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Empörung über Parteitagsdatum: Die schlechteste AfD-Kritik aller Zeiten

Vier Monate nachdem die AfD ihren Parteitag im Juli in Erfurt angekündigt hat, wird plötzlich behauptet, sie habe das Datum bewusst in Anlehnung an einen NSDAP-Parteitag vor 100 Jahren in Weimar gewählt. Der Wunsch nach einer Gleichsetzung der beiden Parteien trägt immer absurdere Blüten und wirkt zunehmend paranoid.

Partei-Vorsitzende Alice Weidel und der Thüringer Fraktionschef Björn Höcke. (IMAGO/Karina Hessland)

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Am 10. Oktober 2025 meldete die Deutsche Presse-Agentur (dpa), dass der Bundesparteitag der AfD am 4. und 5. Juli 2026 in Erfurt stattfinden soll. Bereits in dieser ersten Meldung wurde mit Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD) eine Stimme zitiert, die in der Wahl des Veranstaltungsorts eine versteckte Botschaft zu erkennen glaubte. Dass dies erst der Auftakt zu einem bizarren Deutungswettbewerb sein würde, war zu diesem Zeitpunkt noch nicht abzusehen. Aber der Reihe nach.

Laut Maier sei die Wahl Erfurts gewiss „kein Zufall“. Weil Erfurt „die politische Heimat von Björn Höcke“ sei, sei anzunehmen, dass Höcke auf dem Parteitag die „komplette Machtübernahme“ plane: „Das ist politisch ein ganz klares Zeichen der AfD, wo die Reise hingeht: in Richtung weiterer Radikalisierung und eines engen Schulterschlusses mit Höcke und dem Ex-Flügel“, sagte Maier.

Dass die Festlegung auf Thüringen als Veranstaltungsort auch als Entgegenkommen gegenüber dem einflussreichen Landesverband gelesen werden kann, klingt zunächst noch halbwegs plausibel. Wenige Wochen später drehte der frühere Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) die Deutung jedoch noch weiter – und vermutete hinter dem Veranstaltungsort auch eine historische Symbolik.

Nach der Thüringer Landtagswahl 1924 ließen sich unter den bürgerlichen Parteien keine stabilen Mehrheiten mehr bilden. „Da wurde die Tür aufgemacht. Und schon lange vor 1933 war Thüringen der Ausgangspunkt der formalen Machtübertragung“, sagte Ramelow dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Um an diese Historie anzuknüpfen, sei Thüringen bewusst als Veranstaltungsort gewählt worden. „Höcke weiß das genau“, sagte Ramelow weiter (Apollo News berichtete).

Nun wird diese Interpretation sogar noch einmal überboten. So heißt es inzwischen, Ort und Termin seien bewusst so gewählt worden, weil 100 Jahre zuvor – am 4. und 5. Juli 1926 – ein bedeutender Parteitag der NSDAP in Thüringen abgehalten wurde, genauer gesagt in Weimar.

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Ausgangspunkt dieser Erzählung ist eine Meldung des Evangelischen Pressedienstes (epd) vom 12. Februar 2026. Darin wird der Vorsitzende des Vereins Weimarer Republik, Stephan Zänker, zitiert, der in dem Datum eine „fatale Parallele“ sieht. Zugleich ließ Zänker offen, ob es sich um eine gezielte Provokation handelt oder ob die Überschneidung schlicht aus Unwissenheit zustande kam.

Erst als diese Meldung die Runde machte und eine breitere Öffentlichkeit von den behaupteten „Parallelen“ erfuhr, setzte eine Welle der Empörung ein. Jörg Ganzenmüller, Direktor des Hannah-Arendt-Instituts für Totalitarismusforschung an der TU Dresden, bezeichnete den Vorgang anschließend gegenüber der dpa als einen „bewussten symbolischen Akt, der auf mehreren Ebenen wirkt“.

