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Goldpreis und Anleihenzinsen steigen Hand in Hand – Symptom der nächsten Schuldenkrise?

Nach seiner Konsolidierung zieht der Goldpreis wieder an. Auffällig dabei: Auch die Anleihezinsen steigen parallel, was in der Vergangenheit eher negativ auf den Goldpreis einwirkte. Gewinnt die nächste Staatsschuldenkrise Konturen?

Gold stieg zuletzt wieder im Wert (Symbolbild) (IMAGO/NurPhoto)

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Wenn Investoren in den sicheren Hafen der Edelmetalle flüchten, ist Vorsicht erste Bürgerpflicht. Gold gilt vor allem in den progressiven Kreisen der Wall Street als bronzezeitliches Relikt – ein nutzloses, schimmerndes Gestein. Weshalb also die panikartige Flucht vor allem großer Zentralbanken wie der chinesischen, der russischen, aber offenkundig auch der amerikanischen in dieses Geld unserer Vorfahren?

Es ist bezeichnend, dass sich vor allem die Zentralbanken gegen das von ihnen emittierte Produkt, das Fiat-Geld, durch Goldkäufe zu schützen versuchen. Im vergangenen Jahr stieg Gold von rund 2.625 auf über 4.300 US-Dollar je Feinunze. Ein Plus von etwa 65 Prozent. Seither konsolidiert das Edelmetall, um zuletzt seine Rally wieder aufzunehmen.

Der simultane Anstieg des Edelmetalls sowie des Ölpreises ist mithin kein Zufall, sondern ein makroökonomisches Signal. Der Ölpreis bildet gewissermaßen den Kostenboden der industriellen Produktion, Edelmetalle den Misstrauensindex gegenüber der Stabilität der Staatsfinanzen und der Fähigkeit der Zentralbanken, die Inflation wirksam kontrollieren zu können.

Steigen beide Werte gemeinsam, beginnen die Märkte, langfristige Kaufkraftverluste einzupreisen. Nehmen wir dann noch die gegenwärtige Zinsdynamik steigender Staatsanleihenzinsen hinzu, wird klar: Investoren haben das Vertrauen verloren, dass die gigantischen Schuldenberge der Staaten noch ohne geldpolitische Interventionen und massive Ausweitung der Kreditmengen unter Kontrolle gehalten werden können.

Zu normalen Zeiten gilt eine simple Logik: Fallen Staatsanleihenzinsen, dann wird Gold relativ attraktiver, weil der Verzicht auf Verzinsung weniger Opportunitätskosten erzeugt. Steigen hingegen die Renditen, müsste der Goldpreis nachgeben, da Anleger den vermeintlich sicheren Hafen langlaufender Staatsanleihen mit höherer Verzinsung vorziehen.

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Wir sind definitiv in ein neues Regime an den Märkten eingetreten. Steigen die Zinsen und der Goldpreis simultan, und kommen noch steigende Energiepreise hinzu, dann signalisiert der Markt wachsende Risiken bei den Staatsanleihen. Auch die Inflation dürfte weiter spürbar anziehen, und die Zentralbanken werden versuchen, über eine Geldmengenausweitung die Staatsschuldenberge liquide zu halten.

Wir kennen es aus der deutschen Fiskalpolitik. Weder in Berlin noch in Paris oder in Washington ist die Politik willens, die tickende Zeitbombe der hohen Staatsdefizite zu entschärfen. Staatsschulden wachsen inzwischen mit einer Jahresrate von fünf bis sechs Prozent, sowohl diesseits als auch jenseits des Atlantiks.

Dort, in Washington, weiß man sich im Besitz der Weltreservewährung und versucht, über Interventionen wie zuletzt am japanischen Markt die Zinslast unter Kontrolle zu halten, indem die Partnerstaaten vom Verkauf ihrer Dollaranleihen abgehalten werden. Strukturelle Probleme werden mithin nicht gelöst, sondern mit der Kreditpumpe in die Zukunft verschoben.

Es war ein strategischer Fehler der US-Regierung, das Dollarsystem zu einer geldpolitischen Waffe umzubauen. Mit den anhaltenden Sanktionspaketen, dem Einfrieren ausländischer Portfoliobestände und dem Ausschluss aus dem SWIFT-System ist eine Vertrauenskrise gegenüber dem amerikanischen System entstanden, die zum Aufstieg der BRICS-Staatengruppe beigetragen hat.

Die BRICS-Plus-Staatengruppe um China und Russland arbeitet an der Einführung eines eigenen Geld- und Kreditsystems. Die chinesische Währung Renminbi soll als Ankerwährung dienen. Das wirft allerdings ein Problem auf: Niemand vertraut Peking, niemand wagt es, größere Reservebestände in der chinesischen Währung zu horten – angesichts der machtpolitischen Willkür der Kommunistischen Partei, die ihre geopolitischen Ziele mit eiserner Faust durchzusetzen pflegt und wohl keine Sekunde vor Enteignungen oder ähnlichen Sanktionen zurückschrecken würde.

Genau an dieser Stelle kommt das Gold ins Spiel. Das Edelmetall besitzt keinen Emittenten, keine Gegenpartei, es ist niemandes Verbindlichkeit. Es hat sich als weltweit akzeptierter, historisch erprobter und unkorruptierbarer Wertspeicher erwiesen, der sich dem Zugriff einzelner Staaten und ihrer politischen Akteure entzieht.

