Zwischen Euphorie und Anspannung: Orbáns Spektakel vor der Schicksalswahl
Bei CPAC Ungarn versammeln sich Europas Rechte hinter Orbán – für den geht es bei der anstehenden Wahl um alles. Ein Treffen zwischen euphorischer Aufbruchsstimmung der Gäste und angespannter Ungewissheit des Gastgebers.
„Orbán ist einer der wichtigsten Anführer weltweit – er zeigt uns den Weg. Deshalb wollen unsere Gegner das ungarische Modell zerstören“, ruft Santiago Abascal, Chef der spanischen Vox-Partei, bei seiner Rede aus.
Solche überschwänglichen Lobeshymnen auf Viktor Orbán gehören auf der CPAC Ungarn, dem größten europäischen Ableger des aus Amerika stammenden Konservativentreffens CPAC, zur Tagesordnung. Das Motto der diesjährigen Konferenz in Budapest lautet dabei „On to Victory!“ (zu Deutsch: „Auf zum Sieg!“). In weniger als drei Wochen wird in Ungarn gewählt; die Stimmung – auch unter den vielen Fidesz-Anhängern vor Ort – ist angespannt. Siegessicher ist hier niemand; jeder weiß, es wird knapp. Wer gerade vorn liegt, weiß so wirklich niemand mit Sicherheit.
Werbung
Umso mehr ist es für viele der europäischen Konservativen und Rechten vor Ort eine Schicksalswahl: Verliert Orbán und seine Fidesz-Partei, wäre die wohl letzte rechte Regierung in der EU Geschichte – zumindest, wenn man Melonis italienische Regierungskoalition ausklammert. Eine Niederlage Orbáns würde düstere Aussichten für viele der Teilnehmer bedeuten. Zugleich aber – und das ist das Paradoxe – sieht sich die europäische Rechte hier im Aufwind.
Denn auch wenn sie andernorts nicht regieren: In kaum einem europäischen Land stehen die Rechten in Umfragen nicht bereits viel, viel besser da als nach dem letzten Wahlergebnis. Beweisstück Nummer eins: der Auftritt von AfD-Co-Chefin Alice Weidel. Ihre Partei kämpft seit Monaten in Umfragen mit der CDU um den ersten Platz – und lag mitunter auch schon eine ganze Weile vorn. Sie sieht sich dabei nicht nur als Speerspitze der europäischen Rechten, sie wird bei CPAC Ungarn auch so empfangen: mit Standing Ovations, die sonst niemand außer Ungarns Premier Viktor Orbán oder Argentiniens Präsident Javier Milei bekommt.
Werbung
Noch vor wenigen Jahren wäre ein Weidel-Auftritt undenkbar gewesen. Die AfD war auf vielen Konferenzen internationaler Konservativer oft nicht vertreten. Damals noch nicht eingeladen, aus Berührungsängsten, wie Teilnehmer erklären. Was sich geändert hat? Sie sei einfach zu stark geworden. Und im Herzen hätten viele, auch ausländische Rechte, doch schon lange Sympathien für die Partei gehabt. „Ich meine, es ist Deutschland!“, meint ein Aktivist.
Lesen Sie auch:
Migration
Weniger Ausreisen, höhere Kosten: Der Bund zahlt Rekordsumme für freiwillige Rückkehr
Eine Antwort der Bundesregierung auf eine AfD-Anfrage zeigt: Die Kosten für freiwillige Ausreisen erreichen 2025 einen Höchststand, obwohl deutlich weniger Menschen das Land verlassen. Gleichzeitig kehren Tausende Geförderte später zurück.„Demokratie leben“
Heidi Reichinnek attackiert Ministerin Prien wegen Kürzung des NGO-Förderprogramms: „Getrieben von rechten Hetzkampagnen“
Bildungsministerin Karin Prien will das Förderprogramm „Demokratie leben!“ umbauen. Dafür wird sie scharf von Heidi Reichinnek kritisiert. Diese wirft ihr vor, „im vorauseilenden Gehorsam schon jetzt die kühnsten Träume der AfD“ zu erfüllen.Zumindest in Ungarn schaut man auf Deutschland als Schlüsselland in der EU. „Wenn Deutschland nach rechts kippt, dreht sich die gesamte EU“, sagt ein anderer. Das hört man hier immer wieder. Unter den internationalen Teilnehmern herrscht die Stimmung eines künftig unausweichlichen Siegs der Konservativen und Rechten in Europa – wohin man auch schaue, lägen sie vorn: Frankreich, Deutschland, England, Österreich und so weiter.