Der frühere SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich bezeichnet das Parteitagsdatum „als gezielte Provokation, um Aufmerksamkeit zu erregen“. Die CDU-Staatsministerin im Auswärtigen Amt, Serap Güler, spricht gegenüber dem Kölner Stadt-Anzeiger von einer „bewusst gewählten Parallele“. Es widere sie an, wie wenig Respekt und Anstand die Partei vor der Geschichte habe.

Bemerkenswert ist, dass eine derartige Empörung erst vier Monate nach der Bekanntgabe der Veranstaltungsdaten aufkommt. „Meine Güte, für wie dumm halten die uns alle eigentlich!“, fragte Güler weiter. Offenbar für so dumm, dass der historische Hintergrund des Datums vielen erst bewusst wurde, als der Verein Weimarer Republik die Parallele konstruierte. Zuvor war dieser angeblich allseits bekannte Kontext offenbar niemandem präsent – und doch wird nun vielerorts so getan, als liege der Zusammenhang auf der Hand.

Es braucht schon ein besonderes Maß an Paranoia, um in Ort und Termin des Parteitags einen bewusst gewählten historischen Code erkennen zu wollen – vor allem eine sehr selektive. Denn man unterstellt der AfD einerseits, das Datum haargenau auf den hundertsten Jahrestag zu legen. Zugleich wird aber der konkrete Ort des NSDAP-Parteitags ausgeblendet: Der fand in Weimar statt, nicht in Erfurt.

Die intellektuelle Verrenkung, die nötig ist, um der AfD ein solches historisches Bewusstsein zu unterstellen und zugleich anzunehmen, beim Veranstaltungsort habe es die Partei dann doch nicht ganz so genau genommen, ist gleichermaßen beeindruckend wie besorgniserregend. Ob es sich tatsächlich um ein Datum von historischer Tragweite handelt, das eine derartige Symbolik trägt und zwingend besondere Sensibilität einfordert, darf indes bezweifelt werden.

Die Posse um den AfD-Parteitag im Juli zeigt, dass der symbolische „Kampf gegen rechts“ sowohl intellektuell als auch medial immer skurrilere Blüten treibt und allmählich Züge eines Verschwörungswahns aufweist, der die Vorstellungskraft der vielgeschmähten „Schwurbler“ noch einmal übertrifft. Als Außenstehender fragt man sich, ob derartige Konstruktionen tatsächlich geglaubt werden oder ob sie nur instrumentell in Umlauf gebracht werden.

Der unbedingte Wunsch, im Rechtspopulismus die unmittelbare Wiederkehr des Faschismus erkennen zu wollen, scheitert immer wieder an der Wirklichkeit. Weil die Realität die ersehnten Parallelen jedoch nicht hergibt, müssen sie mit wachsendem Aufwand hineingedeutet werden: Der hier geschilderte Fall zeigt dabei Ähnlichkeiten zum angeblichen „SS-Mantel“ des US-Border-Patrol-Offiziers Grego Bovino und anderen Hitler-Halluzinationen der deutschen Presse auf (mehr dazu hier).

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70 Kommentare

  • Es gibt bestimmt auch irgendwelche AfD Mitglieder die einen Schäferhund haben oder hatten oder jemanden kennen der einen hat oder plant sich einen zu kaufen .

    • Die Nazis nutzten Volkswagen-Autos für militärische und staatliche Zwecke. Jetzt wirds aber eng für VW.

      • Und dann noch aus Wolfs-Burg!

        • und Braun-Schweig erst

          24
      • 1934 hat AH den Auftrag Porsche gegeben den KDF Wagen zu entwickeln. Das war dann der spätere VW Käfer.

      • Wenn man damals den illegalen Migranten Hitler mit seinen bekannten extremistischen Ansichten mittels juristischer Tricks durch Gesinnungsgenossen in Verwaltung und Justiz nicht eingebürgert hätte, wäre die Geschichte vermutlich vollkommen anders verlaufen. Er hätte dann in Deutschland für kein politisches Amt kandidieren können. Besser ist es also, wirklich aus der Geschichte zu lernen, statt von ihr davonzulaufen! https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Staatsbrgerschaft_Adolf_Hitlers

  • Was sollen eigentlich die Leute machen, die an einem 4. und 5. Juli geboren sind?

