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„Die Industrie funkt SOS“: Chemiebranche schafft es nicht aus der Krise

Die deutsche Chemieindustrie kann sich kaum noch über Wasser halten. Die Bilanz des vergangenen Jahres fällt verheerend aus. Die Kosten sind so stark gestiegen, dass Aufträge ausbleiben – und jetzt kommt auch noch die Öl- und Gaspreisexplosion hinzu.

Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) vertritt die Interessen der Chemie- und Pharmabranche. (IMAGO/Political-Moments)

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Die deutsche Chemieindustrie leidet unter einer gravierenden Auftragsflaute. Infolgedessen brachen 2025 sowohl Produktion als auch Umsätze ein. Hauptursache ist die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Unternehmen, die maßgeblich auf hohe Gaskosten sowie eine rigide CO₂-Bepreisung zurückzuführen ist. Die Eskalation im Nahen Osten verschärft die Situation zusätzlich – und dämpft die ohnehin schwachen Zukunftsaussichten der Branche.

Die Krise in der deutschen Chemieindustrie hat sich im vergangenen Jahr weiter verschärft. Aktuelle Zahlen aus der Jahresbilanz des Verbands der Chemischen Industrie (VCI) verdeutlichen dies: So brach die Produktion in der Chemiebranche im Jahr 2025 insgesamt um 3,3 Prozent ein, der Gesamtumsatz ging sogar um 3,8 Prozent zurück.

„Die Industrie funkt SOS. 2025 war für unsere Branche erneut sehr schwierig, und der Blick nach vorn wird nicht rosiger“, erklärte VCI-Präsident Markus Steilemann in einer Stellungnahme im Dezember. Die Kapazitätsauslastung der Chemieanlagen lag im Jahresdurchschnitt nur noch bei 72,5 Prozent und damit deutlich unter der Rentabilitätsschwelle von 82 Prozent. Im zweiten Quartal 2025 wurde mit 71,7 Prozent sogar der niedrigste Stand seit 1991 gemessen (Apollo News berichtete).

Die unzureichende Auslastung der Produktion ist in erster Linie auf die gravierende Auftragsflaute zurückzuführen, unter der die deutschen Chemieunternehmen leiden. Die Nachfrage nach deutschen Chemieprodukten sinkt – vor allem deshalb, weil die Preise heimischer Unternehmen international nicht wettbewerbsfähig sind.

Verantwortlich dafür sind die ungünstigen Rahmenbedingungen am deutschen Wirtschaftsstandort. Sie erschweren BASF, Lanxess, Evonik & Co., aber auch vielen kleinen und mittelständischen Unternehmen profitables Wirtschaften. Eine besonders große Belastung stellen die hohen Energiekosten dar – vor allem beim Gas. Das liegt daran, dass Gas nicht nur als Energiequelle, sondern auch als zentraler Rohstoff für Grundchemikalien wie Ammoniak dient.

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Auch wenn sich die Gaspreise seit den Höchstständen, die während der Energiekrise 2022/2023 erreicht wurden, wieder etwas entspannt haben, bedeutet das noch lange nicht, dass die heimischen Chemieunternehmen nicht weiterhin finanziell unter Druck stehen. Der Gaspreisanalyse 2026 des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) zufolge liegen die Gaspreise trotz des Rückgangs weiterhin deutlich über dem Niveau der Jahre 2016 bis 2020. Doch warum ist das so?

Vor allem die Umstellung der Gasversorgung im Jahr 2022 – weg von russischem Pipelinegas hin zu Flüssigerdgas (LNG) – durch das Bundeswirtschaftsministerium hat die Gaspreise nachhaltig verteuert. Der Grund liegt vor allem darin, dass LNG zunächst verflüssigt, anschließend mit Spezialfrachtern – aktuell überwiegend aus den USA – transportiert und danach wieder regasifiziert werden muss. All diese Schritte sind mit erheblichen Kosten verbunden.

Die Stromkosten sind zuletzt ebenfalls stark gestiegen, vor allem bedingt durch die sukzessive Umstellung der Stromgewinnung auf erneuerbare Energieträger. Wind- und Solarkraft sind enorm wetterabhängig. Während es in Zeiten mit viel Sonne und Wind zu Überkapazitäten kommt, die die Netze überlasten, entstehen bei ausbleibendem Wind und Sonnenschein – wie es in den kalten Monaten häufig der Fall ist – massive Engpässe, die die Preise stark in die Höhe treiben. Auch Batteriespeicher können diese Engpässe nicht ausgleichen.

