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Ein gemütliches Leben

Sven Hüber hatte ein gemütliches Leben. Mit allen juristischen Mitteln versucht er, einen Blick in seine Vergangenheit zu verhindern. Doch für ein Urteil über ihn reicht schon sein Wikipedia-Artikel.

imago/Metodi Popow

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Bei den Grenztruppen gab es ein perfides Spiel. Bei den Schießübungen stachelten die Offiziere die Soldaten an: Wer heute „Schießkönig“ wird, also die meisten Treffer landet, der bekommt das Wochenende frei. Die Soldaten versuchten alle, sich ihr freies Wochenende zu verdienen, und schossen so gut sie konnten. Ob die „Schießkönige“ tatsächlich das Wochenende frei bekamen, weiß ich nicht. So weit reichte die Erinnerung des Bekannten meiner Familie, der selbst bei den Grenztruppen stationiert war, nicht mehr. Was sie allerdings bekamen, war eine Drohung: „Jetzt wissen wir, wie gut du schießen kannst. Glaub ja nicht, dass du beim nächsten Einsatz daneben schießen darfst.“

Sven Hüber konnte die DDR hinter sich lassen. Er hat Karriere gemacht, hat gute Beziehungen und viel Anerkennung. So ist es in der BRD gelaufen, und so wäre es auch in der DDR weitergegangen, wenn die Mauer nicht gefallen wäre. Und nach so einem gemütlichen Leben wählt er nun, da ihn seine Vergangenheit möglicherweise doch noch einholt, ein gemütliches Ende. Er wäre eh gegangen, und nun tut er es eben etwas früher. 

Ja, das mit der Abschiedsfeier ist ein bisschen schade, aber vielleicht muss er gar nicht auf seine Torte verzichten. Sein Umfeld hat ja immer viel Verständnis für seine Vergangenheit gezeigt. Unter Nancy Faeser ehrte das Bundesinnenministerium Hüber noch für sein 40-jähriges Dienstjubiläum, wobei seine Zeit als DDR-Politoffizier einfach mitgerechnet wurde. Unter seiner lieben Nancy wäre die Feier bestimmt nicht abgesagt worden. 

„Aufarbeitung“ hat etwas Rückwärtsgewandtes. Ereignisse sind vorbei und werden nun nachträglich nachvollzogen. Doch die DDR ist nur für diejenigen vorbei, die in ihr gut gelebt haben. Für alle anderen ist der Mauerfall nicht das Ende gewesen. Jahrzehnte der Gefangenschaft in einer Diktatur wird man nicht über Nacht wieder los. 

Sie haben keinen Beruf gelernt, mit dem man so nahtlos im vereinten Deutschland weitermachen konnte. Sie haben immer noch das Gefühl, als würde sie ständig jemand beobachten. Sie haben immer noch Schwierigkeiten, anderen Menschen zu vertrauen, weil sie so oft verraten wurden. Und manche von ihnen hören heute nachts noch die Schüsse an der Mauer, weil sie gezwungen wurden, auf ihre eigenen Leute zu schießen. 

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Sven Hüber will nicht, dass man zu tief in seiner Vergangenheit gräbt. Das hätte eigentlich auch nicht notwendig sein dürfen. In den 80er-Jahren war Sven Hüber Offiziersschüler und schrieb seine Diplomarbeit zu dem Thema: „Der Bundesgrenzschutz als Instrument imperialistischer Macht- und Herrschaftssicherung. Anforderungen und Konsequenzen für die Ausprägung eines klassenmäßig geprägten und realistischen Feindbildes der Angehörigen der Grenztruppen der DDR“. Er tat das an der Offiziersschule der Grenztruppen „Rosa Luxemburg“, Sektion Geisteswissenschaften, Profil Politoffiziere von Einheiten der Grenztruppen.

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Dabei war er offenbar erfolgreich, denn nur wenig später war er Politoffizier bei den Grenztruppen. Das ist unstreitig. Nun sagt Sven Hüber selbst, er habe nicht gemeint, was er da geschrieben hat. Er hätte das nur getan, um sein Diplom zu bekommen. Den Schießbefehl habe er abgelehnt. Mit dieser Erklärung hat man sich offenbar abgefunden, denn schauen Sie sich an, wie weit Hüber es gebracht hat. 

