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Hausgemachter Wohnungsmangel: Warum immer mehr Privatvermieter aufgeben

60 Prozent der Privatvermieter denken über einen Ausstieg aus dem Wohnmarkt nach. Neben Problemen mit unzuverlässigen Mietern hat das auch politische Ursachen. Deutschland steuert auf einen hausgemachten Wohnungsmangel zu.

Symbolbild (IMAGO/Hanno Bode)

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Ein Rechtsanwalt zahlt drei Jahre lang keine Miete – die Kündigung ficht er an. Daraufhin wird ein Gerichtsverfahren eingeleitet – anberaumte Termine versäumt er mehrfach, der Rechtsstreit dauert Jahre. Das Ergebnis: Der Anwalt ist mittlerweile privatinsolvent, auch seine Ehefrau muss nicht zahlen. Der Vermieter bleibt auf rund 100.000 Euro Anwaltskosten sitzen, zuzüglich der Ausgaben für das Gerichtsverfahren.

Der Vermieter denkt inzwischen über einen Ausstieg aus dem Vermietergeschäft und den Einstieg in ein weniger zermürbendes Investitionsmodell nach. Und das Ganze ist längst kein Einzelfall. Im Gegenteil: Laut einer Umfrage der WirtschaftsWoche denken 60 Prozent der 26.000 befragten Privatvermieter daran, ihre Objekte aufzugeben. Das hat vor allem politische Ursachen.

Der erste nennenswerte Vorstoß deutscher Politik, um das Mieten von Wohnungen zu vereinfachen, liegt über 100 Jahre zurück. 1917 – noch während des Ersten Weltkriegs – setzte die damalige Reichsregierung eine Mieterschutzverordnung in Kraft. Dieser lag neben der Sozialstaatsidee die Hoffnung zugrunde, die Unterstützung des Volkes für den Krieg hochzuhalten. Insbesondere für Familien von Soldaten, deren Besoldung deutlich unter ihrem üblichen Arbeitslohn lag, war es mitunter schwierig, die Wohnkosten zu stemmen. Nachdem so in den Anfangsjahren des Krieges einige speziell für Angehörige von Kriegsbeteiligten erlassene Schutzgesetze beschlossen wurden, folgte 1917 eben jene allgemeine Mieterschutzverordnung.

Die Entwicklung des Mietschutzes zieht sich seitdem durch die deutsche Geschichte. Adolf Hitler und die NSDAP verhängten 1936 im Zuge der Kriegsvorbereitung ein Mietenstoppgesetz, das mit einigen Abwandlungen in der DDR noch bis 1990 galt. In der BRD waren die Anfang der Siebzigerjahre beschlossenen Wohnraumkündigungsschutzgesetze derweil ein Meilenstein auf dem Marsch in den Sozialismus. Das Ziel all dieser Offensiven war der Schutz des Mieters vor übergriffigen „Miethaien“.

Derzeit plant Justizministerin Stefanie Hubig weitreichende Reformen, die Vermietern ihr Geschäft zusätzlich erschweren würden. Enthalten sind ein neuer, deutlich strengerer Preisdeckel für möblierte Wohnungen und eine neue Schonfrist bei Nichtzahlung der Miete, die die jetzt schon häufig lange andauernden Räumungsverfahren weiter bürokratisiert und das Risiko bei Zahlungsverzug stärker auf Seiten der Vermieter verlagert. Des Weiteren werden die Anpassungsmöglichkeiten im Zuge der Indexmiete sowie die Preisgestaltung bei Kurzzeitmietverträgen beschnitten.

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„Ein Misstrauensvotum gegen die Millionen vermietenden Privatpersonen“ nennt das Kai Warnecke, Präsident des Vereins Haus & Grund Deutschland, einer Interessengemeinschaft deutscher Immobilieneigentümer. Kombiniert mit diversen Umweltschutzvorschriften wie dem „Kohlendioxidkostenaufteilungsgesetz“, zudem einer vielerorts gültigen Mietpreisbremse sowie langwierigen und kostspieligen Räumungsverfahren ist es nicht verwunderlich, dass große Teile der Vermieter gerne in ein unproblematischeres Investitionsmodell einsteigen würden. Inzwischen wird das Vermieten für Privatpersonen durch unzählige Regelungen und Gesetze zunehmend unattraktiv.

