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Wirtschaftskrise

Hohe Gaspreise, steigende CO2-Kosten: Warum die Chemieindustrie abstirbt – und die Stimmung kippt

Die Geschäftserwartungen in der Chemieindustrie sind im Mai auf den niedrigsten Stand seit knapp vier Jahren gefallen. Vor allem die hohen Gaskosten und der konstant ansteigende CO2-Preis belasten heimische Chemieunternehmen finanziell.

Die deutsche Chemieindustrie befindet sich in der Krise. (IMAGO/Jochen Tack)

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Die Stimmung in der Chemieindustrie kippt, die Erwartungen für die Zukunft brechen ein. Hintergrund ist in erster Linie die sich zunehmend verschärfende Kostenbelastung am heimischen Wirtschaftsstandort, die die Unternehmen in ihrer Wettbewerbsfähigkeit einschränkt und finanziell unter Druck setzt.

Die monatlich vom Ifo-Institut erhobenen Geschäftserwartungen sind im Mai auf den niedrigsten Stand seit Oktober 2022 gefallen. Mit einem Wert von minus 42,0 Punkten liegen sie damit nochmals gut zehn Punkte unter dem Niveau des Vormonats April. Auch der Ifo-Geschäftsklimaindex für die Branche ist zuletzt deutlich eingebrochen. Er sank im April auf minus 29 Punkte, nach minus 28,6 Punkten im März. Das entspricht dem niedrigsten Stand seit fast drei Jahren.

Der Geschäftsklimaindex gilt ebenfalls als wichtiger Frühindikator für die künftige Entwicklung der Branche. Er zeigt an, ob in der jeweiligen Branche in den kommenden Monaten eher mit einem wirtschaftlichen Aufschwung oder mit einer Abschwächung der Konjunktur zu rechnen ist.

Die Ursachen für die eingetrübten Zukunftserwartungen liegen neben der Materialknappheit – infolge gestörter globaler Lieferketten, unter anderem vor dem Hintergrund des Iran-Kriegs und der Handelskonflikte mit der Volksrepublik China – vor allem in der hohen Kostenbelastung am deutschen Standort, die sich immer weiter verschärft.

Insbesondere die Energiekosten, allen voran die Erdgaspreise, sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Das wiegt besonders schwer, denn Erdgas ist für die Chemiebranche von immenser Bedeutung. Es dient nicht nur als Energieträger, sondern zugleich als unverzichtbarer Rohstoff für die Herstellung zentraler Grundchemikalien wie Ammoniak.

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Daten des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) zufolge erhöhten sich die Gaspreise für Nicht-Haushaltskunden aus der Industrie mit einem Jahresverbrauch von 278 bis 1.111 Millionen Kilowattstunden von durchschnittlich 3,5 Cent pro Kilowattstunde im Jahr 2021 auf 7,9 Cent pro Kilowattstunde im Jahr 2022 – entsprechend mehr als einer Verdopplung. Auch in den Folgejahren blieb das Preisniveau vergleichsweise hoch. Im Jahr 2023 lagen die Preise noch immer bei 5,8 Cent pro Kilowattstunde.

Hintergrund war in erster Linie das Ende der russischen Gaslieferungen infolge des Angriffskriegs gegen die Ukraine – die Bundesregierung hatte über Jahre versäumt, Alternativen aufzubauen. In den Jahren zuvor stammte zeitweise mehr als die Hälfte des deutschen Gasbedarfs aus Russland. Um die Versorgungssicherheit aufrechtzuerhalten, entschied sich das Bundeswirtschaftsministerium für eine Umstellung auf Flüssigerdgas (LNG).

Allerdings ist LNG deutlich teurer als klassisches Pipeline-Gas, wie es zuvor unter anderem aus Russland bezogen wurde. Die Zahlen sind unmissverständlich: Im ersten Quartal 2025 zahlten die EU-Staaten im Durchschnitt 1,08 Euro je Kubikmeter für Flüssigerdgas aus den USA. Für russisches LNG wurden hingegen lediglich 0,51 Euro pro Kubikmeter fällig – und damit weniger als die Hälfte. Noch deutlicher fällt der Unterschied beim Pipeline-Gas aus Russland aus: Mit nur 0,32 Euro je Kubikmeter kostete es lediglich rund ein Drittel des amerikanischen Flüssigerdgases.

