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Machtfrage über die Wahrheit

Markus Lanz will Daniel Günthers Zensur-Äußerungen verschwinden lassen und seine Zuschauer dazu bringen, ihre eigene Wahrnehmung zu vergessen – der Feind ist jetzt die eigene Mediathek.

IMAGO/teutopress

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Die mediale Öffentlichkeit scheitert aktuell daran, sich einen fünfminütigen Ausschnitt aus einer Markus-Lanz-Sendung tatsächlich einmal anzusehen. Kurze Schnipsel und große Meinungsgeschütze werden aufgefahren, eine gemeinsame und ja so einfache Wahrheit, was man in diesen Sekunden sehen kann, gibt es schlicht nicht. „Ich habe das Gespräch geführt, hat er alles nicht gesagt, Fake News“, schießt Lanz der wenig vorbereiteten Beatrix von Storch entgegen, als sie Günther Zensur-Fantasien vorgeworfen hatte. Dasselbe Manöver wählt Lanz einen Tag später wieder in der Sendung.

Ironisch, wie klar er selbst betreibt, was er anderen vorwirft. Er spielt eine Videosequenz ein, in der nicht zu sehen ist, wie Daniel Günther sich explizit auf Nius bezieht – und will es so darstellen, als hätte Günthers Äußerung gar nichts mit Zensur zu tun gehabt. Würde man sich die gesamten fünf Minuten ansehen, in denen es um dieses Thema geht, würde man feststellen: Zweimal fällt das Wort Nius, und in der Frage, auf die Daniel Günther mit „Ja“ antwortet, geht es ganz eindeutig um die Zensur von wie auch immer gearteten Meinungen und Berichten und offensichtlich nicht um Altersbeschränkungen auf Social Media. Wenn Sie es genau wissen wollen, haben wir das Ganze hier einmal minutiös aufgearbeitet – oder Sie schauen sich einfach die Sendung selbst an.

Natürlich ist es schwammig, was Günther ganz genau meint und sagen will, was allerdings vor allem daran liegt, dass Günther es selbst nicht weiß. Er ist ja nicht mit einer durchdachten Forderung in diese Sendung gegangen, sondern hat sich in etwas hineingeschwurbelt. Man könnte sagen, er hat in einem unachtsamen Moment seine wahre Geisteshaltung offenbart, was er kurze Zeit später selbst gemerkt und eilig aber wenig erfolgreich zu kaschieren versucht hat. Ganz klar ist aber, dass es Günther mit „Portalen wie Nius“ zu weit geht und er diffuse Zensurmaßnahmen begrüßen würde.

Markus Lanz spielt ein Spiel, das ist das eine. Doch während er selbst knietief im PR-Blut des Schnipsel-Krieges watet, will er auch noch hochmoralische Sprüche über angebliche Fake-News-Schleudern wie Nius klopfen. Er hätte gleich auch noch sagen können, Daniel Günther wäre überhaupt nicht im Studio gewesen. Schließlich muss er es ja wissen, er war ja da. Und Ozeanien ist auch nicht im Krieg mit Eurasien.

Das Zerklüften der medialen Landschaft, das Fehlen einer gemeinsamen Faktengrundlage ist nicht neu, hier aber besonders absurd – denn es geht um keine sonderlich abstrakten Fakten, sondern um fünf Minuten Videomaterial, die man sich einfach mal angucken könnte. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk eine Vorliebe dafür hat, die individuelle Wahrnehmung seiner Zuschauer unter dem Schimpfwort „anekdotische Evidenz“ zu bekämpfen, ist bekannt – folgerichtig wird jetzt auch die individuelle Wahrnehmung einer Fernsehsendung selbst infrage gestellt. Das ZDF will nicht nur senden, sondern seinen Zuschauern auch noch sagen, wie sie es verstehen müssen.

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Es ist nichts anderes als eine Machtfrage, die man hier stellen will, eine Machtfrage über eine einfache Wahrheit. Es ist auch die Machtfrage eines Journalismus, der den Menschen weniger zeigen will, was ist, sondern es ihnen erklären möchte. Ein Journalismus, der seine Beiträge zunehmend so aufbaut, dass der Zuschauer es nur glauben oder pauschal bezweifeln es aber nicht selbst erkennen oder überprüfen kann.