Problematisch ist das mit Blick auf die Zukunft. Laut Deutschem Mieterbund fehlen bereits jetzt 1,4 Millionen Wohnungen, 400.000 neue müssten demnach jährlich bis 2030 gebaut werden. Wenn nun aber immer mehr Privatvermieter an den Verkauf ihrer Objekte denken und auch große Wohnungsunternehmen wie beispielsweise Vonovia 2024 noch beinahe eine Milliarde Euro Verlust verzeichneten und erst 2025 wieder schwarze Zahlen schrieben, wird die Ziffer des Wohnungsmangels immer weiter steigen.

Ohne Privatvermieter kollabiert der Markt – sie sind Eigentümer von weit mehr als der Hälfte aller Wohnungen in Deutschland. Es braucht dringend Entlastungen für Vermieter und insbesondere mehr Zurückhaltung des Staates, um marktwirtschaftliche Mechanismen auszulösen. Mieterschutz ist in einem gewissen Rahmen essenziell. Er darf aber nicht so weit über das Ziel hinausschießen, dass das Vermieten für Millionen Deutsche zum puren Frustgeschäft verkommt.

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42 Kommentare

  • Jeder der heute noch vermietet hat entweder Nerven aus Stahl oder muss kpl. verrückt sein.

    Klagen sie mal unsere neuen Gäste oder Mietnomaden raus. Bis das Verfahren durch ist steht von der Hütte nichts mehr und sie tragen auch noch die Kosten…

    • Sind ja Extremfälle. Aber selbst ein kaputtes Fenster, vom Mieter selbst verursacht, kann zum juristischen Drsaster werden.

      • Solche Summen wie im Beispiel sind eher selten, aber möglich und nicht unwahrscheinlich.

    • Gar nicht erst reinlassen ist die Lösung!

    • Lösung des Problems:
      Die Wohnung wird zur Hotelsuite.

    • In den USA läuft das vollkommen anderes.
      Abhängig vom Bundesstaat sind nichtzahlende Mieter innerhalb von 4 Wochen raus.

    • Das obige Beispiel mit dem RA ist wirklich abstoßend.

      • Was lernen wir daraus?
        Nicht an Rechtsanwälte vermieten.
        Außerdem nur noch Zeitmietverträge abschließen.

  • Kein Wunder, daß immer mehr private Vermieter an ein Ende der Vermietung denken, wird den privaten Vermieter doch von der Politik das Leben immer schwerer gemacht.
    Ein Großteil legt sogar bei dem „Geschäftsmodell“ drauf.
    Wieso sollten auch weiter Leute in eine schwierige und ineffektive Geldanlage investieren?
    Und sich nebenher noch viel Ärger mit Mietern und Behörden aufhalsen?
    Es hat schon seinen Grund, daß die Baubranche sagt, Investitionen in Mietwohnungen wäre in D wirtschaftlicher Selbstmord.

    • Übrigens berichtet der Verband „Haus und Grund“ als Stimme der Vermieter ähnliches wie die WirtschaftsWoche, gestützt auf eine Befragung von 24.000 privaten Vermietern.

    • Dazu kommt noch, daß in D nur etwa 44% in der eigenen Immobilie wohnen.
      Sollte also die Politik in naher Zukunft, wenn das grüne Energiewendekartenhaus
      am Zusammenbrechen ist, neue Abgaben für Immobilienbesitzer einführen, dann
      sind in Italien und Spanien die dort über 70% Immobilienbesitzer auf der Straße
      beim Protestieren, während bei uns die Häme herrscht, daß jetzt „die Reichen“
      endlich zur Kasse gebeten werden.
      Alternative bei mir seit Jahren: Dividenden ETF’s. Haben eine regelmäßige Aus-
      schüttung, haben z.T. Sicherheitsmerkmale (Große Unmternehmen, gute
      Bilanzqualität). Gute Infos auf Finanzportalen wie Börse online.
      Das Thema kommt immer wieder (Speichere mir dann die Seite ab).
      Baue immer in Kursrückgangphasen Stück für Stück Positionen auf.
      Vorteil: Bei Unternehmen traut sich die Politik nicht mit Abgaben dreist
      zuzulangen, da es dann sofort um Arbeitsplätze geht.
      Und international tätige Unternehmen machen Gewinne, da sie der Strangulation
      durch die EU ausweichen können.