Ursache dafür sind die aufwendigen Transport- und Verarbeitungsprozesse. Das Gas muss zunächst bei minus 161 Grad Celsius verflüssigt, anschließend mit Spezialtankern transportiert und nach der Ankunft wieder regasifiziert werden, bevor es in die Netze eingespeist werden kann. Letztlich führt dies dazu, dass LNG zwei- bis dreimal teurer ist als herkömmliches Pipeline-Gas. Dies ließ die Gaskosten sowohl für die Industrie als auch für private Haushalte in die Höhe schießen.

Zwar haben sich die Gaspreise seit den Höchstständen der Energiekrise 2022/2023 inzwischen etwas beruhigt, auch weil auf andere Lieferpartner ausgewichen wurde. Laut BDEW lagen die Gaspreise für Nicht-Haushaltskunden aus der Industrie mit einem Jahresverbrauch von 278 bis 1.111 Millionen Kilowattstunden im Jahresdurchschnitt 2025 bei 4,7 Cent pro Kilowattstunde. Doch mit der Eskalation im Nahen Osten Ende Februar und der Schließung der Straße von Hormus, über die täglich rund 20 Prozent des weltweiten Flüssigerdgases transportiert werden, ist ein neuer Kostentreiber hinzugekommen. Die Preise befinden sich wieder in einem mittelfristigen Aufwärtstrend. Entsprechend pessimistisch fallen die Zukunftsaussichten in Branchen wie der Chemieindustrie aus, die in hohem Maße auf fossile Energieträger wie Erdgas angewiesen sind.

Ein weiterer Faktor, der die Stimmung in der Chemieindustrie derzeit dämpft, ist der kontinuierliche Anstieg der CO2-Bepreisung auf europäischer Ebene. Unternehmen, die CO2-Emissionen ausstoßen, müssen über den europäischen Emissionshandel (EU-ETS) Zertifikate erwerben, die sie zum Ausstoß einer Tonne CO2 berechtigen. Festpreise gibt es dabei nicht – Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis.

Da die Nachfrage der Industrie nach Zertifikaten weiterhin hoch ist, während die EU die Zahl der verfügbaren Zertifikate kontinuierlich reduziert, um ihre Klimaziele voranzutreiben, entsteht ein verknappend wirkender Effekt, der die Preise steigen lässt.

Wie stark sich dies auf die Mehrkosten auswirkt, zeigt die aktuelle Gaspreisanalyse des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) vom April 2026. Demnach lag der durchschnittliche Preis pro CO2-Zertifikat im Jahresdurchschnitt 2024 noch bei 66,46 Euro. Mittlerweile sind es bereits 77,22 Euro (Jahresdurchschnitt 2026).

Chemieunternehmen leiden darunter besonders stark, da sie in hohem Maße fossile Energieträger wie Erdgas einsetzen müssen. Die steigenden Kosten haben in erster Linie zur Folge, dass Unternehmen in ihrer globalen Wettbewerbsfähigkeit eingeschränkt werden und Marktanteile verlieren. Denn um profitabel zu bleiben, sehen sie sich zunehmend gezwungen, ihre Preise anzuheben. Endkunden springen ab.

Eine wachsende Zahl von Chemieunternehmen sieht sich zu diesem Schritt gezwungen. Wie aus einer kürzlich veröffentlichten Umfrage des Verbands der Chemischen Industrie (VCI) hervorgeht, planen derzeit rund 80 Prozent der Mitgliedsunternehmen Preiserhöhungen, um die gestiegenen Kosten für Rohstoffe, Materialien und Transporte aufzufangen (mehr dazu hier).

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20 Kommentare

  • Die Chemieindustrie funktioniert nicht mehr – sie verwaltet sich zu Tode.
    Wo früher geforscht wurde, wird heute dokumentiert.
    Wo Menschen etwas wagten, wird heute abgehakt.

    Man produziert nach Vorschrift, nicht nach Verstand – und wundert sich, dass nichts Neues entsteht.

