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Rot-Rot-Grüner Rückzug von X: Wie trotzige Verlierer schleichen sie vom Platz

SPD, Grüne und Linke inszenieren ihren Rückzug von X als heroischen Akt. Tatsächlich fliehen sie vor Widerspruch und einem deregulierten Meinungswettstreit, in dem sie ohnehin nichts mehr anzubieten haben. Rot-Rot-Grün schleicht als trotziger Verlierer vom Spielfeld des eigenen Kulturkampfes.

Zieht sich mit ihrer Partei von X zurück: Grünen-Chefin Franziska Brantner (IMAGO/Chris Emil Janßen)

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Es sollte eigentlich ein großer Paukenschlag werden, ist aber jetzt schon eine einzige Peinlichkeit: SPD, Grüne und Linke ziehen sich in einer konzertierten Aktion von der Plattform X zurück. In gleichzeitig veröffentlichten Statements heißt es von Jan van Aken bis Britta Haßelmann und von Felix Banaszak bis zum SPD-Parteivorstand, dass X „in den letzten Jahren im Chaos versunken“ sei und „zunehmend Desinformation“ fördere.

Deshalb wolle man die eigenen Accounts fortan nicht weiter mit Inhalten „bespielen“, dafür aber auf „anderen Plattformen präsent bleiben“, so der Tenor in den wortgleichen Copy-and-paste-Statements – noch in ihrem letzten, zum heroischen Rückzug stilisierten Akt produzieren die Spitzenpolitiker von SPD, Grünen und Linken nur homogenen Einheitsbrei.

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Abgerundet werden die gleichlautenden Postings mit dem Hashtag „WirVerlassenX“. Und bereits darin zeigt sich die ganze Absurdität der rot-rot-grünen Kampagne: Offenbar ist bisher weder zu den Grünen noch zur SPD oder den Linken durchgedrungen, dass Hashtags auf X, insbesondere mit Blick auf die Reichweite und Aufmerksamkeit von Tweets, seit Ewigkeiten völlig bedeutungslos sind. Zudem ist die Aussage des Hashtags selbst pure Desinformation. Die im heroischen Kampf gegen X vereinte rot-rot-grüne Einheitsfront will ihre Accounts ja nicht löschen und X tatsächlich verlassen. Man will sich schlicht nicht mehr an den dort ungemütlich gewordenen Debatten beteiligen.

Gleichzeitig zu diesem merkwürdig inkonsequenten Rückzug empfehlen SPD, Grüne und Linke auch ihren Mitgliedern und Anhängern, X zu verlassen und stattdessen auf die Alternativplattform Bluesky umzusteigen. Bei der offiziellen Begründung für diesen Schritt wird es dann vollends skurril. Gegenüber Table Briefings erklärte die Grünen-Geschäftsführerin Pegah Edalatian, Kopf hinter der von langer Hand geplanten Aktion, X habe nachweislich an Bedeutung für die politische Auseinandersetzung verloren und sei zu einem „Einfallstor für Desinformation und eine aggressive Debattenkultur“ geworden. Man wolle zwar weiter aktiv „im digitalen Raum diskutieren und dabei andere Perspektiven sehen und berücksichtigen“. Das sei auf X angeblich aber „kaum noch möglich“.

Tatsächlich hat X an mehreren Tagen in diesem Jahr neue Rekorde bei Zugriffen und Nutzerzahlen verzeichnet und ist mit rund 600 Millionen monatlichen Nutzern das fünftgrößte soziale Medium der Welt – und nach wie vor mehr als zehnmal so groß wie sein Konkurrent Bluesky. Dass X an Bedeutung eingebüßt habe, ist also die nächste Falschbehauptung. Was Edalatian wohl eigentlich zum Ausdruck bringen will: Grüne Narrative haben auf X an Relevanz verloren und sind dort zunehmend nicht mehr wettbewerbsfähig.

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Das ist aber nicht der einzige Grund, warum der melodramatische links-grüne Abschied von X nur so vor Heuchelei trieft. Weder der SPD, den Grünen noch erst recht der Linkspartei geht es um angebliche „Desinformation“ oder eine ach so verrohte Debattenkultur: SPD- und Grünen-Politiker wie Karl Lauterbach, Janosch Dahmen, Konstantin von Notz oder Jürgen Trittin sind in der Vergangenheit auf X regelmäßig mit kruden und teils grotesken Falschinformationen zur Energie- und Coronapolitik oder zum angeblichen Einfluss ausländischer Mächte auf die deutsche Politik aufgefallen – von der radikal-populistischen Agitation von Linken-Politikern gegen Vermieter und „Superreiche“ oder der antisemitischen Propaganda gegen Israel ganz zu schweigen.

