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Reform UK

Braverman, Jenrick, Rosindell zu Reform UK: Die Implosion der Konservativen Partei in England

Von Tag zu Tag zeigen die Konservativen in Großbritannien mehr Zerfallserscheinungen – mit Braverman und Jenrick sind gleich zwei ehemalige Minister ausgetreten. Die Rolle der großen konservativen Kraft übernehmen zunehmend Reform UK und Nigel Farage.

Braverman und Jenrick sind fast gleichzeitig zu Reform UK gewechselt. (IMAGO/ZUMA Press Wire)

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Die britischen Konservativen haben die vergangenen zwei Jahrhunderte in Großbritannien geprägt und waren auch die dominante Partei des britischen Parteiensystems der 2010er Jahre. In den vergangenen Wochen aber zeigen sie zunehmend massive Zerfallserscheinungen. Am Montag löste der Wechsel der über Jahre als mögliche Premierministerin geltenden Suella Braverman zu Reform UK von Nigel Farage den nächsten Schockmoment für die Partei aus. Das Ende der Partei könnte bevorstehen.

Seit Monaten wird die Partei in Umfragen von Farages Parteiprojekt abgehängt: Während Reform im Durchschnitt aller Umfragen bei 29 Prozent der Wählerstimmen steht und voraussichtlich stärkste Kraft werden würde, liegen die Konservativen mit durchschnittlich 18 Prozent weit zurück und kämpfen mit der regierenden Labour-Partei, den Grünen und den Liberalen um den zweiten Platz in den Umfragen.

Auch bei den Abgeordneten im britischen Unterhaus kippt die Stimmung gegen die Konservative Partei. Bei der letzten Wahl im Juli 2024 konnten die Tories noch 121 Sitze gewinnen, während Reform lediglich in fünf Wahlkreisen vorne lag. Bewahrheiten sich die Umfragen, könnten die Konservativen nach Berechnungen von Stack Data Strategy nun auf bis zu 14 Sitze abstürzen.

In den vergangenen Tagen wechselten nicht nur Braverman, die im Unterhaus den Wahlkreis Fareham and Waterlooville vertritt, sondern auch andere hochrangige Konservative die Partei – etwa der langjährige Minister Robert Jenrick, der nach dem Rücktritt von Rishi Sunak für den Parteivorsitz kandidiert hatte. Auch der bisherige Schatten-Außenminister Andrew Rosindell ist vor wenigen Tagen zu Reform gewechselt.

Britischen Medienberichten zufolge könnten in den nächsten Tagen und Wochen weitere prominente konservative Abgeordnete zu Reform wechseln. Sie fürchten andernfalls um ihre Wahlchancen. Farage hat deshalb bereits eine Frist für den Übertritt gesetzt: Anfang Mai stehen Kommunalwahlen in vielen Teilen Großbritanniens an – nach diesem Wahltag möchte Reform keine bislang konservativen Abgeordneten mehr aufnehmen.

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Schafft Reform UK es, weitere zeitnahe Abgänge bei der früher dominanten politischen Kraft zu forcieren, so könnte Farages Partei auch ohne Wahl zur größten Oppositionskraft werden. Anderthalb Jahre nach dem letzten Urnengang ist die Fraktion der Konservativen im Unterhaus bereits auf 116 Abgeordnete zusammengeschrumpft – Reform UK hält unterdessen bereits acht Sitze, nachdem die Fraktion zwischenzeitlich aufgrund zweier Wechsel auf vier zusammengeschrumpft war.

Damit hat die Partei von Farage selbst im Unterhaus und nicht nur in den Umfragen zunehmend das Momentum auf ihrer Seite – das Ziel ist klar: die Konservativen als große Partei rechts der Mitte abzulösen. Das scheint Reform insbesondere durch das Abwandern solch prominenter konservativer Namen wie Braverman und Jenrick zu gelingen – die Namen verleihen Reform die Legitimität als designierter Nachfolger der Konservativen.

Gerade deshalb kommt nun Kritik an der Strategie von Farage auf: Viele ranghohe Reform-Politiker waren bis vor Kurzem konservative Politiker in hohen Regierungspositionen. Jenrick und Braverman hatten die katastrophale Migrationspolitik der vergangenen konservativen Regierungen als Minister mitzuverantworten – das Versagen eben dieser Politik hat zu dem großen Erfolg Reforms bei Wahlen und in Umfragen geführt.

Unterdessen scheinen die Konservativen ratlos auf die Abwanderungen zu Reform zu reagieren: Suella Braverman warf man nach ihrem Wechsel in einem Pressestatement zunächst psychische Probleme vor, bevor man die Stellungnahme nach massiver Kritik eilig korrigierte. Parteichefin Kemi Badenoch fährt bereits jetzt einen ausgesprochen konservativen Kurs – doch das hilft in der öffentlichen Wahrnehmung und in den Umfragen kaum. Dafür haben die vergangenen konservativen Regierungen, von Boris Johnson über Liz Truss bis Rishi Sunak, das Vertrauen vieler Wähler rechts der Mitte zu sehr verspielt.

