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Brasiliens „Kampf gegen rechts“ geht nach hinten los

Zum vermeintlichen Schutz der Demokratie verfolgte Brasiliens Justiz unter Präsident Lula den Ex-Präsidenten Jair Bolsonaro. Nun wurde Lula durch Bolsonaros Sohn in der ersten Wahlrunde besiegt. Lulas „Kampf gegen rechts“, der auch hierzulande einige Anhänger hat, ist gescheitert.

Vorne im ersten Wahlgang: Präsidentschaftskandidat Flavio Bolsonaro vor Journalisten bei seinem Wahllokal (IMAGO/ZUMA Press Wire)

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Brasilien hat gewählt. Das bevölkerungsreichste Land Südamerikas schritt für die erste Runde der Präsidentschaftswahlen und eine ganze Reihe weiterer Kongress- und Gouverneurswahlen an die Urnen. Und es sieht nicht gut aus für Amtsinhaber Lula.

Er war jahrelang ein Liebling der Linken – gerade auch jener aus Europa. In den Medien hierzulande präsentierte man den Linksaußen-Politiker gerne als eine Art Volksheld. Noch Tage vor der Wahl erschien in der Tagesschau ein Wohlfühlporträt über ihn mit dem Titel „80 Jahre und noch nicht müde“: Man erklärte ihn für „volksnah und pragmatisch“ und zum „letzten Staatsmann alter Schule“, der „Brasilien zurück auf die internationale Bühne geführt“ habe, weil er sich gegen Trump stellte.

Die Schwärmerei irritiert, war Lula doch in Wahrheit keineswegs ein pragmatischer Sozialdemokrat, sondern ein deutlich weiter links stehender Radikaler, der mit Kubas kommunistischem Diktator Fidel Castro und Venezuelas sozialistischem Machthaber Hugo Chávez bestens befreundet war.

In Europa unterstützt er fest die Regierung von Wladimir Putin in Russland – was viele Lula-Fans hierzulande gekonnt ausblenden. Für sie geht es um andere Dinge als knallharte Geopolitik: Lulas Klimapolitik im Amazonas und seine Sozialpolitik – von der selbst die Tagesschau inzwischen berichtet, dass ihre vermeintlichen Profiteure nun längst Nachtschichten als Uber-Fahrer hinlegen müssen, um zu überleben.

Dennoch bedient Lula eine idealisierte, lateinamerikanische Revolutionsromantik – er selbst war Gewerkschafter und protestierte in den 80ern gegen die brasilianische Militärdiktatur. Es ist das Bild eines selbstlosen Kämpfers für Gerechtigkeit, der doch nur die alten korrupten Rechten und Oligarchen von der Macht vertreiben wolle und dem es nur um soziale Stabilität gehe. Abgesehen davon, dass Lula selbst jahrelang wegen Korruption im Gefängnis saß, hat er allerdings auch ganz eigene Vorstellungen von Demokratie und Pressefreiheit.

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Schon in den 2000ern, als er erstmals regierte, ließ er einen New York Times-Journalisten aus dem Land werfen, weil der die „Ehre des Präsidenten“ verletzt hatte, als er über sein Alkoholproblem schrieb. Damals plante seine Regierung gar die Einführung eines „Nationalen Journalistenrats Brasiliens“ mit der Befugnis, Journalisten und ihre Arbeit zu „lenken, zu disziplinieren und zu überwachen“. Und wer denkt, das wären übermütige Anfänge gewesen, täuscht sich: Unter seiner aktuellen Regierung geht Brasiliens Justiz wohl so autokratisch wie selten zuvor gegen die Opposition vor.

Sein unmittelbarer Vorgänger und Rivale, Ex-Präsident Jair Bolsonaro, saß erst im Gefängnis, wo ihm teils medizinische Hilfe verwehrt wurde, ehe er nach Protesten zumindest in den Hausarrest verlegt wurde. Bolsonaro darf diesmal nicht mehr zur Wahl antreten. Wegen politischer Vorwürfe rund um seinen Abgang aus dem Amt nach seiner Niederlage 2022 landete er hinter Gittern: Ihm wurde vorgeworfen, an einer Art dem 6. Januar nachempfundenem Putschversuch beteiligt gewesen zu sein, obwohl er damals längst widerwillig Lulas Sieg akzeptiert hatte und außer Landes in den USA war.

