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Die Glaskinn-Politiker: Je mächtiger, desto empfindlicher

Früher waren deutsche Politiker mächtig und sich ihres Privilegs bewusst. Heute sind deutsche Politiker noch mächtiger, aber so empfindlich geworden, dass sie ernsthaft glauben, Schutz vor kritischen Bürgern zu brauchen. Nicht nur das: Sie beschädigen mit ihrer Mimosenhaftigkeit auch das Land.

Kabinettssitzung: Bundesfinanzminister Lars Klingbeil und Bundeskanzler Friedrich Merz. (IMAGO/dts Nachrichtenagentur)

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In den letzten fünf Jahren hat Friedrich Merz Hunderte Anzeigen oder Strafanträge gegen Bürger gestellt. Nicht wegen Morddrohungen oder Verleumdungen, sondern wegen Beleidigungen. Es kam zu Hausdurchsuchungen und Verurteilungen. Verurteilungen wie im aktuellen Fall eines Facebook-Nutzers, der Friedrich Merz als „Lügenfritz“ bezeichnete und dafür mit einem Strafbefehl in Höhe von 30 Tagessätzen sanktioniert wurde.

Der Bundeskanzler ist die politisch mächtigste Person in Deutschland. Niemand besitzt mehr Macht als ein Regierungspolitiker. In der Privatwirtschaft können Unternehmer Milliardenbeträge ansammeln, wie sie lustig sind, am Ende des Tages hängen ihre Standorteröffnungen, die Ausgestaltung ihrer Verträge, ihre gesamten Rahmenbedingungen vom Willen der herrschenden Politiker ab. Elon Musks Vermögen bewegt sich auf eine Billion Dollar zu, ein deutscher Richter mit einem Monatsgehalt von unter 10.000 Euro kann ihm Unternehmungen hierzulande auf der Basis einfacher Gesetze ordentlich vermiesen.

Bundeskanzler und Minister beeinflussen das Leben aller 84 Millionen Menschen in Deutschland. Es existiert keine Alltagsstunde, keine Tätigkeit in diesem Land, die von der Politik unberührt bleibt. Diese unvergleichliche Machtfülle muss Politikern bewusst sein, sollte sie demütig machen und ihnen vergegenwärtigen, dass sie ein besonderes Maß an Kritik auszuhalten haben. Friedrich Merz hat nichts davon begriffen.

Vielleicht sollte er sich ein Beispiel an seinen Vorgängern nehmen, denn lange Zeit funktionierte das Gespür für die eigene Macht; damit einhergehend wurden eine gewisse Demut und Zurückhaltung gelebt. In einem Interview mit dem jungen Günther Jauch, das alle Jubeljahre viral geht, formulierte Helmut Kohl das Selbstverständnis, das jeder führende Politiker haben sollte:

Kohl zitierte erst einen alten Zentrumspolitiker, einen seiner politischen Ziehväter: „Wer in der Politik an der Spitze steht, ist wie der Hahn auf dem Kirchturm. Jeder Wind, jeder Sturm umweht in, das muss man aushalten.“ Und weiter: „Es hat mich niemand gezwungen, Parteivorsitzender zu werden. Es hat mich niemand gezwungen, Bundeskanzler zu werden. Also muss ich es aushalten.“

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Ein Staatsverständnis, das den Normalbürger nicht als Untertan betrachtet, sondern als Auftraggeber, der seinen Unmut äußern darf, auch auf vulgäre Art und Weise. Gerhard Schröder, sein Nachfolger, tat es ihm gleich; von ihm sind keine Anzeigen gegen beleidigende Bürger bekannt. Selbst die eher von bescheidenem Freiheitsgeist gesegnete Angela Merkel verkniff es sich, Bürger wegen Beleidigungen anzuzeigen.

