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Christoph Werner

Sollen „überlegen, warum ihr Angebot nicht überzeugt“: dm-Chef kritisiert Parteien für Umgang mit AfD

Der Geschäftsführer der Drogeriemarktkette dm hat den Umgang der Parteien mit der AfD kritisiert und ihnen zu mehr Selbstreflexion geraten. Außerdem bemängelte er die bisherigen Reformbemühungen. Diese seien zu „viel Kleinklein anstatt großer Würfe“.

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Christoph Werner ist seit 2019 Geschäftsführer der Drogeriemarktkette dm. (IMAGO/Arnulf Hettrich)

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Christoph Werner, seit 2019 Geschäftsführer der Drogeriemarktkette dm, hat sich in einem Interview mit ntv ausführlich zum Zustand der deutschen Politik geäußert und dabei einen kritischen Blick auf den Umgang der etablierten Parteien mit der AfD geworfen.

Zur Frage, wie mit der AfD umzugehen sei, verwies Werner zunächst auf die rechtliche Lage: „Das Bundesverfassungsgericht kann entscheiden, ob es sich bei der AfD um eine zulässige Partei handelt. Solange eine Partei nicht verboten ist, darf sie in unserem demokratischen Rechtsstaat bei Wahlen antreten“, so der Unternehmer klar. Auf die Frage, ob er ein Verbotsverfahren unterstütze, blieb Werner zurückhaltend: „Ich habe keine Handlungsmacht, das müssen sich die Politiker überlegen“.

Entsprechend betonte er die Pflicht der Parteien, sich selbst zu hinterfragen. „Wenn man feststellt, dass eine Partei großen Zulauf erlebt, sollten die anderen Parteien vielleicht überlegen, warum ihr Angebot nicht überzeugt“, so Werner im Hinblick auf steigende AfD-Umfragewerte in ganz Deutschland. Dies sei eine strategische Frage: „Kehren die Menschen eher zu mir zurück, wenn ich meinen Mitbewerber beschimpfe, oder wenn ich mein eigenes Angebot weiterentwickle?“, so Werner mit Blick auf die Regierungsparteien und die linke Opposition.

Werners Urteil über die deutsche Politik – gerade in der Wirtschaftspolitik – fällt eher schlecht aus: „Ich erlebe viel Kleinklein anstatt großer Würfe“, so Werners generelles Fazit zum Stand des Landes. Dabei verwies er auf Ludwig Erhards Nachkriegsformel „Wohlstand für alle“ als Beispiel für ein Zukunftsbild, das gesellschaftliche Aufbruchsstimmung erzeugt habe. Dies fehle: „Momentan wird viel analysiert, aber wo wollen wir eigentlich hin? Es gibt wenig Vision und deswegen auch keine Strategie, bei der die Menschen sagen: Jawoll, darauf lassen wir uns ein!“, so Werner.

Gerade beim Thema Klimaschutz dürfe man nicht ideologisch werden, warnte Werner. Mit Blick auf eine Aussage des ehemaligen Grünen-Politikers Robert Habeck, „Das Angebot war top, aber die Nachfrage nicht so dolle, wie wir uns das vorgestellt haben“, erklärte Werner: „Diese Offenheit ist schön, aber das halte ich für eine problematische Aussage.“ Es gehe nicht primär um Umweltschutz, sondern um Menschenschutz, erklärte Werner: „Es heißt auch immer, wir müssten unseren Planeten schützen. Nein, wir müssen Menschen schützen. Es geht um Menschenschutz, nicht Umweltschutz.“

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Besonders deutlich wurde Werner bei der Preisbildung. „Preisbildung hängt vom ordnungspolitischen Rahmen ab, den wir durch Gesetze schaffen“, erklärte der Unternehmer. Als Beispiel nannte er die Subventionierung von Kunststoffen: „In Deutschland werden diese Kosten durch Subventionen verzerrt: Eine Plastikverpackung kann man gut recyceln. ‚Virgin Plastic‘, das neu aus Rohöl gewonnen wurde, ist trotzdem günstiger als Recycling-Plastik.“

Eine CO2-Abgabe ausschließlich auf Neuplastik könne das Problem beheben, so Werner. Dies scheitere in der Praxis aber an der Verwaltung: „In Gesprächen erlebe ich aber selbst mit den zuständigen Behörden handwerkliche Unzulänglichkeiten, sodass die Preisbildung nicht so stattfinden kann, wie sie stattfinden müsste. Das Ergebnis sind Fehlanreize.“

Werner hat deswegen auch eigene Ideen, um die Politik wieder effizienter zu machen und das Land in Fahrt zu bringen. So fordert der Unternehmer unter anderem längere Legislaturperioden von sechs Jahren, gleichzeitig aber begrenzte Amtszeiten für politische Amtsträger.