Bolsonaro hinter Gitter und von den Wahlzetteln zu bringen, sollte die Demokratie in Brasilien retten, so die Linie des Lula-Lagers. Das Land entwickelte sich dabei zu einer Art globalem Vorreiter in einem „Kampf gegen rechts“ mit zunehmend autokratischen Zügen: Konservative Blogger wurden insbesondere vom linken Richter Alexandre de Moraes am Obersten Gerichtshof ins Visier genommen, mit Accountsperren, Festnahmen und am Ende gar Sperren und Sanktionen gegen die Plattform X und Elon Musk persönlich, wenn diese den Willküranweisungen nicht schnell genug nachkamen.

Auch deshalb löste Brasilien unter Lula vielleicht bei manchen Linken hierzulande eine Art Sehnsuchtsstimmung aus: Wenn man ohne irgendwelche verbleibenden Schranken gegen „Desinformation“, „Rechtsextreme“ und „Delegitimierer“ vorgehen wollte, war Brasilien bisher ein Musterbeispiel.

Es ist nun aber auch ein Musterbeispiel dafür, wie sehr dieses Demokratieverständnis nach hinten losgeht: Bolsonaro Senior mag krank im Hausarrest sitzen, sein Sohn Flávio hat gerade als Ersatzkandidat Lula in der ersten Runde der Präsidentschaftswahl mit 47 zu 45 Prozent geschlagen. Für das Rennen um die Präsidentschaft hängt jetzt alles von der zweiten Runde ab, aber dass Bolsonaro bereits vorne liegt, ist jetzt schon ein Überraschungssieg.

Wer sonst noch aus der Bolsonaro-Familie antreten durfte, siegte ebenfalls: Ein weiterer Sohn, Carlos, wurde Senator, ein anderer, Renan, gewann einen Kongresssitz – und Jair Bolsonaros Frau Michelle wurde Senatorin.

Die Inhaftierung und der Wahlausschluss Jair Bolsonaros sind damit erst mal gehörig nach hinten losgegangen. Der hierzulande als „volksnah“ dargestellte Lula mit Jahrzehnten in der Politik landete hinter Bolsonaros Sohn Flávio, der zum ersten Mal überhaupt an einer Präsidentschaftswahl teilnahm.

Endgültig entschieden ist die Wahl damit natürlich noch nicht, aber der Trend ist nicht zu übersehen: Je mehr man eine unliebsame Opposition mit rechtsstaatlich fragwürdigen Methoden ins Visier nimmt, umso kleiner wird sie nicht unbedingt – schnell kann das komplette Gegenteil passieren. Das gilt nicht nur für Brasilien: Auch in den USA kann man leicht das Argument vorbringen, dass gerade die Anklagen gegen Präsident Trump 2023 den Vorwahlkampf, in dem sein innerparteilicher Rivale Ron DeSantis zeitweise führte, zu seinen Gunsten kippten – und ihn am Ende zurück ins Weiße Haus katapultierten.

Viele andere Faktoren spielten bei der Wahl zweifellos eine Rolle, aber die Strategie, „Rechtspopulisten“ oder „Rechtsextreme“, wie Bolsonaro gerne in Deutschland betitelt wird, auf diese Art von der Macht fernzuhalten, scheiterte auf ganzer Linie. Das Gleiche könnte sich nun in Brasilien wiederholen, wo man so scharf gegen die konservative Opposition vorging wie in kaum einem anderen westlichen Land.

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23 Kommentare

  • Links ist vorbei.

    • Links geht erst richtig los!

      • Was intelligenteres viel mehr nicht ein!

  • Der vielgeschmähte Orbán – als sein Gegner die Parlamentswahlen gewann, machte er anstaltslos den Platz frei. Mag sich auch in seiner langen Regierungszeit der ein oder andere autokratische Zug eingeschlichen haben: als es darauf ankam, erwies er sich als Demokrat.
    Jetzt warten wir mal gespannt auf Luiz Inácio Lula da Silva, ob er auch weiß, was seines Amtes ist, wenn es denn so weit kommen sollte, daß Flávio Bolsonaro am Ende die Nase vorne hat.