„Unsere Stromkosten sind von 152.000 Euro im Jahr 2023 auf 267.000 Euro im vergangenen Jahr gestiegen. Und das, obwohl wir inzwischen eine eigene PV-Anlage inklusive Speicher haben“, erklärte Martina Nighswonger, Geschäftsführerin des mittelständischen Chemiebetriebs Gechem, im Gespräch mit der Tagesschau. Die Kosten für Gas hätten sich im gleichen Zeitraum nahezu verdoppelt. Sie lagen zuletzt bei 415.000 Euro.

Auch die überbordende Bürokratie sowie der CO₂-Preis stellen eine immense Belastung für die heimischen Chemieunternehmen dar und schränken ihre Wettbewerbsfähigkeit erheblich ein. Laut Nighswonger musste ihr Betrieb allein im vergangenen Jahr rund 60.000 Euro für die CO₂-Abgabe aufbringen.

Die deutsche Chemieindustrie ist an den europäischen Emissionshandel (EU-ETS) angeschlossen. Dieses System erfasst Energieerzeuger und energieintensive Industrien in der gesamten Staatengemeinschaft und verpflichtet sie dazu, für jede ausgestoßene Tonne CO₂ eine Abgabe zu entrichten. Konkret bedeutet das: Unternehmen, die Emissionen verursachen, müssen Zertifikate erwerben, die sie zum Ausstoß berechtigen.

Festpreise für diese Zertifikate existieren nicht. Der Markt – also Angebot und Nachfrage – bestimmt grundsätzlich den Preis. Allerdings greift die EU regulierend ein, indem sie die Anzahl der im Umlauf befindlichen Zertifikate schrittweise reduziert. Dies hat einen deflationären Effekt auf das Angebot und treibt die Preise nach oben.

Infolge dieser Eingriffe steigt der Preis pro ausgestoßener Tonne CO₂ seit Jahren kontinuierlich an. Wie stark, geht ebenfalls aus der aktuellen Gaspreisanalyse des BDEW hervor. Laut dem Verband, der sich auf Daten der Energiebörse EEX stützt, ist der durchschnittliche CO₂-Preis pro Tonne von 66,46 Euro im Jahr 2024 auf inzwischen 88,52 Euro im Jahr 2026 gestiegen.

Bedingt durch die strukturellen Probleme haben sich im vergangenen Jahr nicht nur die Auslastung der Anlagen, der Umsatz und die Produktion rückläufig entwickelt. Auch die Zahl der Beschäftigten ist gesunken. Seit 2022 sind in der Industriesparte rund 34.000 Arbeitsplätze gestrichen oder ins Ausland verlagert worden.

Vor dem Hintergrund der anhaltenden Verwerfungen innerhalb der deutschen Chemieindustrie sowie des nun wütenden Iran-Kriegs, durch den sich die LNG-Preise zuletzt nahezu verdoppelt haben (Apollo News berichtete), sind die Zukunftsaussichten für die Branche bedrückend. Auch der Verband der Chemischen Industrie (VCI) hat deshalb nun seine Prognose für das Jahr 2026 kassiert.

Zuletzt hatte der VCI für das laufende Jahr einen Rückgang um rund 1 Prozent prognostiziert. Bei sinkenden Preisen und stagnierender Produktion hätte dies ein Umsatzminus von etwa 2 Prozent bedeutet. Aufgrund der jüngsten Gaspreisexplosion ist jedoch davon auszugehen, dass Umsatz und Produktion deutlich stärker einbrechen werden.

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32 Kommentare

  • Und was erwartet die Chemiebranche jetzt? Rettungsboote? Es wird Zeit zu begreifen das die Deindustrialisierung gewollt ist und keine Hilfe kommen wird.

    • nix anderes als great reset !

      alle wollten es, alle haben sich zur agenda 2030 bekannt, keine branche hat sich dagegen gestellt.
      nicht nur in D.
      europaweit. (seltene ausnahmen wie HU gibt es)

      niemand kann sagen, er habe es nicht gewusst.
      -zigtaussende vertreter aus industrie und wirtschaft der welt pilgerten seit jahren nach davos, um die worte des herrn zu empfangen.

      jeder hoffte, erstmal subventionen abgreifen zu koennen, und nacher dann *schaunmermal….wird schon weitergehen*

      industrielaender sind selbstredend staerker betroffen als agrarlaender, obwohl fuer deren untergang ja ebenfalls reichlich plaene umgesetzt werden.