„Aktuell stehen wir in vielen Fällen bei vier Jahren. Das ist kurz. Nach einer Bundestagswahl muss eine Koalition gebildet werden. Erst danach nehmen die Gewinner ihre Ämter auf und beginnen, Reformen zu erarbeiten. Es dauert, bis Veränderungen tatsächlich umgesetzt werden, und noch länger, bis sie greifen. Jede Veränderung führt zu Gerumpel und Schmerzen“, so Werner. Auch Gesetze mit Ablaufdatum hält er für möglich. Dafür sollen Gesetze mit einem Wiedervorlagedatum versehen werden. Falls sie ihre Wirkung verfehlen, sollen sie auslaufen. 

jw

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44 Kommentare

  • „Wenn man feststellt, dass eine Partei großen Zulauf erlebt, sollten die anderen Parteien vielleicht überlegen, warum ihr Angebot nicht überzeugt“, so Werner im Hinblick auf steigende AfD-Umfragewerte in ganz Deutschland.
    Genau das ist es – besser machen und dann erledigt sich alles andere von selbst.

  • Endlich einmal ein Fachmann aus der Wirtschaft, der gute Vorschläge anspricht.

    • Naja.

    • apropos kleinklein….

      dies koennte auch DM betreffen, sofern sie einen onlineshop haben.

      es scheint sich nicht um einen scherz zu handeln.
      es ist schier unfassbar.

      (wuerde auch gerne nach dexit und oexit rufen, wie die meisten, weiss aber, dass keinen geben wird)

      https://x.com/KI_Agent/status/2068574519158038830

      **Der Händlerbund schreibt: „Ein Versandetikett könnte für Händler künftig weitreichende Folgen haben. …**

  • Ich frage mich, woher kommt diese Angst?

  • „So fordert der Unternehmer unter anderem längere Legislaturperioden von sechs Jahren, gleichzeitig aber begrenzte Amtszeiten für politische Amtsträger.“

    Ich fordere zusätzlich:
    a) Möglichkeit der Abwahl durch die Bürger
    b) Ausgabenbegrenzung, die Politik bekommt genau Vorgaben was sie entscheiden darf. Alles Andere ist tabu. Schluss mit der Übergriffigkeit des Staates.

  • Sollen „überlegen, warum ihr Angebot nicht überzeugt“

    Den Nagel auf den Kopf getroffen, mehr braucht man dazu nicht sagen.

  • Ich finde es interessant wie unterschiedlich DM und Rossmann die wirtschaftliche Situation bewerten!

    • Rossmann lassen wir buchstäblich „links liegen“. Solange ich Auswahl habe, können mir solche Läden gestohlen bleiben. Überhaupt alle Läden, die meinen, mich erziehen zu wollen. Warum machen die nicht, verdammt nochmal, einfach ihren Job: Stellen Produkte her und verkaufen sie. NEIN; es muss heutzutage immer noch eine politische Message rüberkommen; moralisierend und belehrend. Freue mich, wenn ich lese, das ein weiterer dieser Moralisieren die Tore zumacht.

  • Nicht nur auf die großen Wirtschaftsführer schauen: Viel wichtiger ist die Einstellung der „kleinen“Unternehmer in Deutschland, die den Laden am Laufen halten.
    Ich hatte neulich eine nette Unterhaltung mit einer Bäckersfrau, so Ende 30, 1 Kind, Bäckerei in 2 Generation am Ort. Und das südlich Frankfurt/M.
    Und die sagte mir, dass alle ihre Schulkollegen von damals heute die Unternehmen ihrer Väter führen. Und ALLE würden jetzt die AfD wählen, denn SO könne es nicht weiter gehen.
    Es MUSS si etwas ändern, sonst geht Deutschland vor die Hunde.

    • Wenn man schon über Generationen Familienbetriebe ohne AfD führen durfte, ist das doch ein weiterer Beweis, daß die AfD nicht benötigt wird.