Nein, es geht nicht um eine zivilisierte Debattenkultur und schon gar nicht um die Wahrheit. Es geht um Deutungsmacht und kulturelle Hegemonie. Es geht darum, ungestört von Kritik und Widerspruch weiter an den eigenen, längst an der Realität zerschellten politischen Illusionen festhalten zu können: Energiewende, Atomausstieg, Klimatransformation, Multikulturalität, Diversität, etc. All diese links-grünen Projekte und Zukunftsvisionen werden Tag für Tag in den sozialen Medien, allen voran auf X, als realitätsferne Wunschträume entlarvt – und die politische Linke spürt, dass sie dieser Entwicklung immer weniger entgegenzusetzen hat. Dass sich die Reaktion auf diese Dynamik auf Forderungen nach stärkerer Regulierung, Beschränkung und Zensur digitaler Plattformen beschränkt, spricht Bände.

An dem weinerlichen kollektiven Rückzug von Rot-Rot-Grün in die eigene Wohlfühl-Filterblase ist daher nichts Mutiges oder Heroisches. Er ist das schlecht verhüllte Eingeständnis der sich immer deutlicher abzeichnenden Niederlage in einem Kulturkampf, den man selbst siegesgewiss losgetreten und jahrzehntelang mit dem Gestus moralischer Überlegenheit geführt hat. Jetzt schlägt das Pendel knallhart zurück und sorgt für panische Angst und heillose Überforderung eines Milieus, das bis zuletzt wie selbstverständlich und ungestört an den Schalthebeln der Meinungsmacht und diskursiven Deutungshoheit saß.

Mit der Übernahme von X durch Elon Musk und dem damit ausgelösten „Vibe Shift“ sozialer Medien in Richtung Meinungsfreiheit kommt das Shitbürgertum nicht zurecht. Im deregulierten freien Spiel der Kräfte, jenem zunehmend von linken und öffentlich-rechtlichen Gatekeepern und Zensoren befreiten Wettstreit von Meinungen und politischen Konzepten, sieht man auf der politischen Linken (zu Recht) eine existenzielle Bedrohung.

In dem instinktiven Vorgefühl, diesem offenen und rauen Kampf um die kulturelle Dominanz nach dem Wegfall der eigenen Wettbewerbsvorteile in keiner Hinsicht mehr gewachsen zu sein, haben sich SPD, Grüne und Linke nun zur Kapitulation entschlossen. Vom Spielfeld des eigenen Kulturkampfes schleichen sie jetzt wie schlechte Verlierer, die sich nach einer verdienten Niederlage über den Schiedsrichter und die unfaire Spielweise des Gegners beschweren. Es ist ein trostloser Offenbarungseid – und ein passendes Eingeständnis des eigenen Scheiterns: weinerlich, verlogen, trotzig und zutiefst verbittert.

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115 Kommentare

  • Wenn das der Anfang ist und der Rückzug aus der Politik und D überhaupt folgt, dann halte ich es für einen guten Anfang.

    225
    • Niemand wird diese infantilen Selbstdarsteller vermissen

      182
      • Reisende soll man nicht aufhalten deren Kommunisten Bullshit ist mir eh zuwider !

      • Die.sind nicht infantil. Das wäre ja noch eine Entschuldigung.

    • X war noch eine soziale Kontrolle für diese Parteien und jetzt fällt das weg. In der Folge werden noch idiotischere Entscheidungen und Forderungen kommen. Das könnte im best case tatsächlich ein weiterer Abstieg werden.

    • Wer braucht schon rohd griehne tzägge?

  • Herr Marx,
    ein ausgezeichneter Artikel über die Verlogenheit.

    131
    • SPD, Grüne und Linke inszenieren ihren Rückzug von X.
      Die sollen ihren Müll untereinander verbreiten.

      • Machen sie doch jetzt ab 9. Mai: W Social – gemeinsam in einer Blase für „Unsere Demokratie“

  • Die NED (Neue Einheitspartei Deutschlands) verlässt X.

    • Wenns nur so wäre…sie sind ja inkonsequent und stellen ihre Accounts nur auf inaktiv…das ist *nicht* verlassen.
      Wohl in der Hoffnung, das einer aus ihrer genehmen Blase eines Tages mal X übernimmt 😀

  • Chapeau Hr. Marx.

  • Mann, nicht das X noch pleite geht. An diesen Austritten hängen doch bestimmt Mio. User dran, oder Tausende, oder wenigstens Dutzende?

    • Haha gute Ironie.

  • Neiiin! Katrin Göring-Eckhart – ich werde sie vermissen!

