Der Freistaat Bayern hat die umstrittenen Lobbygeschäfte des heutigen Kulturstaatsministers im Kanzleramt, Wolfram Weimer, stärker unterstützt als bisher bekannt. Das zeigen Unterlagen, die Markus Söders Staatskanzlei geheim halten wollte. Dagegen setzte sich Apollo News erfolgreich vor Gericht zur Wehr.
Nach einem monatelangen Eilverfahren zwang der Bayerische Verwaltungsgerichtshof die Staatsregierung dazu, uns gegenüber offenzulegen, wen sie auf Steuerzahlerkosten bei dem von der Weimer Media Group veranstalteten Ludwig-Erhard-Gipfel zu einer exklusiven Abendveranstaltung empfangen hat. Diese Gästeliste zeigt: Zugang zum Staatsempfang erhielten auffallend häufig Unternehmen und Verbände, die zuvor hohe Summen an Weimers Firma gezahlt hatten.
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Mit den Staatsempfängen, die Bayerns Regierung in den Jahren 2022 bis 2025 bei dem kommerziellen Wirtschafts- und Politiktreffen am Tegernsee ausgerichtet hat, machte die Weimer Media Group stolz Werbung für ihr Geschäftsmodell. Es besteht darin, Wirtschaftsverbänden und Unternehmen Präsenz auf der Tagung sowie Zugang zu Spitzenpolitikern zu verkaufen.
„Eine besondere Ehre zum Start des Ludwig-Erhard-Gipfels“, titelte das Verlags- und Veranstaltungsunternehmen, das damals noch zur Hälfte Wolfram Weimer und zur anderen Hälfte seiner Frau gehörte, 2025 in einer Broschüre. Daneben prangte das Wappen des Freistaats. „Mit einem Empfang der Bayerischen Staatsregierung rund um den Schirmherren des Ludwig-Erhard-Gipfels und Bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Markus Söder (CSU) wird der Gipfelauftakt gekrönt.“
Im Fokus des exklusiven Abends stünden „Gespräche und Vernetzung auf hohem Niveau“, hieß es in der Broschüre der Weimer Media Group weiter. Der Staatsempfang „bildet inzwischen eine feste Größe im Terminkalender der hochkarätigen Entscheider und Vordenker, um den Geist der Konferenztage am Tegernsee zu erleben.“
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Für Söder war das Thema damit erledigt. Doch seine scharfe Reaktion wirft Fragen auf: Wie hat dieses Anbieten von Kontakten über den Staatsempfang funktioniert? Und weshalb hat der Freistaat damit über vier Jahre hinweg die privaten Netzwerkgeschäfte der Weimer Media Group unterstützt?
Wir wollten daher bereits im Januar von seiner Staatskanzlei wissen, wer die Gäste der bei Weimers Gipfel ausgerichteten Staatsempfänge waren, zu denen man laut Programm nur „auf gesonderte Einladung“ Zutritt hatte. Erst nachdem wir unseren Auskunftsanspruch per Eilantrag in zweiter gerichtlicher Instanz durchsetzen konnten, erhielten wir die Teilnehmerliste von 2025. Aus den Jahren davor gebe es keine solche Liste, behauptet die Staatsregierung.
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Diese jüngste Teilnehmerliste des Gipfel-Staatsempfangs am Abend des 7. Mai 2025 ist allerdings schon aufschlussreich. Auf ihr stehen 212 Namen. Es sind nur die tatsächlich erschienenen Gäste, eingeladen waren der Weimer Media Group zufolge rund 250 Personen. Offiziell war für die Einladungen die bayerische Staatsregierung zuständig. Doch die räumt gegenüber Apollo News ein, dass sie die meisten Namen nicht selbst ausgewählt hat.
Es sei „üblich und selbstverständlich, dass Gästelisten für Empfänge der Bayerischen Staatsregierung, die aus einem bestimmten Anlass gegeben werden, anlass- und themenbezogen sind“, antwortete Söders Sprecherin auf die Frage, wer die Gäste vorgeschlagen und über ihre Einladung entschieden hat. „Auch bei den angefragten Staatsempfängen setzte sich der Hauptanteil der Gästeliste aus Tagungsteilnehmern/Tagungsgästen zusammen.“
Das ist eine ausweichende Antwort, die allerdings klarmacht, dass nicht der offizielle Gastgeber, der Freistaat Bayern, sondern der private Gipfelveranstalter, die Weimer Media Group, den Großteil der Gästelisten bestimmt hat.
Die Liste von 2025 legt einen bemerkenswerten Zusammenhang nahe. Denn bei der Auswahl derjenigen Gipfelteilnehmer, denen die „besondere Ehre“ zuteil wurde, von der Bayerischen Staatsregierung empfangen zu werden, hat Wolfram Weimers Familienunternehmen diejenigen bevorzugt, die genug Geld zahlten. Das geht aus einem Abgleich der Teilnehmerliste des Staatsempfangs mit der Liste der Sponsoren des Ludwig-Erhard-Gipfels hervor.
