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Anne Boleyn ist jetzt auch noch trans

Eine Biermarke fast in den Ruin zu treiben, hat Dylan Mulvaney noch nicht gereicht. Jetzt wird er Anne Boleyn am Broadway spielen. Die Verdrängung der Frau wird damit nun endgültig persönlich.

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Erinnern Sie sich noch an Dylan Mulvaney? Es tut mir leid, Ihnen das an einem Sonntag anzutun, aber wir müssen über ihn sprechen. Dylan Mulvaney ist ein amerikanischer Influencer, vermeintlich transsexuell und lebt seit hundert irgendwas Tagen als Frau. Ich sage „vermeintlich“, weil sein Internetauftritt als Frau von Tag 1 an eher wie eine übertrieben karikierte Kunstfigur wirkte und er zwar den Papierkram auf sich genommen hat, den es bedeutet, sich offiziell als weiblich eintragen zu lassen, den Namen Dylan aber behalten hat. 

Ich hatte eigentlich gehofft, dass ich seit dem Desaster um die Bud-Light-Werbung, die eine der größten amerikanischen Biermarken beinahe in den Ruin getrieben hat, nichts mehr von ihm hören muss. Ich hatte höchstens noch erwartet, dass man wieder etwas von ihm hört, wenn er endlich bekannt gibt, dass das alles ein gesellschaftliches Experiment war und er jetzt aufhört, Frauen auf so erniedrigende, lächerliche Weise zu beleidigen.

Aber nein. Nach zahllosen Videos, in denen Dylan Mulvaney das „Frausein“ auf dümmliches Gekicher, Stöckelschuhe und Tampons reduziert – und zum Glück Details darüber aussparte, wo er sich seine denn hinstecken will –, hat er wirklich noch einen Weg gefunden, noch einen draufzupacken. Und so hat er im Februar sein großes Broadway-Debüt – in der Rolle der Anne Boleyn. Seit ich davon erfahren habe, lässt es mich nicht mehr los. 

Vielleicht haben Sie von dem „Roman-Empire“-Trend mitbekommen, der vor ein paar Jahren in den sozialen Medien umging und bis heute Teil der Jugendsprache ist. Er begann damit, dass Frauen ihre Männer fragten, ob und wie oft sie an das Römische Reich denken. Die Antwort war meistens so etwas wie „achtmal am Tag“. Wenn heute jemand über ein Thema sagt: „Das ist mein Roman Empire“, wissen Sie jetzt, was damit gemeint ist. Nach meinen Beobachtungen sind natürlich nicht alle Männer genau gleich – die Epochen, auf die sie hyperfixiert sind, können variieren. 

Aber ich habe selbst schon miterleben können, wie sehr Geschichte Männer in den Bann ziehen kann. Egal, wie schön der Sonnenuntergang ist oder der Ausblick über den See: Für Männer gibt es keinen schlechten Zeitpunkt, um eine 20 Jahre alte Dokumentation über die Schlacht von Waterloo oder den Nürnberger Prozess zu schauen. Frauen sind da aber nicht so ganz anders. Es gibt verschiedene weibliche historische Figuren mit „Roman-Empire“-Potenzial. Ein absoluter Klassiker neben Jeanne d’Arc und Marie Antoinette ist Anne Boleyn, die Muse meiner persönlichen Hyperfixierung.

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Anne Boleyn, für die, die jetzt ratlos sind, war die zweite Ehefrau von Heinrich VIII. von England. Das war der mit den vielen Ehefrauen. Sechs, genauer gesagt: Katharina von Aragon, Anne Boleyn, Jane Seymour, Anna von Kleve, Catherine Howard und Catherine Parr. Keine von ihnen fand ein wirkliches Happy End; über wenige kann man höchstens behaupten, sie wären noch glimpflich davongekommen. Anne Boleyn und Catherine Howard ließ Heinrich öffentlich hinrichten. 