    • die am 20.04. Geburtstag haben, haben ein lebenslanges Stigma. Ich schätze es werden ale vom Verfassungsschutz überwacht, die an diesem Tag Geburtstag haben

    • Der eine Sohn meiner alten Nachbarin(RIP)
      ist am 20. April geboren, wie sie mir
      mal verlegen lächelnd zuflüsterte.

      Neidi Reichenschreck am
      19.04.88 geboren. Vielleicht
      doch einen Tag später?
      https://www.instagram.com/reel/DUulkq_iA2p/

      • Stehen nicht alle die 88 geboren sind, schon damit unter Generalverdacht?

        • Ich kenne einige, die haben am 8.8.88 geheiratet.
          Dumm gelaufen.

          7
  • An nem 4. oder 5. Juli hat auch schon jemand im Lotto gewonnen oder wurde aus nem Feuer gerettet.

    • Schlimmer noch der „böse“ Donald und die Nation feiert jedes Jahr am 4. Juli obwohl genau 150 Jahre SPÄTER ein Parteitag in Weimar stattfand und man nach der Befreiung vom Österreicher und sein Regime, diesen Feiertag beibehalten hat bis heute.

      Skandalös (Augenzwinker).

      Ob man dann die 250 Jahr Feier absagen wird???

  • Der damalige Berliner Senator für Inneres und Sport Andreas Geisel SPD machte
    2019 den Vorschlag die Olympischen Sommerspiele 2036 dich in Berlin auszutragen.
    Eine spitzen Idee zum hundertjährigen Jubiläum.

    • Leider kann Emil Zatopek nicht mehr teilnehmen.

    • Momentan läuft sich ja die linksgrüne Pleitestadt München u.a. für 2036 „warm“, obwohl sie jetzt schon hoch verschuldet ist, die 2. Stammstrecke vermutlich bis dahin immer noch nicht fertig ist und bereits den geplanten Kosten erheblich überschreitet. Der gesamte Nahverkehr ist von Verspätungen, Ausfällen und Vollsperrungen ganzer U- und S-Bahnstrecken an Wochenenden geprägt.

      • Momentan wollen die Grünen in Berlin ja alle 86 Millionen sogenannten „Klimaflüchtlinge“ aufnehmen – in Berlin, wohlgemerkt. Und da sie vermutlich genug Unterstützer zusammenbekommen werden, wird man das auch versuchen.

    • Das beweist für mich, dass man bei der SPD nicht gerade über Geschichtsexpertise verfügt. Niemand kann doch so dämlich sein, dass er bewusst diesen Vorschlag gemacht hätte.

  • Der 4. Juli ist „Independence Day“.

  • Vielleicht beim Veranstalter mal nachfragen, von wem der Terminvorschlag kam und wieviel andere freie Termine es überhaupt gegeben hätte.

  • Jeder, der von UnsereDemokratie(c) eine Korrelation findet, darf sich eine Kausalität dazu frei aussuchen.

  • Am 20.4. oder 9.11. wäre bestimmt auch schlimm gewesen, wobei ich persönlich noch den 7.10. und 18.12. schlimm finde oder auch den 22.2. 🤔

  • Wenn der politische Gegner schon durch Datum und Ort schuldig ist, spart man sich Argumente – praktisch! Manche Kritiker wirken inzwischen wie Verschwörungstheoretiker im Maßanzug, überall geheime Botschaften, nur leider keine Belege…

  • Was soll man denn machen, wenn man keine anderen Veranstaltungsorte von ausreichender Größte anmieten kann? Viele Vermieter weigern sich ja aus „Haltung“ oder aus Furcht, der AfD ihre Räumlichkeiten zur Verfügung zu stellen. Das wird in den Massenmedien immer gerne „vergessen“ zu Erwähnen.

  • Also ich als Nachkriegsprodukt der „Charakterwäsche -die Politik der amerikanischen Umerziehung in Deutschland“ (Caspar von Schrenck-Notzing, 1965) denke beim 4. Juli spontan an den Unabhängigkeitstag der USA, respektive Tom Cruise in „Geboren am 4. Juli. Da läßt sich doch sicher auch was draus schwurbeln…*grins*

  • Eher halte ich eine Tagesschau-Sendung an Göbbels Geburtstag für verdächtig.

