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Hohe Staatsquote

Fatale Asymmetrie: Wie der wachsende Staatsapparat die produktiven Bereiche der Wirtschaft erstickt

Entgegen aller Beteuerungen des Bundeskanzlers wächst der Staatsapparat mit zunehmender Geschwindigkeit. Was sich vor unseren Augen vollzieht, ist die Transformation der Ökonomie in eine Kommandowirtschaft.

Die hohe Staatsquote würgt immer mehr das Wachstum der deutschen Wirtschaft (IMAGO/Rupert Oberhäuser)

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Vielleicht erinnern Sie sich noch: In den Tagen zwischen der Bundestagswahl und der Ernennung der neuen Bundesregierung im vergangenen Jahr ergab sich ein Zeitfenster, in dem die deutsche Politik fundamentale Regelbrüche beging. Der abgewählte Bundestag beschloss eine Neuregelung der Schuldenbremse und exekutierte schlussendlich mit der Ausgliederung massiver neuer Schulden deren substanzielles Ende. 

Die Legitimierung von Finanzierungstricks, die Etablierung von Bereichsausnahmen und Sondervermögen ist ein fiskalpolitischer Sündenfall. Sie öffnet dem Staat Tür und Tor, das Verwaltungswesen, den Sozialstaat sowie wirtschaftspolitische Interventionen mit immer neuen Krediten zu finanzieren. Der Steuerzahler steht für diese haushaltspolitische Entgrenzung gerade, und der Kapitalmarkt steht dank eines hypothetisch unbegrenzten Backstops der Europäischen Zentralbank sperrangelweit offen. Der Fiat-Kredit fließt, der Staatssektor expandiert und verdrängt dabei die produktiven Kräfte der Gesellschaft.

Bundeskanzler in spe Friedrich Merz nutzte diese Tage der machtpolitischen Vakanz im April auch dazu, Einblicke in seine politische Agenda zu gewähren. Dabei traten neben die gängigen politischen Minimalphrasen wie dem Umschalten in den Wachstumsmodus und einer Investitionsoffensive auch ein medientaktischer Klassiker: der Bürokratieabbau.

Bürokratieabbau klingt zunächst einmal nach Bürgernähe und suggeriert einen seriösen Umgang mit öffentlichem Geld. Ein schlanker Staat ist ein faktischer Ausweis ernsthafter Fiskalpolitik und wäre zugleich ein Garant dafür, dass der private Sektor, der eigentliche Leistungsbereich einer Gesellschaft, nicht unnötig mit Dokumentationspflichten und bürokratischer Fronarbeit belastet wird.

Das weiß auch Friedrich Merz. Bürokratieabbau klingt gut, es klingt vernünftig. Und er ist zu einer politischen Hohlphrase mutiert; ihn zu bemühen, ist wohlfeil, während zur gleichen Zeit am Aufbau eines regelrechten Hyperstaats gearbeitet wird. 

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Denn es ist die öffentliche Verwaltung, die inzwischen 5,5 Millionen Beschäftigte zählt, die die hochfliegenden Pläne der Politik Lügen straft. Das gigantische Sondervermögen aus zusätzlichen 50 Milliarden Euro Schulden im Jahr muss administrativ unter die Menschen gebracht werden. Es gilt, Tausende einzelne Subventionsprojekte zu prüfen, zu genehmigen und den Mittelfluss administrativ zu kontrollieren. Dazu braucht es massive bürokratische Verstärkung. Das war Merz und Klingbeil bewusst, als sie die Erzählung vom schlanken Staat in ihre Medienspiele einwoben.

Zudem tritt, seit klar ist, dass der russische Angriffskrieg in der Ukraine vorerst ohne Frieden weitergeht, der Aufbau einer veritablen Militärproduktion neben die grüne Kunstökonomie. Im laufenden Jahr beträgt der Wehretat der Bundesrepublik 120 Milliarden Euro. Die Verteilung der zusätzlichen Gelder erfordert gleichermaßen zusätzliche öffentliche Verwaltung. Dieser Prozess reicht von der ministeriellen Ebene bis hin zur unmittelbaren Verteilungsarbeit der Gelder in den Kommunen.

Friedrich Merz ist beileibe kein Mann des schlanken Staates. Er ist ein überzeugter Verfechter der Globalsteuerung der Industrie, die sich dem politischen Primat zu beugen hat. Und er ist überzeugt davon, dass Deutschland durch massive Verschuldung seinen Transformationspfad hin zu einer grünen Kommandowirtschaft erfolgreich beschreiten wird. 

