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Sogar die eigene Ministerin demütigt jetzt Friedrich Merz

Mein letzter Kommentar zu Friedrich Merz ist erst einen Tag alt. Eines muss man dem Bundeskanzler aber lassen: Er liefert in atemberaubender Geschwindigkeit neue Peinlichkeiten ab. Und er ist nun mal der Kanzler, also ist hier der nächste Kommentar.

Katharina Reiche und Friedrich Merz bei der Messe Hannover im April 2026. (IMAGO/Noah Wedel)

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Friedrich Merz wollte seinen Parteikollegen vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt noch mal so richtig unter die Arme greifen. Wie er auf die Idee kam, er könnte mit seinem gestrigen Besuch in Kühlungsborn und Quedlinburg irgendwem außer der AfD im Wahlkampfendspurt behilflich sein, dürfte sein Geheimnis bleiben.

Natürlich wurde er in Mecklenburg-Vorpommern von den Bürgern wenig enthusiastisch empfangen und erntete Beschimpfungen, Buhrufe und Pfiffe für seine bisherige Regierungszeit. Selbstverständlich war auch Merz’ Ansprache bei einer Parteiveranstaltung in Quedlinburg eher unglücklich. Sachsen-Anhalt dürfe „kein Experimentierfeld für Wutbürger werden“, sprach der CDU-Chef, neben dem unglücklichen Spitzenkandidaten Sven Schulze stehend, in die Mikrofone der anwesenden Pressevertreter.

Eine geniale Kommunikationsstrategie ist es, als ohnehin extrem unbeliebter Bundeskanzler, der zudem immer wieder und nicht ganz zu Unrecht Arroganzvorwürfen ausgesetzt ist, in ein Bundesland zu reisen und dort de facto die Hälfte der Bürger zu diffamieren. „Wutbürger“ kann durchaus als Ersatz für „Damen und Herren“ oder „Liebe Wähler“ ausgesprochen werden, klug ist daran aber nichts.

Dass eine freie Wahl in Merz’scher Logik zu einem „Experimentierfeld“ für eben diese werden könnte, macht die Sache nicht besser. Es handelt sich um eine sterile, demokratieferne Sprache, die die Legitimation politischer Macht den Händen des chaotischen Souveräns entreißt und sie den ach so weisen, kontrollierten Regierungspolitikern, die seit Jahrzehnten das Labor hüten, zuweist.

Als wäre das Ostfiasko nicht Demütigung genug, muss sich Friedrich Merz am heutigen Tage auch noch die Kritik seiner Wirtschaftsministerin Katharina Reiche anhören, die nichts weniger als die Überführung seiner Person als Lügner bedeutet. Die Märchengeschichte der Genossen Klingbeil und Merz von Steuersenkungen wird vom Bundeswirtschaftsministerium zerlegt.

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In einem Brandbrief von Reiches Staatssekretär Dr. Thomas Steffen an das Bundesfinanzministerium steht der entscheidende Satz: „Die Bundesregierung wäre die erste Bundesregierung seit 2015, die keinen vollständigen Abbau der kalten Progression gesetzlich veranlasst. Ergebnis ist eine inflationsbedingte heimliche Steuererhöhung.“

Die klare Forderung in dem Brief lautet, dass „progressionsbedingte Belastungen im Zusammenhang mit der allgemeinen Preissteierung“ unbedingt „zu vermeiden“ seien.

Es ist ein ziemlich einmaliger Vorgang. Bundeskanzler und Bundesfinanzminister erzählen seit Wochen, dass sie die Menschen steuerlich entlasten werden. Jetzt erklärt ihre eigene Wirtschaftsministerin, dass sie die Unwahrheit sagen und zum ersten Mal seit über einem Jahrzehnt noch nicht einmal die kalte Progression ausgeglichen wird.

Friedrich Merz hat keine Freunde mehr. Betritt er die Straße, trifft er auf Wut und Hass. Geht er in die Talkshows, wird er ausgelacht. Gibt er Interviews, schütteln die Leser entnervt den Kopf. Redet er im Parlament, wird er nicht ernst genommen und verhöhnt. Sitzt er in seinem eigenen Bundeskabinett, hat er so wenig Autorität, dass seine eigene Ministerin ihn öffentlich der Lüge überführt.

Das ist keine Zustandsbeschreibung eines Bundeskanzlers, der bald mit großen Reformen das Land auf Vordermann bringen wird. Das ist die Lage eines Mannes, der ein Wunder braucht, um das Ende seiner regulären Amtszeit zu erreichen.

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10 Kommentare

  • Ich finde es total unfair, wie mit Merz umgegangen wird! Er hat versprochen, keine Steuern zu ERHÖHEN, aber über das Thema NEUE Steuern hat er nie irgendwelche Versprechungen gemacht!
    Auch mit diesem „Herbst der Reformen“ … hat er jemals gesagt, in welchem JAHR dieser Herbst stattfinden soll?! Nein! Man muss halt nur richtig zuhören! Wie gesagt: voll unfair!
    /Ironie

  • Wann werden wir erlöst?

  • Ich erinnere noch, daß Merz noch vor zwanzig Jahren als „Wirtschaftsfachmann“ beschrieben wurde. Auch ich fiel damals darauf herein. Doch bereits lange vor der letzten Wahl wurde klar, daß der Mann und insbesondere sein angebliches Wirtschaftsverständnis eine Mogelpackung sind: Er beschimpfte den überaus erfolgreichen Marktwirtschaftler Milei, machte die Sozialistin von der Leyen zur erneuten Chefin der EU, faselte vom (ebenfalls sozialdemokratischen) Projekt einer „europäischen Arbeitslosenversicherung“, wollte die Zahl der Wärmepumpen verdreifachen… Spätestens seitdem er sich vor ein paar Tagen nun auch ganz offiziell zum „Klima“-Kanzler ausgerufen hat, ist auch dem letzten, der nicht linksverstrahlt ist, klargeworden: Merz Versteht von nichts, von absolut nichts etwas. Und mit ihm als Kanzler wird es weiter bergab gehen.

    • Möglicherweise handelt Herr Merz im Bereich der Wirtschaft, um die es ihm eigentlich geht (Black Rock & Co.) durchaus erfolgreich.

  • Jedes Wort zu diesem Kanzlerdarsteller zweiter Wahl kann nur noch eine Untertreibung sein.

  • Naja er ist nur der Kanzler… Steinmeier steht über ihm… Er ist nicht die Nummer ein’s unser aller Pinocchio…😂

    • Nein, er ist stolzer Kanzler 2. Wahl und CDU- Chef im 3. Anlauf.

  • Eventuell möchte Frau Reiche, und auch Herr Steffen, klugerweise rechtzeitig das s(t)inkende Schiff verlassen und sich wohin auch immer umorientieren.

  • Das „Experimentierfeld für Wutbürger“ ist nur deshalb entstanden, weil linksgrüne Politiker Deutschland zu einem Experimentierfeld für Ideologien gemacht haben. CDU eingeschlossen.

  • Wie kann diese traurige Gestalt überhaupt noch gedemütigt werden?

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