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Rubio streckt die Hand aus – Merz schlägt sie aus

Während Rubio in München zivilisatorische Gemeinsamkeiten hervorhebt und versöhnliche Worte sucht, poltert Merz kurz zuvor mit einer Breitseite gegen den „MAGA-Kulturkampf“. Er hatte sich offensichtlich verkalkuliert und einen anderen US-Auftritt erwartet.

IMAGO/Björn Trotzki

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US-Außenminister Marco Rubio ist einer der drei mächtigsten Männer in der US-Regierung – neben JD Vance und Donald Trump selbst. Und er ist dabei nicht nur vom Amt her, sondern auch von seinem Auftreten klar der diplomatischste der drei. Es war also nicht wirklich eine Überraschung, dass er bei seinem Auftritt bei der Münchner Sicherheitskonferenz versöhnliche Töne anschlagen würde – außer für Bundeskanzler Merz.

Der eröffnete tags zuvor die Konferenz und legte einen offenen Anti-Trump-Ton an den Tag. Fast schon in Erwartung einer Breitseite von Rubio, die dann aber gar nicht kam. „Der Kulturkampf der MAGA-Bewegung in den USA ist nicht unserer“, wetterte der Kanzler.

„Die Freiheit des Wortes endet hier bei uns, wenn sich dieses Wort gegen Menschenwürde und Grundgesetz wendet“, meinte er und will dabei das Argument aufmachen, dass man hierzulande ja (vermeintlich zu Recht) viel weniger sagen dürfe als in den USA. Dabei stimmt seine Aussage so gar nicht. Wie das Bundesverfassungsgericht urteilte, fällt „selbst die Verbreitung nationalsozialistischen Gedankenguts als radikale Infragestellung der geltenden Ordnung nicht von vornherein aus dem Schutzbereich“ der Meinungsfreiheit nach dem Grundgesetz.

Mit anderen Worten: Doch, unsere Meinungsfreiheit ist so breit, dass sie grundsätzlich auch Meinungen gegen das Grundgesetz zulässt. Davon scheint aber auch der Jurist Merz nichts wissen zu wollen. Er biegt sich alles so zurecht, dass es für seine Seitenhiebe gegen die Amerikaner passt.

„Nun hat die transatlantische Partnerschaft offenbar ihre Selbstverständlichkeit verloren – erst in den Vereinigten Staaten, dann auch hier in Europa und vermutlich auch hier im Saal.“ Kaum verhohlen soll das eine Replik auf die Vance-Rede von letztem Jahr und die zu dem Zeitpunkt noch ausstehende Rubio-Rede sein. Vance hatte neben Europas Umgang mit Meinungsfreiheit auch die hiesige Migrationspolitik kritisiert – interessanterweise sah die dieses Jahr selbst Hillary Clinton hochkritisch, man sei mit Migration „zu weit gegangen“, meinte sie.

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Jetzt holte Merz gegen Rubio aus – und der trat tags darauf dann aber diplomatisch auf; suchte ganz klar eine versöhnliche Geste und versuchte die Europäer mit diplomatischen Worten in die Außenpolitik der Trump-Regierung einbinden. Trumps und Vances Rhetorik fing er dort mit Verweis auf „amerikanische Direktheit“ ein und sammelte sich Standing Ovations der Anwesenden.

Rubios Rede war keine Abkehr von der Politik der Trump-Regierung. Aber diese bestand auch nie aus der Art von völliger Abkehr von Europa, wie manch einer schnell Trumps mitunter rüpelhaftes Auftreten gerade in der Grönland-Frage gedeutet hatte. Im Endeffekt unterstrich Rubio einmal mehr: Die USA sehen zwar die große geopolitische Herausforderung im Indo-Pazifik, aber Europa bleibt weiter Partner.

Und nur weil man in Washington befremdlich auf Brüssels und Berlins Umgang mit Migration und Meinungsfreiheit blickt, dann nicht, weil man in Europa Feinde sieht, sondern im Gegenteil, weil man ganz klar Teil derselben Zivilisation ist. Mit anderen Worten: Wenn es Kritik gibt, dann ist diese gut gemeint, weil man auf Missstände hinweisen will, die Europa – und übrigens auch den USA – selbst geschadet haben. Das war jedenfalls die eindeutig versöhnliche Botschaft, die Merz‘ Auftritt konterkarierte.

Sein „MAGA-Kulturkampf“-Gedonnere wirkte deplatziert und eher plump gegenüber dem Auftritt von Rubio, der von der „tiefsten Bindung, geschmiedet durch Jahrhunderte gemeinsamer Geschichte, christlichen Glaubens, Kultur, Erbe, Sprache, Abstammung und Opfer, die unsere Vorfahren gemeinsam für die gemeinsame Zivilisation erbracht haben“ sprach.

Immerhin, die jahrelange Vernachlässigung des eigenen Militärs gestand Merz selbstkritisch ein: „Niemand hat uns in die übermäßige Abhängigkeit von den Vereinigten Staaten gezwungen, in der wir uns zuletzt befunden haben. Diese Unmündigkeit war selbst verschuldet.“ Aber im Ergebnis verkalkulierte Merz sich und trat insgesamt mit einer Kampfrede gegen Rubio auf, der aber eigentlich dort war, um „Brücken zu bauen“, wie man es wohl im Kanzleramts-Sprech formulieren würde.

