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Greg Jackson

„Als würde man wollen, dass sie scheitert“: Chef des größten britischen Energieversorgers rechnet mit Europas Energiewende ab

Der Chef von Octopus Energy wirft Politik und Industrie vor, sich von Lobbyinteressen leiten zu lassen und damit die Energiewende gegen die Wand zu fahren – besonders Deutschland sei ein Beispiel dafür, wie der Atomausstieg und mangelnde Reformen günstigen Strom verhinderten.

Chef des britischen Energieunternehmens Octopus Energy: Greg Jackson (IMAGO/i Images)

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Der Gründer und Chef des britischen Energieunternehmens Octopus Energy, Greg Jackson, hat die europäische und insbesondere die deutsche Ausgestaltung der Energiewende scharf kritisiert. Im Gespräch mit ntv wirft Jackson Politik und Industrie vor, Reformen zu blockieren, sich von Lobbyinteressen leiten zu lassen und damit Strom künstlich zu verteuern. „Ganz ehrlich: Europa macht Energiewende so, als würde man wollen, dass sie scheitert“, sagte Jackson im Podcast „Klima-Labor“ von ntv.

Jackson, dessen Unternehmen im Vereinigten Königreich 7,8 Millionen Kunden mit Energie versorgt und in Deutschland nach eigenen Angaben rund eine Million Haushalte beliefert, stellte insbesondere die starre Fixierung der deutschen Debatte auf den Anteil erneuerbarer Energien am Strommix infrage. Entscheidend sei nicht allein, wie viel Strom aus erneuerbaren Quellen stamme, sondern wie das gesamte Energiesystem organisiert werde. Nur ein vergleichsweise kleiner Teil des Energieverbrauchs sei überhaupt Strom, sagte Jackson. Wer sich ausschließlich darauf konzentriere, diesen Anteil zu „vergrünen“, riskiere steigende Preise und verliere die gesellschaftliche Akzeptanz für die Energiewende.

Besonders deutlich wurde der Octopus-Chef bei seiner Kritik an den Strukturen des europäischen Strommarktes. Er bemängelte, dass erneuerbare Energien in Europa nicht so genutzt würden, dass sie preisdämpfend wirken. „Wenn man erneuerbare Energien richtig nutzt, senken sie die Strompreise. Das machen wir in Europa aber nicht“, sagte Jackson. Stattdessen würden etablierte Unternehmen immer neue Anlagen „an den falschen Orten“ bauen, was einen massiven Ausbau der Netze erforderlich mache – mit hohen Kosten für Verbraucher.

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Auch die Rolle von Lobbyisten nahm Jackson ins Visier. Regierungen hörten vor allem auf etablierte Akteure der fossilen Industrie und der klassischen Stromwirtschaft, sagte er. Diese wüssten oft nicht, wie sie mit technologischen Umbrüchen umgehen oder daran verdienen könnten, und drängten die Politik deshalb zu „teuren bestehenden Lösungen“. Besonders Deutschland nannte Jackson als Beispiel für den Einfluss solcher Interessen. Die deutsche Industrie habe das Land abhängig von russischem Gas gemacht; auch die Stilllegung der deutschen Atomkraftwerke sei das Resultat mächtiger Lobbyinteressen. Das Ergebnis seien wertlose Investitionen und hohe Abschreibungen.

Den deutschen Atomausstieg ordnete Jackson damit in eine Reihe politischer Fehlentscheidungen ein, die weniger aus langfristiger Strategie als aus kurzfristigem Lobbydruck entstanden seien. Die Kosten dieser Entscheidungen trügen am Ende nicht die Interessenvertreter, sondern Verbraucher und Steuerzahler. Dass trotz dieses Wissens bislang keine grundlegende Reform des Strommarktes erfolgt sei, erklärte Jackson mit dem Widerstand etablierter Unternehmen, die vom Status quo profitierten und bei Reformversuchen mit Szenarien von Stromausfällen oder Arbeitsplatzverlusten drohten.

