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Neue Bescheidenheit: EU plant erneut Solarstromprojekt in Nordafrika

In ihrer Energienot greift die EU-Kommission zu einem Projekt, das vor einem Jahrzehnt bereits still und heimlich in der Schublade verschwand. Als abgespeckte Version von „Desertec“ soll ein neues Solarprojekt Strom in der Sahara für Europa produzieren.

25 Milliarden Euro will Brüssel in unterschiedliche Bereiche der Energieinfrastruktur Nordafrikas investieren (Symbolbild). (IMAGO/Andia)

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Ein EU-Zombie steht vor seiner Auferstehung – zumindest Teile seines politischen Kadavers. Unter dem sperrigen Projektnamen T-MED (Trans-Mediterranean Renewable Energy and Clean-Tech Cooperation Initiative) plant die Europäische Union eine Art kleines Revival des vor einem Jahrzehnt gescheiterten Wüstenstromprojekts Desertec.

Desertec, vielleicht erinnert sich der eine oder andere noch, war als Jahrhundertprojekt europäischer Energiepolitik geplant: eine Brücke zwischen der sonnenreichen Sahara, den Investitionen europäischen Kapitals und einer integrierten regionalen Energiewirtschaft, inklusive Wissenstransfer in tendenziell unterentwickelte Regionen – et voilà: günstiger Strom für die energiehungrige europäische Wirtschaft und die, wie es heute heißt, klimazerstörenden europäischen Konsumenten.

Desertec war seinerzeit mit einem Investitionsvolumen von rund 400 Milliarden Euro geplant. Das grüne „Global Gateway“, wie die Nordafrika-Sparte der T-MED-Initiative heißt, muss allerdings mit deutlich weniger Anschubhilfe starten. Das heißt jedoch nicht, dass Brüssel sich nicht auch für dieses Kind seiner grünen Subventionsmaschine medial ins Zeug legt. 25 Milliarden Euro sollen mithilfe von Kreditgarantien, Preiszusagen und der üblichen Fördermittelpraxis in die unterschiedlichen Bereiche der Energieinfrastruktur bis hin zur Erzeugung von Wasserstoff gelenkt werden. 100.000 gut bezahlte Jobs sollen in der Region entstehen – Brüsseler Planspiele und Rechenexperimente aus der Fantasiewelt des Bürokratismus.

Generell muss man sagen, dass die EU ein Auge auf den Ausbau der energiepolitischen Beziehungen zu Nordafrika geworfen hat. Verständlicherweise versucht man, der energiepolitischen Abhängigkeit von den USA im Bereich des LNG schrittweise zu entfliehen. Aber sollte dies tatsächlich mit überteuertem Flatterstrom gelingen?

„Kurs halten“ – so lautet wohl das Motto der Stunde. Bereits zu Beginn der 2030er Jahre ist die Inbetriebnahme des Projekts South H2 Corridor geplant – eine rund 3.300 Kilometer lange Wasserstoffpipeline, die bestehende Erdgasleitungen umwidmen soll. Über sie soll dann in Tunesien und Algerien erzeugter Wasserstoff über Italien und Österreich bis nach Deutschland transportiert werden.

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Grün soll der Strom sein, der über den Korridor zwischen Afrika und Europa einmal transportiert werden könnte – Wunschdenken begleitet das Projekt von Beginn an. Auf dem Reißbrett der Zentralplaner liest sich alles stets logisch, simpel und alternativlos. Da die finanziellen Mittel auf EU-Seite knapp zu sein scheinen, tritt Brüssel bei der Neuauflage des Wüstenprojekts lediglich mit einer Kreditgarantie von fünf Milliarden Euro als Absicherung für potenzielle Investoren auf. Bis 2035 sollen auf dieser Grundlage die übrigen Mittel mobilisiert werden, um in Nordafrika eine installierte Leistung von rund 15 Gigawatt aus Solar- und Windkraft aufzubauen und diese in die noch nicht vorhandene europäische Netzinfrastruktur einzuspeisen.

Der fundamentale Unterschied zum Desertec-Projekt: Die Neuauflage setzt auf einen orchestrierten Investitionsrahmen. EU-Garantien, Mittel der Europäischen Investitionsbank sowie private Kapitalgeber sollen weiteres privates Kapital mobilisieren. Ein wenig Nudging mit dem Subventionsbeutel, wenn man so will. Zentraler Partner der Initiative soll der Staat Marokko sein, wo bereits mit Projekten wie Ouarzazate industrielle Strukturen vorhanden sind. Ein konkreter Start der notwendigen Infrastrukturvorarbeiten ist noch nicht absehbar; es fehlen bilaterale Abkommen und regulatorische Rahmenbedingungen, um potenziellen Investoren Rechtssicherheit zu gewähren. Brüssel sprach von 2027 oder 2028 als Projektbeginn. Allerdings kennen wir diese vagen zeitlichen Prognosen von anderen Großprojekten, etwa dem digitalen Euro: Zwischen Planung und Umsetzung klaffen stets Gräben, die eher die Distanz zwischen den Küsten des Atlantiks beschreiben als die Meerenge von Gibraltar, die es im Falle des Wüstenprojekts logistisch zu überwinden gilt.

Das afrikanische Stromprojekt Brüssels erweckt den Anschein, als gelte es lediglich, vorhandene Budgetmittel zu verteilen – wie sonst ließe sich der Wiederbelebungsversuch eines bereits gescheiterten Projekts erklären? Hätte man nicht von den sonst so schuldenaffinen EU-Europäern die Emission einer neuen grünen Afrika-Anleihe erwarten können? Wäre das Projekt tatsächlich vielversprechend, so hätte Brüssel keine Sekunde gezögert, sich und damit die Mitgliedstaaten tiefer und tiefer in Schulden zu stürzen.

