Werbung:

Werbung:

Sophia von Rundstedt

„Abstriche bei finanziellen Ansprüchen gehören dazu“: Familienunternehmerin warnt vor wirtschaftlichem Abstieg

Familienunternehmerin Sophia von Rundstedt warnt vor Deindustrialisierung, Standortverlagerungen und einer tiefgreifenden Strukturkrise der Wirtschaft – nicht nur Industriearbeiter, auch Führungskräfte müssen sich auf schmerzhafte Anpassungen einstellen.

Die Juristin Sophia von Rundstedt ist auf Kündigungen spezialisiert und leitet Deutschlands größte Outplacement-Beratung (imago stock&people)

Werbung

Die deutsche Wirtschaftskrise trifft erstmals in größerem Umfang auch Führungskräfte. Nach Einschätzung der Familienunternehmerin Sophia von Rundstedt handelt es sich bei der aktuellen wirtschaftlichen Schwächephase in Deutschland nicht um eine konjunkturelle Delle, sondern um eine tiefgreifende strukturelle Krise. „Es ist eine Transformationskrise, die nicht so schnell wieder in eine Erholungs- und Aufschwungsphase wechselt“, sagte von Rundstedt im Interview mit dem Handelsblatt. Deindustrialisierung, geopolitische Spannungen und hohe Energiepreise setzten den Standort Deutschland dauerhaft unter Druck.

Besonders stark betroffen seien industrieintensive Branchen wie die Automobilindustrie, der Maschinenbau und die Chemieindustrie. Produktion werde zunehmend ins Ausland verlagert, während hierzulande desinvestiert werde. „Dort wird investiert, hier deinvestiert“, sagte von Rundstedt. Sie geht nicht davon aus, dass alle derzeit abgebauten Arbeitsplätze zurückkehren werden. Kostensenkungen allein reichten nicht mehr aus, um die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.

Nach Angaben von Rundstedt sind im Vergleich zu früheren Krisen deutlich mehr Führungspositionen vom Abbau betroffen. Die Bundesagentur für Arbeit verzeichnete 2025 rund 49.000 arbeitslos gemeldete Führungskräfte, nach 43.000 im Vorjahr. Diese Zahlen zeigten jedoch nur einen Teil des Problems, da viele Betroffene sich noch in Freistellungen befänden, als Berater arbeiteten oder zeitlich befristete Managementaufgaben übernähmen.

Vor allem das mittlere Management gerate unter Druck. Einerseits fielen Führungsfunktionen durch Standortverlagerungen weg, andererseits verschlankten Großunternehmen ihre Hierarchien, um effizienter zu werden. Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz spiele dabei bislang noch keine entscheidende Rolle, dürfte den Stellenabbau aber in den kommenden Jahren verstärken. Von Rundstedt rechnet innerhalb von drei bis fünf Jahren mit einem Anstieg technologisch bedingter Arbeitsplatzverluste.

Gleichzeitig verschärfe sich ein strukturelles Missverhältnis am Arbeitsmarkt. Trotz Stellenabbaus gebe es weiterhin einen Fachkräftemangel, da Qualifikationen, Berufserfahrung und Gehaltserwartungen vieler freigesetzter Industriearbeitskräfte nicht zu den neu entstehenden Stellen passten. Besonders schwierig sei die Situation für Führungskräfte über 50 Jahre, die häufig höhere Gehaltsansprüche hätten und von Unternehmen als weniger flexibel wahrgenommen würden.

Lesen Sie auch:

Von Rundstedt fordert deshalb mehr Bereitschaft zu finanziellen und inhaltlichen Kompromissen. „Es gehört dazu, Abstriche bei finanziellen Ansprüchen zu akzeptieren“, sagte sie. Zugleich sei eine klare Positionierung des eigenen Leistungspotenzials notwendig. Netzwerke spielten bei der Neuorientierung eine zentrale Rolle, benötigten aber Zeit.

Auch politisch sieht von Rundstedt Reformbedarf. Der Kündigungsschutz müsse modernisiert werden, um die Mobilität am Arbeitsmarkt zu erhöhen. Die Verlängerung des Kurzarbeitergeldes auf bis zu 24 Monate halte sie für problematisch, da damit lediglich unausweichliche Anpassungen hinausgezögert würden. Zudem fordert sie eine Entbürokratisierung der Qualifizierung sowie einfachere Wege in die Selbstständigkeit. Mitarbeiter frühzeitig in den Ruhestand zu schicken, sei hingegen „keine Lösung“.

