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Preiserhöhungen als letzter Ausweg: Die Regierung vertreibt den nächsten Industriezweig, die Chemie

Die Chemieindustrie leidet unter politisch verteuerten Kosten, vor allem für Energie. Immer mehr Unternehmen sehen sich gezwungen, ihre Verkaufspreise anzuheben. Andere Branchen werden das bald spüren – die Chemie steht oft am Beginn der Wertschöpfungskette.

Ratlosigkeit machte sich schon beim Chemiegipfel mit Friedrich Merz im September 2025 breit. (IMAGO/Mike Schmidt)

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Die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Chemieindustrie schwindet, die Profitabilität bricht ein – und vielen Unternehmen bleibt mittlerweile kaum eine andere Möglichkeit, als ihre Preise anzuheben, um weiterhin wirtschaftlich arbeiten zu können. Wie aus einer aktuellen Umfrage des Verbands der Chemischen Industrie (VCI) hervorgeht, planen derzeit rund 80 Prozent der Mitgliedsunternehmen Preiserhöhungen. Auf diese Weise wollen die Unternehmen die gestiegenen Kosten für Rohstoffe, Materialien und Transporte auffangen.

Brisant ist die Entwicklung vor allem deshalb, weil die Chemieindustrie am Anfang zahlreicher industrieller Wertschöpfungsketten steht. Höhere Preise in diesem Sektor wirken sich daher schnell auf nachgelagerte Industriezweige aus und landen letztlich auch bei den Verbrauchern.

Dass es sich bei den Preiserhöhungen längst nicht nur um vage Planungen handelt, zeigt das Beispiel Wacker Chemie. Der Münchner Spezialchemiekonzern hat angekündigt, die Preise für Harze, Dispersionen und Dispersionspulver zum 1. Juni um bis zu 15 Prozent anzuheben. Betroffen sind Produkte aus Europa und den USA. Bereits zum 1. April hatte Wacker die Preise für Silikonprodukte erhöht. Als Begründung verweist das Unternehmen auf die erheblichen Verwerfungen an den Rohstoffmärkten, die durch den Nahostkonflikt zusätzlich verschärft worden seien.

Auch die übrige Chemieindustrie leidet unter den Folgen der Krise. Die Blockade der Straße von Hormus hat die Öl- und Gaspreise deutlich steigen lassen. Von besonderer Bedeutung ist dabei vor allem Erdgas. Für die Chemiebranche dient es nicht nur als Energieträger, sondern zugleich als unverzichtbarer Rohstoff für die Herstellung zentraler Grundchemikalien wie Ammoniak. Die gestiegenen Kosten für den fossilen Energieträger dürften für viele Unternehmen der Hauptgrund dafür sein, dass sie ihre Verkaufspreise anheben müssen.

Schon vor der Eskalation im Persischen Golf lagen die Gaskosten in Deutschland jedoch auf einem hohen Niveau. Hintergrund ist vor allem die Einstellung der russischen Gaslieferungen durch die Bundesregierung im Jahr 2022. In den Jahren zuvor stammte zeitweise mehr als die Hälfte des deutschen Gasbedarfs aus Russland. Um die Versorgungssicherheit aufrechtzuerhalten, entschied sich das Bundeswirtschaftsministerium für eine stärkere Umstellung auf Flüssigerdgas (LNG).

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Allerdings ist LNG deutlich teurer als klassisches Pipelinegas, wie es unter anderem zuvor aus Russland bezogen wurde. Ursache dafür sind die aufwendigen Transport- und Verarbeitungsprozesse. Das Gas muss zunächst verflüssigt, anschließend mit Spezialtankern transportiert und nach der Ankunft wieder regasifiziert werden, bevor es in die Netze eingespeist werden kann. In der Folge stiegen die Gaspreise für private Haushalte ebenso wie für industrielle Verbraucher in den Jahren 2022 und 2023 deutlich an.

Zwar haben sich die Gaspreise seit den Höchstständen der Energiekrise inzwischen wieder etwas beruhigt. Laut der aktuellen Gaspreisanalyse des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), die im Januar 2026 – also noch vor Beginn der Nahostkrise – veröffentlicht wurde, liegen sie jedoch weiterhin deutlich über dem Niveau der Jahre 2016 bis 2020.

Hinzu kommen gestiegene Stromkosten, die vor allem mit der fortschreitenden Umstellung der Energieerzeugung von grundlastfähigen Stromquellen wie Kernkraft und Kohlekraft auf die wetterabhängigen Energieträger Wind und Sonne zusammenhängen, die sich in den vergangenen Jahren vollzogen hat.