    • 😄😄😄😄Bravo.

  • Die machen sich alle nur noch lächerlich. Wollte man nicht seit zehn Jahren die AfD mit Argumenten bekämpfen und kleinkriegen? Klappt wohl nicht so. Also immer etwas konstruieren und nicht bemerken, dass man sie dafür nur noch auslacht. Peinlicher Haufen.

    • halbieren wollten sie die AFD, aber irgendwie haben die das falsch verstanden, wenn man sich selbst halbiert bzw. ganz abschafft.

  • Nun ja, es bestätigt sich immer wieder: Linke, insbesondere Sozialisten, sind besessen vom Nationalsozialismus.

    • Heutzutage ist es aber der „Globalsozialismus“.

  • Spoiler. Die Angaben im Artikel sind nicht korrekt. Der NSDAP-Parteitag fand 1926 am 3./4. Juli statt.

    • Ist doch egal, Hauptsache Nazi! Fakten stören da nur…

  • Das zeigt nur, wie Recht Herr Martenstein mit seiner Rede hat !!
    Was soll ich zu den bunten Propagandisten denn noch schreiben?
    Wacht der Westen entlich auf?

  • Mein Gott, was die so alles wissen …. wer suchet, der findet. Ständig muss irgendein Mist von verbotenen Parteien aus dem letzten Jahrhundert lesen.

  • Das ist natürlich Zufall, dass eine rechtsextremistische Partei so etwas macht, nicht wahr? Daran haben Höcke, Tillschneider, Görnert… überhaupt nicht gedacht.

    • Dir ist klar, dass die Naziführung LINKE waren?

  • Und vor exakt 100 Jahren, hat sich der Österreicher

    gebadet
    ein weißes Hemd angezogen
    ist spazieren gegangen
    hat seine vegetarische Mahlzeit zu sich genommen
    hat 17x das Wort „und“ vor dem Mittag benutzt

    usw.

    Man kann sich viel Quatsch zusammen dichten, es muss nur das Hirn krank genug sein, um dann Parallelen zu finden.

    Wem der Schuh passt, möge sich den anziehen.

    • Wenn die herausbekommen, dass der auch mal „Guten Morgen“ gesagt hat…

  • Die Paranoia kenne ich.
    Im ÖPNV darf man bestimmte Sportsfreunde nicht kritisch anschauen oder ansprechen. Manche wissen , es kann nur die AfD sein.

  • Es gibt immer irgendein Datum.

  • Das ist ja nur noch lächerlich, zeigt aber wie blank die Gegner der AfD sind, wenn sie mit so einem Quatsch um die Ecke kommen.

  • Ich denke, die AfD beschäftigt sich mit ganz anderen Dingen, wie z.Bsp. wie man dieses Land wieder auf tragfähige Füsse stellt. Diese ständigen, frei erfundenen geschichtlichen Zusammenhänge, sind inzwischen so dumm, dass man froh sein kann, dass es noch eine Partei zu wählen gibt, die normal ist. Und so hat die AfD wieder mindestens 1 % Wählerstimmen mehr, denn wer will schon von Altparteien regiert werden, deren Intellekt solche Verrenkungen hervor bringt?

  • „Wir sind schon arg unter ‚die Generation Bologna‘ geraten!“ … vor 60 Jahren fand solche Paranoia noch Eingang in die Samstagabend-Unterhaltung, Sektion Witz: … nun sind Sie grad Hundert geworden! Wie haben Sie das geschafft? (Antwort) Fragen Sie mich morgen Mittag wieder. Um 8 treffe ich mich mit der Molkerei und um 10 mit der Brauerei … (falls Herr Ganzenmüller, den niemand richtig kennt, hier liest)

  • Gibts eine Liste von Tagen und Wörtern die verboten wurden?
    Übrigens die Naziführung war links.

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