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Als Gegenbeispiele nannte Jackson Länder außerhalb Europas. China habe früh und entschlossen auf Elektromobilität und erneuerbare Energien gesetzt und sei heute führend bei der Produktion entsprechender Technologien. Auch Staaten im Nahen Osten, etwa die Vereinigten Arabischen Emirate, investierten massiv in saubere Energie, während sie Öl und Gas exportierten. In Europa hingegen werde an alten Marktregeln festgehalten, die nicht zu den Eigenschaften erneuerbarer Energien passten. Neue Technologien würden gezwungen, sich an Standards der fossilen Welt anzupassen – was den Fortschritt bremse und die Energiewende verteuere.

Jackson warnte zudem vor den langfristigen Folgen dieser Politik. Bereits vor wenigen Jahren habe Europa Hunderte Milliarden Euro aufbringen müssen, um hohe Gaspreise abzufedern. An den geopolitischen Risiken habe sich seitdem wenig geändert. Wer hingegen in erneuerbare Erzeugung und Speicher investiere, erkaufe sich über Jahrzehnte Energiesicherheit. Sinkende Preise seien technisch möglich, würden aber durch Steuern, Abgaben und Netzentgelte verhindert. „Teuer wird der Strom komischerweise erst, sobald er im Netz landet“, sagte Jackson.

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15 Kommentare

  • Die Deutschen arbeiten nicht zu wenig, sondern sie leisten sich Regierungen die das Land an die Wand fahren.

    • Und die gleichen die das Land gegen die Wandgefahren haben fordern nun ausgerechnet von denen die das immer Angeprangert und kritisiert haben und auch noch mit der Brandmauer Diskriminiert werden noch mehr für weniger zu arbeiten um ihre Fehler zu beheben .

      Wenn wir das wirklich machen kann man uns wirklich nicht mehr helfen !

      Soll der CDU Mittelstand z.b die Zeche doch selbst bezahlen . Die haben doch auf ihren Parteitagen Angie gesungen und alles mit getragen !
      Wird Zeit Verantwortung für eure Entscheidungen selbst zu tragen lieber Union Wirtschaftsflügel !

  • „… besonders Deutschland sei ein Beispiel dafür, wie der Atomausstieg und mangelnde Reformen günstigen Strom verhinderten.“

    Wie jetzt? Frau Dröge hat uns doch erst letzte Woche erklärt, dass die deutsche Energiewende ein Exportschlager ist. Hat Frau Dröge vor ihrer Rede auch mal selbst mit dem Ausland gesprochen oder blieb dies mangels Sprachkenntnissen auch auf der Strecke?

    Wir werden es nie erfahren und wollen es auch gar nicht!

  • Im Gespräch mit ntv wirft Jackson Politik und Industrie vor, Reformen zu blockieren, sich von Lobbyinteressen leiten zu lassen und damit Strom künstlich zu verteuern. !!

    Für die Erkenntnis hat er aber sehr lange gebraucht ! Denke mal das seine Erwartungen an Umsatz und Profit sich nicht so erfüllt haben wie von Ihm und einer ganzen Reihen anderer erwartet wurde ! Nun sehen sie alle ihre Felle am wegschwimmen .

    • Lobbyinteressen: BWE (Bundesverband Windenergie)
      Aus Brüssel wissen wir: Lobbyisten schreiben fast immer an den Gesetzen mit, die ihren Auftraggeber betreffen.

      • auch madame hat beziehungen aus der vorzeit.

        **Katherina Reiche, seit Mai 2025 Bundeswirtschaftsministerin, legte im Zuge ihres Amtsantritts ihre wirtschaftlichen Aufsichtsratsmandate nieder.
        Dazu zählten Posten bei der Eon-Tochter Westenergie, dem schwedischen Speicherbetreiber Ingrid Capacity und der Schaeffler Group.
        Zuvor war sie in der Energiewirtschaft und als Lobbyistin tätig. **

        • Die Posten ruhen wohl eher ! 🙂 Jetzt rechnet es sich für ihre vorherigen Sponsoren . Mit Amtsantritt hat sich der Kreis geschlossen .
          Solche Leute sind für die Konzerne ein Invest ! Da haben wir doch noch einen ganz oben von !

          0
  • Auch diesem Typen geht es nur darum das Narrativ von der „Energiewende“ zu retten.

