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Wie die CDU eine Wahl verlor, die man eigentlich gar nicht verlieren konnte

Die CDU sah Manuel Hagel schon als Ministerpräsidenten – dieser sicher geglaubte Erfolg ist jetzt verspielt. Woran hat es gelegen? Eine einfache Antwort gibt es nicht. Klar ist: Die Union war gerade im Vergleich zu Özdemir zu blass.

IMAGO/Wolfgang Maria Weber

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Aufholjagden sind etwas besonders Spannendes in der Politik – und die Aufholjagd, mit der Cem Özdemir sich am heutigen Sonntag zum Wahlsieger gekrönt hat, hat schon fast etwas Historisches. Noch am Jahresanfang rechnete selbst bei den Grünen keiner mehr mit einem Wahlsieg in Baden-Württemberg – und bei der CDU war man siegessicher.

Zu siegessicher, wie sich jetzt zeigt und man auch in der Partei schon moniert. 31,5 Prozent für die Grünen, 30,5 Prozent für die CDU, sagt das ZDF. In der ARD-Prognose ist der Vorsprung der Grünen noch viel deutlicher.

Welche Rolle die Schmutzkampagnen der Grünen in den letzten Tagen („rehbraune Augen“) dabei gespielt haben, kann man nicht sicher sagen – es wäre aber sicherlich zu einfach, die Niederlage der CDU bloß darauf zu schieben.

Özdemir schaffte es, die größtmögliche Distanz zwischen sich und seiner Partei zu bringen. Schon auf den Wahlplakaten war das geradezu minimalistisch kleine Parteilogo kaum zu sehen, während ein übergroßer Özdemir die Sonnenblume überstrahlte. Symbolisch für einen Wahlkampf, bei dem man sich zwischendurch schon fragen musste: Für wen kandidiert dieser Özdemir eigentlich?

Das Verbrenner-Verbot ab 2035 lehnte er klar ab. Offen kritisierte Özdemir den grundsätzlichen Kurs seiner Partei – man müsse „nicht jeden Lebensbereich regeln“, mahnte er etwa in Interviews. „Beim Klimaschutz müsse man etwa zuallererst die Akzeptanz in der Bevölkerung in den Blick nehmen“, sagte er der Zeit. Teilweise waren die Absetzungsbewegungen Özdemirs von seinen Berliner Parteifreunden geradezu brutal laut: „Hier stehen die Grünen Baden-Württembergs zur Wahl. Nicht die Grünen in Berlin oder anderswo“, betonte er ganz bewusst im Fernsehen.

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Mit seiner Linie konnte er auch vom Nimbus Winfried Kretschmanns profitieren und stellte sich geradezu aggressiv in dessen Fußstapfen. Özdemir schlug Töne an, die man von Grünen so überhaupt nicht gewohnt ist – auch bei den Grünen selbst nicht. In der Bundespartei schimpfte man, Özdemir sei „beratungsresistent“. Und rümpfte die Nase, wenn der beliebte Spitzenkandidat eher „näher bei den Leuten“ als nahe an der linksgrün-orthodoxen Parteilinie sein wollte. Während die Partei insgesamt ziel- und profillos in den Umfragen nach unten dümpelt, gibt der Erfolg Özdemir recht: Grüne, die sich nicht als Grüne präsentieren, können noch Wahlen gewinnen.

Inwiefern das Auftreten des vermeintlichen Ober-Realos Özdemir eine Wählertäuschung war, wird sich zeigen. Es ist jedenfalls unwahrscheinlich, dass er beispielsweise einen Abschied vom Verbrenner-Verbot wirklich durchsetzen will oder wird. Auch unter dem Ober-Realo Kretschmann wurde schließlich immer noch grüne Politik gemacht – die Stromerzeugung im Land hat sich dank einer auch in Stuttgart radikal verfolgten Energiewende und dank des Atomausstiegs fast halbiert, das einstige Top-Land in puncto Schulbildung stürzt in den deutschen Rankings immer weiter nach hinten ab.

Der Wahlkampf der CDU derweil war uninspiriert und langweilig. Manuel Hagel war deutlich unbeliebter als sein Kontrahent und fiel eher wenig auf – und wenn, dann nicht mit klarer, konservativer Kante, sondern mit weichen Ecken und ab und zu sogar grünen Akzenten. Seine Warnungen vor dem „strahlenden Müll“ der Atomkraftwerke in der Wahlarena hätten von Ton und Inhalt her auch von Jürgen Trittin stammen können. Und wurde die Kritik an den Grünen dann doch deutlich, war sie immer auch etwas unglaubwürdig – immerhin regierte die CDU ja unter den Grünen mit.