Die Tudor-Dynastie im Ganzen fasziniert bis heute, da sie ebenso kurz wie kulturell prägend und tragisch war. Angefangen mit dem Rosenkrieg und geendet in der Rivalität zwischen Elisabeth I. und Maria Stuart, die später noch Schiller inspirieren sollte, hat hier die Geschichte ein besseres Drama geschrieben, als die Menschen es je könnten. Doch insbesondere die sechs Frauen von Heinrich VIII. sind gerade für Frauen heute noch so faszinierend und einnehmend, weil ihr Elend so wütend und traurig macht. 

Ich könnte stundenlang darüber reden und habe es auch schon, deshalb muss ich mich kurz halten. Hier ein kurzer Überblick: Um sich von seiner ersten Frau scheiden lassen zu können, gründete Heinrich VIII. die anglikanische Kirche und brach mit dem Vatikan. Seine Tochter Maria, die sich später einen Namen als „Bloody Mary“ machen sollte, wurde zum Bastard erklärt. Anne Boleyn hatte sich zuvor geweigert, nur eine seiner vielen Mätressen zu werden. Wenn er sie haben wolle, müsse er sie heiraten. So wurde sie als zweite Ehefrau Königin von England. 

Mit ihr bekam Heinrich seine zweite Tochter – wieder ein Mädchen, aus seiner Sicht nicht für die Thronfolge geeignet. Boleyn erlitt danach nur noch Fehlgeburten. Als sie ihm keinen Sohn gebären konnte, fiel sie in Ungnade. Heinrich ließ sie schließlich wegen Ehebruchs, Inzests und Verrats hinrichten. Er ließ aber einen erfahrenen Scharfrichter aus Frankreich einreisen, um die Enthauptung mit einem Schwert statt mit einem Beil zu vollziehen, was als zielsicherer und humaner galt. 

Doch die Anreise verlief nicht wie geplant, und so musste die Hinrichtung um zwei Tage verschoben werden, was wohl die größere Qual gewesen sein dürfte. Sie starb kniend mit erhobenem Haupt. Mit ihrem Tod wurde auch ihre Tochter zum Bastard erklärt. Elf Tage später heiratete Heinrich seine nächste Frau. Jane Seymour gebar ihm endlich seinen lang ersehnten Sohn Edward VI., doch sie starb kurz nach seiner Geburt. 

Anna von Kleve hatte ein glimpfliches Schicksal. Heinrich wollte sie auf Grundlage eines Porträts heiraten; in England angekommen, fand er sie zu hässlich. Sie heirateten, doch die Ehe wurde nicht vollzogen und schließlich annulliert. Sie entkam ihm. Catherine Howard hatte weniger Glück. Als der König sie heiratete, war von dem ehemals sportlichen und attraktiven Mann nichts mehr übrig. 

Nach einem schweren Reitunfall hatte er sich zuvor eine Verletzung am Bein zugezogen, die nie wirklich heilte. Während die Verletzung vor sich hin faulte, wurde er immer fettleibiger und mürrischer. Er heiratete die 30 Jahre jüngere Catherine, als sie 19 Jahre alt war, und ließ sie zwei Jahre später wegen Ehebruchs hinrichten. Seine letzte Frau überlebte ihn. 

Nach seinem Tod bestieg sein Sohn den Thron, war aber kein sonderlich guter König und lebte auch nicht lange. Ein Schicksal, das oft vergessen wird, ist das der Lady Jane Grey, die Eduard vor seinem Tod als seine Nachfolgerin ernannt hatte. Sie wollte den Thron eigentlich gar nicht, bestieg ihn dann doch und blieb neun Tage Königin, bis sie mit gerade 19 Jahren gestürzt und enthauptet wurde. Dann bestieg „Bloody Mary“ den Thron. Nach ihrem Tod folgte Elisabeth I., die Tochter von Anne Boleyn und Heinrich VIII. 

Somit bekommt das Schicksal der Frauen im Leben von Heinrich erst nach seinem Tod eine ironische Wendung. Ausgerechnet die Töchter, die Heinrich für seine Thronfolge für ungeeignet hielt und in seinen Manövern für einen Sohn zu Bastarden machte, waren es, die schlussendlich in die Geschichte eingingen. Gerade Elisabeth I., die ich als meine mittelbare Namensgeberin natürlich besonders mag, wurde nicht nur eine der größten Herrscherinnen Englands, sondern auch eine der relevantesten Monarchen Europas. 

