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Ohne neue Gaskraftwerke wird es dunkel: Studie bestärkt Katherina Reiches Kurs

Für ihre Gaskraft-Ausbaupläne erntete Wirtschaftsministerin Katherina Reiche heftige Kritik. Eine Studie des Science Media Center gibt der CDU-Politikerin nun recht: Ohne Ausbau der grundlastfähigen Stromversorgung droht Deutschland ein Desaster.

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche will zusätzliche Gaskraftwerke, damit bei Dunkelflauten der Strom nicht ausfällt. (IMAGO/dts Nachrichtenagentur)

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Deutschlands Energiepolitik bleibt ein Monolith. Nachdem die kurzzeitig aufgebrandete Debatte um eine mögliche Rückkehr zur Kernenergie sowohl innerhalb der Regierungskoalition als auch im medialen Mainstream zügig erstickt wurde, ist klar: Der Pfad der Energiewende wird fürs Erste fortgeschrieben. Allerdings erfordert der kostspielige Ausbau der unsicheren erneuerbaren Energien den Aufbau einer parallelen Infrastruktur mit grundlastfähiger Energie, um Rückfälle in Dunkelflauten und massive Versorgungsprobleme zu verhindern.

Wirtschaftsministerin Katherina Reiche hat zu diesem Zweck ihre Pläne präsentiert, bis zum Jahr 2031 die notwendigen elf Gigawatt zusätzlicher grundlastfähiger Energie in Form einer Erweiterung der Gaskraftkapazitäten bereitzustellen.

Mit ihren Plänen stieß die CDU-Politikerin naturgemäß auf heftige Kritik: Vor allen Dingen die Öko-Lobby warf ihr einen Rückfall ins fossile Zeitalter vor. Regelrecht emotional ging es zu, als Reiche ausgerechnet der in Deutschland über viele Jahre hochsubventionierten Windkraft-Lobby wegen Fördermittelkürzungen ans Leder wollte – da wurde jedem schnell klar, wer hier Ross und wer Reiter ist (Apollo News berichtete). Reiche steht isoliert da – allein auf weiter Flur, selbst in ihrer eigenen Partei.

Die Absicherung des bestehenden Energienetzdesigns mit elf Gigawatt zusätzlicher Gaskraft würde bis zu 15 Milliarden Euro kosten. Wahrscheinlich wären 30 neue Gaskraftwerke nötig, die ab 2031 über eine Umlage auf den Strompreis von den Verbrauchern finanziert würden. So zumindest lautet die Planung des Wirtschaftsministeriums. Später wolle man, so Reiche, die Umrüstung dieser Kraftwerke auf Wasserstoff vornehmen.

Hält die deutsche Energiepolitik Kurs, so ist der Ausbau der Gaskraft unumgänglich, befindet auch eine Studie des Science Media Center: Selbst im Fall des Ausbaus der erneuerbaren Energien auf 80 Prozent des Stromverbrauchs im Jahr 2031 wäre noch immer die ergänzende Absicherung durch grundlastfähige Energie notwendig, um die Netze zu stabilisieren, so die Energieexperten.

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Auch im optimistischen Szenario mit massiv installierter Wind- und Solarkapazität bleiben Stunden der Dunkelflaute, in denen Wind und Solar fast keine Leistung liefern. Dann fehlt die gesicherte Kraft, die das System jederzeit tragen muss – und diese Lücke können nur steuerbare Kraftwerke schließen.

In ihrem mittleren Berechnungsszenario kommen die Studienautoren zu dem Ergebnis, dass im Jahr 2031 wohl in 277 Stunden gesicherte Leistung in den Netzen fehlen würde; in der Spitze bedeutet dies: Bis zu 21,9 Gigawatt an Leistung könnten nicht erbracht werden. Dann folgt die nächste schlechte Nachricht in der Studie: Selbst im Falle des Zubaus der besagten elf Gigawatt an zusätzlicher Gaskraft als Backup-Kapazität würde sich die Leistungslücke auf lediglich 64 Stunden reduzieren, aber eben nicht vollständig schließen, so die Autoren.