Die große Empfindlichkeit der mächtigsten Politiker des Landes spiegelt sich nicht nur in Anzeigen wider, sie sind konsequent ganzheitlich fragil. Wir erleben eine Generation der Glaskinn-Politiker. Bärbel Bas wurde beim Arbeitgebertag zurecht ausgelacht, weil sie den Unternehmern erzählte, dass die Beitragszahler nicht belastet würden, wenn die Haltelinie beim Rentenniveau aus Steuermitteln finanziert wird. Auf diesen, ehrlich gesagt noch sehr zurückhaltenden Spott reagierte sie dermaßen beleidigt, dass sie danach zum Kampf gegen die Arbeitgeber aufrief.

Jüngst beklagte die SPD-Vorsitzende sich darüber, ein „personifiziertes Feindbild“ geworden zu sein. Sie bemängelte Anfeindungen im Netz, als sei ihr die Öffentlichkeit irgendeine Art von Freundlichkeit schuldig. Ihr Kollege Lars Klingbeil ist dafür bekannt, sehr sensibel zu sein. Er ist sogar stolz darauf, betonte einmal, dass er sich mehr „sensible Männer“ in der Politik wünsche. Klingbeil ist so empfindlich, dass sich die gesamte Koalition mehr oder weniger an seiner Gefühlslage ausrichtet, wodurch das Land ernsthaften Schaden nimmt.

Bärbel Bas, Lars Klingbeil, Friedrich Merz, sie alle hadern mit der undankbaren Gegenwart, mit den Realitäten außerhalb ihrer gemütlichen Politikblasen, mit den Menschen im Land, die es wagen, Politikerreden zu ignorieren und Politikertaten zu realisieren. Deshalb sind sie so empfindlich, so fragil, so dünnhäutig. Es gab mal eine Zeit, in der Regierungspolitiker davon überzeugt waren, Wahlen zu gewinnen und Menschen von sich überzeugen zu können.

Diese Zeiten sind vorbei. Die Glaskinn-Politiker der Gegenwart haben den Glauben an sich selbst verloren. Sie wollen mit ihrer Arbeit nicht mehr überzeugen, damit die Menschen sich auf ihre Seite schlagen. Sie wollen mit staatlichen Unterdrückungsinstrumenten, mit öffentlichen Mitleidsappellen, mit wehleidigen Bitten um mehr Solidarität dafür sorgen, dass möglichst viele kritische Bürger den Mund halten.

Wenn sie gerade nicht damit beschäftigt sind, Strafanzeigen zu stellen, reden sie mit den Wählern, als wären sie Sozialarbeiter an einer Schule, die versuchen, das Mobbingproblem einzudämmen. Sie bitten verzweifelt um rhetorische Zurückhaltung. Doch im Gegensatz zum Schulhof sind die Politiker nicht in der schwächsten, sondern in der mächtigsten Position und werden auch nicht grundlos, sondern mit gutem Grund geärgert.

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39 Kommentare

  • Es wird Zeit, die Paragraphenänderung aus 2021 zurückzunehmen. Diese sorgen für das Empfinden schwindender Demokratie. Hier wird des Bürgers Grundrecht auf freie Meinungsäußerung kriminalisiert. Auch wenn Staatsanwälte weisungsgebunden sind, finde ich Gerichtsurteile dieser Art beschämend für ein einst freies Deutschland.

  • Wieso wird Merz abgebildet, wenn von „Mächtigen“
    geschrieben wird?
    Marionetten sind niemals mächtig?

    • Es ist aber nicht Merkel, die an seinen Strippen zupft und auch nicht Uschi!

      • Klar, du bist es! Wir lieben dich alle!

  • Bestrafe einen, erziehe hundert
    Mao

  • Ulf Poschard von der WELT bezeichnete die Politiker gerade in seinem Artikel als Heulsusen. Dem gibt’s glaube ich nichts hinzuzufügen. Für bedenklich halte ich allerdings die scheinbar wild gewordenen Staatsanwaltschaften.Meinungsfreiheit ist denen wohl ein Dorn im Auge.

    • Die Wähler müssen sich solche Figuren merken und sich auch bei Wahlen endlich mal daran erinnern, damit die nie mehr in eine politische Verantwortung gewählt werden.

