweise niedrig.

In besonders migrantisch geprägten Wahlkreisen stieg die Wahlbeteiligung im Vergleich zum Rest der Bundeshauptstadt bei dieser Wahl jedoch überproportional stark an – und die Linke gewann ebenso überproportional hinzu. Beispielsweise stieg die Wahlbeteiligung je zehn Prozent mehr Ausländeranteil im Wahlkreis um 1,7 Prozentpunkte stärker an als im Rest der Stadt – der Zugewinn der Linken fiel dabei analog jeweils um sechs Prozentpunkte größer aus.

Lesen Sie auch:

Gerade deshalb konnte die Linke insgesamt die mit Abstand meisten früheren Nichtwähler bei dieser Wahl mobilisieren: 75.000 Nichtwähler der letzten Wahl votierten dieses Mal für die Linkspartei – die AfD, die sonst sehr erfolgreich bei Nichtwählern ist, konnte dagegen nur 61.000 ehemalige Nichtwähler mobilisieren.

Die zweite entscheidende Stütze für den Erfolg der Linken in Berlin sind junge Wähler. Das wird an der Nachwahlbefragung von Infratest dimap im Auftrag der ARD deutlich: Bei den 16- bis 24-Jährigen erreicht die Partei 43 Prozent – auf Platz zwei folgt mit weitem Abstand die AfD mit nur 12 Prozent. Bei den 25- bis 34-Jährigen steht die Linke sogar bei 49 Prozent.

Besonders stark ist die Partei bei jungen Frauen: 51 Prozent der Frauen unter 25 wählten in der Bundeshauptstadt die Linke. Die Partei ist vor allem in den jungen studentischen Milieus der Metropole Berlin zur monolithischen Kraft aufgestiegen, und das noch viel deutlicher, als die Grünen, die früher als Partei der Jungen galten, es jemals waren.

Nur die dritte Stütze des Erfolgs ist etwas Altbekanntes: Während die studentischen und migrantischen Milieus der Hauptstadt erst seit Kurzem in so hohem Maße die Linkspartei wählen, konnte sie schon immer auf den älteren Teil der Bevölkerung Ostberlins zählen.

Den Status als Protestpartei des benachteiligten (auch Berliner) Ostens musste sie zwar in Teilen an die AfD und das BSW abgeben – ihre ehemaligen Hochburgen konnte sie bei dieser Abgeordnetenhauswahl jedoch verteidigen: Sie gewann in den alten östlichen Außenbezirken Lichtenberg und Treptow-Köpenick mit im Vergleich zum Rest von Berlin überdurchschnittlich hohen Ergebnissen. Insgesamt war die Linke in Gesamtberlin zwar bei den älteren Generationen, also den 60- bis 69-Jährigen und den über 70-Jährigen, mit 15 bis 16 Prozent unterdurchschnittlich schwach – in diesen Altersgruppen dürfte das Ost-West-Gefälle jedoch auch um ein Vielfaches größer sein als bei den Jüngeren.

Damit schafft die Linke eben jenen Spagat, den man lange für unmöglich gehalten hat: Sie behält zu einem signifikanten Teil ihre alte Wählerbasis im Osten des Landes bei und kann, zumindest in Großstädten wie Berlin, studentische und migrantische Milieus massiv für sich mobilisieren. Damit ist sie durchaus eine Volkspartei, die verschiedenste Milieus für sich beanspruchen kann.

Entscheidend sind dabei zum einen die Themen, die die Linke wie keine andere bespielt: In migrantischen Milieus kann sie vor allem mit ihrem deutlichen Israel-Hass punkten (mehr dazu hier) und durch ihren kategorischen Einsatz gegen eine konsequentere Migrations- und Integrationspolitik. Bei Studenten und jungen Menschen, bei denen linke „Intersektionalismus“- und „Antiimperialismus“-Theorien breiten Zulauf genießen, zieht ebenso die Nahost-Thematik – aber auch die hohen Mieten können bei dem tendenziell einkommensschwachen Milieu ziehen.

