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Landeswahlausschuss stellt Sitzverteilung in Berlin fest – Senat kann „keine Regelungslücke“ erkennen

Der Landeswahlausschuss hat am Montag ein Wahlergebnis für Berlin festgestellt. Doch das angewandte Verfahren zur Sitzverteilung und Bestimmung der Parlamentsgröße steht nicht im Wahlgesetz, ist untauglich – und macht Rot-Grün-Rot wahrscheinlicher.

Die Regierung von Kai Wegner hat ein rechtliches Chaos im Wahlrecht hinterlassen. (IMAGO/Chris Emil Janßen)

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Der Berliner Landeswahlausschuss hat am Montag das endgültige Ergebnis der Wahl zum Abgeordnetenhaus festgestellt. Gegenüber dem vorläufigen Wahlergebnis ist insbesondere ein Wahlkreis im westlichen Bezirk Spandau nach einer Neuauszählung gekippt: Dort hat nun doch die AfD knapp die Mehrheit der Stimmen erhalten, nicht die CDU (Apollo News berichtete). Was das alles genau für die Sitzverteilung bedeutet, ist allerdings unklar – Bedenken hinsichtlich der Rechtsgrundlage wischte der Wahlausschuss beiseite.

Nach dem Willen von Landeswahlleiter und Landeswahlausschuss soll das Berliner Abgeordnetenhaus in Zukunft 153 Sitze haben. Das sind 23 mehr als mindestens vorgesehen. Das liegt an den Überhangmandaten der CDU auf Bezirksebene. Diese werden auf Landesebene pauschal ausgeglichen, indem eine neue Parlamentsgröße gewählt wird. Dabei wird der ungerundete Sitzanspruch der am stärksten überhängenden Partei (eben der CDU) möglichst genau ihrer Sitzzahl inklusive Überhangmandaten aus einem ersten Verfahrensschritt (33) angenähert.

Für dieses Verfahren und die dabei angewendete Formel fehlt jedoch eine konkrete gesetzliche Grundlage. Bislang war die Vorgehensweise in der Landeswahlordnung geregelt. Den entsprechenden Paragraphen strich der schwarz-rote Senat allerdings noch vor der Wahl (mehr dazu hier).

Im erst 2025 geänderten Landeswahlgesetz heißt es dagegen nur abstrakt, bei Überhangmandaten „erhöht sich die Anzahl der Sitze um so viele, wie erforderlich sind, um unter Einbeziehung der Überhangmandate die Sitzverteilung im Wahlgebiet nach dem Verhältnis der gesamten Zweitstimmenzahl der Parteien im Wahlgebiet zu gewährleisten (Ausgleichsmandate). Das Nähere über die Berechnung bestimmt die Landeswahlordnung.“

Auf Anfrage von Apollo News meinte die Senatsverwaltung für Inneres, „in Verbindung mit § 17 Absätze 2 bis 4 LWG“ sei diese Regelung eindeutig. Der Verweis auf die Landeswahlordnung solle im Zuge einer „Rechtsbereinigung“ entfallen, die Regelung in der Landeswahlordnung sei „bewusst gestrichen“ worden, da sie „nur deklaratorischen Charakter“ habe: „Nein, es gibt keine Regelungslücke“, schreibt die Behörde lapidar. Das vom Wahlausschuss bestätigte Verfahren ist jedoch nicht die einzige Möglichkeit, das Verhältnis zwischen den Fraktionen im Sinne des Gesetzes zu wahren.

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Denn das in Paragraph 17 des Landeswahlgesetzes normierte „Verfahren der mathematischen Proportion (Hare-Niemeyer)“, nach dem die Sitze in Berlin grundsätzlich verteilt werden, ist nicht „eineindeutig“ im mathematischen Sinne – das heißt, es kann nicht einfach rückwärts angewandt werden. Die Berechnung setzt eine feststehende Gesamtsitzzahl voraus. Erst dann kann bestimmt werden, wie viele Sitze jeder Partei zustehen. Kennt man dagegen nur die Sitzzahl für eine oder zwei Parteien, sind in der Regel mehrere Größen des Parlaments möglich.

Konkret erfüllen Parlamentsgrößen von 151 bis 155 Abgeordneten die mathematischen Bedingungen des Wahlgesetzes gleichermaßen – immer erhält die CDU die 33 Sitze, die ihr nach Berechnung des Landeswahlleiters zustehen. Der frühere FDP-Politiker Marcel Luthe interpretierte in der Berliner Zeitung die gesetzliche Formulierung „so viele Sitze, wie erforderlich sind“ als Minimalitätsgebot und Hinweis darauf, die kleinste Parlamentsgröße müsse ausgewählt werden.

Das Missverständnis des „Verfahrens der mathematischen Proportion“ durch den Senat hat nun gravierende Auswirkungen: Durch die willkürlich gewählte Parlamentsgröße von 153 haben AfD und Linke jeweils einen Sitz mehr erhalten, als ihnen mindestens zusteht. Dadurch wird eine Regierungsoption ohne diese beiden Parteien unwahrscheinlicher. Eine von der CDU angestrebte Kenia-Koalition mit SPD und Grünen hat aufgrund der Rechtsauslegung so einen geringeren Anteil im Parlament als bei anderen Verteilungen.