Stetig schrumpfte der sicher geglaubte Vorsprung der CDU. Im Oktober 2025 lag die CDU 14 Punkte vor den Grünen – während Özdemir seinen Rückstand eilig aufholte, dümpelte die CDU einfach nur herum. Und das nicht nur in den Zahlen: Man war zu gemütlich geworden. Manuel Hagel fand kein Gegenmittel gegen diesen Trend.

Einen Persönlichkeitswahlkampf gegen den bekannten und beliebten Özdemir konnte der nette, aber doch etwas blasse Hagel nicht bestehen. Ein Profil hatte er im Vergleich zum Grünen nicht wirklich. Und dann war da noch der vor allem negative Trend aus dem Bund, wo die CDU unter Merz ihre Wähler nicht wirklich begeisterte.

Özdemir nahm eigentlich CDU-Positionen ein. Und das offenbar so glaubhaft, dass er der CDU das Wasser abgraben konnte. Die gewinnt zwar im Vergleich zu 2021, während die Grünen Verluste einfahren – doch darüber wird an diesem Abend kaum jemand sprechen. Denn all das tritt hinter der spektakulären Aufholjagd Özdemirs zurück.

Stellenabbau links und rechts: Eigentlich konnte die CDU diese Wahl im Angesicht der Lage im Land gar nicht verlieren. Sie hat es trotzdem geschafft. Die Suche nach einem Schuldigen läuft parteiintern schon. Doch bloße Fingerzeige auf Hagel werden bei aller berechtigten Kritik zu kurz greifen.

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94 Kommentare

  • Mein Wunschergebnis wenn es so bleibt. BaWü bekommt, was es verdient und auch den richtigen MP dazu. Jetzt genug Popcorn sichern und zuschauen, wie das Ländle im Eiltempo weiter den Bach runtergeht. Und das Stadtbild kommt bald auch in die Schickimicki-Gegenden. Das wird ein Spaß.

    • Hast 100%ig Recht.

      • Wie lange es wohl dauert, bis die BaWüs realisieren, dass sie ihren eigenen Untergang gewählt haben?

    • Die „Schickimicki Gegend“ hat allerdings im Gegensatz zu den weniger Betuchten, die Möglichkeit der Absetzung ins Ausland, wenn hier alles zusammenbricht.
      Kenne solche.
      Wohnen im teuersten Viertel in Düsseldorf, bekommen vom wahren Leben nichts mit und wenn sie mal durch Zufall hinter den Hauptbahnhof wo der Flixbus abfährt geraten, bekommen sie ob der dortigen Szene, einen
      Nervenzusammenbruch.
      Eine Wohnung in Toronto ist für den Fall der Fälle schon angdacht.
      Gewählt wird natürlich Grün!

      • Toronto würde ich als Fluchtmöglichkeit eher nicht nehmen. Kanada ist genau so crazy wie wir und noch weiter fortgeschritten, was den allgemeinen Verfall anbelangt. Robert liegt mit Dänemark schon besser.

        • Wenn ich nicht zu alt wäre würde ich mich für Madeira entscheiden.

          7
      • Der kleine Michel lernt halt erst, wenn’s weh tut, also so richtig weh…

    • Lernen durch Schmerzen. Vielleicht haben Sie recht.

  • „Es kommt nicht darauf an, wer wählt, sondern wer die Stimmen zählt.“

    Dieses Zitat wird Stalin zugeschrieben, doch wer kann das schon genau sagen?

    • sonst wird gewählt, bis das Ergebnis passt.
      aber, macht es einen Unterschied welche
      unserer „demokratischen Parteien“ regiert ?

      • BW hat seine Henker gewählt. Ich wünsche euch Arbeitslosigkeit, Mobilität mit Eseln und Lastenrädern. Ach und deckt eure Dächer ab, damit ihr im Wohnzimmer ein gemeinsames Lagerfeuer anzünden könnt um Tofu zu fressen. Herzlichen Glückwunsch !

        • im Wohlstand vernichten nehmen sich CDU und Grüne nichts ?

          20
    • Dann müssten sich genug Leute als Wahlbeobachter oder noch besser als Wahlhelfer engagieren. Die Helfer werden aber Monate vorher rekrutiert, das muss man im Vorfeld planen.

      • so ist es.
        und vor jeder wahl habe ich das oft genug *gepredigt*, und sogar den passenden link der wahlbeobachtung beigefuegt.
        stiess meist auf desinteresse.
        was soll man da noch sagen?
        offensichtlich ist es den wahren demokraten den einsatz nicht wert, weil vom sofa jammern und klagen und anderen die schuld zuschieben einfacher ist.

