Werbung:

Werbung:

Klingbeil und Bas lehnen Rücktritt ab: Ausreden, Ansagen und eine Hiobsbotschaft für Friedrich Merz

Bärbel Bas und Lars Klingbeil haben allerlei Ausreden, warum sie jetzt nicht zurücktreten können – „zwei Kriege“ zum Beispiel. Sie geloben Konstruktivität im Bund, während die Partei bereits gegenteilige Signale setzt.

IMAGO/Mauersberger

Werbung

„Das war für uns ein katastrophaler Wahlabend“, eröffnet Lars Klingbeil eine Pressekonferenz, bei der nach viel Hin und Her auch Fragen zugelassen werden. Man hätte es auch ohne schaffen können. Denn die Fragen, die im Raum stehen, sind klar und drängend. Umso hilfloser wirken Klingbeil und seine Co-Vorsitzende Bärbel Bas.

Wer mit einem Rücktritt gerechnet hatte, wurde enttäuscht: Es war ein Bekenntnis zu einem personellen „Weiter-so“, das direkt abgelegt wurde. Dazu kam die neue Ausreden-Parole Nummer eins, die sich die SPD ausgedacht hat: „Wir haben zwei Kriege“. Seit Sonntagabend um 18 Uhr wird diese Erklärung gebetsmühlenartig von Lars Klingbeil, Bärbel Bas oder Generalsekretär Tim Klüssendorf vorgetragen. „Wir haben zwei Kriege“, erklärt auch Klingbeil am Montagvormittag wieder. Das soll heißen: Wir können den SPD-Vorsitz nicht austauschen, die Weltlage ist zu brisant.

Eine Ausrede, die nicht nur billig, sondern vorerst auch unnötig ist: Denn niemand von Rang und Namen scheint unter diesen Umständen Lust auf den SPD-Vorsitz zu haben. Anke Rehlinger, Ministerpräsidentin des Saarlands und Sehnsuchtskandidatin der Sozialdemokraten, lehnt schon am Morgen direkt ab – und liefert eine Begründung mit, die für die beiden Amtsinhaber wie eine Spitze wirken dürfte. „Ich glaube, es ist sinnvoll, das mit voller Kraft in Berlin auch zu tun“, sagte Rehlinger am Montagmorgen im Deutschlandfunk. Der Parteivorsitz sei keine Aufgabe, die man „als Teilzeitkraft im Willy-Brandt-Haus“ erledigen könne.

Auch Boris Pistorius, Kanzlerkandidat der Reserve, machte schon am Wahlabend klar: Jetzt sei nicht die Zeit für Personaldebatten. Und so können Bärbel Bas und Lars Klingbeil erst mal weiterwursteln – oder wie sie sagen: den Weg weitergehen, auf den sie sich gemeinsam gemacht haben.

Doch dieser Weg wird kein leichter sein – er wird steinig und schwer werden, für alle Beteiligten. Und die Sozialdemokraten rollen schon fleißig ein paar Felsen herbei. Man kann dem alten SPD-Reflex, nach Wahlniederlagen nach links zu flüchten und sich destruktiv von der Regierungsarbeit abzugrenzen, eben nicht ganz entfliehen – auch wenn die Parteichefs fast schon gebetsmühlenartig Konstruktivität betonen.

Lesen Sie auch:

Es ist Generalsekretär Tim Klüssendorf vom linken Parteiflügel, der schon am Wahlabend entsprechende Signale setzt. Die SPD müsse ihre „staatstragende Zurückhaltung“ aufgeben, sagte er am Sonntagabend im ZDF. Für Friedrich Merz und die Union ist das eine Hiobsbotschaft von dem Koalitionspartner, der „staatstragende Zurückhaltung“ auch bisher schon mit lautem Murren und manchen Provokationen verbunden hat.