      • Mercedes will jetzt 5000 Arbeitsplätze in Ungarn schaffen. So was kommt von sowas,

      • wird aber nix. Die USA verlieren gerade ihre Hegemonialstellung und werden auch militärisch so geschwächt dass zwangsläufig eine NWO entsteht, wie diese aussehen wird? Wir haben es in der Hand!

    • @Papst Pius
      Von wem soll die Deindustrialisierung denn gewollt sein?
      Unsere Regierung?
      Irgendein globaler Player?
      Die Klima-grünen?
      Es macht halt alles wenig Sinn.

      Meine Vermutung, man will ums verrecken nicht von der Klimapolitik abweichen.
      Leider kamen der Ukraine Krieg und jetzt der Iran Krieg in die quere.
      Wobei ja unsere Regierungen nicht aus der Verantwortung sind.
      Die EU und Bundesregierungen.

    • In vielen westlichen Ländern lässt sich seit Jahrzehnten beobachten, dass die industrielle Produktion relativ an Bedeutung verliert, während der Finanzsektor weiter wächst. Fabriken und klassische Produktionsbetriebe werden teilweise ins Ausland verlagert oder durch Automatisierung verändert, während Banken, Fonds und Kapitalmärkte immer größeren Einfluss auf die Wirtschaft gewinnen.

      Das ist ein historisches Muster. Auch vor den beiden Weltkriegen sind internationale Finanzmärkte stark gewachsen und Kapital spielte eine immer größere Rolle.

      Ich habe außerdem den Eindruck, dass es gewisse wirtschaftliche Akteure gibt, die von Konflikten und Aufrüstung profitieren können. In solchen Zeiten entstehen oft große Gewinne. Deshalb denke ich, dass manche möglicherweise gar nicht an einem dauerhaften Gleichgewicht oder langfristiger Stabilität interessiert sind.

      • @ Atlas ….klassische Produktionsbetriebe werden teilweise ins Ausland verlagert …

        wen du logisches Denken beherrscht kannst du uns sicher sagen warum die alle in Ausland verduften. Könnte es schlicht und einfach an den hohen Energiekosten sein?

        Oder ist dein Text nur das „Wort zum Montag“?

      • Na dann aber gute Nacht Deutschland .
        Die Finanzmärkte trauen wohl Deutschland auch nicht mehr so einfach über den weg ! Selbst Staatsanleihen in Kriegszeiten will von Deutschland auch nicht jeder mehr haben !
        Denke auch das Rating AAA+++ ist wohl eher der gesamten Finanzmarktstabilität der EU und Weltweit geschuldet als auf tatsächlichen Wirtschaftsfaktoren Deutschlands gebaut !
        Ist auch nachvollziehbar . Welche Bank investiert in ein Sozialistisch Anarchistisches und Demokratiefeindliches System schon freiwillig .

    • 2030 alles Tod aber Klimaneutral. Lets go Leude von heude.

    • Die Deindustrialisierung und die damit einhergehende Existenzvernichtung des Volkes ist nicht nur von den Polit-Gangstern gewollt, sondern zu allem Übel auch noch vom sog. Souverän in einem Zustand totaler geistiger Umnachtung abgesegnet.
      Die ganze Welt lacht über die verblödeten Almans.

  • Der deutsche Wähler hat entschieden, dass Strom und günstige Energiepreise nicht mehr notwendig sind.
    Ich hoffe nun es trifft die Richtigen.

    • Es wird alle treffen . Es sieht so aus als ob die Kreditwürdigkeit Deutschlands noch schneller Erodiert als die freiheitliche Demokratie !

      Wenn keiner mehr Deutsche Bundesanleihen haben will bleiben nur massive Steuererhöhungen bei Michel über was den Niedergang nur zusätzlich befeuern wird.
      Meldung von Mittwoch Bundesfinanzagentur Staatsanleihen mit 10 Jährigen Laufzeiten !
      Schein das die Finanzmärkte Deutschland schon keine 10 Jahre mehr geben würden !

    • @Johnny….
      Es trifft alle. Also auch sehr viele Falsche.