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Michael Finkler, Geschäftsführer des Mittelstandsdigitalisierers Proalpha, war gemeinsam mit mehreren Kollegen beim Ludwig-Erhard-Gipfel 2025. Sein Unternehmen taucht auch in der Sponsorenliste als „Partner“ des Gipfels auf. „Wir hatten bei der Weimer Media Group ein Paket gebucht, das einen Stand, die Teilnahme an einer Podiumsdiskussion, Gipfeltickets für unsere Geschäftspartner und Kunden sowie den Zugang zu allen drei Abendveranstaltungen beinhaltete“, sagte Finkler zu Apollo News. Die erste dieser Abendveranstaltungen war der Staatsempfang. Auf der Teilnehmerliste stehen Finkler und ein Kollege.
Ein Kenner des Ludwig-Erhard-Gipfels bestätigte uns, dass Proalpha kein Einzelfall war, sondern dass der Staatsempfang Teil des Vermarktungssystems gewesen sei. Wer kein „Partner“-Paket für mehrere Zehntausend Euro buchte, sondern nur ein normales Gipfelticket (drei Tage für 2.595 Euro), erhielt in der Regel keinen Zugang zum Staatsempfang. Dies legt auch die Gästeliste nahe, die uns die Bayerische Staatsregierung zur Verfügung stellen musste.

Standard-Kooperationspakete hat die Weimer Media Group zuletzt für 40.000, 60.000 und 80.000 Euro angeboten. Um nicht nur als „Partner“, sondern als „Member“ des Gipfels aufzutreten, waren im Regelfall wohl noch höhere Beträge fällig. In der Gipfel-Broschüre von 2025 sind elf Unternehmen als „Member“ aufgelistet: vom Zigarettenkonzern British American Tobacco über den Pharmariesen Sanofi bis zum Autohersteller Audi und der Eon-Tochter Westenergie. Die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw), ein branchenübergreifender Lobbyverband, wird als „Co-Veranstalter“ des ersten Konferenztags genannt.
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Diese zwölf Top-Sponsoren sind fast alle auf der Teilnehmerliste des Staatsempfangs vertreten – und zwar mit auffallend vielen Personen. Bayern Innovativ, eine landeseigene Wirtschaftsfördergesellschaft, die für den Ludwig-Erhard-Gipfel 2025 ein „Member“-Paket zum Preis von 165.000 Euro gebucht hatte, war laut der Liste gleich mit sieben Gästen beim Staatsempfang.
Der Wirtschaftsverband vbw taucht darauf mit sechs Namen auf. Als Kooperationspartner des Ludwig-Erhard-Gipfels durfte er außerdem noch weitere Gäste des Staatsempfangs benennen. Das räumt der Verband auf Anfrage von Apollo News ein. „Über diese Möglichkeit haben wir uns gefreut, bietet die Teilnahme an einem solchen Empfang doch eine Plattform für die unternehmerische und politische Vernetzung“, teilte der vbw-Sprecher Andreas Ebersperger mit. Wie viel Geld dafür an die Weimer Media Group geflossen ist, wollte er nicht verraten. „Das finanzielle Engagement ist eine interne Angelegenheit, die wir nicht kommentieren.“
Auch der französische Vermögensverwalter Amundi zählt mit sechs Gästen zu den Top-Firmen auf der Teilnehmerliste des Staatsempfangs – und als „Member“ gleichzeitig zu den Top-Sponsoren des kommerziell ausgerichteten Gipfels. Der Pharmakonzern Sanofi, ebenfalls „Member“, war mit vier Teilnehmern Gast des Freistaats.
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Das einzige „Member“-Unternehmen, das nicht auf der Gästeliste des Staatsempfangs auftaucht, ist der zum Eon-Konzern gehörende Strom- und Gasversorger Westenergie. Er zählt seit Jahren zu den wichtigsten finanziellen Unterstützern des Ludwig-Erhard-Gipfels. „Wir hatten geprüft, ob eine Teilnahme eines Vertreters unseres Unternehmens möglich ist. Das ließ sich in diesem Fall nicht darstellen“, antwortete ein Westenergie-Sprecher auf die Frage, weshalb kein Unternehmensvertreter die Einladung zum Staatsempfang wahrgenommen habe. Damit bestätigte er indirekt, dass Westenergie eingeladen war.
