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Negativrekord beim Strompreis an der Börse: Wie die Energiewende zur verqueren Kostenfalle wird

Am 1. Mai erreichten die Strompreise in der Bundesrepublik an der Börse einen neuen Negativrekord: fast minus 86 Cent pro kWh. Ursache war die massive Überproduktion durch Photovoltaik. Anbieter müssen immer öfter zahlen, um ihren Strom loszuwerden.

Katherina Reiche versucht ein Stoppschild für die Überproduktion aufzustellen – durchsetzen kann sie sich damit nicht. (IMAGO/Bihlmayerfotografie)

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Mit der sukzessiven Umstellung der Stromversorgung auf erneuerbare Energien wie Solar- und Windkraft gehen Herausforderungen einher, die Befürworter gerne leugnen. Neben Engpässen in der Stromproduktion, die bei ausbleibendem Wind und Sonnenschein entstehen (mehr dazu hier), stellt vor allem die Überproduktion bei günstigen Wetterbedingungen ein zentrales Problem dar. Dies kann nicht nur zu einer Belastung des Netzes (mehr dazu hier), sondern letztlich auch zu negativen Strompreisen führen.

Am Wochenende zeichnete sich eine solche Entwicklung ab. Dabei wurde sogar ein neuer Negativrekord bei den Strompreisen erreicht. Starker Sonnenschein führte zu einem Überangebot, während die Nachfrage – auch bedingt durch den Feiertag am 1. Mai – zurück blieb. Da Stromnetze und Speicherkapazitäten in der Bundesrepublik begrenzt sind, blieb keine andere Möglichkeit, als überschüssigen Strom kurzfristig am Markt zu negativen Preisen abzugeben. Anbieter zahlen in solchen Situationen dafür, dass ihnen jemand den Strom abnimmt.

Zeitweise lag der Strompreis am Freitag laut dem Branchenportal Cleanthinking am Intraday-Markt bei minus 855 Euro pro Megawattstunde. Damit wurde nach Angaben des Portals der niedrigste Wert erreicht, der im deutschen Stromsystem bislang gemessen wurde.

Besonders stark schaden negative Strompreise den Stromerzeugern, die für die Einspeisung zahlen müssen, ohne ihre laufenden Kosten decken zu können. Betroffen sind auch die Steuerzahler: Viele erneuerbare Anlagen erhalten garantierte Vergütungen, insbesondere über das EEG. Ist der Marktpreis negativ, gleicht der Staat die Differenz aus.

Auch das heimische Stromnetz wird erheblich belastet, da durch das Überangebot und die geringe Nachfrage zu viel Strom eingespeist wird. Netzbetreiber müssen aktiv eingreifen, Kraftwerke drosseln und überschüssigen Strom zu negativen Preisen umleiten – nicht selten ins Ausland. Andernfalls droht das Netz zu kollabieren.

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Politisch kommt Kritik daran deutliche vor allem von der AfD. Der AfD-Bundestagsabgeordnete Paul Schmidt erklärte zuletzt in einer Stellungnahme, dass sowohl bei sogenannten Dunkelflauten, wenn Deutschland seine Versorgungssicherheit durch Stromimporte sichern muss, als auch bei guten Wetterbedingungen, wenn Überproduktion zu negativen Preisen exportiert wird, Geld ins Ausland abfließt.

„Entweder wir zahlen, damit unser überflüssiger Strom abgenommen wird, oder wir zahlen, weil wir bei Dunkelflaute selbst nicht genug Strom erzeugen können.“ Dass alle im Bundestag vertretenen Parteien – außer der AfD – dennoch immer wieder für noch mehr Photovoltaik und noch mehr Windkraft stimmten, sei vor diesem Hintergrund unbegreiflich.

Doch damit ist es noch nicht getan: Auch das europäische Stromnetz wird durch die Stromüberproduktion in Deutschland, in Mitleidenschaft gezogen. Europa betreibt ein eng gekoppeltes Stromsystem, in dem physikalische Stromflüsse keine Grenzen kennen. Die Überproduktion wird automatisch in Nachbarländer gedrückt, etwa nach Polen, Tschechien, Österreich oder Niederlande. Die Netze sind häufig nicht für solche zusätzlichen Mengen ausgelegt haben.

Für die meisten heimischen Verbraucher ergibt sich durch die negativen Strompreise, die bei Überproduktion aus erneuerbaren Energien entstehen – obwohl man dies erwarten könnte – kaum ein Vorteil. Wer einen klassischen Stromtarif mit festem Arbeitspreis nutzt, zahlt weiterhin den vertraglich vereinbarten Preis pro Kilowattstunde.

Darauf weisen auch Auswertungen des Tarifportals StromAuskunft hin: Während der Börsenstrompreis am 1. Mai zeitweise stark ins Negative rutschte, lag der Preis für Neukunden in Deutschland beim günstigsten Anbieter weiterhin bei 24,49 Cent je Kilowattstunde. Der durchschnittliche Haushaltsstrompreis im April betrug nach Angaben von Verivox zuletzt 32,8 Cent je Kilowattstunde.

Die negativen Börsenpreise schlagen sich in solchen Fällen nicht automatisch auf der Stromrechnung nieder. Leidiglich beim Ökostromanbieter Octopus Energy erhielten Kunden laut der Bild am 1.Mai zeitweise mehr als 42 Cent pro Kilowattstunde, um Strom abzunehmen.

Letztlich gilt festzuhalten: Negative Strompreise sind inzwischen kein seltenes Ausnahmephänomen mehr. Die Bundesnetzagentur registrierte für das Jahr 2025 insgesamt 573 Stunden mit negativen Großhandelspreisen; im Jahr 2024 waren es noch 457 Stunden. Damit gewinnt das Thema zunehmend an Relevanz und entwickelt sich mehr und mehr zu einem der zentralen Herausforderungen der Energiewende.

Um das Problem anzugehen, bedarf es dringend zusätzlicher Speicherkapazitäten. Diese sind in Deutschland aktuell Mangelware (mehr dazu hier). Eine Alternative wäre ein Verbrauch der unnötigen Stromproduktion, etwa durch Klimaanlagen. Im Duktus der Grünen heißen diese dann Kältespeicher.

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8 Kommentare

  • Frau Reiche ist die Einzige im Kabinett Merz, die sich traut, das anzusprechen.

    • Und bei der AfD sagen das alle. Deswegen wähle ich auch AfD.

      • Verschenkte Stimmen!!!

  • Und Grüne laufen Sturm das weiterhin NICHT subventioniert werden soll .
    Dieses ist ein gutes Beispiel warum man es nicht mehr machen sollte .

  • Die Leute denken immer noch, der Kobold speichert den Strom im Netz und zahlen gern dafür 🧟‍♂️

    • Der Kobold lässt sich anscheinend gut bezahlen 🙂

  • Man kann Herausforderungen annehmen, oder meckern, und keine Taten vollbringen.
    Deutschland war schon immer Meister von Herausforderung.
    Und das soll so bleiben. Black outs hatten wir schon mal nicht.
    Ich glaube das waren auch Meckerer.
    Auf geht´ s Fr.Reiche. Lösungen sind auf dem Tisch.

    • Welche Lösungen denn?
      Herausforderungen gibt es viele. Aber es werden immer mehr. Gerade weil wir KEIN Meister mehr darin sind damit umzugehen. Black-out gab es in Spanien trotz Sonne. Und in Berlin wegen links-grünen Terroristen.
      WAS „waren die Meckerer“?
      Haben sie den Artikel überhaupt gelesen? Finden sie da Kritik etwa nicht angebracht?

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