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29 Kommentare

  • Die Deutschen haben auch gedacht mit Fritze wird alles besser, hauptsache die Ampel ist weg
    Und was kam… Pustekuchen

    • Weil die Ampel noch da ist, weil die Roten regieren.

      • Das ist mit der Ampel ist kein Grund; der Kanzler hätte ja auch eine Minderheitsregierung oder mit der AfD regieren können. Also: der Pustekuchen bleibt.

        • Nein, nix Pustekuchen. Keine Zusammenarbeit mit der AFD – das ist das einzige Wahlversprechen, das Merz hält. Das war VOR der Wahl klar, daß war so klar, dass man es einfach nicht übersehen konnte.

          1
    • Es kam die Ampel hoch 3, soll bedeuten, dass alles noch schlimmer geworden ist. Alles was Fritz der Kleine versprochen hat ist nichts geworden. Das Neueste ist das Energiegesetz. Einmal Lúgner immer Lügner.

    • Was für ein Vergleich … Welche Gemeinsamkeiten haben die Union und Reform UK? Und: Wer gedacht hat, mit Merz werde trotz der Brandmauer alles besser – na ja, dazu sage ich nichts.

    • In Deutschland wird das ganze Gespinst nur noch von den Staatmedien zusammengehalten. Vorerst! Dehalb drischt man dort ja auch so auf freie Medien ein. Die BBC ist zwar auf unerträgliche Weise woke – und dennoch: sie ist nicht dermaßen von grün-rot unterwandert wie es in Deutschland der Fall ist. Eine Figur wie Böhmermann gibt es hier nicht.

  • Ich hoffe nur das keine drittklassigen Politiker der Altparteien zur AfD wechseln.😉

    • Ich hoffe, dass die AfD niemals auch nur einen CDU-Mann aufnimmt, der ab Landrat aufwärts in den vergangenen Jahren ein Amt innehatte und jedes Verbrechen des Regimes eilfertig unterstützte und umsetzte.

  • Ich hoffe noch immer auf die Verhaftung von Starmer.

  • Der Herr Farage sollte nur aufpassen, dass er sich keine U-Boote in die Partei holt.

  • Der AfD wäre zu raten, auch ein konkretes Enddatum für Übertritte aus anderen Parteien zu nennen, und das in nicht zu weiter Ferne. Danach ist dann Schluss für reine Posten- und Diäten-Jäger.

    • Die AFD ist nicht in der Position von Reform UK. Jedenfalls nicht hier und jetzt.

  • Auch Berufspolitiker wollen einen Arbeitsplatz, d.h. wenn die eine Partie an Wählergunst verliert und die andere gewinnt, kann man schon einmal auf ein neues Pferd setzen. Besonders dann, wenn man sich das englische Wahlsystem ins Gedächtnis ruft.

  • Genau so wird es der CDU mit der AfD gehen…… plötzlich werden sich die Ereignisse regelrecht überstürzen, und die Abgeordneten, die Gerber noch eine politische Karriere hätten, mit allem drumm und dran werden in Scharen abwandern, bzw. übertreten…..

  • Wenn alle oder viele relevante Leute von der Konservativen Partei jetzt zu Reform UK wechseln, dann ist ja relativ klar, was in kurzer Zeit mit Reform UK passieren wird…

    • Ist es nicht. Im Gegensatz zur Union haben die Tories noch konservative Leute. Einige von denen gehen jetzt. Ich kann es verstehen.

  • Und mir wurde immer gesagt wählen gehen brächte nichts.
    Byebye Lockdown-Fanatiker.

    • sehen wir doch an trump und milei, dass es durchaus veraenderungen geben kann.

  • Die Konservativen in UK können erfolgreich sein, wenn sie eine öko-konservative Politik im Sinne Herbert Gruhls betreiben.
    https://jlt343.wordpress.com

    -10
  • Das wird in Deutschland so wohl nicht passieren.
    Erstens haben die CDU Abgeordneten keinen Charakter und auch keinen Mut.
    Zweitens ist die AfD nicht so blöd.

  • Die AfD sollte schon mal Altparteimitläufer kategorisieren. Nicht dass dann plötzlich Leute anklopfen, die es verdient haben sich auf dem freien Markt umzusehen. Der „Marsch durch Institutionen/ Parteien“ muss gestoppt werden.

    • Schon gar nicht Leute, die in einem Rechtsstaat im Knast säßen. Da bleibt dann auch nicht viel übrig.

  • Ich dachte der Regierungschef in UK heisst „Big Brother“ und der Führer der Opposition Emmanuel Goldstein?
    Mehr muss man zum Zustand der „Demokratie“ im perfiden Albion nicht wissen.

    • Es soll auch eine „Verschwörungstheorie“ sein, dass die Royals viel mehr Macht hätten, als die breite Masse glaubt.

  • Arbeitstitel: Die Unterwanderung

    • Genau deshalb wird man diese Vorgänge genau im Auge behalten….😁

    • So offensichtlich findet das nicht statt.

  • Boer ey, nimm die Hände von dem Mann !!

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