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Zehn Milliarden Be- statt Entlastung: Der große Steuer-Betrug der Bundesregierung

Die Steuerreform löst sich in Luft auf: Unterm Strich drohen vielen Menschen Mehrbelastungen oder nur kleinste Entlastungen. Die Bevölkerung wurde getäuscht – und die Union täuschte sich selbst. Ein unehrliches Spiel.

Liefert seine nächste Mogelpackung: Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (IMAGO/Andreas Gora)

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Es ist, als würde man Zuckerwatte unter einen Wasserhahn halten: Die luftig-süßen Versprechungen einer großen Steuerreform sind im Nullkommanichts zerflossen. Anfang Juli, nach dem großen Reformgipfel mit großem Reformpaket, feierten sich Merz und Klingbeil noch. Jetzt herrscht plötzlich Katerstimmung.

„Das ist nicht das, was uns zugesagt wurde“, schimpfte CDU-Finanzpolitiker Olav Gutting in der Bild, nachdem er den Referentenentwurf des betreffenden Umsetzungsgesetzes zu sehen bekommen hatte. Und er ist nicht der Einzige. Auch der Bund der Steuerzahler übt scharfe Kritik. Dessen Präsident Reiner Holznagel nennt Klingbeils Paket „Scherz oder Provokation“ und eine „Giftliste“, die statt Entlastungen mehrheitlich Belastungen enthalte.

Diese Dynamik war schnell absehbar – auch anhand der Worte des Finanzministers selbst. „Wir werden jetzt noch viel rechnen“, sagte Lars Klingbeil bei der Vorstellung der angeblichen Entlastung, wobei er bewusst im Vagen blieb. Jetzt zeigt sich: Rund die Hälfte der beworbenen Entlastung wird durch neue Belastungen und den Abbau von Steuervergünstigungen wieder aufgezehrt. Und unter dem Strich fallen Entlastungen in der Summe ganz aus: Am Ende steht gar eine zusätzliche Belastung des Steuerzahlers mit 10 Milliarden Euro im Raum.

Das Finanzministerium versucht mit allerlei Einzelfallrechnungen, seine sogenannte Steuerentlastung als tatsächliche Entlastung zu verkaufen. Das soll den Blick auf die Gesamtsummen vernebeln: Zwar summieren sich die entlastenden Maßnahmen nach Rechnung der Regierung im Jahr 2028 auf rund zehn Milliarden Euro. Gleichzeitig sieht der Entwurf jedoch Steuererhöhungen und den Abbau von Vergünstigungen im Umfang von etwa fünf Milliarden Euro vor. Unterm Strich bleiben damit netto nur knapp fünf Milliarden Euro übrig.

Zur Wahrheit gehörte von Anfang an auch: Diese fünf Milliarden Euro der nominellen Bruttoentlastung entfallen allein auf die geplante Erhöhung des Grundfreibetrags. Dieser muss verfassungsgemäß regelmäßig angepasst werden, damit das Existenzminimum steuerfrei bleibt. Die Anhebung wäre deshalb zumindest zu einem erheblichen Teil auch ohne die groß angekündigte „Steuerreform“ erforderlich geworden.

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Zunächst werden die Bürger als Kollektiv also um genau die Summe entlastet, die gesetzlich schon feststand. Weniger wäre kaum gegangen. Einzelne werden weiterhin im relativ geringen Rahmen von der sogenannten Steuerreform profitieren – hinter solchen Einzelbeispielen versteckt sich das Finanzministerium. Genauso werden viele Einzelne aber auch zusätzlich belastet.

Dazu kommt noch ein Novum: Erstmals seit über einem Jahrzehnt verzichtet der Bund vollständig auf den Ausgleich der sogenannten kalten Progression. Diese beschreibt den Umstand, dass Menschen etwa von inflationsbedingten Gehaltserhöhungen de facto nicht profitieren, weil die damit einhergehende höhere Steuerlast das vermeintliche Gehaltsplus vollkommen auffrisst. Real haben Betroffene der kalten Progression oft weniger in der Tasche als vor der Gehaltserhöhung.

