So stoppt ihr die AfD sicher nicht, liebe SPD
„So stoppen wir die AfD“, titelt der offizielle Account der Bundes-SPD auf Instagram. Es folgt eine wirre Rechnung und ein Aufruf zum „Haustürwahlkampf“. Der viel beschworene Kampf gegen rechts wird zur Realsatire.
Auf Instagram ruft die SPD unter dem Titel „So stoppen wir die AfD“ alle Bürger zum „Haustürwahlkampf“ auf. Die Partei, hinter der in Sachsen-Anhalt laut Umfragen nur noch sieben Prozent der Wähler stehen – die AfD kommt auf etwa sechsmal so viel Zuspruch – meint, 37 Prozent der wahlberechtigten Deutschen aufbieten zu können. So viele haben nämlich im ARD-Deutschlandtrend erklärt, dass sie eine Zusammenarbeit mit der AfD ablehnen. Dann macht die SPD eine wirre Rechnung auf, die die angebliche Stärke der Sozialdemokratie unterstreichen soll.
Von diesen umgerechnet gut 22 Millionen Menschen will die SPD in den nächsten Tagen „nur“ jeden Zwanzigsten nach Sachsen-Anhalt schicken, um dort jeweils einen der 1,1 Millionen Privathaushalte in dem Bundesland zu besuchen. Da soll die westdeutsche Masse dann „für demokratische Lösungen werben“. Doch was zunächst nach einer konfusen Rechnung eines Fünftklässlers klingt, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als Sinnbild für einen Kampf gegen Rechts, der immer mehr hochnotpeinliche Züge annimmt.
Werbung
Dass eine in den letzten Jahren rasant abgestürzte SPD sich anmaßt, über eine Million Menschen aus ganz Deutschland mobilisieren zu können, allein zur Verhinderung einer absoluten Mehrheit der AfD, ist ironisch. Die sinkende Mitgliederzahl der einstigen Volkspartei unterstreicht diese Selbstüberschätzung: Unter Helmut Schmidt als Bundeskanzler und Willy Brandt als Parteivorsitzendem überschritt die Partei ab 1977 tatsächlich einige Zeit die Marke von einer Million Mitgliedern. Davon sind inzwischen allerdings nicht einmal mehr 350.000 übrig – trotz des Beitritts der neuen Länder im Osten.
Für ihren Post erntet die SPD in den sozialen Medien entsprechend viel Spott und Häme – und das vollkommen zu Recht. Sie zeigt einmal mehr die verquere Logik der sogenannten „Brandmauer“: Statt dem Wähler eigene Angebote zu unterbreiten, wird Wahlkampf vor allem gegen eine Oppositionspartei betrieben, die bisher weder auf Landes- noch auf Bundesebene je Regierungserfahrung sammeln konnte.
Das Ergebnis: Die ausgegrenzte Oppositionspartei ist bundesweit mit Abstand stärkste Kraft, wird aller Voraussicht nach die Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern gewinnen und möglicherweise mit Ulrich Siegmund bald ihren ersten Ministerpräsidenten stellen. Selbst in ehemaligen SPD-Hochburgen scheint der Aufstieg unaufhaltsam. Doch der neue selbsternannte „demokratische Block“ denkt gar nicht daran, seine Taktik zu ändern.
Lesen Sie auch:
Ehemalige Hochburg
Bremer SPD fällt auf historisches Umfrage-Tief – AfD überholt die Grünen sogar an der Weser
Bremen gilt eigentlich als eine der letzten SPD-Hochburgen – doch jetzt verzeichnet die Partei desaströse Werte: Die Sozialdemokraten erreichen in einer Umfrage lediglich 20 Prozent der Stimmen. Die AfD liegt nur noch drei Prozentpunkte hinter den Sozialdemokraten.Rheinland-Pfalz
100 Tage nach Regierungsantritt: AfD mit Rekord in Rheinland-Pfalz, fünf Punkte vor der SPD
100 Tage nach dem Antritt der neuen schwarz-roten Regierung in Rheinland-Pfalz kommt die SPD in einer neuen Umfrage auf ihr bisher schlechtestes Ergebnis. Die AfD zieht weit an den Sozialdemokraten vorbei und ist der CDU auf den Fersen.Das Feindbild AfD steht. Denn das ist wohl der letzte Strohhalm, an dem sich die anderen Parteien noch festhalten, nachdem sie den Stimmungswandel im Volk jahrelang verschlafen und an der Wählerschaft vorbeiregiert haben. Zwei Wochen vor der Schicksalswahl in Sachsen-Anhalt geht es nur noch um Schadensbegrenzung. Doch statt für eigene Werte einzustehen, um einige abtrünnige Wähler noch zurückzugewinnen, liegt der Fokus auf dem weit enteilten Konkurrenten.