    Und Apollo News spielt hier schön den Propagandaverstärker. Als studierter Elektrotechniker der seit über 30 Jahren in und für die Energiewirtschaft in unterschiedlichsten Positionen arbeitet bietet ich dem Apollo Team mal eine kostenlose Einführung in Physik und Technik, sowie deren ökonomischen Implikationen an. Ich bin übrigens ziemlich gut darin auch nicht Technikern ein tiefes Verständnis dafür zu vermitteln.

    • Als studierter Elektrotechniker wie Sie – ich habe an der TU München studiert- kann ich nur leider festhalten, dass kein Interesse an Sachinformationen besteht. Für mich ist in der aktuellen politischen Situation nur eines interessant: Scheitert die „Energiewende“ als erstes an der Ökonomie oder an der Physik.

      • das ergebnis der energiewende selber ist vermutlich nicht einmal relevant.

        sie ist lediglich das vehikel dafuer, europa wirtschaftlich zu zerstoeren, und im zuge dieser zerstoerung so viel vermoegen von unten nach oben umzuverteilen.

        danach die sintflut.
        die verantwortlichen haben sich dann mit gefuellten taschen laengst abgesetzt.

    • Was wir brauchen, ist weder ideologisches Wunschdenken noch das krampfhafte Durchdrücken untauglicher Technologien. Ebenso wenig bringen uns jene weiter, die aus ideologischer Trägheit jeden Fortschritt grundsätzlich verdächtigen und blockieren.

      In dieser Frage gibt es keinen Heilsplan und keine einfachen Wahrheiten, sondern nur einen klugen, pragmatischen Kompromiss.

      Alles andere ist entweder gut gemeinter Selbstbetrug oder organisierter Stillstand.

  • Merkel hat sich auf Trittin-verlassen. Mehr als eine Kugel Eis würde es nicht kosten. Dafür hat sich der Graichen-Clan mit der Agora Energiewende ordentlich die Taschen gefüllt. Alles zum „Wohle“ des Deutschen Volkes beim Amtseid die diese Politiker abgelegt haben. Korrupte, Versager, Schulabbrecher und Ahnungslose haben die Energiepolitik des Landes bestimmt.

  • Frau Merkel hatte mitten in der Nacht 2011 offenbar damals einen schlimmen Traum – am nächsten Tag verkündete sie, ohne sich auch nur im geringsten mit ihrem Kabinett gesprochen zu haben, (das aber auch so nichts zu melden gehabt hätte), ihrer Partei (die auch nichts zu sagen gehabt hätte), geschweige denn mit den europäischen Partnern abgesprochen zu haben, den „Atomausstieg“! Mit allen, allen Folgen, die uns bis heute begleiten: Überall Chaos, als Folge irrsinnige Strompreise für Privathaushalte (die noch weiter steigen werden durch neue Gaskraftwerke, deren Kosten noch gar nicht abzuschätzen sind!).
    Alles, alles muss in diesem Land übers Knie gebrochen werden, dem Bürger mit dem Holzhammer eingehämmert werden, was verdammt nochmal doch doch gut für ihn ist: Klimawende, Migration, E-Autos … die Beispiele, wo aus dem gläsernen Turm heraus Entscheidungen getroffen werden, die das ganzen Land auf den Kopf stellen, lassen sich beliebig fortsetzen.

  • Das ist auch so eine hohle Nuss. Der glaubt doch auch an den ganzen CO2 Firlefanz. So wie diesen Winter, wird es für die nächsten 25-30 Jahre auch, da kann er sich seine ‚Erneuerbaren‘ an den Hintern kleben und die Hosen drüberziehen, vielleicht wärmt das. Und China hat 2025 ca. 80GW Kohlekraft neu gebaut und ans Netz genommen. Energiewende am Arsch.

  • Arktische Luftlandebrigade der USA trainiert intensiv – Deutschland auf Kuschelkurs mit den Mullahs. Werden Eskimos zu US- Bürgern und verteidigt Deutschland den Iran? Wichtige Themen zur heutigen Zeit. Teuer-Strom mutiert da zur Nebensache. Finanzierung durch den Verbraucher gesichert.

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