Dabei wird versucht, die tiefe Wirtschaftskrise, die seit 2019 zu einem Verlust von 400.000 Jobs in der Industrie geführt hat, so gut es geht aus der Debatte herauszuhalten. Gleichzeitig wird der öffentliche Dienst quasi zum Auffangbecken der sich anbahnenden Arbeitsmarktkatastrophe umfunktioniert und Jahr um Jahr um etwa zwei Prozent bei der Beschäftigtenzahl aufgestockt. 

Allein bis zum Ende des dritten Quartals 2025 wurde der Personalbestand im Bereich öffentliche Dienstleistungen, Erziehung und Gesundheit um 205.000 Personen aufgestockt, wie der Focus berichtete. Ohne diese Jobs in irgendeiner Form abwerten zu wollen, muss dennoch darauf hingewiesen werden, dass es sich um soziale Dienstleistungen handelt, die zunächst aus der Wertschöpfung des privaten Sektors finanziert werden müssen.

Im verarbeitenden Gewerbe, dem Kraftzentrum der deutschen Wirtschaft, wurden im vergangenen Jahr etwa 143.000 Stellen gestrichen. Inzwischen arbeiten weniger als acht Millionen Menschen in diesem fundamentalen Sektor. Allein die Automobilindustrie baute im vergangenen Jahr über 60.000 Arbeitsplätze ab. Das entspricht sechs Prozent der gesamten Belegschaft am Standort Deutschland. Ein dramatischer Absturz des Produktionsgeschehens, das seit 2018 über alle Industriesektoren verteilt über 15 Prozent seines Volumens verloren hat.

Die Ursachen des ökonomischen Absturzes sind bekannt und oft diskutiert. Da wäre zum einen die selbst ausgelöste Energiekrise am Standort, die hohen fiskalischen Lasten sowie der Druck im Auslandsgeschäft durch die Konkurrenz aus China, Indien oder den USA. Diese wird nicht dem Regulierungsdruck ausgesetzt, den sowohl der deutsche Staat als auch die Europäische Union kontinuierlich erhöhen.

Wir erinnern uns, was Friedrich Merz im April des vergangenen Jahres vollmundig versprach: Man wolle die Wirtschaft bei den Bürokratielasten, die laut ifo-Institut weit gefasst etwa 146 Milliarden Euro im Jahr betragen, um 25 Prozent entlasten und gleichzeitig allein durch den demografischen Effekt in den kommenden Jahren den Personalbestand im öffentlichen Dienst um acht Prozent reduzieren.

Ahnungslosigkeit oder Lüge? Das Maß an Dreistigkeit, mit dem Merz die politische Realität gerade an dieser Stelle verbog, ist mit Blick auf das Wachstum des öffentlichen Dienstes frappierend. Die Menschen wandern aus reinem Selbstschutz aus den produktiven Bereichen der Ökonomie in den Staatsapparat ab, den größten Zerstörer ökonomischer Leistungsfähigkeit. Deutschland sieht sich einer tiefgreifenden ökonomischen Asymmetrie gegenüber, die von der Politik bewusst verschärft wird.

Der Aufbau des deutschen Staatsapparats, der die Staatsquote auf über 50 Prozent in die Höhe getrieben hat, zeigt uns eines: Die sozialen Verwerfungen im Land, die von der Politik herbeigeführte Energiekrise mit anschließender Deindustrialisierung, sollen mit billigem Kredit übermalt werden. Mehr Staat, weniger Privatwirtschaft. Neue Staatsschulden sind dabei nichts anderes als die Bestätigung des Verdachts, dass die Politik den Reformdruck zurückweist und die Schäden der Verzögerung kommenden Generationen in die Bücher schreibt. 

Gelingt die Schuldencamouflage, die in diesem Jahr unter Berücksichtigung der Buchhaltungstricks des Finanzministers zu einer Nettoneuverschuldung von über 5,5 Prozent führen wird, gewinnt die Politik Zeit. Zeit, die sie im Kampf gegen die ökonomische Realität der grünen Transformation dringend benötigt. 

Die Frage lautet: Wie lange kann es der Bundesregierung gelingen, gesellschaftlich zwingende Reformen mit der Kreditpumpe in die Zukunft zu verschieben? Die sozialen Kosten der Politik offener Grenzen und der verzögerten Anpassung des Wohlfahrtsstaates an die ökonomische Realität des Landes summieren sich zu einem sozioökonomischen Fiasko, das sich abrupt entfaltet, sobald der Kapitalmarkt die deutsche Kreditwürdigkeit infrage stellt.

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11 Kommentare

  • Früher hat man es oft Planwirtschaft genannt…

  • Wohin so etwas führt, sollte hinlänglich bekannt sein.
    Erstaunlich ist, dass immer wieder bevorzugt wird, in ein und dieselbe Falle zu tappen.