Doch das Erbe von Anne Boleyn endet hier noch nicht. Nach Elisabeths Tod war die Ära der Tudor-Dynastie vorbei. Es sollte nie wieder ein Tudor auf den englischen Thron gelangen. Doch wenn der aktuelle König Charles III. eines Tages sterben und William folgen wird, kommt damit ein Boleyn-Nachfahre an die Macht. Denn Prinzessin Diana stammte von Anne Boleyns Schwester Mary Boleyn ab. Wie heißt es doch so schön? Wenn du Gott zum Lachen bringen willst, mache Pläne.

Die Frauen von Heinrich VIII. sind Zeuginnen einer Zeit, in der Frauen meist nur die Spielbälle der Macht waren und Männern hilflos ausgesetzt waren. Anne Boleyn spielte mit dem Feuer und verlor schließlich. Sie musste teuer dafür bezahlen, doch ihr Vermächtnis bleibt erhalten. Obwohl Heinrich versucht hatte, ihr Andenken auszulöschen und ihre Gemälde vernichten ließ, ist sie nie in Vergessenheit geraten. In Verfilmungen wird sie heute von den schönsten Schauspielerinnen gespielt, nicht zuletzt von Natalie Portman. Tja, und nun Dylan Mulvaney. 

Das Musical Six, in dem er auftreten wird, handelt von den sechs Ehefrauen von Heinrich VIII. Es rühmte sich bisher damit, ausschließlich mit Frauen besetzt zu sein – der Fokus soll von dem Tyrannen auf seine Opfer gelenkt werden und den unsichtbaren Frauen der Geschichte eine Stimme geben. Die Stimme, die Anne Boleyn nun erhält, ist ein quiekiger Tenor. Zum zweiten Mal soll ihr Andenken nun von einem Mann verfälscht werden. 

Auf den Shitstorm – der absolut zu erwarten war und sicher auch einkalkuliert ist – bringt Mulvaney sich natürlich in seine Lieblingsstellung. In einer Zeit, in der Transpersonen in jeder Hinsicht bekriegt werden, wolle er dem Hass nicht weichen. Wie mutig. Ein biologischer Mann, der einer talentierten Frau die Rolle genommen hat, weil die Macher der Show lieber auf billige Publicity für Umsatz setzen, macht weiter mit dem, was ihm bis jetzt nichts als Geld und Bekanntheit eingebracht hat. 

Jede Frau, die das als respektlos gegenüber dem Andenken einer tapferen, stolzen Figur ansieht, hat dem Ego dieses Mannes zu weichen. Immerhin erfüllt er sich hier gerade einen Herzenswunsch. Aber wer wundert sich darüber heute noch? Wo wir doch sogar die Deutungshoheit darüber verloren haben, was es überhaupt heißt, eine Frau zu sein. Macht Platz, Menschen mit Gebärmutter, das ist Dylans großer Moment! Wen interessiert da schon eine geköpfte Frau von vor fünfhundert Jahren? Wen interessiert da überhaupt irgendeine Frau? 

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14 Kommentare

  • Ein amüsanter Start in den Sonntag Morgen. Danke

    • anna boleyn trans?

      das ist ja noch gar nix!

      nehmt das:

      **Ein neues Buch behauptet, William Shakespeare sei in Wirklichkeit eine schwarze Jüdin nordafrikanischer Abstammung gewesen.
      Laut der Autorin Irene Coslet ist die elisabethanische Dichterin Emilia Bassano für das gesamte Shakespeare-Werk verantwortlich.
      Der Telegraph berichtete zuerst darüber.**

      ob die schwarze juedin aus nordafrika auch lesbisch und behindert war, ist nicht bekannt.

  • Wirklich guter Text! Gut geschrieben!!

  • Jeder soll sich so fühlen und als was sich fühlen was man mag.

