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Klimapolitik mit dem Vorschlaghammer: Mautbefreiung von E-Lkw fördert ein Geistersegment

Die Bundesregierung hat die Befreiung elektrischer Lkw von der Mautpflicht verlängert – eine milliardenschwere Subvention für ein unrentables, kaum existentes Marktsegment. Ideologie soll gegen die Kräfte des Marktes durchgesetzt werden.

NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur von den Grünen bei der Kampagne E-Trucks im letzten Jahr. (IMAGO/Kirchner-Media)

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Die klimapolitische Transformation der deutschen Wirtschaft vollzieht sich in unzähligen Einzelschritten, in administrativen Akten und Exekutivvorgaben, vielfach unter dem Radar der öffentlichen Wahrnehmung. Bereits im November des vergangenen Jahres verabschiedete der Deutsche Bundestag das „Vierte Gesetz zur Änderung mautrechtlicher Vorschriften“.

Dieses verlängert die Mautbefreiung emissionsfreier Lkw für weitere sechs Jahre. Das EU-Parlament räumt dem nationalen Gesetzgeber im Rahmen der Eurovignetten-Richtlinie diese Fristverlängerung ein – mit dem Ziel des Markthochlaufs, wie es im politischen Jargon heißt, hin zu einem emissionsfreien Transportgewerbe.

Tatsächlich liegt der Flottenanteil elektrischer Lkw am Gesamtbestand des deutschen Transportgewerbes bislang bei unter 0,4 Prozent – also bei etwa 3.000 Fahrzeugen von insgesamt rund 850.000 zugelassenen Fahrzeugen. Elektro-Lkw sind nämlich deutlich teurer als solche mit herkömmlichem Antrieb. Der Anschaffungspreis liegt bei etwa 250.000 Euro – mehr als doppelt so viel wie bei Dieselantrieb.

Das Kalkül der Politik ist offenkundig: Die Wettbewerbsbedingungen für traditionell angetriebene Lkw sollen Zug um Zug verschlechtert werden, während politische Anreize zum Umstieg auf eine wachsende E-Lkw-Flotte erhöht werden. Diese Strategie fällt unter das Konzept des emissionsfreien Umbaus des Transportgewerbes und blendet technische Probleme sowie Reichweiten- und Ladefragen des Sektors zunächst aus.

Die Mautbefreiung batterieelektrischer Lkw bedeutet zugleich fiskalische Einbußen – Lücken, die der Steuerzahler letztlich auf andere Weise schließen muss. Die Lkw-Maut brachte dem Staat im vergangenen Jahr rund sieben Milliarden Euro an Einnahmen ein. Diese Kosten werden fast vollständig an den Endverbraucher weitergegeben.

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Eine Beispielrechnung verdeutlicht die Dimension: Ein 40-Tonnen-E-Lkw spart durch die Befreiung von der Mautpflicht jährlich etwa 30.000 bis 45.000 Euro. Die Berechnung basiert auf einer Mauthöhe von 35 Cent pro gefahrenem Kilometer und einer angesetzten Fahrleistung von 100.000 Kilometern.

Relativ betrachtet verteuert dies die Anschaffung konventioneller Lkw massiv und soll so den Anreiz schaffen, schrittweise auf elektrische Modelle umzusteigen.

Indirekt vermittelt uns dieser Wert eine Vorstellung davon, welche Kosten die Elektrifizierung des Transportgewerbes mit seinen 850.000 Fahrzeugen verursachen dürfte. Astronomisch, grotesk – weshalb es nicht unwahrscheinlich erscheint, dass, ähnlich wie beim Heizungsgesetz, in nicht allzu ferner Zukunft die Realität ihren Anteil dazu beitragen wird, diesen ökonomischen Wahnsinn still und heimlich in der Truhe ideologischen Größenwahns verschwinden zu lassen.

Ergänzt wird die Transformationsstrategie durch weitere Förderinstrumente. Bislang zahlte die Bundesregierung einen Bonus für E-Lkw von bis zu 160.000 Euro pro Fahrzeug oder 80 Prozent des zusätzlichen Kaufpreises im Vergleich zu klassischen Diesel-Lkw. Ob diese Förderung angesichts der angespannten Haushaltslage fortgeführt wird, bleibt abzuwarten.