Lars Klingbeil macht bei der Pressekonferenz auch klar, dass in Zukunft gern mehr gemurrt und provoziert werden wird – und setzt sich vom Koalitionspartner ab. „Der Reformbegriff, den ich jetzt von der Union gelernt habe – das ist nicht der sozialdemokratische Reformbegriff“, tönt er in der Pressekonferenz. „Und ich bin auch sehr klar: Wer meint, durch weniger Sozialstaat kriegen wir mehr Wirtschaftswachstum – diese Konzepte sind in den 90er-Jahren gescheitert.“

So klingt es, wenn ein Parteivorsitzender vor dem linken Flügel um sein Überleben kämpft. Offen bleibt, welche Volten Klingbeil in Zukunft schlagen wird, um diesen Kampf zu gewinnen. Man werde „Tacheles“ reden: Nun stünden in der Koalition harte Debatten an, meint Klingbeil. „Aber das, wozu wir verpflichtet sind in dieser Regierung ist, am Ende eine Lösung zu finden.“ Die Frage ist, ob es am Ende eine sachdienliche Lösung wird – oder eine sozialdemokratische.

Werbung

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Strafbare Inhalte, Beleidigungen oder ähnliches sind verboten (hier unsere Kommentar-Richtlinien). Kommentare sind auf maximal 1.000 Zeichen limitiert.

107 Kommentare

  • Den eigentlichen Krieg haben sie verschwiegen: Den gegen die arbeitende Bevölkerung.

    131
    • Die Machenschaften der SPD werden wieder die leistungsbereite Mittelschicht treffen. Wie z. Bsp. mit dem Spitzensteuersatz, der aktuell bereits bei 69.000 € greift, was heute für höher Qualifizierte ein Durchschnittsgehalt ist.
      Die Superreichen lassen sich sowieso nicht besteuern, die sind dann einfach weg.
      Der SPD geht es um die Enteignung der (noch) leistungsbereiten Mittelschicht und um Omas Häuschen und die Umverteilung hin zu Migranten und Bürgergeldlern.
      Die SPD war schon immer der Feind der arbeitenden Mittelschicht.
      Die SPD will keine wirtschaftlich unabhängigen, selbstdenkenden Menschen. Sie will von staatlichen Almosen abhängige und lenkbare Untertanen.
      Jagt diese Mittelschicht-Zerstörer endlich aus der Politik.

    • … führt Frau Bas nicht auch schon Krieg gegen „die Männer in ihren Maßanzügen“?

  • Die zwei werden die SPD schon noch erledigen. Es wird für uns alle nur sehr teuer.

    125
    • Halleluja! So ist der Weg für die SPD zur 5%-Grenze frei! Noch vier Jahre, dann ist die SPD da angekommen, wo die FDP heute ist. Dafür bin ich bereit, den Preis zu zahlen.

      • 2 Jahre reichen auch, sonst zu teuer für uns 🤩

    • Gerechterweise muss man sagen, es liegt nicht an den beiden Führungsfiguren. Das System der Kaderbildung in der SPD — und nicht nur dort — erlaubt ideologisch keine Rettung vor der Bedeutungslosigkeit. Parteikarriere wird mit Leistungs- und Führungsfähigkeit verwechselt. Doch wer das System ändern will, muss den Parteiausschluss erwarten.

    • Es sind nicht nur die beiden,von solchen Exemplaren gibt es dort noch mehr.

      • Bei den Sozen? 100 % Zustimmung!

    • Und Merz macht was die beiden wollen und wird damit auch sich selbst und die CDU mit erledigen.
      Was wird aber der Waehler tun? Gruen Linke und sogar FDP waehlen und glauben damit geht es wieder bergauf.
      Und selbst mit Hyperinflation und Massenarbeitslosigkeit wird es heissen scheiss Kapitalisten, wir brauchen mehr sozialismus befuerchte ich.

    • Jupp, es wird teuer, aber ich bin froh dass diese beiden Muppets bleiben. War das Gleiche mit Baerbock und Habeck. Solche Gestalten müssen einfach bleiben, damit der Aufschlag hart und böse wird, denn der allg. Deutsche lernt nur durch sehr harten Schmerz und Leid!

  • „Wir haben zwei Kriege“, deshalb muss die SPD ihre größten Nieten an der Parteispitze belassen.

    120
    • Diese Logik ist dummdreist. Typisch SPD.

