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Distanzierung von „Aktivist Mann“: Die AfD wird erwachsen

Die AfD distanziert sich mit glaubwürdigen Worten von dem charakterlich unmöglichen Extremisten „Aktivist Mann“. Sie tut es zwar spät, aber sie tut es. Ein wichtiger Schritt im Reifeprozess der Partei. Denn natürlich sind Distanzierungen wichtig, um realpolitisch etwas zu verändern.

imago images/Future Image

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Die Geschichte von „Aktivist Mann“, der bürgerlich Matthäus Westfal heißt, ist schnell erzählt. Es gibt ein lächelndes Solidaritäts-Selfie von ihm mit der berühmten, mittlerweile verstorbenen Holocaustleugnerin Ursula Haverbeck. Seit einigen Jahren macht er Livestreams im Umfeld der AfD. Vor allem durch den Wahlkampf in Sachsen-Anhalt erzielte er relativ beachtliche Reichweiten.

Zuletzt gingen immer wieder Ausschnitte aus seinen Streams viral, in denen er Journalisten massiv anpöbelte und sogar schubste. Es handelt sich also um einen Aktivisten, der mindestens eine Nähe zu Holocaustleugnern hat, auch auf Nachfrage nicht beantwortet, ob der Holocaust ein historischer Fakt ist, und sich aufführt wie ein politischer Brüllaffe. Eigentlich also ein Mensch, mit dem niemand bei Verstand etwas zu tun haben möchte.

Lange Zeit sah es jedoch so aus, als würde die AfD die Arbeit des Livestreamers wohlwollend betrachten. Distanzierungen gab es keine, ganz im Gegenteil lobte sogar Ulrich Siegmund bei Ben Ungeskripted „Aktivist Mann“, bezeichnete ihn als guten Mann, der eine wertvolle Arbeit erledige. Doch dieses falsche Wegsehen ist jetzt vorbei. Die AfD-Spitze hat sich von Westfal distanziert. Alice Weidels Sprecher teilte dem ThePioneer-Redakteur Paetzold mit: „Die Parteispitze stuft das Verhalten des Herrn auf der Wahlfeier am Sonntag als völlig indiskutabel ein.“

Die stellvertretende AfD-Fraktionsvorsitzende Beatrix von Storch sagte unterdessen: „Wir müssen besser sein, als diejenigen, die uns anpöbeln und persönlich angreifen, wie linke Aktivisten und die Antifa. Wer sich genauso verhält wie die, gehört nicht zu uns.“ Ähnliche Worte gab es auch vom AfD-Bundestagsabgeordneten Rüdiger Lucassen: „Die vermeintliche Nähe solch ungehobelter Personen zur AfD schadet unserem Anspruch, Regierungsverantwortung in Deutschland zu übernehmen.“

Diese erfrischend klaren Worte kommen zwar zu spät und wären noch während des Wahlkampfes angebracht gewesen, aber sie sind deutlich genug und wurden jetzt immerhin ausgesprochen. Sie sind so wichtig, weil sie Zeichen eines politischen Reifeprozesses in der Oppositionspartei sind. „Aktivist Mann“ repräsentiert politische und charakterliche Hässlichkeit. Kein Normalbürger kann sich mit so jemandem identifizieren oder möchte, dass die von ihm gewählte Partei derartige Typen in ihrem Umfeld hat.

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Das zu erkennen und die notwendigen Konsequenzen zu ziehen, obwohl es jemanden aus dem vermeintlich eigenen Lager trifft, ist richtig. Die AfD scheint gewillt zu sein, sich mit einer sehr kleinen, aber sehr radikalen und lauten Minderheit am rechten Rand anzulegen, um attraktiver für die Wähler zu werden. Das ist eine Entwicklung hin zur Regierungsfähigkeit.

„Aktivist Mann“ selbst reagiert auf X mit dem argumentativ wesentlichen Satz: „Wer sich distanziert, verliert.“ In ganz rechten Kreisen ist das eine beliebte Sichtweise. Sie ist ja auch ganz nützlich für Leute, die für sich genommen, ohne Einbettung in einen größeren Kontext, nicht salonfähig sind. Menschen wie Westfal brauchen die AfD, die AfD braucht sie aber in Wahrheit nicht.