Im Umkehrschluss bedeutet dies: Wirtschaft und private Haushalte müssten jederzeit mit Blackouts rechnen, ein volkswirtschaftliches Großrisiko, das als Nebenwirkung der Energiewende scheinbar nicht ausgeschlossen werden kann.

Im Diskussionsteil des vorgelegten Materials wird es dann für die Freunde der radikalen Energiewende richtig hart. Die Konklusion der Autoren lautet relativ simpel: Genügt der Pfad des Kapazitätsausbaus der Gaskraftwerke nicht, wäre wohl die Verlängerung der Kohleverstromung eine notwendige Option. In diesem Szenario kalkulieren die Autoren mit einem sogenannten Kohlesockel, der im Falle des weitergeführten Betriebs bestehender Kapazitäten 5,2 Gigawatt betrüge, um die bestehende Versorgungslücke weiter zu schließen. Aber wie gesagt: Bei der Verlängerung der Kohleverstromung im Falle einer auftretenden Versorgungslücke handelt es sich lediglich um ein Gedankenspiel.

Eine Verlängerung der Laufzeiten in den Kohlerevieren Nordrhein-Westfalens und Sachsens würde vor allen Dingen die Pläne der schwarz-grünen Koalition in Düsseldorf durchkreuzen, in diesem Bereich die Brücken endgültig einzureißen, Kohleflöze zu fluten und den großen Braunkohletagebau des Landes in ein Seenparadies zu verwandeln.

Aber wie gesagt: Es handelt sich lediglich um eine Empfehlung. Aus der Erfahrung mit der deutschen Politik der vergangenen Jahre wissen wir jedoch, dass am Ende häufig die ideologischen Hardliner des Degrowth das letzte Wort haben. Ideologie obsiegt über Ratio, die Rechnung wird auf viele Millionen Einzelverbraucher aufgeteilt, sodass der gesamte entstandene Schaden nur indirekt wahrgenommen wird.

Und dennoch sei an dieser Stelle eine Prognose erlaubt: Es ist nicht unwahrscheinlich, dass Deutschland seinen Ausstieg aus der Kohleverstromung verschieben muss. Der Mangel an grundlastfähiger Energie ist offensichtlich; er ist systembedingt und destabilisiert ein Grundprinzip der Netzpolitik: die Versorgungssicherheit.

Die Energiewende ist gescheitert, weil das Erneuerbare-Energien-Gesetz systematische Fehlanreize setzte: Selbst Überkapazitäten aus erneuerbarer Erzeugung, die zu negativen Preisen exportiert werden müssen, werden noch immer subventioniert. Die Folgen sind explodierende Redispatch-Kosten – Milliarden, die die Verbraucher zusätzlich tragen müssen, während das Netz durch falsche Einspeisung überlastet wird.

Hinzu kommen Fragen der Wirtschaftlichkeit sowie der Finanzierbarkeit des Aufbaus neuer Gaskapazitäten oder gar der völlig unwirtschaftlichen Speichertechnologie. Deutschland besitzt nicht mehr die ökonomische Kraft, diese zentral geplante, vollkommen ineffiziente und anachronistische Transformation seines Energiedesigns zu finanzieren, und wird auf diese Weise die Inflation auf eine kreuzgefährliche Höhe treiben.

Eine Verlängerung des Ausstiegsszenarios wäre die Minimallösung, die einzig vernünftige politische Entscheidung dieser Generation von Politikern, die das Land in die Falle eines grünen Absolutismus geführt hat und nun keine Strategie besitzt, die Trümmer eines energiepolitischen Desasters zu beseitigen, dessen wirtschaftliche und gesellschaftliche Konsequenzen wir bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt nur ansatzweise abschätzen können.

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22 Kommentare

  • und es werden noch Kraftwerke an die Ukraine verschenkt

    • Reiche redet schon fast so viel wie Merz, umsetzen will und kann sie nichts, daher lehnt sie sich so weit aus dem Fenster. Sie betrügt und absichtlich, wie ihre CDU Kollegen!

    • Gute Frage 👍

    • Wer macht dann im Winter bei uns den Strom?