    ABER KEINER soll jemanden zwingen, fremde Gefühle anzuerkennen und sich förmlich dem zu unterwerfen.

    Freiheiten ausleben ist das eine ABER auch die Freiheit zu haben etwas zu akzeptieren oder eben nicht.
    Vor allem nicht der überwältigen Mehrheit etwas von einer winzigen Minderheit aufzwingen, denn im Gegenzug lässt man jene ja auch in Ruhe ihre Phantasien ausleben.

  • Der Text des Tages, Danke Elisa.

  • Das damalige Volk darf immerhin für sich ein hohes Mass an Unbelesenheit oder Unwissenheit als Entschuldigung vorbringen. Eine unfreiwillige, auch vom Staat und der Religion, erzwungene Unwissenheit.
    Das heutige Volk wäre zumindest bei der Informationsgewinnung freier, aber womöglich deshalb fauler, unselbstständiger und daraus resultierend dümmer.
    Lassen wir uns deshalb gefallen, was so „unvermeidlich“ scheint ?

  • Wen Vaginas Pimmel und Pimmel Vaginas spielen kann es sich nur um den Gender-Gaga handeln.

    Ich werde mich dem krankhaften linken autoritären Terror es gäbe ein 3. Geschlecht nie unterwerfen.

    Das verbietet mir mein logisches und rationelles Denken!

  • Im heutigen New York wird es ein Hit, wetten?

    • Paßt das zum muslimischen Bürgermeister? Ich denke fast nicht. Wurde so ein Stück nicht bereits vor der Wahl geplant? Ich bin gespannt.

  • Mir gefällt dieses Opfergehabe von Frauen nicht , was die Vergangenheit angeht.
    Ich will nicht bestreiten das die Mächtigen damals ihre Macht ohne Zügel auf allen Ebenen eingesetzt haben. Aber die waren ja eine Minderheit,
    Ich persönlich glaube nicht , dass es einem Soldaten , einfachen Bauern die unter dem Typ seiner Herrschaft lebten etc. besser ging , als seinen Ehefrauen….sogar eher umgekehrt (wie auch immer man das vergleichen will).

    • Das mag sein. In diesem Fall geht es aber gar nicht wirklich darum. Sondern einmal mehr wird ganz deutlich sichtbar, wer der Verlierer dieses Transirrsinns sind. Ist ja auch im Sport so. Darüber sollten vor allem Frauen nachdenken, die das alles so toll finden.

  • Dieser Woke Trend untergräbt die Familie und macht Bio Frauen zu Statisten
    um es Zensurgerecht zu beschreiben.

    Die Links Grüne Saat ist einfach gegen gesunde Familie die gesunden Nachwuchs hervorbringt.

    Denn „Schräg“ will das andere auch „Schräg sind, werden oder sich unterwerfen.

    Transsexuelle gab/hat es in allen alten Kulturen, nur wird Heute damit eine Machtposition ausgebaut und Kasse gemacht.

    Viele Transsexuelle die einfach nur Leben wollen, schnürt das deren dasein ab.
    Die Suizidalen Handlungen sowie SVV sind leider viel zu hoch und alle schweigen.

    Transsexualität ist keine Mode, es ist ein Teil der menschlichen Natur.

    • Das betrifft eine Promille-Zahl, über die es nicht einmal Wert ist, drüber zu schreiben. Die gibt es, wie es immer schon – ebenfalls im geringen Zahlen Homosexualität gab.
      Seit Jahrzehnten inzwischen wird durch den Hype und die Normalisierung der eben nicht der Norm entsprechenden Präferenzen (frei von Wertung) etwas erhöht um das andere zu zerstören.

  • Führen die Woken nicht endlose Debatten, dass nur echte Schwarze Schwarze und nur echte Behinderte Behinderte spielen können/sollen/dürfen? Im Fall von Transpersonen ist das natürlich wieder ganz anders. Man muss nur zu einer der etablierten „Opfer“-Gruppen gehören, schon löst sich jeder pseudo-ethische Maßstab in Luft auf. Hach ja, und immer dieser furchtbare „Hass“, ach Gottchen.

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