  • Lula wird genug Fake Stimmen mobilisieren, er hat einen obersten Richter im Sack und kennt keine Scheu, dreckig zu spielen.

  • it’s Pay Back Time…

    • Immer diese Rachefantasien kleiner Leute. Ist Hillary eingesperrt worden? Nein. Das sind immer nur Ankündigungen während sich die Populisten die Taschen vollstopfen.

      -12
      • Das Beste ist, dass die AfD-Oppahs hier jetzt alle in ihrem Sigesjubel meinen, dass Brasilien jetzt endlich ein Faschostaat wird.. Dabei war das nur der erste Wahlgang. Aber das kapiert der rechtsbräune Mob hier nicht.

  • Die Brasilianer sind halt schlauer.

  • Meine Meinung: Ganz sauber lief diese Wahl nicht ab! Bolsonaro lag bei einem Auszählungsstand von ca. 47% noch mit über 50% vorne, bei 64% noch immer um 7% vorne.
    Und dann schrumpfte der Vorsprung zusehends.

    Abwarten, was bei der Stichwahl passiert. Nach den Zahlen vom Sonntag, müsste Bolsonaro gewinnen, da seine Gegner aus dem rechten Lager ca. 6,5% hatten – die gehen nun sicher nicht an Lula

  • Das ist ein Kandidat aus dem Rockbridge Netzwerk, finanziert von Peter Thiel und der Mercer Familie. Er hat gesagt, er werde seine Übergangsregierung der US Regierung unterstellen. Seine Kampagne war eine Flut an Social Media Desinformation. Wie man so einen neoliberalen Marionettenkandidat feiert, nur weil er was gegen den Linkspopulismus sagt, ist wirklich verstörend.

  • Links ist vorbei!
    Zumindest in Ländern, wo man sich keine System-Marionetten an die Spitze setzt.

    • Wir haben hier die denke der freak show aus dem Hause Schwab am Start.
      Die linken wollten die Welt einnehmen und umbauen. Ist gescheitert Spa ruft Neuwahlen aus wegen diesen idiotilogischn Untrieben.

  • Nicht in jedem Land sind die Menschen so bescheuert wie in der BRD!!!

    • Ja genau weil Brasilien ist echt ein Leuchtturm des menschlichen Geistes.
      Depp.

      • Selber Depp, Depp.

    • Dass Du nicht die hellste Kerze auf der Torte bist, ist allerdings zweifelsfrei erwiesen. Naja, bist halt ein AfD-Oppah aus irgendeinem Zonenkaff. Kein Fehler, Euch vergessen zu machen

  • Flavio involviert in einen massiven Korruptionsskandal. Sein Vater hat sich an Brasilien nur bereichert und Steuergelder an seine Freunde umverteilt, genau wie der korrupte, fette Orban, den die Ungarn davongejagt haben. Aber hier erzählen sie euch halt ernsthaft was von „Kampf gegen Rechts“. Brasilien ist ein Dritte Welt Land und ihr projiziert halt bundesdeutsche Politik auf so ein Slum.

  • Dass Ende Oktober eine Stichwahl stattfinden wird, wird in diesem Hetzartikel nur nebenbei erwähnt. AN ist echt der letzte Dreck.

  • Weder der Fascho noch Herr Präsident da Silva haben die absolute Mehrheit im ersten Wahlgang errhalten. Daher ist eine Stichwahl nötig und ich denke, dass der Fascho da zum Glück keine Chance hat.

    • Selber Fascho.

  • Wieder mal so richtig dumme Boomer Bespaßung Europas Kulturkampf Blödsinn auf den Rest der Welt münzen wollen.

    Brasilien ist von den Verhältnissen hier Welten entfernt, die Politik völlig anders organisiert und das Korruptionsverfahren gegen Bolsonaro hatte wenig mit Politik zu tun, sondern mit Korruption. Genau wie Trump muss Flavio jetzt diese Wahl gewinnen bevor das Verfahren gegen ihn zu einer Anklage kommt.

    Und die wirklich dummen Boomer hier raffen das nicht, während die schon wegen Merz, Blackrock und dem bösen Selenski den ganzen Tag rumheulen.

    -10
    • Du bist wirklich doof und unwissend.

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