    Die Politik hat den Standort zerstört, die Chemie hat brav mitgemacht.
    Jetzt ist alles sauber, nur das Ergebnis ist schmutzig: Stillstand

  • Es ist ein regelrecht staatlicher Raubzug, CO2 zu besteuern. Mit welchem Recht vernichtet diese und die Regierungen zuvor die Grundlage unseres Landes?
    Das gleiche Bild beim verantwortungslosen Umgang mit der illegalen Migration islamischer Herkunfr.
    Man muss als eine perfide systematische Absicht vermuten!

    • „vermuten“? Nein! Vorsatz! So dumm kann keiner regieren. Die machen das ALLE mit Vorsatz, weil die Machthaber wo ganz anders sitzen.

  • Laut Merz unserem Super-Kanzler hat CO2 Abgabe ein Lenkungseffekt und recht hat er! Dieser Effekt heiß Abbau von Stellen und Verlagerung unserer tolle schon Energie effizienten Produktions ins Ausland, wo alles billiger ist und keine CO2 Abgabe existiert und somit werden dann Produkte mit mehr CO2 produziert.

    Soll heißen Links-Grüne Politik sorgt dafür, dass noch mehr CO2 im Ausland produziert wird und diese Parteien den Klimawandel eher noch beschleunigen und daran sieht man, dass Klimawandel nur ein vorgeschobener Grund ist um Planwirtschaft zu rechtfertigen.

    • Einen zweiten Lenkungseffekt hat es bei der Parteipräferenz der Wähler.

    • Korrekt – die Industrie wird nach China und ins osteuropäische Ausland „gelenkt“, wo man noch froh über Arbeitsplätze ist!

  • Wetterpolitik im Kostenmärchen auf Höhe einer Eiskugel. Ich empfehle die Fachausschusssitzung zum GMG von gestern im Bundestag… besonders die Stelle um 15:25 Uhr… Die Energiewende ist gescheitert. Der letzte macht bitte das Licht aus… denn Strom ist unbezahlbar, weil Wind und Sonne stellen keine Rechnung!

  • Anderswo schmeißt man das Geld zum Fenster hinaus: Welt: Trotz Sparkurs im ÖRR – MDR bezahlt Mitarbeiter fürs Nichtstun.

  • Surprise,Surprise

  • Das IPCC hat das Horrorszenario zwar zurückgezogen, auf dem unsere Klimareligion aufgebaut wurde. Aber die Maßnahmen und Gesetzte bleiben. Weil die Strukturen sich verfestigt haben, und sowohl Politik als auch Klimawirtschaft davon profitieren. Nur der Bürger ist wieder der zahlende Dumme.

    • Weil man an der „Bekämpfung des menschengemachten Klimawandels“ international glänzend verdient! Die tumben Europäer, voranmarschierend Dummland, zerschlagen ihre Industrie, ihre Zukunft, ihre Chancen. Die Schwellenländer lachen und lachen: Meint jemand, Indien kauft „Klimazertifikate“ von Pazifikstaaten um „grünen Stahl“ zu erzeugen?

  • Von Menschen gemacht – selber Schuld. Kein erbarmen mit der Menschheit.

  • Haben die Manager immer noch nicht kapiert, dass die deutsche Industrie zerstört werden soll?
    Dass dies kein Versehen, keine Inkompetenz oder ideologische Verblendung der Altparteien ist?
    Sondern durch Polit-Marionetten ausgeführte, eiskalte SABOTAGE an der deutschen Wirtschaft.
    Immer noch nicht kapiert?? Wirklich??

    • Die Leute in diesen Gehalts-Sphären denken ganz anders als „Normalos“.

      Das ist auf der einen Seite gut und wichtig, weil sie sich nicht von dauermeckernden Geringverdienern in ihren Entscheidungen beeinflussen lassen oder von Panik-Medien zu Kurzschluss-Handlungen verleiten lassen.