Ein konterkarierender Aspekt tritt hinzu: Die erzeugten 15 Gigawatt Strom würden in einer theoretischen Bedarfskalkulation gerade einmal den Strombedarf von 10 Millionen Haushalten decken – immer vorausgesetzt, dass eine parallele Infrastruktur eine Grundlast bereitstellt, die hilft, die Volatilität der erneuerbaren Energien auszugleichen. Bei einem Gesamtstromverbrauch von 3.000 Terawattstunden pro Jahr sollte man also nicht allzu große Hoffnungen in das Projekt setzen, selbst für den unwahrscheinlichen Fall, dass es eines Tages zu tatsächlicher Stromproduktion und zu einem Transport ins europäische Netz kommen sollte. Die Frage nach der Finanzierung der notwendigen Transportinfrastruktur – Hochspannungsgleichstromleitungen, die das Mittelmeer überbrücken oder am Meeresboden verlaufen – stellt eine weitere fiskalische Herausforderung dar, über die man wohl ungern spricht.

Es wäre wohl der Euphemismus dieses Jahrhunderts, die europäische Energiepolitik als verfahren und konfus zu bezeichnen. In Wahrheit ist das Ergebnis nach Jahren der ökologisch motivierten Zentralplanung so verheerend, dass die europäische Industrie jede Hoffnung auf Wettbewerbsfähigkeit im globalen Kontext verloren hat. Bei Lichte betrachtet scheint es sich im Falle des Wüstenprojekts um eine Werbeaktion in eigener Sache zu handeln – ein medientaktischer Rohrkrepierer, der letztlich das Scheitern der europäischen Energiepolitik auf eine internationale Bühne hebt. Ein Glück nur, dass aller Wahrscheinlichkeit nach ohnehin niemand mehr genauer hinschaut.

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11 Kommentare

  • Europäische Anmaßung Flächen in Afrika zu belegen, um Vorteile NUR für EU und geschmierte Afrika-Vertreter zu geben, auf Kosten ausgeraubter unwilliger EU Bürger und Ortsansässigen.

    Die ortsansässige Bevölkerung hat wie so oft in den letzten Jahrzehnten NICHTS davon.

    • Genau. Richtig im Geiste von Otto von Bismarck. Ich liebe es.

      -13
      • Informieren Sie sich am besten ein wenig über Bismarck

        • LOL
          Dann verrate mal was du für dumme Wunschfantasien über den eisernen Kanzler hast.

          -7
  • In welchen Taschen all die Steuergelder wohl diesmal verschwinden ?

  • Die Fehler von vor über zehn Jahren wiederholen sich. Vor allem die ungenügende Planung sticht wieder hervor. Wir hören doch jeden Tag, dass in DE mehr erneuerbare elektrische Energie erzeugt werde, als benötigt wird.

    Das eigentliche Problem ist das Vorhalten der Netzreserve und das Sicherstellen der Netzstabilität. Und das soll in DE z.B. mit Gaskraftwerken sichergestellt werden.

    Wenn es in Deutschland dunkel ist, ist es in Marokko ebenfalls dunkel. D.h., unser o.g. Stromversorgungproblem wird nicht wirklich gelöst.
    Was die Herstellung von grünem Wasserstoff anbelangt, ist Marokko sicherlich eine Chance. Allerding besteht die große Gefahr einer sehr ungesunden Abhängigkeit.

  • Es macht keinen Sinn, Solarstrom aus Afrika nach Europa importieren zu wollen. Wenn überhaupt, muss man damit vor Ort Wasserstoff herstellen und daraus dann Methan, oder besser Flüssige Kraftstoffe synthetisieren (Power to X).

  • Die Chinesen bauen auch die Gobi Wüste mit Solarkraftwerken voll. Man muss unabhängig werden vom Öl. Russlandkrieg, Irankrieg, die Versorgung ist nicht sicher. Die Zukunft ist nicht „billiger Diesel“, sondern eine Solarbatterie auf dem Dach.

    -10
    • welchen unsinniger Vergleich: China macht das im eigenen Land mit gut funktionierender Bürokratie und gutem Netzausbau. Wie Sie das mit Afrika erreichen wollen, ist mir völlig unklar. Darüber hinaus baut China, die Kernkraft und Kohlekraft vehement als Hauptenergieträger aus. sehen Sie sich auch mal Brücken oder die Infrastruktur in China an, dann wissen Sie auch, warum die das schaffen und wir keine Chance haben.

      • „und wir keine Chance haben“

        Da ist doch der Kern deiner ganzen Argumentation. Bu-hu Verlierermentalität. Du verstehst nicht worum es geht und machst das Thema nur zu einem Vehikel für deine eigene Verlierermentalität.

    • Dachte wir haben keine Zukunft mehr, weil uns die „Klimakatastrophe“ umbringt. Man denke nur mal an all die vielen „Hitzetoten“ jedes Jahr.
      Aber zum Glück gibt es ja die tapferen Kämpfer gegen die „Klimakrise“, die bei Wind und Wetter, bei dieser unerträglichen Hitze (bei uns regnets übrigens seit Tagen und es ist kühl=die uralte Schafskälte!) Fahrrad fahren und selbst beim Abrollen des Fußgelenkes auf die Feinstaubbelastung achten.
      Das Klima zittert bereits vor Angst!
      *LOL*

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