In Ungarn selbst aber steht die Entscheidungswahl jetzt unmittelbar an: Im Stadtbild Budapests ist das nicht zu übersehen. Die Metropole ist voller Wahlplakate der Fidesz-Regierung und des Tisza-Oppositionsbündnisses. Was dabei aber auffällt: Orbán, der gerade die CPAC Ungarn eröffnet hatte, fehlt hier bemerkenswerterweise. Auf keinem einzigen Plakat taucht er auf. Stattdessen ist überall Oppositionskandidat Péter Magyar zu sehen – sowohl auf Plakaten seiner Partei als auch auf denen seiner Gegner von der Fidesz. Von Orbáns Partei, die ohne Frage die größten Banner hier stellt, wird Magyars Kopf als Feindbild neben dem ukrainischen Präsidenten Selenskyj und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen präsentiert: allesamt mit böse grinsender Miene.
Werbung
Eins kann man hier nicht leugnen: Im Wahlkampf gegen den diesmal tatsächlich gefährlich werdenden Magyar zieht die Regierungspartei von Orbán alle Register. „Negative Campaigning“ würden das deutsche Politexperten wohl ganz im US-Sprech nennen. Manche ungarische Konservative erklären es hinter vorgehaltener Hand so: Man müsse vor allem das Negative des Oppositionskandidaten hervorheben; zu zeigen, welche Projekte Orbán im Land vorangetrieben habe, würde nicht reichen, um die Wählerschaft zu überzeugen und zu mobilisieren. Dass Orbán die Migration im Griff habe, würden gerade junge Wähler in den Städten nicht zu schätzen wissen, weil sie nichts anderes kennen.
Was käme, wenn Magyar doch gewinnt, wollen sich viele gar nicht so recht ausmalen. Eine junge Frau mit einem Friedenstauben-Pin am Revers meint: „Wenn die Opposition gewinnt, gibt es pures Chaos.“ Sollte Magyar gewinnen, würde es CPAC Ungarn nächstes Jahr wohl gar nicht mehr geben; davon ist die junge Parteigängerin überzeugt.
An der Zukunft der aktuellen ungarischen Regierung hängen zahlreiche Existenzen – das sieht man bei CPAC nur zu gut: Zahlreiche ungarische Thinktanks, Kampagnenorganisationen und Fidesz-Unternehmen haben ihre Zelte in der Messehalle aufgeschlagen. Sie alle sind Teil des kleinen ungarischen NGO-Universums, das sich innerhalb der 15 Jahre Orbán-Regierung gebildet hat – anders als in Deutschland aber von rechts.
Werbung

Vor allem aber hat Orbáns Regierung Signalwirkung auf den Rest Europas und international vernetzte Rechte. So kommt es auch, dass hier Persönlichkeiten auftauchen und Orbán loben, die in ihren Positionen zum Teil weit auseinandergehen: Während Orbán ein guter Freund des US-Präsidenten Trump ist – der sendete auch eine Videobotschaft zur Unterstützung –, hat Weidels Kollege, AfD-Co-Chef Tino Chrupalla, den Republikaner erst vor Kurzem des Verrats an den eigenen Wählern bezichtigt und als „Kriegspräsidenten“ bezeichnet. Argentiniens Präsident Milei wird gefeiert wie ein Popstar, steht aber mit seiner libertären Wirtschaftspolitik und auch seiner Ukraine-Unterstützung in einigen zentralen Fragen ganz anders als Orbán da.
Sie alle aber stellen sich hinter den ungarischen Premier. Und vielleicht ist das auch eine Eigenheit solcher Treffen internationaler Konservativer: Eine grenzübergreifende ideologische Einheitslinie gibt es, anders als mitunter bei vielen Linken, nicht. „Wir sind alle Patrioten hier“ – das hört man immer wieder. Und: „Die patriotische Position ist, was gut für das eigene Land ist“, so beantworten Politiker wie der belgische Vlaams-Belang-Chef Tom Van Grieken Fragen nach ideologischen Differenzen.