  • …und dazu kommt noch
    – drohen des Lastenausgleich (wahrscheinlich speziell die Privatvermietern betroffen)
    – Heizgesetz (angeblich entschärft, wahrscheinlich verschäft)
    – EU Sanierungszwang (speziell ältere Immobilienbaujahre betroffen)
    – Sozialversicherungsabgabe auf Mieteinkünfte (früher oder später kommt es, weil sie einfach das Geld brauchen)
    …und ich weiss nicht was ich noch vergessen habe…
    Ich hätte nicht erwartet, dass Mieter (speziell Bürgergeldempfänger) einmal so privilegiert sein werden.

    • …noch vergessen…
      – Mietendeckel
      – Enteignungsphantasien (was in Berlin präferiert wird, kommt früher oder später landesweit, auch wenn der Bumd angeblich ein Verhinderungsgesetz erlassen hat)

      • Also qusi dann ein Enteignungsverhinderunggesetz von Privateigentum ??
        Wie geil ist das denn !

        BRDigung ist in vollem Gange

        • Exakt, bezieht sich aber glaube ich auf Konzerne, Privatvermieter sind noch nicht im Focus. ich glaube das gibt es schon oder ist kurz vor der Einführung, ein Gesetz vom Bund das die Linken in Berlin nicht enteignen können (zieh dir das rein, unfassar). Mal googeln, war auch hier bei AN schon Thema.

          0
  • Hausgemacht? Nö, eben kein Haus gemacht.

    • Der ist gut!

  • Guter Artikel, der allerdings nicht deutl. genug sagt, dass man zwischen kleinen Vermietern mit wenigen Wohnungen (die oft auch im selben Haus leben wie ihre Mieter und deswegen meist ein Interesse an einem guten Zustand und geringen Energiekosten haben etc.) und insb. auch Immobilien-Gesellschaften bei den Regelungen unterscheiden muss. Weil bei den Diskussionen über die Regelungen wird meist so getan, als gäbe es nur Immobilien-Gesellschaften.

    • Laut Verband „Haus und Grund“ sind 43% sind private Vermieter und 20,5% WEG-Wohnungen.
      Der Rest verteilt sich auf verschiedene Unternehmensformen.
      Die Hauptlast schultern als die Privaten!

  • Gibts eigentlich noch irgendwas, was hier noch den Bach runtergehen kann oder haben wir inzwischen schon alles durch?

    • Die Nahrungsmittelversorgung funktioniert noch. Aber mit dem Verbot von Rattengift und der „angebotsorientierten Stromversorgung“ wird die Regierung sicher auch das bald beheben.

  • Bin ich froh, dass ich meine Eigentumswohnungen schon vor 15 Jahren abgestoßen habe. Damals war die Welt fast noch in Ordnung. Wir laufen immer mehr auf ein sozialistisches System zu. Was das für Wohnungen bedeutet, konnte man nach der Wende eindrücklich im Osten sehen. Ebenfalls die Mentalität der Mieter in den Häusern, die wir nach der Wende im Osten gebaut haben. Der Vermieter ist ja reich und muss alles bezahlen. Wir kommen genau da wieder hin und das wird nicht gut enden.

  • Ich war 8 Jahre lang in der Kölner Immobilienwirtschaft tätig.

    2016 bin ich ausgestiegen. Schon damals zeigte sich eine Entwicklung, die Eigentümer mehr und mehr benachteiligte; die Schließung unseres Büros hängt mit den Folgen der damaliger Gesetzesänderungen zusammen. Viele Eigentümer nahmen unsere Dienst vor allem deswegen in Anspruch, weil sie rechtliche Konfrontationen befürchteten, wenn sie ihre Vorstellungen offen aussprachen.
    Ich habe volles Verständnis für jeden Eigentümer, der das Spiel heute nicht mehr mitmachen will.

  • Die Privaten geben auf und der Staat kauft auf und nimmt es in die Hand. Endzustand: DDR Plattenbau.

    • Der Staat?
      Oder Heuschrecken, von Habeck beraten?

  • Die Mieter sind nicht das echte Problem. Es sind ein Teil der Mieter und deren Rechtsschutzversicherungen. Es gibt Gerichtsurteile die klar eine irrsinnige Enteigung bestätigen …

  • Weil der Staat von den Mieteinkünften bis zu 42% Steuern kassiert ist ein Vermieten für „Private Hausbesitzer mit vermieteter Einliegerwohnung“ der reinste Wahnsinn. Zudem werden vom Staat „Mindestmieten“ vorgeschrieben. Wer billiger vermietet kann keinen einzigen Cent für Instanthaltung, Modernisierung usw. steuermindernd gelten machen. Mietpreisdeckel ? aber Mindestmieten „vorschreiben“ um ordentlich Steuern ab zu zocken !