Im Osten dürfte dagegen vor allem die langfristige Wählerbindung entscheidend gewesen sein – immerhin 13 Prozent der Wähler der Linken gaben bei der Nachwahlbefragung von Infratest dimap dies als entscheidenden Grund für ihre Wahlentscheidung an. Im Osten der Stadt dürfte dieser Wert deutlich höher sein.

Die Linke bildet damit den linken Gegenpol zur AfD, die im Osten schon längst und mittlerweile auch im Westen zur Volkspartei aufgestiegen ist, dabei jedoch natürlich gegenteilige Milieus im Vergleich zur Linken vertritt. Mit Ausnahme der beiden hat keine andere Partei in den letzten Jahren so etwas geschafft – deshalb gewinnen auch AfD und Linke Wahl für Wahl hinzu, während der Rest verliert.

Werbung

Kommentar schreiben

Strafbare Inhalte, Beleidigungen oder ähnliches sind verboten (hier unsere Kommentar-Richtlinien). Kommentare sind auf maximal 1.000 Zeichen limitiert.

Ohne Account kommentierenKein gesicherter Name, von jedem frei wählbar

Mit Account kommentieren Ihr Nutzername für Sie gesichert & einmalig

Anmelden ›Kostenlos registrieren

19 Kommentare

  • Daß die immer deutlicher sichtbare Umvolkung irgendwann nicht nur gesellschaftliche, sondern auch politische Relevanz bekommen würde, war klar. Das ist auch der Grund, weshalb wir nicht beliebig viel Zeit haben, um Deutschland als Heimat für unsere Kinder zu retten. Die Linke hat ebendiese Kinder geködert mit Versprechungen, die jenseits jeder Erfüllbarkeit in einem demokratischen Staatswesen sind. Niemand kann Wohnungen bauen und sie dann zum halben Preis vermieten. Selbstverständlich sorgt beschleunigte Zuwanderung für drastische Ausweitung der Nachfrage nach Wohnungen. Die Linke wird die Zuwanderung maximieren, den Wohnungsmarkt endgültig vor die Wand fahren und den Kriminellen einen sicheren Rückzugsort bieten. Hoffentlich merken das die Wähler schnell. Versprochen hat Merz auch viel, er hat-und das wird die Linke auch tun- gerade all das nicht geliefert, worauf die Wähler am meisten gehofft hatten, sondern das glatte Gegenteil. Mehr Migranten, mehr Kriminalität, keine Wohnungen.

    • Islamistische Goldstücke unter sich 💩💩💩💩💩 Sie werden sich Berlin schon noch aufteilen, wartet es ab💩💩💩💩💩

      • Ich fände das ja auch ganz wunderbar – wenn Berlin ein Reservat wäre.

  • Eine Volkspartei zeichnet sich nicht allein dadurch aus, dass sie unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen hinter sich versammelt. Sie muss auch unterschiedliche Interessen zusammenführen und letztlich auch liefern, was sie verspricht.

    Genau deshalb halte ich es für äußerst fragwürdig, die Linke oder die AfD vorschnell als neue Volksparteien zu bezeichnen. Beide leben stark von Polarisierung und davon, bestimmte gesellschaftliche Konfliktlinien politisch zu besetzen. Das bringt, wie man sieht, die erhofften Wahlerfolge, ist aber etwas anderes, als dauerhaft eine breite gesellschaftliche Mitte zu repräsentieren und zusammenzuführen.

    Das eigentliche Problem liegt also tiefer: Wenn das Volk zunehmend gegeneinander aufgebracht wird (Alt gegen Jung, Arm gegen Reich, Männer gegen Frauen), wird eine echte Volkspartei immer schwieriger. Medien und Politik verstärken diese Gegensätze teilweise noch. Das Ergebnis ist eine Gesellschaft, in der die Mitte zerfällt und die Ränder stärker werden.