    • „Heulsusen“? Vielleicht. Auf jeden Fall haben sie deutlich zu tief ins Glas mit dem Zauberlehrling-Despoten-Elixier geschaut, so daß es jetzt genau so leer ist wie Demokratie, Rechtsstaat und Wohlstand.

  • Ne, das hat nichts mit „Mächtigkeit“ zu tun, sondern nur mit Unfähigkeit.

  • Dieser Paragraf 188 ist im Grunde nur ein Geldverschiebungsautomat für Politker und Anwaltskanzleien. Die durchgrabbeln das Netz nach vermeintlichen Beleidigungen und schicken an die empfindliche Seele nur noch eine Anfrage, ob sie klagen will und das wars. Wer bezahlt das? Richtig. Vom Staat finanzierte NGOs oder die Staatskasse, also wir. Nur bei Privatklagen muss die geschüttelte Seele in Vorleistung gehen. Muss man sich mal vorstellen. Und für echte Kriminelle reichen dann die Kapazitäten bei Staatanwälten und Gerichten nicht. Dass die sich nicht schämen. Aber umgekehrt sind die manchmal frech wie Dreck und haben keine Scheu, den Souverän, der sie bezahlt, zu beschimpfen (Einheitsbraun etc.).

    • Und der Weltmeister, der hier glaubt, mit negativen Bewertungen berechtigte Kritik ins Unrecht zu setzen: offenbar auch einer von den Heulsusen.

      • Heul doch. Aber leise. Dein Gejammer nervt.

        -11
      • Ich bin immer sehr schnell beleidigt wenn es nicht sofort viele Daumen hoch gibt!

        -22
        • Und sich dann auch noch mit geklautem Nickname anmelden und kommentieren. Ganz typisch für eine gewisse Klientel, feige und hinterfotzig.

          5
        • Ich auch. Hier im Forum geht es nicht um Fakten sondern nur um Daumen hoch.

          -18
  • Kennen Sie noch die Kohl-Witze aus den 1980ern, über die sicher auch so mancher Sauerländer Mofarocker gelacht haben mag? „Birne Kohl“ in der Titanic?

    Strafanzeigen? Null!

    Bundeskanzler Helmut Kohl, politisch erfolgreicher als so mancher Sauerländer oder Kinderbuchautor, hatte dazu eine klare Meinung: Ein Politiker muss das aushalten!

    • Kohl mit Merz zu vergleichen…
      Kohl war ein Kanzler!

      • So toll war Kohl auch nicht. Denn eine konsequente Remigration hat der auch nicht gemacht. Und daher halte ich Kohl für einen Teil des linksgrünen Politkomplexes

        • Nein, Kohl war nicht toll. Ich finde Olaf Scholz auch eindeutig besser!

          -10
    • Die Titanic war damals schon ein linksextremes Herzblatt. So was nutzt man höchstens als Grillanzünder

  • Die sollen nicht rumjanmern. Diese Idioten kriegen einen Haufen Geld von uns und tun nichts. Da sollten die die ein oder andere Beschimpfung oder Morddrohung ruhig mal aushalten können.

    • Die tun nichts? Ganz im Gegentum: Sie ruinieren vorsätzlich und systematisch unser Land.

    • Ich denke, deren Heulsusigkeit gehört mit zum Programm wie auch die unzähligen Anzeigen gegen kleine Beleidigungen. Es dient dazu, die Störenfriede mundtot zu machen bzw deren Anzahl überschaubar zu halten und natürlich auch Angst zu verbreiten.

      • Ach, du denkst…

        -10
        • Ja, und du nicht!

          2
  • Narzisstische Selbstüberschätzung
    und Arroganz der Macht

  • Wenn Merz irgendetwas sagt, höre ich schon gar nicht mehr hin. Vielleicht geht es anderen Menschen genauso und Herr Merz fühlt sich dadurch in seiner Wertschätzung herabgesetzt.

  • Schwache Männlein bleiben schwache Männlein

  • „Besserwissermodus“:
    Früher waren deutsche Politiker mächtig und sich ihres Privilegs (statt: ihrem Privileg) bewusst.