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82 Kommentare

  • Was muss das Rubio an Selbstbeherrschung abverlangt haben, nicht über Merz zu lachen…

    • Selbst die meisten aus der Fraktion können den nicht ab. Nur der Opportunismus und das Postenkleben hindert sie am öffentlichen Auslachen. Gleiches gilt z.B. für MP Kretschmer in Sachsen. Nur die Postenklammerei hält den noch im Sattel. Erst kommt das Fressen, dann die Moral.

    • Es ist echt dramatisch. Niemand in dieser Regierung hat auch nur einen Funken Diplomatie.
      Die USA sind neben China unser wichtigster Handelspartner.
      Aber anscheinend ist es zum Sport deutscher Politik geworden, die USA und China ständig zu beleidigen und zu verärgern.
      Zunächst unsere Trampolinexpertin Bärbock, dann ihr würdiger Nachfolger Wadephul und nun trötet Merz in das gleiche Horn.
      Inkompetenz trifft Unvermögen

    • Merz hat den Kauboys mal gezeigt wo sie stehen. Finde ich brilliant. Und am besten ist dass die Booooomer mal wieder nichts kapieren.

  • Es war eine hohle innenpolitische Rede mit verrutschtem Pathos und ohne Ethos, eben echt abgestandene dt. Parteipolitik für diejenigen Wähler mit Morbus Tagesschau.

    • Hauptsache er hat nicht wieder vor lauter Rührung über sich selber, heiße Tränen vergossen…..

      • Halte die Reaktion für authentisch. Starke Sache. Er vermittelte, er kenne die absolute Ungerechtigkeit … aus eigener Erfahrung … MIT-Leid. Kann man jetzt die Fantasie fahren lassen.

    • Schön ausgedrückt👍

      • MUUUUUUH

        • „Jetzt machen wir mal Rambozambo im Adlerhorst.“ — Friedrich Merz.

          0
  • Er kann es halt nicht…

    • Dann hätte man auch gleich Merkel behalten können. Aber wer weiß. Naja, ich schaue jetzt den Film „Die Mumie kehrt zurück“. Hoffentlich kein schlechtes Omen.

    • Er, also Merz, kann es nicht.
      Genau das hab ich auch gedacht – und das nicht erst seit der Analyse von AN hier.
      Eine diplomatische Katastrophe – nu ja, 2. Wahl halt…

    • Nein, Rubio kann es wirklich nicht.

    • Er stolpert wie ein Elefant durch den Porzellanladen. Das kann noch verdammt ungemütlich werden. Wenn die Amerikaner richtig sauer werden, dann sanktionieren sie Deutschland und dann gibt es auch kein LNG mehr.

  • Gibt es denn rund um so einen Gipfel, insbesondere im Vorfeld, keinen diplomatischen Austausch?

    • Doch, aber über sein Gespräch mit Rubio schweigt Fritze lieber. Man ahnt warum.

  • Die Sauerländischen Kiefer wird bald Geschichte sein, und das ist gut so!

    • Sonntagsschule für Boooooomer:
      Nenne 16 Bundesländer in denen Merz morgen Bundeskanzler ist obwohl du spuckst und aufstampfst.

      • Könntest Du denn nicht in Tiktok weiter kommentieren? Das wäre Dir weit mehr angemessen. Oder auf Bluesky oder so.

  • Zitat:.

    „Die Freiheit des Wortes endet hier bei uns, wenn sich dieses Wort gegen Menschenwürde und Grundgesetz wendet“

    Manche würde Korrektur auf seinen Zettel vornehmen
    „Die Freiheit des Wortes endet hier bei uns, wenn sich dieses Wort gegen Regierung, Parteien und Brüssel wendet“.

    Tausende Anzeigen, Hausdurchsuchungen, Zensurmaßnahmen, Einschüchterungen sowie alltägliche Diffamierungen untermauern die Korrektur, würden manche hinweisen.

  • Merz wollte es der Konferenz erleichtern, den urdeutschen Begriff Fremdscham besser zu verstehen. Darum hat er sich wirklich verdient gemacht!

  • Hat der Kanzler keine qualifizierten Berater?
    Und wenn ja, warum sind die dann noch im Amt?

    • Merz dürfte ebenso beratungsresistent sein wie Merkel oder von der Leyen. Dabei fehlt ihm auch noch das politische Gespür der beiden und seine zackigen Reden wirken vollkommen unempathisch und manchmal gar unfreiwillig zynisch.

  • Große Staatsmänner fallen nicht vom Himmel. Deutschland ist der Beweis dafür. Diesbezüglich sind wir blank wie ein Kinderpopo.

    • Bei dem Parteiklüngel- und Medienfilz haben Politiker mit Profil und Charakter wenig Chancen, weil nur noch Loyalität zur Parteispitze zählt.

  • Ich glaube nicht das er in seiner kleinen CDU-Blase Rubio wirklich verstanden hat.