Die Vergabe der Ausgleichsmandate kann jedoch sogar noch grundsätzlicher in Zweifel gezogen werden. Der Überhang der CDU ist nämlich ausschließlich auf das Antreten der Partei mit Bezirkslisten statt einer Landesliste zurückzuführen. Dadurch ist es nach Auffassung des Landeswahlleiters nicht möglich, den Überhang über Bezirksgrenzen hinweg zu verrechnen. Auf diese Rechtsauffassung deutet auch ein Urteil des Berliner Verfassungsgerichtshofs von 2007. Andernfalls würden die regulären 130 Sitze des Abgeordnetenhauses völlig ausreichen, um das Verhältnis der Fraktionen zu wahren – die CDU hätte 28 Sitze, von denen 26 mit Direktmandaten besetzt wären.

Wenn die in den Bezirken in einem ersten Verfahrensschritt errungenen Sitze aber heilig sind, erschließt sich nicht, warum nicht auch ein Ausgleich unter den Bezirken der CDU stattfinden sollte. Auf diese Option wies die Plattform „Wahlrecht.de“ hin. Die Union schnitt in den verschiedenen Teilen der Stadt nämlich sehr unterschiedlich ab. In Friedrichshain-Kreuzberg erreichte sie kein einziges Mandat, selbst ihr Spitzenkandidat schaffte den Einzug ins Parlament nicht. Damit ist der CDU-Bezirk gegenüber Steglitz-Zehlendorf, Neukölln und Reinickendorf benachteiligt.

Um dieses Missverhältnis auszugleichen, wären insgesamt 183 Sitze im Abgeordnetenhaus notwendig. Auch diese Auslegung ist beim Blick auf den Wortlaut des Landeswahlgesetzes nicht auszuschließen.

Damit hat die Bundeshauptstadt nach der Pannenwahl von 2021, die – auf Recherchen auch von Apollo News und Tichys Einblick hin – wiederholt werden musste, erneut ein unklares Wahlergebnis erzeugt, das die Gerichte beschäftigen dürfte. Den Willen zur rechtlichen Auseinandersetzung dokumentierten am Montag Eingaben an den Landeswahlausschuss zur Frage der Sitzverteilung – die jedoch alle abgeschmettert wurden.

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34 Kommentare

  • Die schrauben in nahezu allen Bundesländern an den Wahlgesetzen nach belieben herum und kritisieren andere wegen angeblicher „Untreue auf die Verfassung“??

    Was darf Satire?

    • Die Union sollte die Koalition mit der SPD beenden, wenn diese in Berlin mit den Linken zusammenarbeitet.
      https://cna343.wordpress.com

      • Dein Sektenlink ist erbärmlich,

  • Sozialismus (Armut) für alle (Bürger).

    • Und der Kapitalismus hat dich so glücklich gemacht, nicht wahr?
      Herrschaftssystem bleibt Herrschaftssystem. Da ist der Anstrich egal.
      Und Schäfchen bleiben Schäfchen. Da können die noch so laut blöken.

      -19
      • Es ist schon ein Unterschied, ob der Bauer seine Kühe nur merkt oder ob er sie auch füttert.

      • Atlas, Sie sind ein Idiot. Das Gesellschaftssystem ist Sozialismus/Kapitalismus. Das „Herrschaftssystem“ ist Demokratie/Diktatur etc. Und in einer Demokratie herrscht das Volk. Bei uns herrschte das Volk noch nie, weil wir leider noch nie abstimmen durften (nur wählen) – was ein unglaubliches Korrektiv für das Agieren des Staates wäre (siehe Schweiz). Dieses Korrektiv der Demokratie gibt es bei uns nicht. bzw. gab es in Deutschland noch nie.

        Obwohl das GG Wahlen und ABSTIMMUNGEN vorschreibt.

        • Atlas seufzt, weil er nicht alles weiß. Wie laut würde er seufzen müssen, wenn er nicht immer nur den allerersten Kommentar lesen würde?

          2
        • Seufz.

          -4
  • Zweitstimme abschaffen. Und nur noch Direkt-Mandate aus gewonnenen Wahlkreisen sitzt in den Parlamenten. Diese Plätze auf ein gesundes Maß reduzieren und alle regieren ähnlich wie in der Schweiz.
    Dadurch kann man das Geschacher durch Listenplätze, Dienstwagenschlüssel, Überhangmandate beenden.
    —
    Zusätzlich sollte man ein unabhängiges Kontrollsystem für Veruntreuung von Steuergeldern einführen, die Politiker haften für ihre Politik.
    —
    Politiker müssen Berufserfahrung nachweisen, können maximal 8 Jahre in der Politik sein. Sollte eine Ehre sein seinem Land und den Bürgern zu dienen.
    Könnten angemessen viel verdienen und zahlen in die normale Rentenkasse ein.

