Werbung:

Werbung:

Meinungsfreiheit

Südkorea verabschiedet Gesetz gegen „Fake-News“: Bei Missachtung drohen Strafen von bis zu 580.000 Euro

Südkorea will künftig drastisch gegen angebliche Desinformation vorgehen: Medien und reichweitenstarke Influencer müssen bei vorsätzlicher Verbreitung falscher Inhalte mit hohen Geldstrafen und Schadenersatz bis zum Fünffachen des Schadens rechnen.

Südkoreas Präsident Lee Jae-myung (IMAGO/Anadolu Agency)

Werbung

Südkorea hat ein weitreichendes Gesetz gegen die Verbreitung von Falschinformationen in Kraft gesetzt. Künftig drohen Medienhäusern sowie reichweitenstarken Influencern empfindliche Sanktionen, wenn sie falsche Inhalte verbreiten und daraus wirtschaftlichen Nutzen ziehen. In besonders schweren Fällen können Schadenersatzforderungen bis zum Fünffachen des entstandenen Schadens geltend gemacht werden; zudem sind Geldstrafen in erheblicher Höhe vorgesehen.

Als rechtlich relevante Falschinformation gelten dabei solche Inhalte, bei denen der Verbreitende deren Unrichtigkeit oder Manipulation kennt und gezielt handelt – sei es mit dem Vorsatz, anderen zu schaden, oder um sich einen unlauteren Vorteil zu verschaffen. Voraussetzung ist zudem, dass hierdurch Rechte wie das Persönlichkeitsrecht oder Vermögensinteressen beeinträchtigt werden oder das Gemeinwohl betroffen ist. Nicht erfasst sind hingegen satirische oder parodistische Darstellungen.

Ebenso bleiben nicht öffentliche Kommunikationsformen, etwa private Nachrichten oder Chats auf Plattformen, vom Anwendungsbereich des Gesetzes ausgenommen. Missachtet jedoch ein Online-Informationsanbieter rechtskräftige gerichtliche Entscheidungen und verbreitet trotz entsprechender Feststellungen wiederholt Falschmeldungen – konkret mindestens in zwei weiteren Fällen – drohen empfindliche Sanktionen. In solchen Konstellationen kann eine Geldstrafe von bis zu einer Milliarde Won verhängt werden, was umgerechnet über 580.000 Euro entspricht.

Im Zentrum der Reform steht die Annahme, dass sich Desinformation im digitalen Raum schneller und kostengünstiger verbreitet als verlässliche Informationen. Ein konkreter Auslöser für die Verschärfung war unter anderem ein Fall aus dem Jahr 2025, bei dem ein YouTuber mithilfe gefälschter Chatverläufe und KI-generierter Audiodateien den Ruf eines bekannten Schauspielers massiv beschädigte. Solche Fälle sogenannter „Cyber-Zerstörer“, die gezielt Aufmerksamkeit und Einnahmen über verleumderische Inhalte generieren, hätten in Südkorea zugenommen.

Das Gesetz richtet sich insbesondere gegen „gewinnorientierte Informationsverleger“, die innerhalb eines kurzen Zeitraums wiederholt falsche oder manipulierte Inhalte veröffentlichen. Gleichzeitig werden große Plattformen verpflichtet, Meldesysteme einzurichten und auf Beschwerden zu reagieren. Über Streitfälle sollen letztlich Gerichte entscheiden.

Lesen Sie auch:

Politisch ist das Gesetz hoch umstritten. Kritiker sehen in unklaren Begriffen wie „falsch“ oder „schädlich für die Öffentlichkeit“ ein Einfallstor für staatlichen Einfluss. Journalistenverbände warnen vor einem „unvermeidbaren abschreckenden Effekt“, der zu Selbstzensur führen könne. Auch internationale Beobachter äußern Bedenken, dass wirtschaftlicher Druck auf Plattformen zu übermäßiger Inhaltslöschung führen könnte.

Die Regierung verteidigt das Vorhaben hingegen als notwendigen Schritt zum Schutz der öffentlichen Ordnung. Präsident Lee Jae-myung betonte, das gezielte Streuen von Desinformation sei kein von der Meinungsfreiheit gedecktes Verhalten: Vielmehr müsse dies „aufgedeckt und streng bestraft werden“. Zugleich verspricht die Regierung, legitime Kritik und unterschiedliche Meinungen weiterhin zu schützen.

Werbung

Kommentar schreiben

Strafbare Inhalte, Beleidigungen oder ähnliches sind verboten (hier unsere Kommentar-Richtlinien). Kommentare sind auf maximal 1.000 Zeichen limitiert.

Ohne Account kommentierenKein gesicherter Name, von jedem frei wählbar

Mit Account kommentieren Ihr Nutzername für Sie gesichert & einmalig

Anmelden ›Kostenlos registrieren

17 Kommentare

  • …das wird böse enden.

  • Von VdL lernen oder so.
    Mal schauen was da abgehen wird.

  • Wie sieht das denn im Wahlkampf aus? Wäre so ein Gesetz, sollte es auch in Deutschland eingeführt werden, ein Problem für Merz?

  • Wohl zu viel Nordkorea in Südkorea? Beängstliche Entwicklung weltweit.

  • Die Unterschiede zu Nordkorea waren immer schon gering. Jetzt geht man noch mehr aufeinander zu.

  • Wer definiert dort, was Falschinformationen sind. Haben die Koreaner auch Wirdemokraten?

  • Die Kopie des Gesetzes ist schon in Arbeit

  • Man muss dazu allerdings auch sagen, dass gerade die südkoreanische Fan-„Kultur“ dermaßen bösartige Fake-News erstellt (im Artikel ist auch ein Schauspieler als Beispiel genannt), damit schon Karrieren zerstört, bzw. beschädigt und bspw. Menschen bis zum Selbstmord getrieben wurden.

  • Aha, Nord und Südkorea unterscheiden sich also nicht ganz so wie gedacht!

  • Ich garantiere Redefreiheit!
    Nicht garantieren kann ich die Freiheit NACH der Rede.

  • Und ich dachte in Nordkorea sitz der Despot.

  • Und, haben sich Dobrindt und die ungewählte EU-Kaiserin schon die deutsche Übersetzung besorgt?

    Diese aufmüpfigen Untertanen müssen doch endlich kleinzukriegen sein!

  • Und Kim im Norden denkt sich: Cool! Was von Seiten der DDR in Deutschland und der ihr angeschlossenen EU funktioniert hat, klappt auch hier! Wir unterwandern den Süden einfach mit diesem Blödsinn und die gleichen sich nach und nach uns an! Damit ist bewiesen: Unser System ist doch das bessere….

  • Die Wiedervereinigung Nord und Südkoreas schreiten rasch voran.

  • Dann steht ja einer Wiedervereinigung mit Nordkorea bald nichts mehr im Weg.

  • Damit wären unsere ÖRR Sender Geschichte.Die verbreiten ja nur noch Fake News.

  • …..in Deutschland würde dieses Gesetz den Öffentlich-rechtlichen Rundfunk zum erliegen bringen …..( zwinker )

Werbung