  • Bei den Vorschriften-, Handwerker- und Kostenchaos kann man nur die Hütte sich leeren lassen und versuchen zu verkaufen. Sinnlos so ein Ding als Alterssicherung oder Geldanlage – Upps, ja Geldanlage für den Staat, welcher kassiert und künstliches Wachstum durch Auflagen schafft.

  • Den Sozialismus in seinem Lauf halten weder Ochs noch Esel auf.
    .
    Wer hat es gesagt?
    .
    (1) Johannes Heesters, Schauspiel-Legende
    (2) Sargis Karapetyan, armenischer Politiker
    (3) Donald Trump, Hotelier und Golfclub-Besitzer
    (4) Melania Trump, 24 Jahre jüngere Ehefrau von Donald Trump
    (5) Al Gore, Friedensnobelpreisträger. Wurde beinahe US-Präsident
    (6) Friedrich Merz, CDU, bestreitet vehement, ein Neoliberaler zu sein
    (7) Reinhold Messner, gerngesehener Gast beim Yeti
    (8) Diane Messner, 36 Jahre jüngere Ehefrau von Reinhold Messner
    (9) Wladimir Putin, lebte zu DDR-Zeiten als KGB-Agent in Dresden
    (10) Francois Mitterand, der französische Sozialist führte ein Doppelleben
    (11) Erich Honnecker, geborener Wessi der alles schon vorhersagen konnte
    (12) Beatrice Herbold, 28 Jahre jüngere Geliebte von Helmut Kohl
    (13) Franz Müntefering, Ex-SPD-Chef
    (14) Papst Alexander VI., vergnügte sich in seiner Freizeit gerne mit Blondienen

  • Die Mieter werden immer frecher, auch Dank der Politik. Ich könnte vermieten, aber mit dieser Regierung niemals.

  • Hauptsache unsere exotischen Goldstücke haben weiterhin kostenlos Obdach und eine AllInklusive Versorgung. Der Deutsche Dödel soll sich ein Zelt kaufen.

    Zynismus aus.

    • Was genau soll da der Zynismus sein?!

      • Manchen Usern hier muss man das sagen, die denken sonst ich sei Links. Alles schon erlebt.

    • Aktuell hat das 5er Kartell 65% der Stimmen….

      • Hier wird es genauso laufen wie nach der letzten Wahl in Spanien.
        Meiner Meinung nach macht Wählen inzwischen noch genau NULL Sinn.
        Der einzige Weg ist der, der Ossis 1989

  • Nix wie die vermietete Immobilie verkaufen.
    Solange man das überhaupt noch darf !!!

    • Stimmt, Angebote kommen gerade rein:-)

  • Zum glück habe eine solvente zuverlässige Mieterin, aber nach aktuellem Stand würde ich die Wohnung nicht mehr kaufen und die Kohle einfach in eine ETF legen.
    Bringt mehr ohne Bauchweh.

  • Liebe SPD !

    Wenn etwa 60 % der Besitzer von etwa 16 Millionen Mietwohnungen hinschmeissen wollen, was passiert dann mit dem von Euch über Jahre hinweg konsequent zugrunde reguliertem Wohnungsmarkt ???

    • Ganz einfach: KWV

  • Vermieten ist schwieriger geworden, klar, es gibt aber auch nette ehrliche Mieter. Man muss eben auswählen. Nur: da kommt ein Abmahnverein: der oder der Bewerber wurde rassistisch benachteilgt, als ob es eine Verpflichtung gäbe an Sozialhilfeempfänger zu vermieten. Dann kommt der Energieausweis, der ist dann wieder veraltet, braucht man einen neuen. Nun diese komische Co 2 geschichte. Immer mehr Bürokratie. Das ist aber kein Sozialismus, sondern ABM für Geschwätzwissenschaftler. Die CDU hat nicht genug Arsch in der Hose, diesen links grün woken Dummschwätzern entgegenzutreten. Hoffen wir die AFD traut sich da mehr.

  • Der Wohnungsmangel besteht schon seit 2015; niemand hätte ahnen können das Flüchtige auch Wohnraum beanspruchen werden. Nun sind se halt doooooooo.

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