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Die Impf-Treibjagd auf Kimmich: Wer möchte sich eigentlich mal entschuldigen?

2021 wurde Joshua Kimmich wegen seiner Impfskepsis von den Medien zum Staatsfeind erklärt. Jetzt zeigt eine ZDF-Doku das psychologische Ausmaß der Anfeindungen – und auf einmal können sich die Redaktionen an nichts mehr erinnern. Entschuldigt hat sich bei Kimmich niemand.

Joshua Kimmich musste während der Pandemie viel über sich ergehen lassen. Der Fußballer wurde medial angefeindet und ins Visier der Impf-Inquisition genommen.

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Er gilt als Kämpfer, als ehrgeiziger und vorbildlicher Sportsmann – und trotzdem wurde ein einziger vermeintlicher Fehltritt von Joshua Kimmich derartig dramatisiert, dass sich der 29-Jährige letztlich zu einer unwiderruflichen Entscheidung drängen ließ. Nachdem Kimmichs Impf-Skepsis im Oktober 2021 mit allen medialen Möglichkeiten in die Welt hinaus posaunt wurde, musste sich der Nationalspieler vom FC Bayern München zigfach erklären, rechtfertigen – und auch anfeinden lassen. Schließlich ließ er sich doch gegen Covid-19 impfen.

Der Großteil der deutschen Medien zerfleischte Kimmich damals schamlos, erhöhte den medialen und dadurch auch den gesellschaftlichen Druck auf den Fußballer. „Nicht nur Privatsache“ titelte die Zeit, „Wenn der Impfstatus zur Gefahr für den sportlichen Erfolg wird“ schrieb der Spiegel und bei Sky musste sich Kimmich tatsächlich anhören, er würde sich unsolidarisch verhalten.

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Zweieinhalb Jahre später berichten dieselben Medien auf einmal neutraler, greifen die neue ZDF-Dokumentation „Anführer und Antreiber“ auf, die tiefe Einblicke in Kimmichs Gedankenwelt offenbart (Apollo News berichtete). Jetzt schildert der Spiegel die gravierenden psychischen Belastungen, die Kimmich nach wie vor einholen, die Zeit übernimmt ganz unverfroren eine dpa-Meldung über die Dokumentation.

Dass sie alle als Sprachrohr einer Kampagne gegen Kimmich fungierten, haben diese Redaktionen längst vergessen. Andernfalls müssten sie heute Haltung zeigen, Entschuldigungen wären fällig – die Impf-Inquisition würde ihr Gesicht verlieren.

Sie alle hatten einen Vorzeigesportler erster Klasse während der Pandemie wegen seiner kritischen Haltung zum Staatsfeind Nummer eins erklärt. Sein Konterfeit schmückte Tagesschau, heute-Journal und Co. Wie sehr Kimmich schon im Herbst 2021 unter diesen massiven, man kann es nicht anders sagen, Anfeindungen litt, zeigte sich schon im Sky-Interview am 25. Oktober desselben Jahres.

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Auf die Frage, ob er denn tatsächlich noch ungeimpft sei, antwortete Kimmich mit für den Nationalspieler untypisch leiser und zurückhaltender Stimme: „Ja, das stimmt.“ Wie ein gescholtener Schuljunge stand er da, musste seine legitime Einstellung zu den neuen Impfstoffen rechtfertigen. Es gebe noch keine repräsentativen Langzeitstudien, betonte Kimmich immer wieder.

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Obwohl er damit recht hatte, wurde ihm neben fehlender Solidarität auch mangelndes Verantwortungsbewusstsein attestiert. Eigentlich sei er für seine Vorbildfunktion bekannt, erklärte die Autorin Carolin Emcke, die in ihren Werken auch über Hass philosophiert, im Sportstudio Ende 2021, aber „das verweigert er hier nach gerade“. Dabei zeugt die eigenständige Denkweise des Fußballers doch von großem Verantwortungsbewusstsein: Er folgte nicht einfach der Masse, der Mehrheit, sondern formte eine eigene Haltung.

Die Entsagung der Uniformität musste Kimmich teuer bezahlen: „Es war für mich nahezu unmöglich, ohne Impfung weiter Fußball zu spielen“, sagt der 29-Jährige in der neuen ZDF-Dokumentation – „Eine brutale Zeit“ sei das gewesen. Vom FC Bayern erhielt er während seiner Zeit, die er als Kontaktperson in Quarantäne verbringen musste, kein Gehalt – das Vertrauen war zerstört, er habe sich „zu lange alleingelassen gefühlt“. Und „dementsprechend bin ich da schon enttäuscht und schon getroffen“, sagte Kimmich dem ZDF bereits im März 2022.

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Kimmich verdient im Jahr mehrere Millionen, da kommt es auf ein paar Wochen nicht an, doch darum geht es nicht. Die Symbolkraft hinter dieser faktischen Suspendierung ist viel einschneidender: Kimmichs Privatleben wurde politisiert, der sportliche Erfolg des FC Bayern plötzlich von einem einzelnen Spieler abhängig gemacht, der die Mannschaft nun im Stich lassen würde, weil er ja ein Impfgegner sei, so der Tenor.

„Sportliche Schwächung ohne jede Not“ nannte der Spiegel das im November 2021 und prognostizierte, Kimmich könnte wegen seiner Haltung noch monatelang fehlen und den Erfolg des FC Bayern somit gefährden. Noch abstruser kam die Frankfurter Allgemeine Zeitung daher: Der Fußball habe Glück, denn dank politischer Entscheidungen konnte der Spielbetrieb während der Pandemie noch vor anderen Sportarten wieder durchgeführt werden. „Daraus ergibt sich auch eine Verpflichtung“, kommentierte die FAZ noch am Tag, an dem Kimmichs Impf-Skepsis publik wurde.

„Man muss sich nicht wundern, wenn viele Menschen, die sich aus solidarischen Gründen impfen ließen, in Kimmich nun einen verwöhnten Fußballprofi sehen, der sich für etwas Besseres hält. Der glaubt, es besser zu wissen – gegen die Mehrheit der Fachwelt“, meinte die Zeitung. Heute wissen wir: Kimmichs Bedenken waren zumindest einmal angebracht, vielleicht sogar goldrichtig.

Entschuldigt haben sich FAZ und Co. dennoch nicht und schwimmen lieber weiter mit im Einheitsbrei der Heile-Welt-Medien, die immer noch nicht einsehen wollen, dass den größten Schaden der Corona-Pandemie die Maßnahmen zu ihrer Bekämpfung ausgelöst haben. In Wahrheit sind diese Redaktionen die Besserwisser, die meinten, die Entscheidung eines Individuums nicht zu akzeptieren, sei mit einem angeblich wissenschaftlichen Konsens zu rechtfertigen.

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