    • Seine Blase ist nicht die CDU, sondern die WEF-Faschistenblase.

  • Hochmut kommt vor dem Fall.

  • Der Kanzler der zweiten Wahl bleibt nur Zuschauer und Zahlmeister. Gut, daß wenigstens die AFD gute diplomatische Beziehungen zu den großen Playern am Tisch unterhält.

  • Herr Merz, was ist “ hier bei uns“ und wer sind „wir“???
    Ich finde Maga gut!👏👏👏👏

  • Ich gehe mal zurück in die Vergangenheit: Die Kanzler Kurt-Georg Kiesinger und Willi Brandt nahmen Gespräche mit den Ostblockstaaten auf. Dabei nahmen sie die Zustände und die politische Besetzung erst einmal so hin, wie sie sie vorfanden. Sie polterten nicht andauernd herum, was und wer ihnen nicht paßte, sondern sie suchten Gespräche. Immer wieder – und damit waren sie erfolgreich. Die Ergebnisse waren die sog. Ostverträge. Höhepunkt war die Verleihung des Friedensnobelpreises an Willy Brandt 1971.

    Warum also nehmen unsere Politiobersten nicht Trump so an, wie er ist? Sie ändern ihn nicht. Anstatt mit ihm auszukommen, wird keine Gelegenheit ausgelassen, verbal auf ihn einzudreschen.

    Ich bin felsenfest davon überzeugt, es ginge der EU und Deutschland deutlich besser, wenn man seine – durchaus vorhandenen sein mögende – Ablehnung Trump gegenüber zurückhielte und stattdessen mit ihm versuchte auszukommen.

  • „Rubio streckt die Hand aus – Merz schlägt sie aus“

    „Man kann niemanden die Hand reichen, der die Faust geballt hat.“
    I. Gandhi

    Sturheit, Einfalt und Hochmut sollen dabei eine große Rolle spielen.

  • Und Schroeder hatte Recht, das Merkel es nicht kann.

    • Um das zu beurteilen, müßte man ihre wahre Agenda kennen. Immerhin könnte ihr Merz nicht das Wasser reichen, weil er davor schon in etliche Fettnäpfchen getreten wäre, ohne es selbst zu merken.

      • Na ja, Angie hat ja auch in genügend Fettnäpfchen getreten.
        Dafür scheint die CDU prädestiniert zu sein.

  • Wer nicht für sein Land ist, und das ist die MAGA Bewegung, hat sich als Staatsmann disqualifiziert!

  • Merzs Großweltfantasien – obwohl man von Osten und Westen die Ohrfeigen, äh, die Hand gereicht bekommt.

    • Peinlich, wie der sich wieder aufgeplustert hat.
      Diese Körpersprache … das reinste Zähnefletschen.

    • Staatsmann , da muss er noch viel , viel , viel lernen

      • Will nicht hoffen, daß ihm genug Zeit (als Kanzler) bleibt um es noch zu lernen.

        • Die hat sie sich jetzt als Bart um den Hals gewickelt.

          0
  • Si tacuisset…
    Er outet sich leider täglich als Joe-Biden-Vorstufe.
    Ich frage mich ob hinter seinen Reden irgendein genialer Plan steckt, aber ich komme nicht drauf.

    • Euch Booooooomern ist halt alles zu hoch was nicht mit Wein oder Zigarillos zu tun hat

      • Du hast versucht, mich zu beleidigen, aber meine Frage nicht beantwortet. Ich rauche nicht und bin in Wein nicht besonders gebildet. Mehr weiß ich über osteuropäische Schnäpse. Ich dachte ihr Linken seid vorurteilsfrei.
        Ich habe ich einen Master in Erneuerbarer Energie und spreche zum Beispiel Slowakisch. Was hast du an Bildung vorzuweisen, wenn wir schon das Argument verlassen?

  • Fritz liegt konsequent und immer daneben. Auch seine Versprechungen immer entgegengesetzt.

  • Er ist und bleibt eine vollkommene Fehlbesetzung, in absolut jeder Hinsicht.

  • Nun, Saufen kann ja eine echte Alternative sein, wobei man sehr aufpassen muß, denn Alkohol ist zwar ein dienstbarer Knecht, aber ein lausiger Herr.

    Bei Fritze weiß man wohl nicht so genau, in welchem Stadium er sich befindet.

    Den Delegierten wurde schon vorab Alkoholverbot erteilt und ihnen damit die Möglichkeit genommen, sich den Stuttgarter Parteitag wenigstens schönzusaufen.

    Er aber nimmt für sich anscheinend selbstverständlich das Recht, sich die Weltpolitik nach eigenem Gutdünken zurechtzusaufen.

  • „Links ist vorbei“ Merz, sucht jetzt lieber die Nähe zur Links-Grünen-SED

  • Merz ist durch und durch ein linksgrüner Versager.

    • Und was bist duuuuuuuuuu?

  • Wenn Merz nur dumm wäre, aber er ist zerstörerisch.

    • Diese Typ macht mir mit seiner Hochintelligenz wirklich Angst…

      • MUUUUUUUH

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