      • Das hat mit Logik rein gar nichts zu tun: Es ist einfach eine zurechtgelegte „Erklärung“ für das WIR WOLLEN NICHT ZURÜCKTRETEN, weil wir unseren monatlichen LOHNZETTEL so geil finden !

      • Lächerliches Polittheater für bare Münze zu nehmen, auf die stümperhaft inszenierten Marionetten einzuschlagen, weil man selbst nichts auf die Reihe kriegt, und gleichzeitig weiterhin Eintritt für diese Vorstellung zu zahlen, um damit letztlich die Strippenzieher selbst zu finanzieren, zeugt natürlich von einer geradezu bestechenden Logik und bemerkenswertem Scharfsinn.

        -25
        • Der Satz war lang. Gratuliere!

          3
        • Die meisten steigen schon nach den ersten fünf Buchstaben aus (Atlas) und bleiben dumm.

          -3
    • An dieser Stelle könnte der Qualitätsjournalismus mal darlegen, wie die SPD damals den Nationalsozialismus an die Macht gebracht hat. Die Bücher und Vorträge von Michael Grandt sind da sehr erhellend.

    • Was haben zwei Kriege von und in fremden Ländern mit dem Parteivorsitz einer 5%-Partei in Klein-Absurdistan zu tun?

    • In der SPD gibt es nur Nieten.

  • „Und ich bin auch sehr klar: Wer meint, durch weniger Sozialstaat kriegen wir mehr Wirtschaftswachstum – diese Konzepte sind in den 90er-Jahren gescheitert.“

    Er hätte auch Bürgergeld für ALLE sagen können !

  • Im September sind die dann weg. Nach Sachsen-Anhalt und MeckPomm war’s das dann.

    • SPD bei 1,9 %….;-)))

      Wie GEIL ist DAS DENN ?;-)))

      • Und ich freue mich drauf!

    • Naja, Büüürlin werden sie noch halten können. Bzw. Wiedererobern.

  • Links ist vorbei. Es gibt keine linke Mehrheit und keine linke Politik mehr in Deutschland“, hatte Merz in München beim Wahlkampfabschluss seiner Partei gesagt.

    • …und ein Blick nach BaWü und RLP zeigt, dass die meisten Doofländer noch immer geil auf Links sind!

    • Offensichtlich nicht, es gibt eine linke Mehrheit. Und die CDU gehört dazu. Ich frage mich, für wie blöd er die Wähler hält.
      Links ist laut dieser Logik erst dann vorbei, wenn die AfD die Alleinregierung erhält. Angenommen, dei AfD ist die neue NSDAP (was sie nicht ist, siehe Martensteinrede), sollte man sie beweisen lassen, dass sie nicht besser ist, als die anderen. (Und das nicht als Chef, das war der Hebelpunkt von A.H., deshalb war damals praktisch die einzige Forderungbei der Regierungsbildung, er wird Chef. Die anderen haben dann geframt, man hätte ihn über die Beteiligung als »Juniorpartner« gezähmt.)
      Als Vizekanzler hätte er damals nicht die Macht ergreifen können. Aber dass wissen die geschichtlich ungebildeten nicht.

  • „Wir haben zwei Kriege“. Und bei solchen Aussagen wundern sie sich, daß sie einen katastrophalen Wahlabend nach dem anderen haben?

  • „Der Staatshaushalt muß ausgeglichen werden. Der Staatsschatz sollte wieder aufgefüllt werden. Die öffentlichen Schulden müssen verringert werden. Die Arroganz der Behörden muß gemäßigt und kontrolliert werden. Die Zahlungen an ausländische Regierungen müssen reduziert werden, wenn der Staat nicht bankrott gehen soll. Die Leute müssen wieder lernen zu arbeiten, statt auf öffentliche Rechnung zu leben.“ — Cicero

    Quelle: https://beruhmte-zitate.de/zitate/2000718-cicero-der-staatshaushalt-muss-ausgeglichen-werden-der-st/

  • Das ist doch mal eine positive Nachricht.

  • Alle Parteien leiden unter Personalmangel. Rücktritte sind keine Lösung mehr, aber immer noch eine Farge des Anstands.

  • Sind die beiden Weltkriege gemeint ?