Doch ich habe einige Fragen, die unser Staat bei Hübers Einstellung offenbar versäumt hat zu stellen. Warum wollten Sie denn Ihr Diplom so unbedingt haben, Herr Hüber? Nehmen wir an, dass Sie den Schießbefehl falsch fanden. Nehmen wir an, Sie waren innerlich eigentlich im Widerstand gegen die DDR und haben sich nur nicht getraut, das offen auszuleben. Das waren viele, das ließe sich schon nachvollziehen. 

Doch warum ließen Sie sich dann zum Politoffizier bei den Grenztruppen ausbilden? Jeder in der DDR wusste doch, in welche Richtung an der Mauer geschossen wurde. Warum waren Sie bereit, alles zu sagen und zu schreiben, was von Ihnen verlangt wurde, um das Diplom zu erhalten, das Ihnen diesen Posten ermöglichte? Aus unserer westlichen Sicht dürfte im Lichte des Grundgesetzes das Fabrizieren eines Feindbildes von staatlicher Seite zum Machterhalt durch Gewalt wohl durchaus als menschenwürdeverletzend angesehen werden. Warum war es Ihnen das wert? 

Es hätte doch sicher auch noch andere Berufe gegeben. Die DDR war ein Arbeiter- und Bauernstaat, von Offizieren ist da keine Rede. Imker ist doch ein schöner Beruf oder irgendwas mit Kühen. Wer lieber anpackt, könnte doch in einer Fabrik arbeiten oder vielleicht bei der Müllabfuhr. Ich weiß, dass man sich in der DDR seinen Beruf nicht gerade aussuchen durfte, doch es gab dennoch ein breites Angebot an beruflichen Tätigkeiten, bei denen man nicht in einen derart schweren Gewissenskonflikt geraten wäre.

Ich weiß ehrlich nicht, was man als Gegner des Regimes und Gegner des Schießbefehls freiwillig an der Mauer zu suchen hat. Ich habe von Hüber auch nichts darüber gehört, dass er seine Stellung genutzt hätte, um mildernd Einfluss zu nehmen. Wenn der Stasi davon etwas zu Ohren gekommen wäre – und wir wissen, die hatten ihre Ohren überall –, dann hätte man wohl auch nicht zugelassen, dass er an einem der wichtigsten und heikelsten Grenzabschnitte der Berliner Mauer eingesetzt wird. 

Lassen wir also mal alle Vorwürfe weg, schauen wir uns nur an, was die GdP nicht aus seinem Wikipedia-Artikel gestrichen hat. Dann war Sven Hüber im allerbesten Falle ein bereitwilliges Rädchen im Getriebe einer Diktatur. Sein Hang, sich in den Dienst jedes Staates zu stellen, der eben gerade herrscht, egal wie der ausgerichtet ist, ist bemerkenswert. Woher wissen wir denn, ob er heute nicht auch einfach sagt, was man von ihm hören will?

Sven Hüber maßt sich selbst an, über die Verfassungstreue anderer urteilen zu dürfen. Er selbst will sich einem solchen Urteil nicht stellen. Er mahnt ab und klagt und wettert und fleht, um ja nicht den Konsequenzen seines eigenen Handelns ausgesetzt zu sein. Er versucht mit allen Mitteln des Rechtsstaates zu verhindern, dass aufgearbeitet wird, wie er einst einem Unrechtsstaat gedient hat. Sven Hüber will die DDR hinter sich lassen. Doch sie ist immer noch unter uns. In unserem System und in den Albträumen all derer, die unter ihr gelitten haben. Sie aufzuarbeiten bedeutet, unsere Demokratie, unsere Freiheit und unseren Rechtsstaat zu verteidigen. Und den Opfern ein kleines bisschen Frieden zu geben. 

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2 Kommentare

  • Er wollte seinen Beitrag zum Krieg gegen die AfD und damit zum Krieg gegen die Opposition leisten. Doch langsam gehen die Krieger gegen die AfD aus, so dass die Propagandamaschinerie nach Göbbels-Art nun auch noch die letzten Reserven aufbringt. Nun kommt der Volkssturm zum Einsatz. Gruftis wie Grönemeyer und Hallervorden werden nun an die vorderste Front verlagert. Die Hoffnungsträger des links-grün geleiteten GEZ- Propagandaministeriums.

    • Es wird Zeit, dass diesem „Ministerium“ die Nabelschnur durchtrennt wird. Auch AfD- Anhänger und Wähler bezahlen GEZ für den Krieg gegen sie. Verfassungswidrig!

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