Zusätzlich gelten für Betreiber von E-Lkw Stromsteuerermäßigungen, während Unternehmen mit klassischer Antriebstechnologie zusätzlich mit CO₂-Zertifikatskosten belastet werden. Es wird mithin alles darangesetzt, eine strukturelle Veränderung der Flotten hin zu emissionsfreien E-Lkw zu erzwingen. Dabei spannt die Politik sowohl den Steuerzahler vor den ideologischen Karren als auch das gesamte Instrumentarium der bestehenden Förderinfrastruktur.

In diesem Segment erleben wir die Blaupause politischer Steuerung im Geiste des Green Deal: Korrekturen am Förderdesign erfolgen innerhalb der Logik des Systems – mehr Mittel, mehr Anreize, mehr Regulierung –, ungeachtet der Frage, wie groß der ökonomische Kollateralschaden inzwischen geworden ist.

Das klassische Transportgewerbe wird durch die Brüsseler Klimaregulierung zunehmend in die Zange genommen. Ab diesem Jahr werden im Rahmen der CO₂-Abgaben für große Diesel-Lkw zusätzliche 720 Euro jährlich fällig. Die sogenannte AFIR-Verordnung liefert der Politik weiteres Instrumentarium, um emissionsfreie Fuhrparks bis zum Jahr 2040 zu finanzieren. Elektrofahrzeuge werden weiter subventioniert, während Dieselbetreibern perspektivisch Strafzahlungen drohen.

Ab dem kommenden Jahr folgt der nächste Kostenhammer. Der europäische CO₂-Zertifikatehandel tritt in eine weitere Phase ein und wird künftig auch Verkehr und Industriekraftstoffe einbeziehen, während E-Alternativen besondere Vergünstigungen erhalten. Da der europäischen Politik bislang fiskalisch kaum Grenzen gesetzt sind, werden sich in den kommenden Jahren weitere Milliarden zum Aufbau der Ladeinfrastruktur ergießen, etwa im Rahmen des LIFE-IP-Förderprogramms.

Berlin und Brüssel zünden ein regelrechtes Feuerwerk an Fördermaßnahmen, um das bislang kaum vorhandene Marktsegment der E-Lkw zu skalieren. Die Folgen dieser Politik, die den Steuerzahler zunehmend belasten und klassische produktive Segmente der Privatwirtschaft buchstäblich aus dem internationalen Wettbewerb katapultieren, spielen in der politischen Kalkulation der ökologistischen Zentralplanung keine maßgebliche Rolle mehr.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) hat im vergangenen Jahr berechnet, welche Kosten die grüne Transformation Deutschlands bis 2049 verursachen würde – unter der Annahme, dass die Ökonomie nicht vorher vollständig zusammenbricht, was nach aktuellem Stand zu erwarten ist.

Etwa 4,8 bis 5,4 Billionen Euro an Investitionsmitteln, das 1,3- bis 1,5-Fache des jährlichen Bruttoinlandsprodukts, müssten bewegt werden, allein für Energiewende, Netzausbau und Importe. Davon entfallen 2 bis 2,3 Billionen auf Energieimporte, 1,2 Billionen auf Netzkosten und 1,1 bis 1,5 Billionen auf neue Erzeugungskapazitäten.

Vor einer Woche bestätigte Bundeskanzler Friedrich Merz, dass es im Grunde kein Zurück mehr geben werde. Im Podcast Machtwechsel mit den früheren Welt-Journalisten Robin Alexander und Dagmar Rosenfeld hob Merz den großen Erfolg des CO₂-Zertifikatehandels hervor – jenes Umverteilungsschemas, das produktives Kapital aus noch funktionierenden Geschäftsfeldern der deutschen Industrie in die Sphäre politischer Lenkung saugt.

Wie lange die Erosion der Produktivität der deutschen Wirtschaft fortschreiten kann, ohne schwerwiegende soziale Verwerfungen hervorzurufen, lässt sich derzeit kaum abschätzen. Doch die Tatsache, dass der öffentliche Dienst Jahr für Jahr zwischen 150.000 und 200.000 neue Stellen schafft, deutet darauf hin, dass man politisch alles daransetzt, die ökonomischen Verwerfungen mit weiterem Steuergeld zu überdecken.

Die DIHK gelangte in ihrer Studie „Neue Wege für die Energiewende – Plan B“ immerhin zu der Erkenntnis, dass der eingeschlagene Transformationspfad für Unternehmen wie für private Haushalte auf Dauer untragbar sei. Die implizite Forderung nach einem technologieoffenen Kurswechsel sah allerdings nicht vor, die Prinzipien des CO₂-Handels und anderer grundlegender, fataler Rahmenregelungen grundsätzlich zu eliminieren.