    • Ist korrigiert, danke 😉

      • Gerne. 🙂

      • Servicepost vom Deutschlehrer: „Jeder Wind, jeder Sturm umweht in …“ … ihn, nicht „in“ … 🤓

    • Diese Unsitte, mit nur noch 2 bis 3 Fällen (nicht) auszukommen, habe ich hier auch schon (wohl „unangenehm“ oft) kritisiert. Da hier aber ein Haufen im Grunde sprachverliebter, gutwilliger und guter Leute wirkt, fallen unsere Schmerzlaute – siehe reparierte Text-Einleitung – erfreulicherweise langsam auf fruchtbaren Boden.
      Nein, das ist kein „Besserwissermodus“ sondern die schmerzgetriebene Sehnsucht, wenn schon nicht nach der Sprache Fontanes und Thomas Manns, dann doch wenigstens danach, daß ihre Form dem zugrundeliegenden Gedanken noch so ungefähr ähneln würde. Des Übels Anfang waren die schwachsinnigen Rechtschreibreformen, daß in einer Zeit des immer weniger Lesens und Schreiben jegliche „Gewohnheit“ zerstört und durch eine einzige Restfähigkeit ersetzt wurde: „man schreibt ‚daß‘ nicht mehr mit ‚ẞ‘!! „, weshalb es jetzt ’s‘ oder ’ss‘, mit und ohne Komma geschrieben wird. Der Rest ist in bzw. bereits nach Auflösung. Naja, eben ein Produkt unserer Alleswissernichtskönner a.d. Macht

  • Warum soll ich die Parteien derartiger Weicheier wählen, wenn schon Unmutsäußerungen der Bürger sie an ihre mentale Grenze führen? Wie sollen solche Politiker gegenüber Trump, Putin, Xi bestehen? Die holen einmal tief Luft und die deutschen Luschen hängen denen quer unter der Nase.

  • Mächtig? Als an Fäden hängende Marionetten zwecks Verwaltung der Deutschland GmbH mit einem Personalstamm 83 Mio. Menschen? Das scheint dem neuen Typos von politischen Mimosen so schmerzlich bewusst zu sein, dass sie sich ständig wie beleidigte Leberwürste aufführen müssen.

  • Der zugrundeliegende Mechanismus ist der Degeneration des Verständnisses des Demokratieprinzips durch jahrzehntelange Gewöhnung an die „repräsentative“ Parteilisten-Demokratie geschuldet, die durch die Plandemie-Allmachtserfahrung nochmals geboostert (kleiner Scherz) zu Freudschen Versprecherformeln (von UNSEREdemokratie bis Einheitsbraun) und dem Allmachtswahnsinn führt, die Naturgesetze und die tatsächlich großen Mächte des Globus unterordneten sich dem eigenen Allmachtsdelirium genauso wie durch Landeslisten eingesetzte Abgeordnete oder mundtot gemachte Untertanen. Ihre Kapazitäten sind gut mit dem ‚Feuerzangenbowlen‘-Satz „Sie werden täglich dömmer“ beschrieben. Auch wir werden nach dem/ihrem Vergnügen mit einem ordentlichen Kater und existenziellen Kopfschmerzen aufwachen.

  • GIGGELNDE STREISAND REGIERT DAS LAND! – Wer Meldestellen NGO´s installiert, muss auch die Folgen bedenken! — Die Bias der Politik verschiebt sich! Ins KLÄGLICHE, ÄRGERLICHE & LÄCHERLICHE! UND TEUER WIRD ES AUCH!

    WER SPÄRLICHE POLITIK MACHT, wird nach den Beamten auch weggespart! Sitzverkleinerung, Twingo-Sharing statt Dienstwagen …. usw.

  • Es sind Schwächlinge, Luschen, Lügner, Feiglinge, Versager. Solche Menschen sind immer ganz besonders empfindlich! So eine „Empfindlichkeit“ ist somit immer auch ein klares Zeichen dafür, dass man es mit einer schwachen und/oder „kaputten“ Persönlichkeit zu tun hat.

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