        • Betrachten wir es als Testlauf für die kommenden LT-Wahlen.
          Wahlhelfer > Wahlbeobachter, weil mitten drin statt nur dabei.

          3
    • Absolut richtig. Die rechnen sich das so zusammen, dass bei allen wieder und wieder genug Geld für den NGO-Sumpf da ist. Es ist eigentlich absolut egal, wer gerade den Hausmeister gibt. Solange das gemeinsam Trinkgeld stimmt…

  • Hurra, ein Wahlsieg für die Nationale Front. Die Menschen in BW haben die weitere Deindustriealisierung gewählt. Es ist der Fortschritt nach unten für weitere 4 Jahre gesichert.

    • Mich beschleicht geradezu der Eindruck, als wünschten sich viele Leute im Ländle die besten Ingenieure und frischesten eingewanderten Fachkräfte für den Bau von High-Tech Lastenrädern in den künftigen VEB Mercedes und Porsche.
      Aber ob die sich der durchschnittliche Sonnenblumenanbeter nach zehn Jahren Wartezeit überhaupt leisten kann?

    • Es sind 5 Jahre

  • Wieso hat die CDU die Wahl verloren?
    CDU und Grüne gehören zu einer Zerstörergruppe. Beide zusammen haben die Wahl gewonnen. Die Zeichen stehen gut, dass es das letzte Mal war.

    • Und ich denke, sie haben beide genau das Ergebnis, das sie sich erhofft haben.
      Geschickt taktiert und die Wähler sind darauf hereingefallen.

    • Als ich Hagel das erste Mal sah, da konnte ich es nicht versteh’n,
      ich dachte, der will mir bestimmt gleich ne Versicherung andreh’n…

    • In den 77 Jahren seit die BRD existiert, hat die CDU 50 Jahre lang die Regierung inne gehabt. Sie war es auch, die von Anfang an immer wieder die politischen Weichen gestellt hat. Somit ist diese Partei hauptverantwortlich für die gegenwärtige Situation (besonders die Dauerkanzler Kohl und Merkel) und auch dafür, daß die Grünen, die im Prinzip CDU-Politik mit „ökologischem“ Feigenblatt machen, es überhaupt soweit gebracht haben.

    • wieso sollte es das letzte Mal gewesen sein ?
      Erfolgreiche Politik wird immer wieder gewählt

  • Sehr geehrtes Apollo News-Team,
    ich möchte Sie auf besorgniserregende Inhalte aufmerksam machen, die aktuell auf X (ehemals Twitter) veröffentlicht werden. Einzelne Accounts geben an, Wahlzettel entweder zu entsorgen oder zu manipulieren, um Stimmen bestimmter Parteien ungültig zu machen. Solche Handlungen stellen eine ernsthafte Gefährdung demokratischer Prozesse dar.
    Hier die relevanten Links zu den Beiträgen:
    https://x.com/i/status/2030696206079291533⁠
    https://x.com/i/status/2030696748704809445⁠
    Ich halte es für dringend notwendig, dass über diese Vorfälle zeitnah berichtet wird, um das Bewusstsein für mögliche Untergrabungen des Wahlprozesses zu stärken.
    Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
    Mit freundlichen Grüßen

  • Tja – das CDU-Programm „wir machen da weiter, wo Kretschmann aufgehört hat“ war halt doch zu dünn…

    • Wer mit einer charismatischen Nullnummer wie Hagel an den Start geht, braucht sich nicht zu wundern. Und die Grünen hätten auch Spongebob aufstellen können, der wäre auch gewählt worden. Aber Özdemir als neuer MP das wird lustig, hihi.

      • Bald übernehmen die ausländischen Clans die Städte! Kommt so wie in Detroit!

  • Dabei wäre es so einfach, Koalition mit der AfD, satte Mehrheit. Will man aber nicht, also bitte nicht jammern.

    • Man kann noch nicht einmal damit drohen, um von der Grünen Zugeständnisse zu bekommen. Wenn die CDU nur einen Funken Restachtung hätte, entzöge sie sich einer Koalition.

  • Ich sehe jetzt zum ersten Mal ein Bild von Hagel. Ein Strahlemann wie Wüst (MP NRW) und auch genauso glattgeschliffen (Andienern nach der „Rehaugen-Affäre“, die gar keine war)…

    • wuest, hagel, guenther,,wulff….
      werden die irgendwo geklont?

  • Der Wähler hat klar für schwarz-blau votiert und bekommt einen grünen Ministerpräsidenten. Deutschland 2026.