Auch die CDU in Sachsen-Anhalt um Spitzenkandidat Sven Schulze verteilt fleißig Seitenhiebe gegen die AfD. „Fünf Jahre sind lang, wenn man sich geirrt hat“, schreibt ausgerechnet die Partei auf Instagram, die seit 24 Jahren durchgehend den Ministerpräsidenten stellt. So sehr auch die AfD für viele Probleme keine taugliche Lösung parat haben mag: Sich selbst als langjährige Regierungspartei implizit von jeder Verantwortung für den Aufstieg der AfD freizusprechen, ist schlicht absurd.
Werbung
Innerhalb der Führungsriege der Union scheint das kaum jemanden zu stören. Doch die Basis erhebt sich inzwischen auch öffentlich. Mit dem kürzlich bekannt gewordenen Fall um CDU-Bürgermeister Bernd Prange, der 10.000 Euro an den politischen Gegner spendete (Apollo News berichtete), fing sich die Partei eine weitere symbolische Klatsche im Wahlkampf ein. Selbst für viele Christlich-Demokraten vor Ort scheint die AfD inzwischen die einzige Partei zu sein, die sich wirklich für die Menschen interessiert, ihnen zuhört, sie nicht verurteilt und ihnen Hoffnung auf Besserung gibt.
Ob Ulrich Siegmund sein kitschiges Wahlplakat-Versprechen „Alles wird gut“ wirklich einhalten kann, ist zweitrangig. Er und seine Mitstreiter sprechen mit den Bürgern auf Augenhöhe – anders als ein Merz, der kritische Bürger bei jeder Gelegenheit anfährt, ein Scholz, der die Sorgen der Wählerschaft hämisch weglächelt, oder ein Lauterbach, der die Auswanderungsgedanken junger Talente mit einem wenig empathischen „Schnief“ kommentiert.
Durch solche Äußerungen von Regierungsvertretern wird auch ein anderes psychologisches Phänomen hervorgerufen: Ein AfD-Sympathisant, dem Tag für Tag eingeimpft wird, seine Partei sei böse, seine Meinung fürchterlich, und er sei ja im Grunde ein lupenreiner Faschist, beantwortet das typischerweise mit einer großen Portion Reaktanz. Je mehr wegen seiner politischen Einstellung auf ihn eingedroschen wird, umso enger bindet er sich an die Partei und umso vehementer verbreitet und radikalisiert er seine Positionen – um dann noch mehr Ablehnung und Polarisierung zu ernten.
Werbung
Die SPD will diese Spirale mit ihrem Aufruf zum „Haustürwahlkampf“ nun überwinden. Gewöhnliche Bürger sollen von Haustür zu Haustür spazieren und dort aufzeigen, warum man „demokratische Alternativen zur AfD“ wählen solle. Doch die Anzahl inhaltlicher Argumente, wieso man denn die AfD nicht wählen sollte, beträgt im Aufruf der SPD exakt null. Die Rede ist wie immer von demokratischen Mehrheiten, demokratischen Lösungen und demokratischen Alternativen.
Bebildert hat die SPD ihren Post mit einem AfD-blau-rot-weißen Schild und der Aufschrift „Kein Platz für Hass und Hetze“. Man baue darauf, dass „Menschen, die zunächst skeptisch sind, im Laufe des Gesprächs Vertrauen fassen und sich öffnen“, meint die Partei. Doch das sind genau die moralisierenden Floskeln, die eigentlich überwunden werden müssten, wenn man Interesse daran haben sollte, die AfD jemals tatsächlich zu stoppen.
Der Beitrag auf Instagram erhielt bisher etwa 2.800 Likes. Wie die Partei die größenwahnsinnige Zahl von über einer Million Bürgern für ihre Zwecke mobilisieren will, bleibt völlig im Dunkeln. Und so wird auch diese Aktion zur Blamage der SPD und wieder einmal nur einer Partei helfen – der AfD. Ulrich Siegmund wird nach der Wahl in Sachsen-Anhalt eine Menge Dankesreden halten müssen. Friedrich Merz, den Spiegel, Sven Schulze, die heute-show und viele andere sollte er dabei bedenken – und eben auch die SPD.
Anzeige
Unser VPN-Partner
Freund werden
Freund von Apollo News werden