  • Wir können den grundlastfähigen Atomstrom von Frankreich oder Tschechien kaufen. Vermtl ist das billiger als 30 neue Gaskraftwerke zu bauen. Wir brauchen eine Speichertechnologie für zuviel Wind u Solarstrom das ist die Lösung.

  • Wann wird Nordstream 2 und 3 endlich repariert Genossin Reiche?
    Wer soll bei Putin die Wiederaufnahme der Gaslieferung erbetteln?
    Vielleicht What-a fool?

  • Einmal mehr präsentiert man sich der gesamten Welt, als exakt das, was man tatsächlich ist.

  • In Deutschland hat der Bürger einfach vergessen, wer die letzten 40 Jahre fast durch gehend regiert hat und diese Zustände erschaffen hat?
    Hallo, es war die CDU und heute macht sie mit den SPD Sozialisten gemeinsame Sache!
    Ob Reiche da irgendetwas faselt oder nicht!

  • „Selbst Überkapazitäten aus erneuerbarer Erzeugung, die zu negativen Preisen exportiert werden müssen, werden noch immer subventioniert.“
    So einen Satz versteht der Otto doch gar nicht mehr. Ob frühere Generationen von Ottos das mehrheitlich getan hätten, ich bezweifle es, wenn man sich die dt. Geschichte so anguckt.

    „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen.“
    Immanuel Kant

    • Ich kann auch zitieren: 🙂
      Der Experte ist ein gewöhnlicher Mann, der – wenn er nicht daheim ist – Ratschläge erteilt.
      -Oscar Wilde-

      • Können sie auch erklären, was mit „wenn er nicht daheim ist“ gemeint ist?

        • Der Prophet, sein lokales Dorf, seine dortige Geltung.
          Profaner: Männe, schweig & trockne das Geschirr ab!

          -1
  • Wenn Reiche so weitermacht, auf das Aufjaulen von Roten und Grünen überhaupt nicht reagiert, und dann auch noch das geschenkte Gaskraftwerk an die Ukros verhindert, ja dann haben wir die Nachfolgerin von Merz doch schon gefunden…

    • Du glaubst der Frau auch nur ein Wort? SIE IST IN DER CDU!!!

      • Wer immer noch an die CDU glaubt, muss in die Gummizelle.
        Es fing mit dem Mist von „Unblutiger Revolution“ unter Kohl an. Die Wiedervereinigung war der größte Raub von Volksvermögen. Dazu wurden auch nicht die SED und STASI Seilschaften ausgemerzt und deshalb haben wir sie heute überall sitzen. Auch Merkel, Gysi, Gauck und Konsorten wärn uns erspart geblieben. Und das wirklich positive wäre gewesen, das es uns heute wesentlich besser gehen würde.

  • Alle 24 Stunden eine Reiche-Meldung! Wird da die Nachfolgerin des ach so überlasteten und von allen angegriffenen aufgebaut?

    Inhaltlich ist sie in der Tat eine der wenigen (die einzige?!) selbständig denkenden in dieser Horror-Koalition.

    -12
    • Wie kann man eine Lügnerin wie Reiche mit der klugen Weidel vergleichen?

      • Weidel ist fraglos die Klügere, ABER die CDU hat die gräßere Fraktion – und hätte sie nach Neuwahlen die kleinere, gäbe es nicht mal den Hauch einer Chance für Blau-Schwarz. Der BK (m/w/d) kommt also von der CDU. Noch 3 Jahre.

        Die AfD dürfte parteiintern unserem neuwahlaversen Steinmullah dankbar sein, daß sie das Wucherpfund der hohen Umfragen weiter nutzen kann, ABER die CDU als Seniorpartner akzeptieren darf.

        Wo lügt Reiche?

        • Der Kommentar zeigt die völlige geistige Verwirrung!

          6
        • @Reiche + Weidel. Mehr Feminismus wagen!
          WÄHL EINFACH WEITER CDU!!!!!

          0
    • Ist dieser Frau zu trauen? Oder geht der schon mal prophylaktisch der A….h auf Grundeis?

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