21 Tage sind es noch bis zur Wahl in Ungarn. Die Spannung liegt auch bei CPAC in Budapest in der Luft – das ist unbestreitbar. Vom Ende der 16-jährigen Regierungszeit Viktor Orbáns bis hin zu einem komfortablen Sieg über die Opposition wie 2022 scheint für die CPAC-Teilnehmer vieles möglich. Klar ist aber: Bis hierhin gilt Orbáns Regierung lagerübergreifend als der „Gigant“ der Rechten in Europa, wie es etwa der Chef der niederländischen PVV, Geert Wilders, formulierte – auch wenn man von nicht wenigen hört, dass ein nach rechts verschobenes Deutschland schnell diese Rolle übernehmen würde.
Freund werden
Freund von Apollo News werden
Wir Deutsche haben Ungarn sehr viel zu verdanken, ohne Ungarn, das übrigens in Mitteleuropa und nicht in Osteuropa liegt (die Ungarn legen zurecht sehr viel Wert darauf) gäbe es keine Wiedervereinigung. Dass der Herausforderer ausgerechnet Magyar, also „der Ungar“ heißt, ist auch kein Zufall, ich liebe Ungarn, eines der letzten Ländet, in denen man sich sicher fühlt. Danke, Victor Orbán, danke und viel Erfolg.
Die Regierungskoalition liegt 10% vor Magyar……nur zur Info…..auch für AN.
laut einer serioesen quelle?
interessiert mich.
magst du sie nennen?
ich fand bisher nur, dass lediglich das fidesznahe umfrageinstitut orban vorne sieht, alle anderen, freien institute (6 oder 7) sehen magyar vorne.
Ich denke, es wird in Ungarn laufen wie in den USA: Totgesagte leben länger.
aus unserer warte: hoffentlich !
wenn die ungarn es anders sehen, muessen in erster linie sie damit gluecklich werden.
ich habe einigen schon gesagt, nach spaetestens 2 jahren peter magyar werden sie weinend um die rueckkehr orbans bitten.
glaubt mir keiner.
Alice Weidels Rede:
https://www.youtube.com/watch?v=KajGpOAzk4k
In Ungarn gibt es keine Tücher um den Kopf und keine ‚Messerverbotszonen‘. Das haben die Ungarn nicht nötig, weil es einen Präsidenten Viktor Orbán gibt!
Solche Veranstaltungen sind mir zu künstlich. Habe den Auftritt von Alice Weidel kurz gesehen, ist nicht mein Fall.
Chrupalla hat Recht. Trump, der seiner Base versprochen hat die forever wars zu beenden, ist mittlerweile genauso korrumpiert vom militärisch-industriellen Komplex wie seine Vorgänger.
Aber „Apollo News“ und „NiUS“ sind hier ebenso wie die Springer-Presse gleichgeschaltet. Es gibt hierzulande keine! reichweitenstarken, geopolitisch unabhängigen Medien.
Unabhängig davon:
Orban ist der einer der größten Staatsmänner unserer Zeit. Ich kann nur hoffen, dass die Ungarn wissen, was sie haben.
Ich weiß ja nicht was lustiger an diesem Kommentar ist.
Zu glauben Trump wäre nicht der, der er vor 10, vor 20 Jahren schon war.
Zu glauben Orban wäre ein großer Staatsmann, der eigentlich immer nur mit leeren Versprechungen und Vetternwirtschaft auffällt.
Oder dass man Chrupalla Recht gibt.
Aber was von der Gleichschaltung fantasieren. Doch, es gibt die Medien deren angeblichen Mangel zu bejammerst, aber die liest du eben nicht.
Amerikanische Präsidenten – gleich aus welchem Lager sie kommen – haben keine absolute Entscheidungsfreiheit, zumindest nicht DE FACTO, da sie vielen ABHÄNGIGKEITEN unterworfen sind.
Wer das nicht begreift, hat das amerikanische System nicht verstanden. Man mag das gut oder schlecht finden: Die Realität ist nun mal, wie die Realität eben ist. GRAUSAM !
hand aufhalten und EU Förderungen mitnehmen.
Aber auf die EU draufhauen. Wäre Ungarn nicht in der EU. Würde es gar nicht mehr wirtschaftlich Existieren. Na ja vielleicht würden sie Ladas bauen die kein Mensch will Kein Unternehmer investiert in Serbien z.b.
Der korrupte Orban Clan wird in den Knast gehen.
Oh, Gott, jetzt schreiben sie bei AN schon zu zweit. Demnächst wie bei der taz, wo die Liste der beteiligten Autoren länger als der Text ist.
Deswegen ist der Artikel auch nicht besser, sondern ein wenig tendenziös gegen Orban.