  • Und wieder werden mehr AFD wählen. Der SPD-Führung sei Dank !

  • „Wir haben zwei Kriege“
    Keine Sorge, die werden auch weitergehen wenn ihr weg seid😎

  • Bas und Klingbeil: „…….wir haben zwei Kriege….“
    Baerbock in 2023: „ „We are fighting a war against Russia.“

    Falls Deutschland dann mal endlich wirklich im Krieg ist, bekommt es keiner mit……weil wir ja schon andauernd im Krieg sind.

    Eventuell mal ein „Codewort“ für den Ernstfall vereinbaren?

  • Ich habe nichts anders von denen erwartet. Wenn man so ein schlechtes Wahlergebnis Rheinland Pfalz und Baden Württemberg einfährt, dann bleibt nur der Rücktritt als logische Konsequenz. Aber diese Leute kleben an der Macht. Gut so das wird der Untergang der SPD werden.

  • Also heißt es wieder: “ immer so weiter“.
    In RLP wird die SPD ungehindert weiter machen, nur jetzt mit CDU alleine.

  • Je länger die Beiden bleiben, desto schneller ist die SPD weg.
    Also alles gut.
    Die Linken und Grünen reichen vollkommen, um die Bedürfnisse des Teils der Wähler abzudecken, die – meist noch aus Gewohnheit -SPD wählen.

  • Ist doch gut. Dann sind sie bei den nächsten Wahlen , weg vom Fenster

  • Lernprozess – Fehlanzeige. Lauterbach fordert unterdessen eine Reduzierung von hohen Renten. Sie lernen nicht dazu. Sie wollen nicht.

  • So eben kam die Meldung (also kurz nach der Wahl):
    
    «Die gesetzliche Krankenversicherung und Pflegeversicherung könnten für viele Familien spürbar teurer werden.
    
    Die Bundesregierung will die kostenlose Mitversicherung für Ehepartner offenbar abschaffen.»
    
    Das bedeutet etwa 250 € p.m. jetzt für bisher jeden Mitversicherten.
    
    Damit haben die Familien wieder weniger.
    
    Das wurde angekündigt. Und dennoch wird die CDU gewählt?
    
    Das kann einfach nicht stimmen, hier liegt eine WAHLFÄLSCHUNG vor!!

  • Nix passiert, weitergehen!

  • Vorwärts immer…. 😅

  • Wie stellt Ihr Euch das Verschwinden der Altparteien rechnerisch vor? Irgendwohin müßten die Prozentpunkte ja wandern. Meint Ihr, die AfD wird schon alles einsammeln, und das Entstehen einer derartigen Einheitspartei wäre auch was Gutes? Nein, um uns der Altparteien zu entledigen, müssen wir endlich weitere neue Parteien an den Start bringen!

  • Loriot ist schuld!
    Der hat diese Figuren erfunden,

  • Wenn erst vor rund einer halben Stunde der Radiosender SWR1 sogar im öffentlich-rechtlichen Rundfunk Bärbel Bas mit den Worten zitiert, „kampfesbereit“ zu sein, erklärte heute am Montag, den 23. März 2026 die Co-Vorsitzende der SPD etwas, was schon zur Mitte des 19. Jahrhunderts als der „soziale Krieg“ (Engels, 1892: 24, 2. durchgeseh. Aufl.) in seiner Aussichtslosigkeit erschöpfend kritisiert worden ist. Zu erwarten ist daher, dass weiterhin eine falsche Totalität vorherrschend bleibt. Daran, „richtig“ (SOFI-Mitteilungen Nr. 22, Juni 1995: 97) politisch zu handeln, hat die SPD offenkundig auch künftig bloß ein „freundliche(s) Desinteresse“, wie der damalige Bundespräsident Horst Köhler zuletzt noch am 10. Oktober 2005 anlässlich einer Kommandeurtagung der Bundeswehr reklamiert. Anstatt sich also endlich eines Bessren zu besinnen, hält äußerst vernunftwidrig die Bundesregierung dadurch ökonomisch längst hinfällige Verhältnisse mit Unsummen an Steuergeld fortwährend aufrecht.

Werbung