Die Distanzierungsangst ist zudem ein Irrtum. Distanzierungen sind wichtig, weil sich erst durch sie und die Abgrenzung das Wesen einer Partei herauskristallisiert. Als Wähler hat man nicht viele Möglichkeiten, einzuschätzen, wie sich eine Oppositionspartei, zumal eine ohne jede Regierungserfahrung, an der Macht verhalten wird. Da wäre die Programmatik, aber die kann, wie jeder weiß, schnell Makulatur werden. Noch weniger Halbwertszeit haben Politikerreden. Deshalb ist die Frage, welche Personen in einer und um eine Partei herumschwirren, von entscheidender Bedeutung.

Es gibt zahlreiche Wähler, die sich prinzipiell vorstellen können, die AfD zu wählen, aber noch davor zurückschrecken, weil mit ihr so viele unappetitliche Personen verbunden werden. Die Brandmauer hat nicht zuletzt als Fundament, dass immer wieder auf Charaktere wie Westfal hingewiesen werden kann. Die Gegner der AfD leben von den Extremisten und Irren im rechten Spektrum, die bisher Narrenfreiheit genießen.

Das war ausgerechnet für die Partei der Durchsetzung von Grenzen lange keine selbstverständliche Erkenntnis, scheint es nun aber zu werden, da die Macht in greifbare Nähe rückt und der Gedanke sich aufdrängt, vielleicht doch auf Koalitionspartner angewiesen zu sein. Die Distanzierung von unmöglichen Leuten wie „Aktivist Mann“ ist dabei ein enorm hilfreicher Schritt und sollte noch viel häufiger gewagt werden.

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46 Kommentare

  • Ich kenne den Aktivisten nicht, da ich in sozialen Medien nicht aktiv bin. Andererseits bewundere ich Leute wie Sarrazin und andere Leute, die sich ihren Ruf ruinieren, um die Nachteile für zukünftige Generationen mutig und ohne Tabus aufzulisten.

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    • Deutschland schafft sich ab.

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  • Gut so.
    Ich habe ihn auch unter anderem gestreamt.
    Auch falls er wirklich ein paar Stimmen rekrutiert hat, so war sein Auftreten derb und grenzwertig.
    Nicht dem Stil einer Volkspartei würdig.
    Ein Schritt in die richtige Richtung.

    10
  • Komisch ist, dass sich linksgrüne Parteien niemals von ihren Terroristen distanzieren.

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    • Nicht nur das. Sie finanzieren sie zum Teil sogar.

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      • Wir alle Zahlen

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    • Nicht komisch – bezeichnend.

      p.s. – Wieso werden jetzt im Namen keine Klammern mehr erlaubt? Wie mein (original)? Kleine Schikane am Rande, ohne jeden erkennbaren Zweck?

      2
  • Ich halt den gar nicht für verkehrt. Übermotiviert und unreif zu sein, ist in dem Alter keine Schande.
    Natürlich kann sich die AfD oder gar die Parteiführung mit ihm nicht gemein machen.

    2
  • Aktivist Mann Westfal? Nie von gehört.

    9
  • Richtige Entscheidung der AFD und ein Fehler von Ulrich Siegmund.

    3
  • Was nicht hinterfragt werden darf, kann auch nie geleugnet werden. Ganz einfach

    3
  • Nun ja, in seinen Videos die ich zu sehen bekam waren weder Holocaust Leugnung noch sonst irgendwelche Nazi verherrlichenden Aussagen zu sehen oder zu hören.
    Über das auftreten und vorgehen kann man unterschiedlicher Meinung sein. Problematisch ist doch kein Selfie Haverbeck, sondern ob dahinter eine grundsätzliche Einstellung steckt. Die AfD hat ohnehin klare Aufnahmeregeln. Wenn es da etwas gäbe, dann würde er A) nicht aufgenommen und B) bei falschen Angaben ausgeschlossen.

    0
  • Er tut der AfD nicht all zu gut, aber auf der Gegenseite gibt es ja viel schlimmere. Distanziert sich ja auch niemand von Fabian Köster oder so. Kirche muss man im Dorf lassen. Eventuell weiss die AfD ja auch bereits mehr ob der das mit Absicht macht oder ob man ihm noch Benehmen beibringen kann.