    • Bezieht sich der Rückzug auch auf Accounts einzelner Personen?
      Sind Ortsvereine verpflichtet, den Rückzug mitzumachen?
      Kriegt, wer nicht mitmacht, Parteiausschluß und frühmorgendlichen Besuch?
      So viele Fragen …..

  • Sprichwort: „Das schlägt doch dem Demokratiefass den Resonanzboden aus!“

  • Schöner Beitrag. Danke dafür, Herr Marx.

  • Trump hat noch Platz auf seiner Plattform

    • Würde eigentlich passen wenn sie nun auf „TRUTH social“ weiterlügen

  • Ich bin irritiert weil ich dachte, die haetten sich schon vor ca. zwei Jahren auf Mastodon und BlueSky verkruemelt… Die Parteien dann wohl bis jetzt doch noch nicht…

    • Ja, die SPD hat das tatsächlich schon mit Pauken und Trompeten angekündigt, den Account nicht mehr bespielt und sind heimlich, still und leise vor der BTW zurückgekommen.

  • Endlich gute Nachrichten von X
    Dann kann man sich ja wieder registrieren. ;-))

  • Schade, ich werde diesen Ruprecht Polenz sehr vermissen.
    Er war immer ausgesprochen drollig

  • Kürzlich las ich über Joschka Fischer sinngemäß, dass er sich wegen der unbotmäßigen Ostdeutschen mit ihrer Sympathie für rechtspopulistische Strömungen fragt, ob der Vollzug der Deutschen Einheit wirklich der richtige Schritt war. Ich habe das so verstanden: eigentlich hätte er auch gern physisch die Mauer zurück. Das Schutzbedürfnis scheint bei Rot-Grün immer größer zu werden.

  • Hatten wir 2024 doch schon mal. Sind alle in den BlauenHimmel gegangen.
    Und Anfang 2025 (BTW Ende Februar) reumütig zurückgekommen. Ich schätze, diesmal wird die Rückkehr rechtzeitig vor den LTW im September sein.

    Jedes „Wir sind wieder da!“ erfordert ein vorheriges „Wir bespielen nicht mehr!“.
    Bemerkenswert die EINMÜTIGKEIT SPD=SED=GRÜNE. Was sagt die CDU?

  • Da wird der Elon Musk aber sehr enttâuscht sein.

  • Gelebte Meinungsfreiheit ist so gar nix für „unsere Demokraten“

  • Man sieht einfach, dass da zwischen den 3 Parteien und ihren Organisationen alles komplett vernetzt ist. Die Antifa besteht ja auch zum Großteil aus den Jugendabteilungen dieser 3 Parteien.

  • Bei Facebook blockieren die Damen und Herren aus den linken Parteien gerne Nutzer, die von ihrem Recht auf freie Meinungsäußerung Gebrauch machen wollen, bei X waren die Menschen mit einer anderen Meinung wohl in der Mehrheit.

  • Es ist doch nur folgerichtig, dass die Blockparteien die Plattform X à Block verlassen. Und das auch noch mit identischem Wording. 
    Obwohl auf Bluesky, Mastodon und vergleichbaren Plattformen kein nennenswerter Widerspruch zu erwarten ist, sind sie für den politischen Diskurs dennoch irrelevant.

  • …spätestens vor den nächsten Wahlen…

  • Hauptsache, die kommen jetzt nicht in meine Küche.

  • Nein. Denn die Unterstellung, das Verbreiten von einem Trugschluss, der für die Realität gehalten wird, sei eine Falschinformation, ist selbst ein Trugschluss.

    Ein Trugschluss wird jedoch nicht bewusst, weil ihn jemand benennt, denn Überzeugungen sind an die Bezugsgruppe gebunden.
    Wenn die Bezugsgruppe von Falschinformationen schwafelt, wird die Überzeugung übernommen. Nennt sich Introjektion.
    Dabei werden Normen, Definitionen, Werte oder Überzeugungen unhinterfragt von Autoritäten der Bezugsgruppe übernommen.

    Die aktuelle Epoche Aufklärung kann einen Trugschluss (z.B. diesen) nicht abbauen, denn der Verstand führt nicht zur Vernunft – Myside Bias.

  • Die Ponymädchen von Deutschland geben hiermit bekannt in Zukunft mit ihren Ponys die Autobahnen zu meiden aufgrund von ponyfeindlichen Aggressionen und ponyverstörender Verrohung auf diesen Fahrbahnen und laden alle Autofahrer ein ihnen zu folgen in Wald und Feld. Natürlich nachdem sie ihr Kraftfahrzeug gegen ein Pony getauscht haben.

  • Hier fliehen Parteien die die Meinungsfreiheit hassen, von einer Plattform auf der Meinungsfreiheit herrscht.
    Kein Verlust für die Meinungsfreiheit.

  • Man wird sie schmerzlichst vermissen!

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