  • Cornelius Tacitus (ca. 100 n. Chr.), Historiker, bezeichnete die Arcana Imperii als jene geheimen Mechanismen, mit denen die frühen römischen Kaiser ihre Macht sicherten, während sie nach außen hin noch so taten, als sei Rom eine Republik. Die Hoffnung dabei, Tacitus war auch davon überzeugt, dass Macht irgendwann korrumpiert.

  • Schon zur Mitte der 1990er Jahre, als damals mit VW der größte Industriebetrieb Europas sich in einer gesellschaftlich schweren Krise wiederfand, die anhand eines im Geschäftsbericht vom 17. März 1994 auf mindestens 30.000 Mitarbeiter bezifferten Personalüberhangs mehr als anschaulich kritisiert wurde, ist in der bis heute geltenden Lesart der Arbeitgeberverbände in der Metall- und Elektroindustrie ein „Wechsel auf die Zukunft“ gezogen worden. Behauptet nunmehr allen voran die IG Metall erst jüngst, dass in den Unternehmen die Betriebsangehörigen dafür auf Milliardenbeträge verzichtet hätten, lässt sich bereits daran die völlig falsche Frontstellung erkennen. Auch dass die Bundesregierung mit der Schuldenaufnahme in Billionenhöhe dessen Fälligkeit in die Zukunft verschiebt, könnte verkehrter nicht sein. Die Bundesrepublik Deutschland flüchtet damit bloß weiterhin zu horrenden Kosten vor der Realität.

  • Wenn sich einer fragt, wie der DDR Staatsapparat entstanden ist, kann nun selbiges in Life erleben.

  • Es ist hoffnungslos. Die Deutschen verstehen nichts von Wirtschaft und Finanzen. Sie wählten Hitler und andere Kommunisten. Wenn es schiefgeht, ist irgendwer anders Schuld.

  • Es ist alles wahr, und doch viel schlimmer!
    Die genannten Missstände könnte eine andere Regierung teilweise beseitigen. Nicht aber, dass unser einstiger Wohlstand auf dem Export, wenig konkurrenzierter technischer Leistungen beruhte. Nicht auf der Sojabohnenproduktion.
    Dieser Vorsprung ist weg. Dank China u.a. Nüchtern betrachtet ist deutsches „High Tech“ durch die globale technische Entwicklung zur (fast) Allerwelts-Tech geworden. In der derzeitig wertschöpfenden High Tech Industrie IT spielen wir in der Liga, in der Luxemburg in der Auto-Industrie spielt.
    Dazu der Kursverfall des Dollar, durch Kapitalflucht derer, die wissen, dass die gewaltigen Staatsschulden der USA US-Assets perspektivisch durch Inflation entwerten. Unsere Waren verteuerten sich 2025 in den Dollarländern allein durch Euro-Aufwertung um 17%!
    Auch Wirtschaftsminister, die übers Wasser laufen könnten, können DIESE Faktoren ohne Wohlstandverluste nicht neutralisieren. Unsere Zeit ist abgelaufen.

  • Wenns die Mehrheit der Deutschen nicht kapieren will, gibt es eben Aua. Heute stehen wir am Abgrund und morgen sind wir den bedeutenden Schritt weiter.

  • Wir leisten uns zum wiederholten Male eine Regierung, die das Grundgesetz ebenso missachtet wie den Wählerwillen und als dringende Notwendigkeiten nicht etwa die zerböselnde Infrastruktur, die erschreckende Verwahrlosung und Kriminalität sowie die rasant steigende Staatsverschuldung ansieht, sondern dass die Steuergelder der arbeitenden Bevölkerung dafür rausgeschmissen werden, dass wieder einmal alles zum Teufel geht.

  • ..solange bei uns das Gollum-Sequel mit Lügenmerzel läuft, läuft hier garnichts.
    Die System-Fresse suffliert „schwaches Wachstum“ und der Chor der Verbandsfunktionäre summt freundlich dazu. Merz bezeichnet die Windkraft als „Übergangstechnologie“ ähm ja, also dann mindestens solange wie er Kanzler spielt, wobei dazu ja aktuell das tote Pferd Offshore wieder von der System-Fresse geritten wird und die AfD-Werte in den „Umfragen“ sinken. Alles wird gut… *Hüstel*

  • Der grüne Sozialist Habeck hat den Virus der Plan- und Kommandowirtschaft á la DDR eingepflanzt. Sein Graichen-Clan mit Müller und Kellner hat dann die Transformation zum Kommunismus eingeleitet.

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