Seit 2015 war diese kalte Progression eigentlich regelmäßig ausgeglichen worden – „ein Gebot der Fairness“, brüstet sich das Bundesfinanzministerium auf seiner Website. Unfairerweise wird auf diese Entlastung jedoch erstmals vollkommen verzichtet.

Das bedeutet ein reales Minus für viele vermeintlich Entlastete. Das Institut der deutschen Wirtschaft rechnete bereits im Juli mehrere Beispiele vor, die das zeigen. Ein Single mit einem Bruttojahreseinkommen von 50.000 Euro etwa – ein unterdurchschnittlicher Jahresverdienst in Deutschland – wird durch den fehlenden Ausgleich der kalten Progression am Ende mit 114 Euro weniger nach Hause gehen als vor der großen „Steuerentlastung“.

Der Staat greift so nicht nur unmittelbar wieder beim Bürger zu: Mit diesem Manöver macht Klingbeil seine gesamte Reform in Summe zu Makulatur. Unterm Strich steht kein Zehn-Milliarden-Plus, sondern eine Zehn-Milliarden-Lücke: Netto entlastet die Reform um knapp fünf Milliarden Euro, während für einen vollständigen Inflationsausgleich gut 15 Milliarden Euro notwendig wären. Das genaue Gegenteil dessen, was die Bundesregierung als Entlastung verbreitet, ist richtig: Am Ende steht in der Summe eine zusätzliche Belastung des Steuerzahlers mit 10 Milliarden Euro im Raum.

Die Union verhandelte lausig – jetzt schreit sie laut

Jetzt, nachdem der „Steuerbetrug“ bekannt wurde, schimpft man in der Union. Auch die CDU-Haushaltspolitikerin Melanie Bernstein ist öffentlich auf der Zinne: „Nicht einmal die Inflation auszugleichen, ist eine schwache Leistung!“, schimpft sie gegenüber Bild. „Die Bürger merken doch, wenn sie über den Tisch gezogen werden.“ Die Union allerdings – die scheint zunächst nicht gemerkt zu haben, dass sie über den Tisch gezogen wurde.

Unzufriedenheit über das Volumen der vermeintlichen Entlastung machte sich in den Reihen von CDU und CSU zwar schnell breit, wo man im Wahlkampf ja massive Steuersenkungen versprochen hatte. Mal wieder fühlt man sich von Lars Klingbeil betrogen – aber der Löwenanteil an der Schuld liegt hier wieder bei den miserablen Verhandlern der Union.

Bereitwillig gab man den Widerstand gegen sozialdemokratische Steuererhöhungen auf. Die Möglichkeit höherer Steuern für Gut- und Spitzenverdiener legte man blank auf den Tisch, über den man sich zugleich ziehen ließ.

Zudem gehören die Steuerbeschlüsse in ein Gesamtpaket eingeordnet: Die große Reformoffensive nach dem Koalitionsausschuss Anfang Juli war eben genau das, ein kuhhändlerisches Gesamtpaket. Hier hatte die Union durchaus ein paar Zugeständnisse bekommen: Der in diesem Sinne dickste Knochen war noch die Bereitschaft der SPD, die sogenannte „Rente mit 63“ zur Disposition zu stellen. In den vielen anderen Bereichen, etwa beim Thema Kündigungsschutz, setzten sich die Sozialdemokraten mit teils völlig absurden Kompromissen durch, die vermeintliche Punktsiege der Union zu Pyrrhussiegen machten. Die Aufhebung des Kündigungsschutzes de facto nur für Führungskräfte – das hilft der Wirtschaft konkret gar nicht.

Die Union erkämpfte im Paket vor allem politisch relativ wertlose Punkte für sich – die Abschaffung der telefonischen Krankschreibung oder die Attestpflicht ab dem ersten Arbeitstag. Das befriedigt die Merz-Erzählung vom faulen, krankfeiernden deutschen Arbeiter, löst aber keinen wirklich relevanten Missstand.

Und das wirklich mal handfeste Zugeständnis der SPD, die Rente mit 63 zur Disposition zu stellen? Es waren vor allem CDU-Ministerpräsidenten aus den östlichen Bundesländern, die diese gerade geschlossene Front aus rein populistischem Wahlkampfkalkül wieder aufbrachen. Und damit auch der SPD jede Berechtigung lieferten, hinter die geeinte Position wieder zurückzutreten.