    • Sehe ich leider nicht so, auch wenn ich das gerne hätte. Die Grün-Schwarze Regierung wurde bestätigt. Ziemlich eindeutig sogar.
      In den vergangenen Wochen/Monaten hörte und las ich immer wieder, dass die beiden stärksten Parteien koalieren sollten, weil das der Wählerwille sei. Das wird hier passieren und jetzt ist es auch wieder nicht in Ordnung.

      • Mein Punkt ist der innere Zustand der CDU. Anstelle eines CDU-Ministerpräsidenten und klar konservativer Politik, werden sie Junior-Partner eines linksgrünen Ministerpräsidenten. Hirntot.

        • Meines Erachtens war das gewünscht, deshalb hat man einen Schwachmaten gegen die Grünen ins Rennen geschickt, damit der Wähler diesen Bewerber als MP aktiv verhindert – und Grün wählt.

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  • Hagel ≠ Siegmund

    Jugendlichkeit alleine macht es nicht. Man braucht auch Charisma und muß Kompetenz ausstrahlen (ob man sie hat, ist eine andere Frage). Die CDU hat es nicht besser verdient.

  • Hat Erdogan schon gratuliert?

  • Jetzt wäre es an der CDU bei einer möglichen Koalition mit den Grünen ihre Forderungen deutlich zu machen! Sollten sie das nicht tun, sind sie nur noch überflüssig!

  • Ob das Etikett grün oder schwarz ist völlig egal. Schade ist das die rote Schachtel es knapp geschafft hat.

  • Merz hat die Grünen klein gemacht.

  • In den Miniterien von Baden-Württemberg, sitzen noch sehr viele „Alt-Grüne“ die jetzt bei der Auszählung mitwirken. Ein Schelm der Böses dabei denkt.

    • Als Wahlhelfer kann sich erstmal jeder Sepp melden. Die Bonzen übernehmen nicht das physische Auszählen von Papierbögen bis nachts um 4. Die können eher USB-Sticks mit Daten verlieren, oder Excel-Tabellen mismanagen, oder Baustellen strategisch platzieren etc.

  • Ja, das vorläufige Ergebnis ist enttäuschend. Dennoch beschweren sich die zwei Parteien, die objektiv den höchsten Stimmenzuwachs hatten: CDU und AfD. Es feiern die Verlierer, weil sie nicht so krass wie gedacht verlieren.

    • Die CDU könnte ja mit der AfD koalieren, würde reichen, oder?

      • Könnte sie, aber ihr Spitzenkandidat wäre besser bei B90 aufgehoben.

  • Der Selbstmord Deutschlands geht weiter.

  • Doch, geht- sieht man ja😆

  • Nicht die CDU hat verloren, die Bewohner des Ländle haben alle verloren…

    • Die CDU hat aufgrund der überragenden Bundespolitik
      stark zugelegt ! Wo haben die verloren ?
      Und – macht es einen Unterschied welche der linken
      Einheitsparteien den MP stellen ?

  • Frau Merkel hat die Union an die Grünen gehängt – dort hängt sie jetzt irgendwo noch dran, vermutlich für immer, bis sie durch die AfD endlich abgelöst ist.
    Dass sich jetzt die grüne Führung in Berlin für diesen Wahlsieg eines absoluten Sympathieträgers feiern lässt, ist allerdings ziemlich lächerlich.

  • Den Cem Ö . .seh ich noch nicht als Prä. ..das könnte bald anders aussehen

  • Die Grünen waren die letzten 15 Jahre in der Regierung. Die Wirtschaft haben sie vorsätzlich geschädigt und werden trotzdem noch gewählt!
    ich frage mich, was geht in den Köpfen dieser Menschen vor? Glauben sie das diejenigen welche den Mist angerichtet haben, ihn wieder beseitigen wollen?

  • Eigentlich egal. CDU und Grüne sind linke Parteien. In Baden-Württemberg wohnt das Geld! Die wählen links-grün!
    Verzicht gilt bei den Grünen ja immer nur für die anderen. Die reichen Wähler der Grünen können weiterhin die Umwelt versauen! Die Massen haben kein Geld dafür! 😕

  • Es gibt sehr wohl eine einfache Antwort: Der MSM-Propaganda gemäß haben die Ländsleute halt das grüne Original gewählt. Hilfreich dabei: Der Bildungsverfall schreitet auch dort voran, und den meisten geht’s dort noch zu gut.

  • Ba-Wü: ein Bundesland der Autoindustrie. Wird von den autohassenden Grünen regiert. 🤣

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