    • Letztlich ist die Erkenntnis ziemlich simpel: Ohne ein homogenes Volk keine Volkspartei.

  • Berlin war einmal hip und angesagt. Es hat viele Kulturschaffende/Künster angezogen, war innovativ und abgedreht. Denkt nur an die Love Parade der 90er. Durch die Islamisierung wird bald schon nichts mehr von dem einstigen Berlin übrig sein. Warum sollte man sowas wollen? Nur wegen der Wählerstimmen alle Werte und Traditionen zu verraten erscheint mir grotesk und geradezu obszön. Aber es geschieht – und nicht nur in Berlin. Was wird von uns übrig bleiben???

  • Kann man Berlin jetzt auch nicht mehr helfen ausser mehr Geld oder ?

  • Man muss auch sagen, die Stadt Berlin ist auch ein Selektionsprozess an sich.

    Wenn ich einen Dachschaden habe, weil ich glaube ich bin eine Katze die mit Herr Miau angesprochen werden soll, dann ziehe ich vornehmlich nach Berlin, und nicht unbedingt nach Magdeburg.

    Zugleich ist die Wahl pro Enteignung eine Protestwahl zum Zustand der Mieten – dass die Linke selbst den Wohnungsnotstand verantwortet, dafür ist das Wählergedächtnis zu kurz.

  • Jung, weiblich, migrantisch. Wen schockt das? Genau dafür macht doch die Linke Wahlkampf, klar das dann vorallem die Zielgruppe diese wählt. Die Linke ist nun mal die führende Partei in DE die den Fiebertraum des islamisch feministischen Kollektivstaats verfolgt. Wenn man massive Vorteile für diese Gruppen fordert, klar wählen dann viele die Partei die das fordert…

  • Volkspartei? Das ist eine Palästina-SED!

    • Na logisch. Die Goldstücke brauchen den Steigbügelhalter Linke Deppen um zu übernehmen. Die sind gar nicht so dämlich wie das linke Pack der💩💩💩

  • Wie London und New York, die angloamerikanischen Metropolen, die islamische Bürgermeister haben. Die Hauptstadt der amerikanisierten BRD folgt ihnen.

  • Das ist kein Volk. Das ist pseudo-akademisches Lumpenproletariat.

    • Vom Volk reden sowieso nur die, die sich einbilden, das ‚Volk‘ habe eine homogene Meinung und homogene politische Auffassung. Das ist aber Kokolores.

      Es ist schon interessant: die vereinigte „unsere Demokratie“ redet ständig von „Menschen“, die Blauen ständig vom „Volk“. Von „Bürgern“ redet keiner.

  • „Bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus am 20. September 2026 durften Jugendliche im Alter von 16 und 17 Jahren zum ersten Mal auf Landesebene ihre Stimme abgeben, nachdem das Abgeordnetenhaus Ende 2023 eine entsprechende Verfassungsänderung beschlossen hatte. Zuvor war das Wählen ab 16 bereits bei den Berliner Bezirksverordnetenversammlungen und der Europawahl möglich.“

    Sagt der Papa zum kleinen Mohammed und der Aishe: „Du gehst dahin und wählst was ist dir sage, sonst gibt’s ein Donnerwetter!“
    Aber vermutlich hat er sowieso für seine Lütten die Briefwahl beantragt und selbst ausgefüllt, damit da auch garantiert nix schief läuft.
    Jedes Jahr ein Kind lohnt sich also auch politisch. Aus zwei Stimmen werden vier. Großfamilie hat schon was. Man muss halt die richtige Richtung mitbringen, dann wird man auch gefördert.

  • Glückwunsch Berlin,
    damit ist endlich entschieden, wo das erste Kalifat in Dummland errichtet wird.

  • Schmarotzer vereint,
    die NGOs haben die Wahlen gewonnen,

Werbung