  • Ein Riesenerfolg der UnsereDemokratie-Parteien, wirklich Klasse. Und weil infolge der Deindustrialisierung auch die Steuereinnahmen wegbrechen, muss die Naiven-Regierung die Einkommenssteuer und weitere Abgaben erhöhen.

    Die Finanzmärkte haben dies bereits verstanden und kaufen dem Finanzminister kaum mehr die Anleihen ab. Die Todesspirale dreht sich, und beschleunigt sich weiter.

    • Und der „Souverän“ wählt GRÜN…

  • Mit einer GRÜN-GESTRICKTEN reGIERung schafft man es auch nicht aus der Krise…

    An wen genau funken die also ?

    • Funken die an den Kanzler der Ukraine, den mit dem gespaltenen Verhältnis zur Wahrheit, dem mit den Millionen auf dem Konto von BlackRock.

    • ** Es geht nicht um das Klima sondern um den Umbau der Gesellschaft

      Du wirst sehen, keine Partei in den Industriestaaten wird bei dieser Hybris nicht mitmachen, denn zum ersten Mal bekommen sie die Erlaubnis die Luft zum atmen zu besteuern und werden dafür noch gelobt, weil sie die Welt retten. Diese Chance werden sie sich nicht entgehen lassen. …**

      https://coronistan.blogspot.com/2022/07/wie-ferngesteuerte-rot-grune-idioten.html

  • Organisiert doch eine Demo gegen Rechts, werte Chemieindustrie! Hilft IMMER, ist ja schließlich die größte Gefahr.

  • Was meint Verdi dazu?

    • Der Club ist weisungsgebunden.

  • Chemie wird doch „überbewertet“. War bei vielen in der Schule so, kann man später bei so manchen Darstellern in der Politik gut erkennen.
    In der Steinzeit brauchte man ja auch keine Chemie. Waren das lustige Zeiten, man mußte sich z.B. keine Gedanken über die Rente machen, weil man kaum älter als 25 wurde. Wer es nicht glaubt, einfach mal ein paar Folgen von Fred Feuerstein anschauen.

  • Ich habe den Text jetzt überflogen und kein Wort zur größten Bedrohung, AfD, gefunden. Kann das sein? Die macht doch unser Land kaputt…

  • Das grüne Schrumpfen ist doch erfolgreich. Wer braucht schon Industrie?

  • Was ist mit der Industrie los?

    Haben sie nicht gehört das Bremen, Göttingen, etc… ihre Klima Ziele nicht erreichen erst wen der letzte Deutsche keine Arbeit hat erreichen die Deutschen ihre Klimaziele.

    Von den Weltenretter lernen heisst in Armut darben.

  • Die deutsche Chemieindustrie kann sich kaum noch über Wasser halten.
    Wie die sind immer noch im Land vorhanden ?
    Respekt für die Ignoranz und Sturheit gegenüber er Realität der politisch gewollten Deindustrialisierung . Was müssen den die Politiker der Altparteien den alles noch tun damit auch der letzte in der Industrie versteht das diese Leute euch hier nicht mehr haben wollen ?
    Enteignungen ? Silllegungen ?
    Auf jeden fall zieht sich die Realitätsleugnung anscheinend nicht nur durch die Wählerschaft sondern auch durch die Führungsebenen der Industrie !

  • Zusammenfassed die Chemieindustrie bitte staatliches Handeln hingerichtet. Die wirtschaftliche Apokalypse rückt näher.

  • Wer wurde stärkste Kraft in Hessen?
    Also bitte leise flennen!

    • Der enstirnige Rautenclub.

  • Chemieindustrie? Brauchen wir nicht. Wir spielen Krieg in der Ukraine, bezahlen NGO, werden Klimaneutral, nehmen Asylanten auf und werden alle Arbeitslos und leben ohne Essen. Der feuchte Traum von CDU bis Linke bei den Altparteien.

  • Eure „die Öl- und Gaspreisexplosion“ ist die Folge eines illegalen Angriffskriegs der hier allerseits bejubelt wird. Heult leise. Und beim Tanken immer dran denken, die zusätzlichen 50,- sind für Grossisrael, wir spenden doch gerne für Bibis feuchte Träume.

    • Erstmal ist es die Folge von Raffgier, denn einen Tag(!) nach dem Angriff kann es (noch) nichts damit zu tun haben!

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