Der Ärger, der angesichts dieses Steuerpakets in der Union herrscht, ist berechtigt – er müsste sich nur mindestens genauso gegen sich selbst richten wie gegen Lars Klingbeil. Eine Mogelpackung, die man selbst verpackt hat, kann man nicht im Anschluss empört von sich weisen. Die SPD hat sich in Steuerfragen erfolgreich durchgesetzt – und die Bürger dabei getäuscht. Die Union täuschte sich nur selbst.

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80 Kommentare

  • Und die Wähler haben echt Angst vor der AfD?

    110
    • So ist es. Ich sag nur:

      „Nimm das Recht weg – was ist dann ein Staat noch anderes als eine große Räuberbande“
      – Augustinus von Hippo

      31
      • Und Papst Benedikt für dem Bundestag.

        -17
    • … man redet das vielen Menschen zwangsfinanziert 24/7/365 ein Angst zu haben, aka tyrannisiert förmlich auf der medialen Schiene, würden manche sagen,

      ERST wenn man den Zugriff auf Menschen und deren Gelder und Daten diesen Parteien auf EWIG entzieht, ist es eine freie Gesellschaft die dann die Chance hat sich aufzurappeln.

      Parteienkratie, eine reine Kleptokratie, ist eben das größte Problem im Land.
      Verursacher sind NIE die Erlöser.

      Aber was erwartet man auch bei diesem akutem Fachkräftemangel in den Parlamenten???
      Würde man zum Metzger gehen, wenn z.B. eine Hüft-OP ansteht, nur weil jener mit dem Messer umgehen kann und bei Anblick von Blut nicht zusammenklappt?

      Ungewollte, aka Zweitstimmen-Abonnenten aus den Parlamenten entfernen (hat man schon einmal 50% gespart, wirklich gespart) und Erststimme NUR anhand VITA mit Ausbildung und Arbeitsnachweise außerhalb der Parteienblase, würden manche fordern. Und begrenzt auf 2 Legislative egal welch Ebene im Bund und Land.

      15
      • Ich habe Angst vor der intellektuellen Diarrhoe von AfD-Fans wie Dir.

        -34
  • Wann wird Merz dazu Stellung nehmen und den Spuk beenden?

    35
    • Es wird sicher alles passieren, nur das nicht!

      43
    • Gesundheit!

      16
    • Der war gut! Den konnte man bringen.

      0
    • Wuhahaha! Merz? Spuk beenden?

      9
  • Ich fühle mich nicht betrogen. Ich fühle mich bestätigt.

    16
    • „Alles, was die Sozialisten vom Geld verstehen, ist die Tatsache, dass sie es von anderen haben wollen“ Konrad Adenauer
      Zeigt sich Jahrzehnte nach Adenauer immer stärker und die Union macht mit.

      20
      • Die Union ist sozialistisch.

        7
  • Ob den Abgeordneten der Regierungsparteien klar ist, dass diese Regierung ihre Wiederwahl verhindert?

    5
  • Überrascht nicht! Was noch fehlt, ist eine Rollator Steuer, die in bedürftigen Fällen dann abgefedert wird, um die Sozialität der Unseredemokratie zu verdeutlichen. Hust! Würfelhust!

    36
  • Muss in Kürze wieder zu Bekannten mitmaschieren, die mir wieder davon berichten, daß der Wasserstoff unsere letzte Möglichkeit ist.
    Was man nicht alles für seine Frau tut

    16
    • Für so etwas hat der liebe Gott den Schnaps erfunden 🙂

      7
      • Soviel kann man bald nicht mehr trinken ohne ernsthaften Schaden oder mindestens einen deftigen Kater 🙂

        0
  • Sachsen-Anhalter haben es in der Hand. Soll es so weitergehen wie bis jetzt? Wenn nein, Kreuze bei AfD! Hätte nicht gedacht, dass der Osten jemals über das Schicksal Gesamtdeutschlands bestimmt.

    10
  • Vielen Dank wieder an Euch!

    Ihr seid wieder die Ersten und werdet dadurch trotz allem Hass der Euch entgegen brandet zum Leitmedium in Deutschland.

    Bravo weiter so!