      -25
      • Mit deinen Fähigkeiten der Beweisführung würde ich dich noch nicht mal einen Parkweg fegen lassen. Selbst da würdest du den Weg nicht finden…

      • Haha, erst nachdenken, dann schreiben!
        Früher war diese grün-linke Politik nicht am regieren.
        Da zählte noch Fleiß und Arbeit, und die Politik war nicht so wie heute darauf aus, den Mittelstand und deren Beschäftigten so auszunehmen, mit EU-Bürokratie zu drangsalieren und zu schikanieren und mit Abgaben und unsinnigen Vorschriften zu drangsalieren.
        Es muss dringend eine Politik gemacht werden, die ein freies und entspanntes Unternehmertum wieder in den Vordergrund rückt, und da sind die rechts-links-grünen Parteien Lichtjahre von entfernt.

  • Ein kluger Mann. Morgen werde ich erstmal Geld bei dm ausgeben.

    • Ich bin schon lange von Rossman zu DM gewechselt.

  • Die Politik ist inzwischen dominiert von Leuten, die einfach nicht das nötige Format haben. Natürlich liegt die Wurzel in der Breite der Bevölkerung, aber was gar nicht geht, ist das man die Opposition verleumdet und mit diktatorisch anmutenden Mitteln von der Regierung fernhält und jeden Kritiker regelrecht verfolgt.

  • Ich hatte DM jetzt eine Weile gezielt beim Einkauf unterstützt, aber dieses Statement ist mir zu schwach. Ich fühle mich von der Regierung tyrannisiert und fürchte um unser Land.

  • „Eine CO2-Abgabe ausschließlich auf Neuplastik könne das Problem beheben, so Werner.“

    Problem nicht verstanden. Durchgefallen, Herr Werner.

    • ein jaemmerliches opfer des klimanarrativs.

      traurig.

      dabei macht er in interviews durchaus den eindruck eines denkenden menschen.

      aber irgendwann kriegen *SIE* fast jeden.

    • Eine Abgabe auf alle Produkte der DM Gruppe ist die Lösung.

      -34
      • Eine Abgabe von dein Gesamtvermögen, sagen wir 800%, dann bist auch du satt und darfst Flaschen sammeln! Hahaha

      • Du solltest für jeden Beitrag hier 10 Euro zahlen. Als Strafe für deine Beiträge, die man selbst mit ganz viel gutem Willen und euphemistischer Einstellung nur als ziemlich dumm bezeichnen kann.

  • „Dafür sollen Gesetze mit einem Wiedervorlagedatum versehen werden. Falls sie ihre Wirkung verfehlen, sollen sie auslaufen“

    Aktuell loben Politiker aber auch Journalisten–dass die neue Regierung doch eigentlich schon so viel geschafft hätte.

    Und dann kommt die immer wieder alte Laier–dass schon über 100 Gesetze beschlossen worden seien.

    Wir brauche viel weniger Gesetze als immer neue dazu.

    Was Herr Werner sagt–sollte von der Politik gehört werden.
    Aber die sind resistent, was sinnvolle Vorschläge betrifft.

  • Die AfD ist eine demokratisch gewählte Partei u. Die größte Oppositionspartei. Sie hat das Recht, fair behandelt zu werden u. nicht in ihrer Arbeit massiv behindert zu werden u. als Nazipartei beschimpft zu werden.👎😡🇩🇪🇩🇪🇩🇪💙💙💙

  • Auch W. hat (noch) nicht verstanden, dass die Parteien den Bürgern gar kein anderes Angebot machen können, weil sie schon einer Agenda folgen, die sie den Leuten aber nur durch die Blume vermitteln können wie zB mit:
    -die Bürger müssen bereit sein, Opfer zu bringen, auf Wohlstand zu verzichten, sie müssen länger arbeiten und mit weniger Geld auskommen usw.

    Damit punktet man nicht.
    Und wenn man sonst was verspricht und dann nicht hält (weil man es weder vorhatte noch könnte) dann punktet man eben nur einmal und nicht wieder.

    Auch Herr W. muss endlich begreifen:
    Die dt. Wirtschaft auf Fahrt zu bringen, ist nicht vorgesehen.
    Steuern zu senken, ist nicht vorgesehen.
    Klimapolitik zu beenden oder zu reformieren, ist nicht vorgesehen.