      Gleichzeitig sorgt dieses Denken aber auch dafür, dass sie es tatsächlich nicht verstehen können, dass es Politiker gibt, die aufgrund ihres Machterhalts und Machtausbaus das Ziel haben, die eigene Wirtschaft zu zerstören. Einfach aus dem Grund, weil sie selber einzig erfolgsorientiert denken und arbeiten und die ganzen Geschäftsführer und CEOs mit denen sie sich vollständig umgeben, ebenfalls nur erfolgsorientiert arbeiten und es in ihrer Welt absolut gar keinen Sinn machen würde, die eigene Firma/Konzern zu sabotieren und an die Wand zu fahren.

      Die ständigen Warnungen vor dem Niedergang wird in diesen Gehirnen daher als das typische Gejammere „von unten“ wahrgenommen und beiseitegeschoben.

  • Es gibt eigentlich keine Energiekrise – und schon gar nicht 2022/2023. Der Bezug von russ. Gas wurde ausschließlich durch unsere Politker beschlossen. Es gäbe nach wie vor günstiges Gas über Leitungen aus Russland – wenn unsere Politiker nur wollten. Als alter Mensch errinnere ich mich noch daran, als die Öl- und Gaslieferungen aus der UdSSR in der 2. Hälfte des letzten Jahrhunderts – mitten im „Kalten Krieg“. Damals hatte ich mich gewundert, welches „Risiko“ aufgrund der politischen Gegensätzlichkeiten mit den Kommunisten eingegangen wurde. Später wunderte ich mich, dass die UdSSR – egal unter welcher Führung – stets vertragstreu geliefert hatte und NIE zu pol. Druck eingesetzte. Nur später wurde, weil man Putin unter Druck setzen wollte, dies vom Westen – federführend aus D – so gehandhabt. Leider vorwiegend zum eigenen Schaden!

  • Wie lange haben die Chemie-CEOs den Boykott von günstigem russischen Gas goutiert um sich bei dem Politikern Liebkind zu machen?
    Jeder wusste was kommt. Aber Hauptsache gegen Rechts und mit dem Kartell.
    Ekelhaft.

  • „Die monatlich vom Ifo-Institut erhobenen Geschäftserwartungen sind im Mai auf den niedrigsten Stand seit Oktober 2022 gefallen“

    ..man muß sich dabei klar machen, wer diese „Geschäftserwartungen“ „formuliert“.
    Sind das die gleichen, die die AfD für die miesen Aussichten verantwortlich machen und vor der AfD warnen?
    Und ist deren „Erwartung“ nicht einem Konformitäts- und Erwartungs-Druck der Besitzer, Anleger… geschuldet und müdet deshalb immer noch im „Schönrechnen“?

    Die Realität wird damit abgebildet:

    „Im ersten Quartal 2025 zahlten die EU-Staaten im Durchschnitt 1,08 Euro je Kubikmeter für Flüssigerdgas aus den USA. Für russisches LNG wurden hingegen lediglich 0,51 Euro pro Kubikmeter fällig – und damit weniger als die Hälfte. Noch deutlicher fällt der Unterschied beim Pipeline-Gas aus Russland aus: Mit nur 0,32 Euro je Kubikmeter kostete es lediglich rund ein Drittel des amerikanischen Flüssigerdgases.“

    Frei nach Murphy: In Wirklichkeit ist alles noch viel schlimmer

  • „fossile Energieträger wie Erdgas“
    Windräder und Solarzellen sind übrigens auch fossil und wachsen nicht am Feld 🪸

  • Ulrike Herrmann`s feuchter Traum wird in rasantem Tempo Wirklichkeit. Die TAZ-Tante betet ja seit Jahren die Schrumpfung Dooflands geradezu herbei, sitzt in jeder ÖRR-Talkshow und schwurbelt vom „Liter-Schein“, den jeder Bürger für den täglichen Wasserverbrauch von staatlicher Seite bekommen soll. Die Lebensmittelmarken kommen dann final. Schöne neue Welt……..

  • der Ergaspreis ist NICHT gestiegen. Unsere WEF Psychomarionetten haben einfach beschlossen dass wir kein günstiges Gas mehr kaufen dürfen.
    Ausserdem gibt es keinen „Iran-Krieg“, es ist ein brutaler, unprovozierter, illegaler Angriff USrahells auf ein souveränes Land.

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