    Auch hier das ist keine Steuerentlastung sondern ein Steuererhöhungsgesetz für alle einer Erwerbsarbeit nachgehenden in Deutschland.

    10
  • Zum Glück noch vor den Wahlen, da kann sich jeder nocheinmal Gedanken machen!

    8
  • Hat jemand etwas anderes erwartet?
    Frau Dr. Weidel hat uns Klar und deutlich, vor der Wahl, davor gewarnt.

    6
  • Irgendwo muss das Geld für die „Prioritäten“ des Finanzministers ja her kommen. Deutsche Bürger gehören nur zum Abkassieren zu seiner Priorität.

    4
  • Ich freue mich auf den nächsten Bundestag; Alice wird ihn rasieren!

    3
  • HaHa: „Wir werden jetzt noch viel rechnen“. Wer? Er? Steuern und damit Staatsquote müssen runter.

    0
  • Brot für die Welt, der Staat braucht Geld 💰

    0
  • In der Schlagzeile steckt doch schon die Zukunftsvision für Deutschland:
    Be-statt…ung
    Also sollte sich niemand verwundert zeigen…

    11
  • Die spürbaren Steuerentlastungen der letzten 10 Jahre bescheren der BR Steuereinnahmen in ungeahnter Höhe.
    Und wenn die Steuern ganz abgeschafft werden, wird Deutschland SO reich, dass noch mehr ins Ausland verschenkt werden kann. Dann haben Migranten keinen Grund mehr zu kommen…
    …zumal die Abgaben und Gebühren hier auf 5.000.000.000.000 jährlich steigen…

    5
  • Ich kann.es immer nur wiederholen …. Jammert mir nix vor. Ich habe das Richtige gewählt!

    22
    • Respekt, also bist du nicht davon betroffen???

      3
  • Wir wissen alle woran das hauptsächlich liegt und wir wissen, wie wir diesem Irrsinn ein Ende setzten können.

    3
  • Mit dem SPD-Sozialismus geht´s rasant
    abwärts mit dem ganzen Land

    Die Beweise dafür täglich erleb-und bezahlbar

    5
  • Warum steht in der Überschrift hinter dem Begriff „Steuer-Betrug“ ein Fragezeichen? Das ist doch erwiesen dass der Lars uns nach Strich und Faden bescheißt.

    55
  • Siehst’e….. So dumm sind die gar nicht wenn es darum geht uns die Kohle aus der Tasche zu ziehen!

    44
  • Man presst den Leuten immer mehr Steuern ab und beschimpft sie dann noch als faul. Das manche die Nase gestrichen voll haben. Sie werden seit geraumer Zeit wie Untertanen behandelt.
    https://ostdeutscheallgemeine.com/article/deutsche-zu-faul-merz-und-konzernbosse-reden-am-wahren-problem-vorbei-10286678
    Man gibt den Arbeitnehmer z,B. Am Band die Schuld, ihr Gehalt und Boni wären aus der Zeit gefallen.

    „Diese Strategie haben keine Bandarbeiter beschlossen. Sie wurde von hoch bezahlten Managern entwickelt, deren Millionengehälter und Boni erstaunlicherweise nicht zu den Privilegien zählen, die angeblich „aus der Zeit gefallen“ sind.“

    5
  • Irgendwann ist Schluss, dann sind die Zitronen einfach ausgepresst. Dann machen sie Kreuz woanders. Irgendwann ist auch genug an der Nase herumgeführt. Sparen will man nicht, aber dem Bürger weiter in die leeren Taschen greifen. Ob die Sozialisten je begreifen wie man mit Geld umgeht ?

    5
  • Leute das war doch klar. Ich wäre als cdu vorsichtig so zu tun als hätte man es nicht gemerkt. Aber leider gibt es nur 2 Optionen, entweder sind sie zu unfähig (aktuelle Position) oder betrügerisch (andere Option) sonst gibt es keine Begründung. Die cdu ist meiner Meinung nach mit voller Klarheit diesen Deal eingegangen und macht jetzt aus ahnungslos

    21
  • 🎉 Meinen Glueckwunsch an das Team Merz/Klingbeil.

    Wieder die Waehler erfolgreich ueber den Tisch gezogen…..

    3

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