    4
  • Wurde auch Zeit, dass man da seitens der AfD reagiert hat. Hab mir ein paar Videos von dem angeschaut und das, was ich gesehen habe, geht definitiv zu weit. Der kann nur pöbeln. Auf solche Leute kann und sollte die AfD verzichten. Man muss es den Linken nicht unbedingt gleichtun.

    6
  • Ist der denn Mitglied der AfD??
    Wenn ja, ist ihm wohl besser zu raten, solch fast schon parteischädigendes Verhalten einzustellen.
    Wenn nein, dann ist auch keine Distanzierung nötig. Die ganzen Systemparteien distanzieren sich ja auch nicht von all den ABCD-Promies und YT-Klickjägern.
    Und schließlich ist niemand gezwungen, sich so etwas anzusehen, geschweige denn es zu finanzieren, was man bei gewissen Medien nicht behaupten kann.

    1
  • Das beschreibt die Situation sehr gut. Gerade bei Leuten wie Maximilian Krah hätte es sich vorher schon mal gelohnt vorher zu distanzieren, bevor sie auf die Idee kommen zu erzählen, dass „nicht alle Angehörige der SS Verbrecher waren“.

    -16
  • Die Mimik im Bild sagt alles über diesen Menschen aus.

    -1
  • Hauptsache große Klappe und nichts dahinter, wie die MSM Journalisten und alle Influenzer. Ich sehe da wenig Unterschiede

    4
  • Bin 13 Jahre in der Partei und hatte gedacht, dass wir Speerspitzen brauchen, die etwas riskieren. Die Duckmäuser und das sind die Meisten, haben wir seit Jahrzehnten genug in Dummland. Er spricht aus, was ihr alle euch nicht traut.

    0
  • Heute bundesweiter Alarmübung und gleichzeitig die Warnung vor den Russen von unserem Kriegsminister. Zufall?

    3
    • Das hat mit dem Artikel genau was zu tun?

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      • Aber er hat Recht.
        Damit wir uns an dieses Szenario gewöhnen und bei einem erneuten Wahlerfolg der AfD vielleicht eine False Flag gestartet wird, um Putin einen Angriff in die Schuhe zu schieben? Damit die AfD verhindert wird am Regieren und sie haben ihren gewollten Krieg? 2 Fliegen mit einer Klappe?

        2
  • Das Bild sagt schon alles.
    Ein Selbstdarsteller in persona.

    7
  • >>Es gibt zahlreiche Wähler, die sich prinzipiell vorstellen können, die AfD zu wählen, aber noch davor zurückschrecken, weil mit ihr so viele unappetitliche Personen verbunden werden.<<

    Die Wähler, die bisher nicht die AfD sondern die Blockparteien gewählt haben, sind mir unappetitlich. Denn die sind direkt für alles Unappetitliches bis Zerstörerisches und Blütiges mitverantwortlich, was diese Parteien uns eingebrockt haben.

    1
  • Er ist eine Ein-Mann-Partei, die versucht, bei der erfolgreichen AfD anzudocken. War von Anfang an durchschaubar und ist zum Fremdschämen.

    7
  • Ich habe alle Influencer aus meinen Abos gekickt – die hysterischen Schreihälse zuerst.

    7
    • Sehr löblich.
      Das Bundesverdienstkreuz wäre für diese Heldentat mehr als angemessen.

      2
      • Das Bundesverdienstkreuz bekommt der Schreihals – wie alle Zerstörer, da wird unser Spalter mal eine Ausnahme machen, denn Spalten geht noch vor Richtung.

        1
  • na warten wir mal ab ob sich die Afd noch lange um eine Stellungnahme bezüglich der Kriegsverbrechen Israels drücken kann, egal wie sie sich positionieren haben sie ruckzuck wieder 30% der Anhänger verloren. Das „Holocaustleugner“ Framing finde ich ein wenig billig.

    -3
    • Israelismus ist halt Nationalsozialismus ohne Vorhaut wie die Moslems.
      Palästinenser waren ja auch die Verbündeten von Hitler und dann noch von den ganzen anderen Sozialisten in der Welt.

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  • Ist so einer dann eine „Flachzange“?

    2
  • Da turnt ja bei der AfD nicht nur dieser Aktvist Mann rum, sondern auch die beiden hübschen von UtopiaTV, Weichreite und vor allem Björn Banane treiben da ihr Unwesen unter dem Deckmantel angeblichem Journalismus…….dabei geht es nur um Geld und Klicks.

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