  • Nun, anderenorts schrieb ich es schon einmal; trotz Wiederholungsgefahr:

    Nun, im Jahre 1803 kauften die USA das Louisiana-Gebiet westlich des Mississippi für 15 Mio. $ von Frankreich und 1867 Alaska von Rußland für 7,2 Mio $.

    Nur Berlin, so fürchte ich, würde uns wohl niemand abnehmen – selbst wenn wir dafür noch Geld böten …

    • Aber Berlin wurde uns doch bereits abgenommen. Wie sonst soll man das Clan Konstrukt dort nennen? Der Senat darf dort allenfalls noch deren Müll wegräumen.

  • Wie wäre es mal mit Nachzählungen ? Da scheint einiges im Argen zu liegen !

  • Da muss Hr.Luthe wieder ran …. 👍

  • es wird rot rot grün kommen ob wir wollen oder nicht

    • in Sachsen-Anstalt kommt rot-blau, ob wir wollen oder nicht

      -14
  • So lange der Zentralrat der Juden nicht dagegen wettert, scheint alles normal zu sein. Ansonsten gilt: Mit Staatsräson ist es nicht mehr weit her!

  • Hat er den Anschlag, der Vulkangruppe, bereits aufgeklärt?

  • ICH LIEBE DIE GRÜNEN! 💚🌻

  • Das Ding hat dieser Wegner richtig versiebt …. Die Linken danken ihm …

  • „Den entsprechenden Paragraphen strich der schwarz-rote Senat allerdings noch vor der Wahl (mehr dazu“ Ist das nicht köstlich? Wie weit will man sich als Bundeshauptstadt eigentlich noch entblöden? Sowas hätte sich keine Augsburger Puppenkiste einfallen lassen können, mit ihren Episoden aus Lummerland.

  • Kalkutta? Napalm…

  • Es geht um Machterhalt. Der linke Marsch durch die Institutionen war sehr erfolgreich. Und die intellektuell abgewirtschaftete Union bemerkt gar nicht, daß sie nur der nützliche Idiot ist um linksgrüne Ideologien durchzudrücken.

  • Bahn frei für RotGrünRemmo 😅

  • Ich habe eine Bitte alle Kommentatoren hier, solche schrägen Vögel wie Atlas und Co weder zu kommentieren noch zu Bewerten. Das ist nämlich das Schlimmste für deren Ego wenn immer eine Null bei ihren Bewertungen steht und wir haben eine Chance das diese Leute in Zukunft Spiegel oder Ähnliche Staatspropaganda Blätter kommentieren.

    • Kindergarten-Anführer.

  • Die Regierungen des Irrsinns, unter Führung von Wegner hat es gezeigt, in Berlin ist Irrsinn und Größenwahn gepaart mit Schmarotzertum. Die Alt-Parteien müssen weg, ohne wenn und aber! Die Linke ist eine Verbotspartei, das sollte schnellstens in Angriff genommen werden.

    • Die „Schuld“ liegt beim Souverän. Wenn die Wähler, wie in BaWü oder Hamburg nicht mehr hinterfragen oder selbstständig denken, dann geht der Schuß für sie eben nach hinten los. Berlin ist nur ein weiteres Beispiel für den sich langsam ausbreitenden linksgrünen Totalitarismus. Man kann sagen, daß wir uns selbst abschaffen.

      • Nicht ganz…. BaWü hat einen gefühlten Ausländer- bzw. Passdeutschen Anteil von 70%. Das erklärt die Wahlergebnisse für die GRÜNEN !

  • Scheiße.
    Ich hasse Politik.
    Und ich hasse Menschen, die über Politik reden.
    Was mache ich noch hier?

    • Heute mit dem Links-Grünen-Verzweiflungsbein aufgestanden?
      Wir brauchen doch Atlas für die Daumen nach unten!
      Genießen sie einfach den Tag! Bei uns geht so langsam der Nebel weg und die Sonne kommt raus!

      • Hast ja recht.
        Natürlich schreib ich weiter.

        • Nun ja das ist eine Annahme da sie gegen den Kapitalismus und
          gegen Rechts + Mitte eher schreiben.
          —
          Wir hatten mal in Deutschland im Ansatz ein tolles System gehabt, das hieß Soziale Marktwirtschaft.
          Meiner Ansicht nach haben wir jetzt nur noch Planwirtschaft mit ständigen Steuererhöhungen, nur um dieses Geldfressende System, was sich unsere Alt-Parteien erschaffen haben zu erhalten.
          —
          Und verzweifelte Bürger sehen nur noch eine Alternative!
          Diese überbordenden Migrationspolitk und unendlicher Toleranz, will die Mehrheit auch nicht!
          —

          1
        • PS:

          Was an meinen Ansichten „links“, geschweige denn „grün“ sein soll, solltest du mir mal kurz erklären. Ich bitte darum! Wird lustig. Das seid ihr mir schuldig!

          Denn ihr solltet mir schon etwas zurückgeben, wenn ich den ganzen Tag als Boxsack für euren Frust herhalten muss.

          -5

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