Wie stark einzelne Betriebe unter den hohen Energiekosten leiden, verdeutlicht ein besonders gravierendes Beispiel. Es geht um das mittelständische Chemieunternehmen Gechem aus Kleinkarlbach. Nach Angaben der Geschäftsführerin Martina Nighswonger stiegen die Stromkosten des Unternehmens von 152.000 Euro im Jahr 2023 auf 267.000 Euro im Jahr 2025 – und das trotz einer eigenen Photovoltaikanlage inklusive Speicher. Die Gaskosten hätten sich im selben Zeitraum nahezu verdoppelt und zuletzt 415.000 Euro erreicht. Allein für die CO₂-Abgabe musste das Unternehmen rund 60.000 Euro aufbringen. Gechem produziert unter anderem Tabs für Geräteentkalker sowie Reiniger für Toiletten, Geschirrspüler und Kaffeemaschinen.

Damit ist eine weitere erhebliche Belastung benannt: die CO₂-Bepreisung auf EU-Ebene. Auch diese Zusatzabgabe trägt dazu bei, dass Unternehmen der Chemieindustrie unter einer zusehends hohen Kostenbelastung leiden und sich letztlich gezwungen sehen, Preiserhöhungen umzusetzen.

Konkret: Die energieintensiven Anlagen der Chemieindustrie unterliegen dem europäischen Emissionshandelssystem (EU-ETS), das Unternehmen verpflichtet, für jede ausgestoßene Tonne CO₂ Emissionsrechte in Form von Zertifikaten zu erwerben. Festpreise für die Zertifikate gibt es nicht mehr, der Markt regelt den Preis. Da die EU jedoch die Zahl der verfügbaren Zertifikate schrittweise reduziert, wird der Markt verzerrt; es entsteht ein deflationärer Effekt. Folglich steigt der Preis der Zertifikate kontinuierlich an. Lag dieser 2024 noch bei 66,46 Euro je Tonne, beträgt er 2026 bereits 88,52 Euro. Ziel des EU-ETS ist es, die europäischen Klimaziele zu erreichen, indem fossile Energieträger schrittweise verteuert werden und Unternehmen letztlich keine andere Wahl haben, als auf „grüne Energien“ umzusteigen. Das könnte das Aus für die deutsche Chemieindustrie bedeuten.

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9 Kommentare

  • Herr Merz bitte hören Sie auf. MIt Ihnen wird Deutschland nicht mehr aus der Krise kommen.

    • solange D EU-mitglied ist, und das bleibt es wohl bis zum bitteren ende, wird das land nicht mehr aus der krise kommen.

      mitte juli wird die ETS-reform diskutiert.
      8 laender wollen straffe beibehaltung, andere wiederum leichte aufweichung.

      von abschaffung ist natuerlich uberhaupt nicht die rede.

      es geht weiter bergab, je nach reformloesung langsamer oder schneller, aber bergab..

      https://science.orf.at/stories/3235686/

      nur eine aufloesung der EU-abhaengigkeit kann ein land vor dem klimairrsinn retten.
      leider ein traum.

      man muss sich wirklich fragen, wieso die ueber 10 beitrittskandidaten sich das antun wollen.

      blieben sie frei, und schloessen sich zusammen, haetten sie garantiert eine bessere zukunft, zumal auch norwegen und schweiz darunter waeren.

    • Es reicht nicht Merz „auszutauschen“. Die Probleme liegen tiefer: Ständige Einmischung durch die Politik und eine dadurch entstandene Art von Planwirtschaft.

      • Klar liegt das Problem tiefer. Nur mit Merz geht’s überhaupt nicht aufwärts es wäre der erste Schritt der notwendig ist. Für Merz gibt’s es nur Linkgrüne Politik.
        Wohin die geführt hat, das sehen wir ja jetzt.

  • Super, man kann jetzt live dabei zusehen, wie ein Staat ruiniert wird. Das kann man meistens nur einmal im Leben sehen und erfahren. Interessante Zeiten.

  • Chemie stinkt und vergiftet Mensch und Natur. Insbesondere die Agrarchemie.

  • Vereinte Unfähigkeit oben auf dem Bild. Vielleicht braucht es noch einen „Chemiegipfel“. Oder Merz schreibt noch einen Brief an Ursula?

  • Lüge, laut dem Grünen Generalisimo kann das gar nicht sein.
    Und die Sonne schickt keine Rechnung

    AUSSPRUCH DES GENOSSEN KIM JONG UN

    „Die Überlegenheit und die Macht des Sozialismus kann der Kapitalismus weder nachahmen noch besitzen.“

  • Wer braucht schon Industrie? Stattdessen haben wir Migranten, keinen Strom, Islamisten und die Grünen und Sozen. Ist doch wunderschön 🌈 🦄

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