Ähnlich lief es in der Affäre Brosius-Gersdorf: Als man die rechten Kampagnen als Übeltäter gefunden hatte, wurde systematisch versucht, die Äußerungen von Brosius-Gersdorf zu negieren und zu leugnen. Immer wieder sendete man ein Urteil, wie die Äußerungen von Brosius-Gersdorf zu verstehen wären, selten aber wurden sie einfach mal gezeigt. Eine besonders beliebte Methode ist das pauschale Abstreiten von Vorwürfen als „Lüge“, ohne überhaupt nur zu benennen, was genau gelogen sein soll.

Im ZDF kann man live dabei zusehen, wie der Sender versucht, eine neue Wahrheit in die Köpfe seiner Gäste und Zuschauer einzupflanzen. Der Versuch ist so merkwürdig, weil er so durchschaubar ist. Wesensmerkmal von Propaganda ist, dass sie sich permanent selbst überholt – ihr größter Feind ist das eigene Archiv. Fernsehen, das gegen die eigene Mediathek kämpfen muss, fällt das Urteil über sich selbst.

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11 Kommentare

  • Die Wahrheit ist bei den Qualitätsmedien von ARD und ZDF mittlerweile ein Begriff „rechter Kampagnen“.

  • Ich bezahle das nicht mehr.Schon mehrere Jahre.
    Erst diese Woche kam wieder ein Brief des ÖRR. Ungeöffnet in den Müll.
    Wehrt euch, macht das nicht mehr mit.
    Wir sind mehr.

  • „[…] [I]hr größter Feind ist das eigene Archiv. Fernsehen, das gegen die eigene Mediathek kämpfen muss, fällt das Urteil über sich selbst.“
    Wer sagt denn, daß die Videodatei NICHT NACHTRÄGLICH an die „neue“ Wahrheit angepaßt wird?
    Nachträglich Schnitte – und wenn es ganz dumm läuft, weil es mit Schneiden nicht ausreicht, nachträgliche gescriptete Reality mit erneut all den gleichen Protagonisten (natürlich alle in derselben Kleidung wie zur Urfassung!) aufgezeichnet und in die Urfassung hineinkopiert!
    Zu weit hergeholt? Vielleicht – vielleicht aber auch nicht!

    • Inzwischen traue ich meinen eigenen Augen und Ohren nicht mehr. Ich habe mir die Gesprächspassage mehrfach angehört. Auf YT und bei Nius. Man sollte meinen, dass da ein klares Urteil möglich ist, was gesagt und gemeint wurde. Aber den Meinungsmachern von links und von rechts ist es gelungen, so viel interpretatorischen Nebel zu versprühen, dass die Wahrheit nicht mehr erkennbar ist. Günther hat sich definitiv für Zensur ausgesprochen, was schon ein Grund sein müsste, dass er zurücktritt. Aber ob er in dem Moment an News oder Tiktok gedacht hat, wird vielleicht nicht mal mehr er selbst sagen können.

      • die UNO fordert und arbeitet an zensur weltweit.

        die EU nimmt diese forderungen auf, und zensiert darueberhinaus auf eigener basis EU-weit.

        in nahezu allen europaeischen laendern existieren mittlerweile verschiedenste formen der zensur, die unterschiedliche bereiche und personen betreffen.
        auch medien aller art.

        guenther befindet sich also in einem umfeld, wo seine gesinnung maximal erwuenscht ist.
        er wird deshalb kaum freiwillig zuruecktreten, und seitens der politik auch davor bewahrt werden.

        sollte er es doch tun, ist er nur ein bauernopfer fuer die herrscherklasse.
        sein nachfolger wird dieselbe gesinnung haben, sie aber vielleicht nicht mehr so offen aeussern.

    • KI macht vieles möglich. Gibt es Lanz als Person überhaupt?

    • Gestern geschaut, ist alles noch da in der Mediathek 🤗

  • Der ÖRR Journalismus wird Weltweit enormen Schaden nehmen.
    Lanz und Co. denken das Bürger nur bis 1 zählen können.
    Das Internet vergisst nichts so schnell.

    Und die Guten von Apollo News können gemütlich
    National und International mit NIUS Punkten.

    Gratulation, so geht Journalismus und echte Demokatie.
    Danke an Herr Mannhart und sein Team.

  • Der Komplex ÖRR ist nicht reformierbar. Die Altparteien kontrollieren den ÖRR durch die Aufsichtsräte. Lanz bekam nach der Sendung ein intensives Gespräch. Im Gegenzug wird der ÖRR alles medial aufbieten damit sein Geschäftsmodell, die Zwangsgebühren nicht in Gefahr sind. Die Gefahr kommt bekanntlich von RÄCHTS.

  • Die Wahrheit ist rechts. Deshalb muss sie bekämpft werden.

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