Im Kern bewegt sich die Kritik an der grünen Transformation in Deutschland – ganz gleich welcher Provenienz – innerhalb des bestehenden Förderdesigns. Wir stehen damit vor einem System, das sich zu einer Art Staat im Staate aufgeschwungen hat, das zahlreiche Profiteure leistungsloser Einkommen hervorgebracht und die Prinzipien technologieoffenen Wettbewerbs auf freien Märkten nahezu vollständig verdrängt hat.

Umweltschutz und Wohlstand lassen sich jedoch ausschließlich über das Koordinierungsverfahren der Marktwirtschaft miteinander in Einklang bringen. Ein demokratischeres Verfahren als die Steuerung knapper Ressourcen nach Maßgabe freier, souveräner Konsumenten ist nicht vorstellbar.

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30 Kommentare

  • versenkte Subventionen? Da sind die Grünen und Genosse Günther und MP Wüst immer ganz vorne dabei (siehe z.B. Noth-volt oder Förderung für Grünen Stahl) Habeck würde sagen: ist doch nur Geld

    • Mautgebühren CO2 Abgaben und Mineralölsteuer auf Diesel sind Faktisch verdeckte Mehrwertsteuerhöhungen und Inflationstreiber !
      Da verdient der Staat doppelt und Dreifach dran ! Und keiner Bemerkt es !
      Rekord Steuereinnahmen fallen nicht einfach vom Himmel oder kommen aus der Wirtschaft .
      Die kommen direkt aus dem Geldbeutel des Michels !

  • Das ist kontraproduktiv. E LKWs sind schwerer (ca. + 2t) und jeder der Ahnung hat weiß, dass die Beschädigung der Straßen und Brücken überwiegend durch LKWs erzeugt wird- dabei verstärkt das höhere Gewicht mit mehrfacher Potenz die Beschädigung von Straßen und Brücken. Wasserstoff für den Betrieb von LKWs wurde mit Milliarden € subventioniert- wo ist das Ergebnis und die Umsetzung?

    • Ein leerer E-Golf ist annähernd so schwer wie zwei voll beladene Golf 1 GTI. E- SUVs kratzen beim Gesamtgewicht an der 3,5 t Grenze. Wieviel mehr PKWs gibt es als LKWs? Wie lange dauert es, bis das Mehrgewicht des PKW-Bestands der ohnehin aus dem letzten Loch pfeifenden Infrastruktur den letzten Rest gibt?

  • Nun, es scheint eine „Doppelstrategie“ zu geben:

    #1: „Resilienz `demokratischer´ Institutionen“ auf rechtlichem Wege, indem man vor einer möglichen Regierungsübernahme durch die Opposition deren rechtliche Spielräume und Gestaltungsmöglichkeiten gesetzlich einschränkt (vgl. zB. aktuelle Vorhaben in Sachsen-Anhalt).

    #2: „Unumkehrbarkeit“ der ganzen „Transformationen“ erzeugen, indem man sie vor möglichen Regierungswechseln so weit treibt und rechtlich verankert, daß ein „Umlenken“ für eine „alternative“ Regierung praktisch unmöglich und diese gezwungen wird, in die „Unglaubwürdigkeitsfalle“ zu laufen.

    In dieser Situation wäre es für die Opposition wohl masochistisch bzw. selbstzerstörerisch, Regierungsverantwortung kurzfristig anzustreben und sich/ihr das zu wünschen eine Form von Sadismus.

    • Ist egal. Wird durch das Geld geregelt. Das Wachstum bleibt aus, das Defizit steigt.

    • Gibs doch einfach zu die blaue Witwe kann nix

      -11
      • Nun, wo stand wohl der Koben, aus dem Sie gekrochen sind?

  • Wieviele E-LKW gibt es denn, sieben?

    • Wenn es LKWs sind, die noch fahrbereit sind ???
      .
      Dann sicherlich weniger.

    • Einer ist ein elektrischer Globus das ist ein Bus wo ein Glo hat hahaha

      • Sie sind hier irgendwie falsch, Sie müssen auf ein Kindergartenforum wechseln.