Auch von den übrigen Unternehmen und Verbänden, die in der Broschüre von 2025 als „Partner“ des Gipfels genannt werden, sind auffallend viele beim Staatsempfang vertreten gewesen: 27 von 38, das sind mehr als 70 Prozent. Auch andersherum betrachtet ist der Zusammenhang offensichtlich. Von den 212 Personen auf der Teilnehmerliste lassen sich mehr als die Hälfte Sponsoren des Ludwig-Erhard-Gipfels zuordnen. Wie hoch genau dieser Anteil ist, bleibt unklar. Denn die Angaben der Staatskanzlei waren unvollständig. Bei einigen Namen auf der Liste fehlte die Organisation, der die Person angehört. Anhand von LinkedIn-Profilen und anderer Veröffentlichungen konnten wir die fehlende Zuordnung nur teilweise rekonstruieren. Zudem ist unbekannt, wie viele und welche Gäste über den Top-Sponsor vbw kamen, der neben seinen eigenen Leuten noch weitere Personen auf die Gästeliste setzen durfte.
Zu den offiziell von der Bayerischen Staatsregierung eingeladenen Gästen des Empfangs zählte auch der Betreiber mehrerer McDonald’s-Restaurants in München und Umgebung. McDonald’s Deutschland war „Partner“ des Ludwig-Erhard-Gipfels 2025. Der ursprünglich im Programm angekündigte Chef des deutschen Ablegers der US-Burgerkette hatte wohl keine Zeit. Denn statt ihm diskutierte beim Ludwig-Erhard-Gipfel schließlich sein Pressesprecher mit anderen CEOs zum Thema „Zukunft Deutschland: Wie kommt unsere Wirtschaft wieder in Fahrt?“ Gesprächsanfragen von Apollo News ließen sowohl der McDonald’s-Sprecher als auch der Franchisenehmer aus Bayern, der zum Staatsempfang durfte, unbeantwortet.
Auf der Teilnehmerliste des Staatsempfangs ist neben British American Tobacco ein weiterer internationaler Tabakkonzern prominent vertreten: die Deutschlandtochter von Philip Morris mit insgesamt vier Personen. Darunter ihr Cheflobbyist, der frühere SPD-Ministerpräsident von Schleswig-Holstein und heutige Geschäftsführer der Philip Morris GmbH Torsten Albig. Anders als der Konkurrent British American Tobacco, der aus seiner finanziellen Unterstützung des Ludwig-Erhard-Gipfels keinen Hehl machte und in der höchsten Sponsorenkategorie als „Member“ genannt wurde, tauchte Philip Morris in der öffentlichen Unterstützerliste 2025 nicht auf. Auf unsere Fragen dazu reagierte das Unternehmen nicht. Beim Ludwig-Erhard-Gipfel 2026 prangte das Philip Morris-Logo ganz oben auf der Sponsorenwand.
All dies wirft ein neues Licht auf Markus Söders Entscheidung, sich vom Gipfel zurückzuziehen und den Staatsempfang in diesem Jahr abzusagen. Die Weimer Media Group, aus der sich Wolfram Weimer im Zuge des Skandals um die Vermarktung politischer Kontakte vorübergehend als Gesellschafter zurückgezogen hat, nutzte die Staatsempfänge offensichtlich dazu, um ihr Geschäft weiter anzukurbeln. Jetzt ist der Bayerische Landtag gefragt. Für einen Untersuchungsausschuss zum Ludwig-Erhard-Gipfel hat sich bislang nur die AfD-Fraktion ausgesprochen. Aber auch aus den Reihen der Grünen und der SPD kamen reihenweise kritische Fragen, die noch nicht ausreichend beantwortet sind.
Freund werden
Freund von Apollo News werden
Die beste Regierung, die man für Geld kaufen kann? 😉
Unsere Demokraten und ihre Demokratie.
Was hätte wohl Ludwig Erhard zu diesem Treiben gesagt?
Wenn das der Marlboro-Mann wüsste…
Ein einziger Bereicherungssumpf. Danke für die weiteren Recherchen. Auch Merkels Peter Tauber (Niete als Staatssekretär im Verteidigungsministerium bzw. Generalsekretär CDU) trat bei diesem Bereicherungsgipfel auf.
Nein, nein. Eine evt. Verteuerung der Produkte oder Dienstleistungen der „Partner“ oder „Member“ durch die aberwitzigen Teilnehmerbeiträge lässt sich nicht darstellen.
Der Vermögenszuwachs der Familie Weimer schon.
Kurzfassung: Bananenrepublik Deutschland.
Was regt ihr euch bei AN denn so künstlich auf über ein paar „Eintrittskarten“ für ein paar Staatsempfänge – das ist doch Pillepalle.
Wenn der von „Gott Auserwählte“ aus Mar-a-Lago sich einen Jumbo von den Kataris schenken läßt oder sonst krumme Geschäfte macht, dann findet ihr das doch immer so toll, dann ist das ein „Macher“ für euch.
Und wenn ihr 100 Artikel über diesen Weimer hier reinstellt, der Typ bleibt weiter im Amt.
Warum hat Merz diesen Vogel nicht schon längst entlassen?
Er muss ihm sehr verbunden sein.
Man könnte fast geneigt sein zu zitieren: “… aus Scheiße Geld machen …“.