Deshalb baut China seit Jahren eine Finanzinfrastruktur mit Gold im Zentrum auf: die Shanghai Gold Exchange, goldgedeckte Kredit- und Clearingstrukturen sowie bilaterale Abkommen im Rahmen der Belt-and-Road-Initiative, die zunehmend auf lokale Währungen und reale Assets setzen.

Während im Westen die Diskussion um eine heraufziehende Staatsanleihen- oder Staatsschuldenkrise Form annimmt, nutzen chinesische Investoren die Rücksetzer beim Goldpreis zum Nachkauf – fast hat es den Anschein, als bereite sich eine ganze Nation auf den großen geldpolitischen Paradigmenwechsel vor. Auch die südkoreanische Zentralbank erschien in der vergangenen Woche nach langer Zeit erstmals wieder als Goldkäufer, sowohl beim physischen Gold als auch am Markt der Gold-ETFs.

Das ist keine Zockerei, sondern eine strategische Antwort auf die wahrgenommene Instabilität eines Schuldgeldsystems, das nur noch durch immer höhere Schulden und niedrigere Realzinsen zusammengehalten wird.

Wer diese Entwicklung ernst nimmt, erkennt: Die Welt läuft nicht auf ein Ende des Geldes, sondern auf ein Ende des Vertrauens in reine Schuldenwährungen zu. Die Kombination aus explodierenden Haushaltsdefiziten, Inflation und wachsenden Halden minderwertiger Staatsanleihen in den Bankbilanzen zwingt institutionelle und private Akteure zur Suche nach einem Plan B.

Gold ist dabei nicht romantische Nostalgie, sondern die nüchterne, mathematisch-logische Konsequenz eines Systems, dessen Bilanz auf Schulden, Zukunftsversprechen und Illusionen beruht. Wer heute die parallelen Entwicklungen von Öl, Edelmetallen und Staatsanleihenrenditen verfolgt, erlebt in Echtzeit, wie sich eine tektonische Verschiebung zwischen dem Staatssektor und den Zentralbanken auf der einen Seite und dem Wunsch des privaten Kapitals nach seriöser Haushaltsführung auf der anderen Seite in den Preisen niederschlägt.

Nähern wir uns einem geldpolitischen Endspiel? Klar ist: Wächst der Druck auf die Staatsanleihen, werden die Haushaltsdefizite sowohl in den USA als auch in der Eurozone, möglicherweise sogar in China, unbezahlbar. Das wird die Zentralbanken zur Intervention zwingen und in der Folge die Inflationsraten antreiben.

Es ist durchaus möglich, dass am Höhepunkt einer Finanzkrise die erste Emission einer goldgedeckten oder teilweise goldgedeckten Staatsanleihe erfolgt.

Die Politik wird versuchen, das Fiat-Kreditgeldsystem bis zum letzten Moment auszureizen, da es den simpelsten Vermögenstransfer vom privaten Sektor zum Staatsapparat erlaubt. Zerbricht die Illusion von der Stabilität dieses Mechanismus, wird ein Systemwechsel unvermeidlich sein.

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6 Kommentare

  • Wenn Währungen/Zahlungsmittel der Länder so sicher wären, würden seit Jahren Banken/Zentralbanken dies „bedruckte Papier“ in den Tresoren bunkern.

    Jedoch die Realität zeigt eben, dass genau jene Banken tonnenweise Gold horten und zukaufen.

    https://www.dasinvestment.com/gold-zentralbanken-laender-zukaeufe/

  • Mal wieder ein sehr guter Artikel von Herrn Kolbe. Wobei ich es etwas früh finde von einer Wiederaufnahme der Rally zu sprechen. Der 50Tagesschnitt wurde zwar überwunden was Hoffnung macht aber der Preis ist noch unter dem 200Tagesschnitt und scheint aktuell am 100er zu scheitern. Somit könnte es auch zunächst eine technische Gegenbewegung aus dem stark überverkauften Bereich sein.

    Wie goldgedeckte Anleihen aussehen könnten verstehe ich allerdings nicht. Vielleicht kann mir das jemand erklären?
    Bei goldgedeckten Token tut sich allerdings was
    https://stock3.com/news/kampf-um-das-digitale-gold-wie-londons-finanzplatz-seine-globale-vorherrschaft-verteidigt-17233252

    • Ach so wahrscheinlich Gold als Sicherheit für Anleihen weil man den Staaten nicht mehr traut. Aber es gibt doch sowieso schon mehr gedeckte ETC als tatsächliche Goldbestände. Wieviel Papiergold kann man denn aus echtem Gold machen ohne auch da noch das Vertrauen zu zerstören?

  • 2011 massiv eingestiegen, immer wieder zugekauft und nie etwas veräußert.
    Der Rest an Bargeld wird verkonsumiert, fertig. Ich traue diesen falschen Seelen nicht.

    • Eine sehr gute Entscheidung. Jeder sollte sein Vermögen, auch wenn es klein ist, so absichern.

  • Hoffentlich nimmt die Eskalation noch massiv zu. Bis sie für alle Beteiligten unvorstellbar wird. Denn Verhalten wird überwiegend von Gefühlen gesteuert und nicht vom Verstand.

    Wie bei jeder Sucht reicht das Benennen der Folgen nicht aus, um eine Sucht zu beenden. Dazu ist Übung notwendig, damit sich implizites Wissen entwickelt. Eine Eskalation hilft dabei.

    Die aktuelle Epoche Aufklärung kann Eskalationen nicht ersetzen, denn der Verstand führt nicht zur Vernunft – Myside Bias.

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