  • Auf der A1 bin ich seit Jahrzehnten ständig unterwegs und habe auf der Teststrecke sage und schreibe 0, in Worten NULL, Lkw gesehen, die an der Leitung hingen

    Einmal auf der Fahrt Ende 24 auf der A5 tauchte tatsächlich EINER auf.

    Jahrelange Baustellen, Unmengen Steuergeld, Staus und Behinderungen für lau.
    LÄUFT!

  • gerade NRW (siehe Bild) sollte vorsichtig sein, die Belastung der Brücken über schwerere LKW zu erhöhen. Den Zusammenbruch der Infrastruktur noch zu fördern, ist nicht mehr lustig.

  • Die Politik der Grünen soll weiter umgesetzt werden.
    .
    Nur diesmal mit kleineren Schritten und diversen Tricksereien.

  • Naja. Das Gute ist. Es kostet uns quasi nix.
    Da so wenige von den Dingern unterwegs sind, sind das keine wirklichen Nachteile.

  • Mindestens den Deutschen scheint klar zu sein – bei der Elektromobilität aus der Batterie gespeist – handelt es sich um einen riesigen Flop!
    Aus dieser Erkenntnis sollte eigentlich folgen, nach einem Ersatz zu suchen. Diesel- oder Ottomotor wären sicher nicht erfunden worden, wenn man sich mit einer der vorangegangenen Lösungen zufrieden gegeben hätte. Dampfkraftwagen – einfach zu umständlich und in den 1910gern, schwere Batterien, die immer restlos erschöpft waren.
    In den 50gern propagierte man, aus einer früheren Erkenntnis, weil Batterien nichts sind, Minireaktoren; die dann nur in der Raum oder Schifffahrt nennenswerte Anwendung fanden. Hier eine Lösung zu finden könnte den Ruhm deutschen Erfindungsreichtums neu begründen; allerdings liegt man hierzulande auch schon weit zurück.

  • Für ein EV LKW fahren tausende Diesel und Schweröl Fahrzeuge durch die Gegend und unsere Rente freute besonders China.

  • Wieder einmal blanke Theorie dieser ganzen überbezahlten „Experten“ die noch nie in der freien Wirtschaft tätig waren.
    Diese E-Dinger können maximal im Nahverkehr und als Prestige eingesetzt werden – der Fernverkehr und eigentlich die gesamte Beschaffungslogistik läuft „just-in-time“ – da ist nichts, mit mal eben ein paar Stunden aufladen zwischendrin.

    Ferner sollten die mal abends selbst die großen Autobahnen abfahren und schauen, wo bzw. wie sich die LKW dort auf Parkplätzen, Raststätten und teilweise sogar Standspuren abstellen – da ist nichts mit Ladestationen etc.

  • Man sollte den Drackensteiner Hang womöglich auf zehnspurig erweitern.
    Die zusätzlichen Spuren könnte man dann zur „Habeck’schen Kriechspur“ taufen.

  • Hier geht es einzig und allein um die Mehrwertsteuer ( Doppelt so teuer , doppelte Mehrwertsteuer ) , das unser Pinoccio weiter vom großen Krieg träumen kann.

    • Bisher hat das Geld nicht gewirkt. Geld kämpft nicht, Geld produziert keine Waffen.
      Trotz Androhung von 1000€ Strafe haben bisher über 50% der 18-jährigen den Bundeswehr Fragebogen nicht fristgerecht beantwortet.

      • Ganz einfach , weil diese Generation einen übel riechenden Braunen Klumpen in der Hose hat bei dem Gedanken eine Kaserne von innen zu sehen .

  • >>dass der öffentliche Dienst Jahr für Jahr zwischen 150.000 und 200.000 neue Stellen schafft,<<

    Was sind das für Stellen, Faxgerätebediener?

    • Für euch Malocher ist nichts Arbeit was nicht physisch ist

      -10
      • Sie arbeiten? Kaum zu glauben

  • Doppelt so teuer in der Anschaffung, bei geringerer Nutzlast dank häherem Leergewicht. Weniger Reichweite, aber längere Standzeiten dank Bestromung statt Betankung. Welcher Unternehmer, der halbwegs bei Sinnen ist, investiert denn in so ein „Nutzfahrzeug“?

  • Boah ey Boooooooooooooooomer ey goil ey voll die dicke Karre ey

    • NEID , das Sie nicht zu unserer Generation gehörten !
      Wir haben einen V12 in der Garage , den werden Sie nie im Lebeb erwirtschaften können , sowas können eben nur die Boomer …

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