Aus Sicht der Beraterin steht Deutschland vor einem grundlegenden Wandel. Ohne höhere Innovationsbereitschaft in Unternehmen und mehr Veränderungsbereitschaft bei Beschäftigten drohe ein weiterer Verlust an internationaler Wettbewerbsfähigkeit und ein Rückfall der deutschen Wirtschaft.

Werbung

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Strafbare Inhalte, Beleidigungen oder ähnliches sind verboten (hier unsere Kommentar-Richtlinien). Kommentare sind auf maximal 1.000 Zeichen limitiert.

18 Kommentare

  • Sorry wenn das „Bedauern“ sich in Grenzen hält, wenn nun Führungskräfte nun etwas einschränken müssen, während Millionen ums Überleben kämpfen.

    Wo war denn deren Führung und gesunder Menschenverstand als der Wahnsinn begann, war da deren Beifall-Klatschen zu laut für einfache Denkprozesse?

  • „Die Verlängerung des Kurzarbeitergeldes auf bis zu 24 Monate halte sie für problematisch“

    „Das Kerngeschäft Outplacement – das Aufbauen geschasster Mitarbeiter für neue Arbeitgeber – hat in jüngster Zeit etwas gelitten, weil den Unternehmen die Kurzarbeit half und nicht mehr so viele Menschen entlassen wurden, erzählt Sophia von Rundstedt. Die Nummer Zwei im Outplacement-Markt, SKP in Ahrensburg, musste kürzlich auch Insolvenz anmelden.“(Management-Blog)

  • Führungskräfte sind binnen weniger Jahre Einkommensmillionäre. Weshalb melden die sich überhaupt arbeitslos? Obendrein: Headhunter fischen die über Xing und LinkedIn weg.

    • So manche Führungskraft verdient weniger als eine Fachkraft ohne Personalverantwortung. Nicht jeder ist im Vorstand eines Unternehmens beschäftigt. Gerade im Mittelstand ist die Bezahlung von Führungskräften gar nicht so üppig. wobei auch hier die Ausnahmen die Regel bestätigen.

  • Nun, … von Rundstedt …?

    Etwa eine Nachfahrin des Feldmarschalls und OB West?

    • Schon in der alten Bundesrepublik hat man gefühlt speziell in den Wirtschaftsverbänden immer wieder Namen „wiedererkannt“. Die haben sozusagen den Blitz in die Aufsichtsräte verlagert 🙂

  • „warnt vor Deindustrialisierung“

    Wir sind schon längst mittendrin!

    Wir erzeugen 2025 dank Energiewende 13% weniger Strom als im Jahr 2000. Und das obwohl wir wegen KI noch viel mehr Strom bräuchten.

    Wir haben seit 2019 kein Wirtschaftswachstum mehr. 2026 werden wir um 0,3% wachsen, nachdem wir 500 Milliarden Schulden aufgenommen haben.

    Wir haben eine Staatsquote von über 50%. Wir sind mitten im Sozialismus.

  • …die o.g. Dame auch?

  • Zieht endlich den Karren aus der Scheiße und schon klappts auch.

  • Die Krise kann beendet werden, wenn es ein Kapitalzinsverbot gibt. Wenn die ungerechte Einkommensverteilung beseitigt wird. Wenn die Rüstungsausgaben gesenkt werden. Und wenn ein minimalistischer Lebensstil etabliert wird.
    https://jlt343.wordpress.com

    -21
    • Also das alte sozialistische Rezept. Gratuliere, das hat noch nie funktioniert.
      In Deutschland geht es nur noch mit der Kettensäge – nach dem Vorbild Ludwig Erhards – den Staat massiv! beschneiden. Aber das wird mit dem treudoofen Deutschen nicht machbar sein. Dann lieber geschlossen den Kurs halten und zusammen in den Untergang – sSozialismus, jetzt also zum 3. Mal in Deutschland.

      • Ich fordere keine sozialistische Politik, sondern eine sozialkonservative Politik. Es müssen auch Abtreibungen verboten werden und die Einwanderung stark begrenzt werden.

        • …und Rückführungen!

          0
    • Wieder so ein Link womit man Geld verdienen will? 🤔

      • Nein. Keine finanziellen Interessen. Sondern es geht um Information.

  • „tiefgreifende strukturelle Krise“ durch den linken Teil der Gesellschaft verursacht.
    Und der Rest der Gesellschaft steht nicht auf und da zeigt sich auch das Versagen der AFD.

  • warum sehen die idiotinnen alle gleich aus? ….stichpunkt .pony?? 🙂

    • Problempony…Sie dürfen glauben die haben Probleme…🤣🤣🤣🤣🤣

Werbung