    Und aus diesem Grund ist es auch nicht vorgesehen, die AfD mit regieren zu lassen, denn dann würde dieses „nicht vorgesehen“ vom Tisch gewischt.
    So einfach ist das.
    Doch die größten Vertreter des dt. Mittelstandes raffen es einfach nicht.

  • „Eine CO2-Abgabe ausschließlich auf Neuplastik könne das Problem beheben, so Werner. “
    Ganz falsch: Den gesamten Klima- CO2- Nachhaltigkeits-Energie- Mobilitäts- und sonstwas-Popanz ersatzlos in die Tonne treten. Staat raus aus der Wirtschaft.
    Das wäre dringend nötig. Dann klappts auch mit der Preisbildung.

  • Längere Legislaturzeiten damit die Vollversager das Land noch länger ausnehmen, zerstören und nach ihrer Ideologie verändern können? Ganz sicher ist das keine Lösung.

  • Der gute Mann vergisst das Vertrauen.
    Ich werde beispielsweise keine Weißwürste mehr aus Bayern konsumieren, weil die jetzt den Insektendreck untermischen. Das macht mein Fleischer nicht und darum kaufe ich da bei ihm. Ich vertraue.

    In der Politik haben die „Blockparteien“ sämtliches Vertrauen mittels ihres „Spitzenpersonal“ versiebt. Da kann ich erst wieder sowas, wie Vertrauen fassen, wenn diese Leute nicht mehr in Funktionen sind.

    Aus die Maus.

  • Die Altparteien zeigen keine Einsicht , Hauptsache man bedient sich selber am meisten .
    Dann muss die AfD regieren 👍

  • Sehr richtig!
    Substanzfreies ideologisches Gekeife zur Verteufelung der einzigen Oposition und weiter auf dem Weg zum Sozialismus bedeutet den sicheren Untergang des Landes.
    Das wollen die meisten Leute nun mal nicht.

  • Wohltuender Gegensatz des DM-GF zum woken Unfug der Rossmann-Truppe („Raoul Roßmann will Björn Höcke nicht in seiner Firma haben“).
    Für mich ist klar, dass ich gerne zu DM gehe und einen Bogen um Rossmann mache.

  • Wenn diese Regierung meint, sie könne mit Merz, Bas, Schneider, Klingbeil und ihren Ankündigungen, Nörgeleien und Empfindsamkeiten das Volk noch mitreißen, dann haben sie den Knall nicht gehört. Wenn das Volk das Gefühl hat, Bürger zweiter Klasse im eigenen Land zu sein, dann wendet es sich ab.

  • Ein Mann aus dem Leben der Realität.

    Fehler eingestehen Fehler erkennen. Fehler korrigieren und Weichen neu stellen.

    Im Grunde hatten das alle Kanzler bis zu Merkel drauf.

    Mit Merkel, Scholz und nun Merz ging und geht es auf fast allen Ebenen nur bergab…

    Und dem ganzen ideologisch gesteuerten linksgrünen Irrsinn – einschließlich CDU – folgt der Wähler kaum mehr.

    Die Zukunft gehört der AFD!

    Das politische Establishment ist quasi degeneriert, unfähig und unwillig , das Ruder neu zu justieren…

  • „Nach einer Bundestagswahl muss eine Koalition gebildet werden.“

    NEIN!
    Das hat erst das Merkel eingeführt!

    • Tip:
      Erst informieren dann schreiben.
      (Viel) früher war die FDP Züglein an der Waage.
      1966er gab es eine CDU/CSU & SPD Koalition mit
      Kiesinger und Willy Brandt.
      Die kam zustande weil die CDU/FDP Koalition platzte.

  • Die großen und wichtigen Themen, die den Wählern unter den Nägeln brennen, erwähnt er nicht.

  • „So fordert der Unternehmer unter anderem längere Legislaturperioden von sechs Jahren…“

    So ein Naivling, man stelle sich vor CDU-Lügen-Kanzler Merz hätte 6 Jahre Zeit uns 6x im Sommer den „Herbst der Reformen“ anzukündigen, also vorzugaukeln, also effektiv 6 Jahre lang nichts zu tun außer operettenhaftes Medien-Theater aufzuführen und Wähler und Verbündete zu beleidigen…
    Ich dagegen fordere eine Legislatur von 2 Jahren, weil den Plan haben die ja in der Opposition erarbeitet, oder Herr Merz? Boar, was für eine unsägliche Gestalt dieser August, äh Friedrich…

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